Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XV (1910)
- Issue
- Heft 31 (5.8.1910)
- Date
- 1910-08-05
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 368. J UEDISCHE RUNDSCHAU No. 31. i werden soll. Hs ist den bestellenden Verhältnissen vortrefflich anue1>;1l't und ein Hx1>erin1ent von der allerhöchsten praktischen «nd theoretischen Bedcutuug (iir unsere Kolonisation in 1’aUistina. Hanois ergibt sieh /.wingeiul folgeiuler Plan: Hs wird ein Großbetrieb eingerichtet, d. h. die nötigen Gebäude saun Brunnen usw, werden bergestellt, ausreichendes lebendes mul totes Inventar heschafft, ein tüchtiger Administrator geworben und ein Stamm von Arbeitern eingestellt, die unter seiner Leitung den Betrieb führen. Sie stehen unter der üblichen Disziplin, d. 11. der Leiter hat grundsätzlich das Straf• und l'.ntlassungsreeht. Man wird jedoch von Anfang an versuchen, dem (leiste der ganzen Sache entsprechend, die Arbeiter zu ihren eigenen Richtern zu machen. Zunächst soll dem Adminisirator das Recht, nicht die Pflicht verliehen sein, Disziplinnrscliwlerigkeitett vor ein von den Arbeitern seihst in miheeinflullter Abstimmung gewühltes Schiedsgericht zu bringen. Wenn sieh die Hiurichtung bewahrt, wird man dieses Gericht mit immer steigenden Befugnissen ansstatteu. Auf gleiche Weise soll laiigsuu ein technischer Beirat der Arbeiter zu immer liühcror Machtvollkommenheit entwickelt werden, d. 11. der Administrator soll zuerst herechtigt. und, wenn die Hinrichtung sich bewährt, später in immer steigendem Matte verpflichtet sein, mit dem Beirat die Dispositionen für die nächste Zeit zu beraten. Diesem wird namentlich die Zuteilung der cin/eliieii Arbeiten imler die Genossen und später vielleicht die Bestimmung der l.oliniiiitei'seliiede zu* fallen. Die Gerechtigkeit mul die Rentabilität v׳erlangen, dait Arbeiter von sehr verschiedener Oualiiikation auch verschieden entlohnt werden: würde die Festsetzung dieser Stufen der Administration vor• behalten, so wären Verbitterung mul Streit die Holge. Hs wird vielleicht möglich sein, die Angelegenheit so zu ordnen, datl man einen bestimmten landesüblichen Durchschnitt pro Kopf der Arbeiter au ihren Kassierer aus/alili, und ihnen uberlällt, .sich nach Recht mul Gerechtigkeit in den Betrag zu teilen. Aber auch das kann erst hei weiterer Hntwicklmig nach einiger Zeit lastend versucht werden. Ich denke hier namentlich an die Hntlolimmg neu angestellter Arheitsrekruten. die unmöglich die gleiche Besoldung verlangen können, wie erprobte reife Arbeiter. Der l'.nrag des Unternehmens soll während dieser Periode der Gewinnbeteiligung derart geteilt werden, dali zunächst alle Spesen samt Ahscliieilnm• gen gedeckt werden. Zu diesen Spesen gehören vor allem die Arbeitslöhne. Die Arbeiter bekommen 11: guten und schlechten .lallten den vollen lattdesüblichen Lohn ansgczalilt. Der iibersclnelleudc Betrag wird zw ischen die HigeitlDmcr des Bodens und des Inventars einerseits und die Arbeiter anderseits r.aeh einer gleitenden Skala verteilt. Und zwar sollen die Arbeiter um so mehr Gewinnbeteiligung erhalten, je höher die dem Kaintal /»gewiesenen Interessen sind. Das letzte Ziel ist folgendes: es