Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XV (1910)
- Issue
- Heft 32 (12.8.1910)
- Date
- 1910-08-12
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 378. JUEDISCHE RUNDSCHAU No. 32. geraubte Kirnt EUgar Mortara zurllckfordcrtc. Auch in andern Länder», wo die Juden nach dem Rechte der Darbarci bcliattüclt wurden und noch werden, in Rumänien und Marokko, bemühte sich Montciiore bei Pürsten und Landesherren, das Los seiner Brüder zu erleichtern. Alle diese Mühen ertrug er gern und willig um seines Stammes willen, dem er mit der glühendsten Liehe anhing. Aus seiner innigen Liebe zu seiner Nation entsprang die gleiche Anhänglichkeit au das Land, in dem die glorreiche Geschichte der Hcbriicr sich abgespielt und dem sie in allem Ulend und aller Not, in der grausamsten Unterdrückung und den blutigsten Verfolgungen ungemiiidert treu geblieben waten. Im Jahre 1827 konnte •er zum erstenmal der Sehnsucht folgen, die ihn und seine Gemahlin nach dem Lande Israel als Gast führte. Hie mit den» Khedivo Muhammcd ,Ali hierbei geschlossene nähere Hekanutschuft diente ihm bei seiner zweiten Reise im Jahre I8,ks bereits dazu, von diesem eine offentlich-reeht-. liehe Konzession für die Gründung einiger Hundert jüdischer Lamlsicdlungcn im alten Stammlandc Israels zu erreichen. Nicht die Schuld Montcfinrcs war cs. dall auf dieser Grundlage nicht weiter gearbeitet wurde. Die blutigen Ereignisse im Orient liehen damals keine solche friedliche Entwicklung für das schwächste der schwachen Volker zu. Als er bald darauf zum dritten Male nach dem Orient eilte, um für die namaskener Juden einzutretcu, gegen die man eine Verfolgung auf Grund der Blutlüge inszeniert haue führte er mit Crvtnicux zu-! sammelt diese Sache zum erwünschten Ziele, vergalt aber nicht, auch für sein Lebensziel tätig zu sein, I das ausschlicltlich der Wiedererweckung seines Volkes im ulten lieimatlande galt. Auch diesmal wieder versuchte er für den Ackerbau und die l'.rwerbstätigkeit der palästinischen Juden zu werben und zu wirken. Wie er für die russischen Juden die eigentliche Hilfe allein in der planmäitigen Aus• Wanderung nach Palästina erblickte, so salt er für die orientalischen Juden das Heil in ihrer Ucbcrführnng zum ländlichen und Handwerksbernf in den Dörfern des heiligen Landes. Der erste jüdische Wassergarten (Buiua) im Lande Israel verdankt ihm ebenso seine Entstehung, wie er die erste hebräische Druckerei in Jerusalem begründete. 1 Siebenmal suchte er das Land Israel auf, mul jedesmal wirkte er für das Wohl des Stummes, dem er angehortc, und für die Vorbereitung seiner Wieder- Herstellung im eigenen Lande. Als die Königin von England ihn zum Itarouct ernannte mul ihm gestattete, ein Wappen zu fuhren, setzte er in dieses die Zeder vom Libanon und das Wort £רוע5ל\ Nicht aus allgemeiner Menschenliebe, die Montefiore keineswegs fremd war, sondern aus jüdischem bewullteii Nationalismus heraus widmete er der jüdisehen palästinanrbcit sein Leben, mit dem festen Ziele, dall diese kleinen Anfänge einst zu dem Puiidamente einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heim- Stätte für das jüdische Volk als kleine Hausteine gehören sollten. Es ist ja kein Zufall, daß die beiden ersten grollen bewuliten Nationaljuden der Neuzeit aus den Nachkommen jener selbstbewiillten span!