soll dem Nationalfonds, der kein Risiko läuft, 3 Prozent seiner Cicsamtatifwcndungcn, dem Gcnossenscltaftsfonds, der alles Risiko läuft, 4 Prozent und nullerdcm noch ein Viertel des danach verbleibenden eigentliehen Reinertrags zugewiesen werden. Die übrigen drei Viertel sollen die /Arbeiter erhalten, und zwar ausgeznhlt pro rata ihrer Löhne, Das heillt: es wird der für den Gewinnanteil der gesamten Arbeiterschaft verfügbare Betrag In die Schhißsitmiuc des Gehalt- und Lolinkontos dividiert — natürlich ist auch der Administrator am Gewinn beteiligt —: und soviel Centimes, wie auf jeden Franken erhaltenen Lohnes entfallen, erhält jeder Arbeiter bar ausgczahlt. Nehmen wir an, die gesamte Lohnstmtmc habe 20 <1110 Pres, betragen und der Gesamtgewinn nach Verzinsung des Kapitals betrage K1H10 Frcs., dann erhält der tleiiossensehaftsfoiids Über seine 4 Prozent liimuts 2(X)0 Pres, und die Arbeiterschaft 6000 Frcs.; und liier wird so geteilt, dafi ein Arbeiter, der im Laufe des .laltres 500 l'rcs, verdient hat, 150 Frcs., einer der 250 Frcs, verdient hat, etwa weil er später eingetretcii oder als Rekrut mtf einen niedrigeren Satz gestellt ist. 75 Frcs״ ein Vorarbeiter, der 750 Frcs. verdient hat, 250 Frcs. und der Adminisirator, dessen Geltalt mit 3Uüü Frcs. angenommen sei« mag. 1000 Frcs. Bonus. Durch diesen Vcrieilungstttodus wird ein Doppel* les erreicht: erstens wird die Sorgfalt und der!־teilt tlerjciiigeti Mitarbeiter am stärksten gestachelt, deren Arbeit für den (lesamterfolg die wichtigste ist: und zweitens lülit die Methode dem Administrator alle Freiheit,;unter dem Tagelolm auch noch alle Systeme der laitlohiiimg anzuweiiden. die in der Landwirtschaft üblich und erprobt sind: Stücklohn. Amcilslohn. Prämien, B, für die Kultinelker 1ts\v. Wenn die Arheitergruppe, die im Akkord mäht, oder wenn der Schweizer, der Milchprämiett erhält, weiß. 11,111 seine Anstrengung nicht mir durch den Akkord* lolm, soii,In 11 auch noch durch die darniiffullciidcii Gewinnanteile belohnt wird, daiin wird er doppelt Hleil! und Sorgfalt anwciidett, und das ist nantentlieh hei den im Akkord aiisgeiiihrieu Arbeiten ungcheuer wichtig, weil der Akkord allein bekanntlich t.hurnmüt, aber keine (.hialitäl der Arbeit erzielen Kamt. Die Bestimmung, dalt der Gewinnanteil sofort aiisbezahlt werden soll, ohne dalt ein Teil für die Zwecke der Arbeiter selbst zuiiickbchalten wird, entspricht den Hrfaliruiigen der Wirtschaftsgeschichte mul dem Charakter der jüdischen Arbeiter seihst. Ls hat sich, was den ersten 11unkt atilaiigt, herausgestellt, dall die Gewinnbeteiligung um so kräftiger auf den tiesaiiitcriolg ein wirkt, je verständlicher das System, Je liölier der Anteil der Arbeiter und je unmittelbarer er zur Auszahlung gelangt. Schon diese Hrfahrnng muH uns abhallen, zu all den Mittel* eiten patriarchalischer Bevormundung zu greifen, etwa zur zwangsweisen Anhäufung der Gewinne in einer Sparkasse zugunsten der Beteiligten «sw.; und vor allen Dingen verbietet es der Charakter und das sozialistische KlnssciihcwuOtseiii der jiidiseh-palästiueiisisclieii Arbeiter, derartig vorzugehen. Sie sind freie Männer und wollen und sollen als solche bcliandelt