• sehen Juden liervorgmgen. die zugleich mit dem reichen jüdischen Wissen ihr reiches jüdisches Gewissen mitnalnncn, als sic den spanischen Landen für immer den Rücken keilten!nullten, Mordeehai l.w ' . ... » 1■ ■■■.. ■ .. — Die Widerspenstige (Nacütlruck vertraten) Erzählung von A. W c I d c n b c r g. (Selilnfl statt Fortsetzung,) Ich brachte meine Chassitlim zu ihrem liebben und denke, nun kannst du nach I lause fallreit. Was sali ich noch da? Etwa mit den Cliassidiiti Lützen und midi um einen Löffd l.rbsensuppe schlafen? 111 der Tat, wie kirnte ich dazu? Ich überlebe nicht lange, dreh* meinen Wagen und mache kurzen Prozeß. ״Nicht schlecht, mein Pferdchen,“ denk ich mir, ״du kriegst neuen Hafer: wir halten vor Deborahs Tür. .“ Und so blieb’s. Den ganzen Weg nicht gefüttert. Es war schon spät bei Nacht, als ich wieder hier war. Ich spanne meinen Gaul aus, drehe ihn zwischen den Deichselstangen um, daß er mit dem Kopf zum Wagen steht und! schiebe ihn den Sack Hafer vor.! Die Lüden waren schon zugemacht. Aber; drinnen war noch Licht. Und durch die ausgesclmittenen Halbmöndchen, sehe ich, wie Deborah allein im Zimmer herumhantiert. Ich wäre gern hineingegangen. Ein Glas Tee hatte mir gut getan. Besonders bei Nacht. Verstehen Sic mich; «un ganzen Tag hatte ich einen Löffel wannen Wassers im Maul gehabt. Und ich weiß doch: Manuel Noali. der in Amerika auf breiter rechtlicher Griiiullagc einen Judcnstaat •gründen wollte und die Juden aller Länder zur Mitarbeit aufrief, und Moses Montefiorc, der im heiligen Lande die ersten zarten Keime für ein neues jüdisches Werden bcwufU legte, waren nicht allein begeisterte Nationaljuden, sic waren vielmehr hierin ganz die Erben jenes jüdischen Selbstbewiilitseius, das die hochkultivierten sepltardisehen Juden während des ganzen Mittelalters als adlig erscheinen Heil. Sic selbst bewiesen Ihren Adel, Indem sie dieses von den Vätern überkommene NationalbcwulHsein erwarben, um für ihr Volk einen ewigen Besitz daraus erwachsen zu lassen. Die erste zionistische Weltorganisation, die noch klein war, aber bereits den üruttd zur jetzigen grollen, die Juden der Welt umspannenden Partei in sieh sehloli, führte mit Recht den Namen Montciioreverband. Und als die Vereine der Zionsfreunde in Kattowitz zu jener denkwürdigen Konferenz zusainmentraieii. die die Selbstcmanzipatkm des jüdisehen Volkes durch Kolonisation Palästinas erarbeiten wollte, da war der hundertjährige Greis glücklich, dall Männer und Organisationen seine Lebensarbeit aiifnehmen und fortfülircn sollten. Als wichtigsten Einzeibesclihill faßte daher die Katt״- witzer Konferenz die Resolution, daß ein Institut gegründet werde, das den Namen führt: rU’2 n2״V3 zur Förderung des Ackerbaues unter den Juden und zur Unterstützung der jüdischen Kolonisten im Lande Israel. Der hundei tiäluige Greis sah seine Mali* innigen von Erfolg gekrönt, die er als Neunzigjähriger von der Rückkehr von seiner siebenten Palästina reise aus eindringlich wiederholt hatte, Land zu erwerben für die Juden in Jerusalem, Hebron, Safed und Tiberias, deren Tausende gewillt sein würden, sich mit freudiger Bereitschaft dem Ackerbau zu widmen auf dem Boden der Väter, in dem Laude der jüdischen Zukunft. Moses Montefiorc war nicht bloß einer von uns. Er war viel mehr. Denn er war einer unserer Allerersten, einer unserer Vorläufer, einer der grollen Bahnbrecher des Zionismus. Er sah in der planmäßigen Arbeit des Volkes Israel im Lande Israel, ebenso wie in der Erhaltung und dem Ausbau der hebräischen Knitnr, die feste Grundlage für das Erwachen des Volkes, für das Erwachen seiner Freiheit mul Selbständigkeit. Mit unbeugsamer Energie hielt er an diesem bcglückenden Glauben fest, bis der Tod den mehr als hundertjährigen Greis dem Volke entriß, das er mit der ganzen Glut seiner Seele innig geliebt hatte. Au uns ist es, seit» Andenken zu ehren. Nicht durch ein Denkmal von Erz oder Stein, nicht durch Marmorlafchi oder Inschriften, sondern durch die Eorihlliruitg des Werkes, das ihm als das höchste Lebensziel seiner selbst und seines Volkes erschienen war. Ein Volk ehrt sich ja selbst, wenn cs seine großen Toten ehrt, aber auch nur, wenn cs sie in ihrem eigenen Sinne und (leiste ehrt. So gibt cs denn keine Ehniug für Moses Montefiorc, die nicht aufs innigste und unzerstörbar mit dem Lande Israel, als der neuen Heimat für das israelitische Volk, verknüpft 1>1. Alter jeder Haustein, den wir in seinem Namen und in seinem Geiste für den Neubau unseres Volkes auf dem allen Bauplatz Zusammentragen und planmäßig mifrichien, ist ein Stück Denkmal für den großen Toten, den wir ehren wollen. Wenn wir so ein Blick und sic kocht mir in der Kupferkassc* 1 rolle Tee. Trotzalledcm halte ich mich zurück, j werfe mich auf meinen Wagen ins Stroh. Und j liege. Schlafen habe ich nicht können, Italic meine Augen zu und höre, wie das Pferd mir zu Köpfend kaut. Da fühle ich, wie sich eine dichte Finsternis, ein Schallen über mein Gesicht legt. Ich mache die Attgett auf. Debornh ist's. Sie steht am Wagen, den Kopf in ein Tuch gewickelt und blickt mich an. Sic zittert wie ich die Augen öffne und fragt verwirrt: ,״Schläfst schon, Jos* | sei?“ Ich hebe meinen Kopf aus dem Stroh — so als Antwort, und sic sagt weiter: ״Man kann dich ja wegstchlen." LJnd ihr bleiches Gesicht lächelt dabei. ״So leicht nicht,“ sage ich, ״bin ein zu schweres Päckchen.“ ״Dich schläfert aber doch?“ fragt sie still. ״Nein!“ ״Dann komm doch herunter!“ bittet sie. Wie hat mich ihr blasses Gesicht und dieses flehende Wort gepackt I Ich stieg vom Wagen, ihr zuliebe. WH• tuen einer gegen den anderen u sagten kein Wort. Ich fühlte, wie die Stille mi packte. Kein Olied wagte ich zu rühren. 1 sein Werk fortsetzen, ist er uns nicht tot, sondern lebt in uns, mit uns, für uns. So wollen wir bei der 25. Wiederkehr seines Todestages eine große Landspende widmen, die den Namen סיב*ת מיטה führen soll, und die jüdische Arbciterhcimslüttcn im Lande Israel errichten u1r(j, Und jedes Hans, das wir in seinem Sinne ß.nun, und jede indische Arbeiterfamilie, die wir hier \!!ן,. ständig machen, wird ein würdiges Denkmal für ,1t״ grollen Mann sein, den wir in seiner eigenen Weise an der Ställe seiner Sehnsucht, durch den Gegenstand seiner Liebe ehren. Ein solches lebend,ge* Denkmal ist für die Ewigkeit und hat vor allem j1c Eigenschaft, sich selbst zu ehren. הגו לו ספרי ידיו Wir ehren Moses Montei.׳.rC, indem wir ihm von der Frucht seiner Hände ge! en. Heinrich Loc w e. Der Jude in seinem Lande Von Dr. Ernst Müller, Wien') Nicht danach soll liier gefragt werden, wie, :! der Jude sehoii bclähigt ist, sozial, ökonomisch ,! zivilisatorisch Palästina noch einmal zu seinem L;. zu machen, ob die Menschen in Imveiehcnder /., .1 und mit genügender Massenenergic dieses Ziel;!-• streben, ob die Wcgzielc schon gesteckt oder e Wege schon gänzlich gefunden sind. Unser |. soll gleichsam auf die andere Seite derselben ,'•־ . daille gerichtet sein: Wie verhält sich der J e selbst zu seinem Lande, das beißt, nicht nur seiner Kraft, sondern mit seinem Wesen? Es nützlich, sich auch einmal solche Fragen zu stell ״. wenn sie auch nicht im Augenblick volle Beantu tung erlangen können. Die merkwürdige Bedeutung, welche die 0a:• lichkeiten Palästinas in dem Gedankenkreise .:.ז Judentums immer gehallt haben, dergestalt, daß >;,s religiöse und national-territoriale Moment liier in einet oft unluslieben Weise verschmolzen, — hielt «lern!ו• sam eine Art idealer Wertung Palästinas w■ 1 eines grö let» Teils der Exilszcit int lliiilcrgrutide 4* s indischen Volksbewußtscins aufrecht. Und als 0.״ religiöse Tradition in einem großen Teile des Yok.s sich verdacht, zersetzt oder versteinert, da bleibt wohl in jenen Llemeuteit des Volkes, die ithcih.n.'U noch itiTicrltalb des eigenen Volkstums ideale Zw!•: kennen, mich noch jenes ideelle Heimatsgeiuhl ,זhalten, mul es tritt in den Anfängen des Z1״nK< s iminittclbar zutage. Nur scheinbar entwickelt mJi aus dem allgemeinen Jiidcnstaatsgcdauken der mk•• ziehe Pal istinagedankc. in der Praxis ist dieser lc:׳• tcre primär. Allerdings konnte jenes mehr lüstorisJtc als individuelle lleimatsgcf'.dil noch keine trabe• ״,c Kraft für eine P.dastinabewegutig sau. Die (sc• schichte, in der wir unsere Ziele ahnen, bringt at!Jt die wirkenden Ursachen. Dieselben sind von zweier• lei Art: äußere ״negative ein Tiefpunkt in der De• schichte des Goliisjudciiltims. von wo aus .cs nicht weiter geht‘, das riicktrcibcndc Verhängnis, die p!:\- sisclie und seelische Judennot." Sie muß in den *) Aus dem neuesten Heit der jetzt in Wien (Türkenstraße l>) erscheinende» Zeitschrift .,P!* I ä s t i 11 a", eieren Abonnement w ir unser 1t Lese r 11 nur dringend empfehlen können. weiß selbst nicht, warum. Und schließlich denk' ich: weshalb die Stille, und ich frage: ״Hörst du, wie das Pferd schnauft?" ״Ich höre es. Aber warum stehen wir hier? Komm ein bißchen!“ sagt sie. Und wir gingen aut die Chaussee und sec׳• ten uns ins Gras. Und wie wir dasitzen, blickt sie auf d! 1 1 limmcl, als ginge sie nichts weiter an, als d.e stillen Sterne, die über unsem Köpfen funkelt־.. Ich für meinen Teil gucke in die Welt hinein — so — und wenn ich auch nicht mehr an uns beide denke, als an die ganze Welt umher, starre ich wie vergessen auf die verbogene Weide mit den flüsternden Blatten», die drüben an der Chaussee stellt. Stille ist’s ringsum. Und Dei n• rah blickt, schier ohne zu atmen, immer auf die friedlichen Sterne. Ich kann mich nicht läng״ halten und frage: ,-Was suchst du denn da?" ״Was soll ich da suchen?“ ״Zählst etwa die Sterne?‘ ' Sie antwortet: ״Ich suche einen Stern, meinen Stern.“ ״Nun, siehst du ihn?“ ״Meinst du, er ist so — hell?“ Und sie wirft mir einen Blick zu, Sie stützt ihren Ellen• bogen in den Scltoß und läßt den Kopf auf ihre