werden: niemand soll ihnen ihr Menschen• recht verkümmern dürfen, aus ihren eigenen Fehlern zu lernen, soweit nicht etwa das Interesse des Gesanubeiriebs dadurch geschädigt wird. Indessen ist zu hoffen und zu erwarten, dal! die Genossenschaft tler Arbeiter selbst aus freien Stück*« beschlichen wird, den ganzen Gewinn oder wenigstens einen sehr beträchtlichen Teil für den nächsten und wichtigsten Zweck der Genossenschaft zu ersparen, nämlich für den Ankauf des Inventars, tun sich zur echten Prodiikiivgenosscnscliaft weiter zu entwickeln. Wenn dieser Besehlnll, was zu erhoffen ist, gefaßt wird, so mag die Genossenschaft ihr Geld anlegen. wo Cs il!r bcltagt. Man wird aber daran denken können, ihr za dem Zwecke nach üblicher Weise eine Outssparkassc mit einer etwas höheren Verzinsung der Hin. lagen zur Verfügung zu stellen, als die Bank ge• währen kamt. Davon mögen sic Gebrauch macli״, oder nicht, ganz nach Belieben und Vertrauen. w!c denn überhaupt der oberste Grund, s » t z des g a n z c n Z tt s a m tu e n a ז h e i 1 e u s sein muß, in allen Dingen, die nicht das Lebensinte resse des Betriebs berühren. die Freiheit des Hut. Schlusses der Arbeiter 1111 e i n g g. schränkt a tt f r e e 111 z 11 erhalt c 11. Um namentlich im Anfang, wo man die Scliw rigkeiten des Unbekannten zu überwinden und e : Arbeiter erst /.um Teil technisch und iinincntlicli ■ ganisatoriselt an die neue Betriebsform gewoh! mutt, den Stachel des Selhstiuteresses for den I trieb anwenden zu können, sollen die Arbeiter n!> auch schon dann einen natürlich dann geringe!. Gewinnanteil bekommen, wenn das Kapital nicht d י Maximum seines Krirages: 3 Prozent iur den Nr nalfottds, 4 Prozent plus ein Viertel des Gewim für den Genossenschaftsfonds erhalten kann. V wird etwa folgende ״gleitende Skala" vorschl.u! dürfen: das Kapital erhält entweder 4 Pro/׳; und 11, ((der 3 Prozent und 1 oder 2 Pioz. : und oder 1 Prozent und י. oder 0 Pr״/« : mul ‘1 des Gewinnes, und teilt stell ui diese Smu■ so, dalt der Naliotialioiids nicht übet 3 l'1״zcnt, י■ , (jeitosseitscliailsfoiids de« Rest erhält: den Res: , . Gewinnanteils, also je nachdem 1!. :M. ' ■ oder erhalten die Arbeiter als Aufschlag aut ihren!.׳> lieber die Hitizellieiten dieser Skala kann inan seil״ verständlich verhandeln. Zweites Stadium: Die laiidwiriscbalittcbe Arbeite,• prodiiktlvgenosscnseliail. Nach der eingangs mitgctcilten ReitS.ibU.t.i: Schätzung erscheint die ll״mnmg als heivcliiigi. d sielt aus den Gewmii.tittcdcti tut l.atiic einiger Jul.; in den Händen der Arbeiterschaft eine Sm!;:. Geldes angesautineU haben wird, groll genug. 1! die von vornherein io dem Vcvtt.igc, den der '1. tiossctiscli.iftsfonds mit ihr abgeschlossen hat, K• stimmte Kaufsumme für das Inventar /.״ erlegen. Hs wird nicht erforderlich sein, den Gesaut huchwert des Inventars bar lieraus/tivcrlattgcn. M,»., wird sielt etwa mit der Hälfte begnügen dut'ieu, wen׳, für den Rest, der in angemessenen Fristen aus/t;• zahlen wäre, Htugseliaft gestellt werden kann. Diese Bürgschaft konnte von potenten Privatpersonen oder von unserer Bank oder wohl am einfachsten dadurch gestellt werden, dalt ein von der Bank angestellter. aber natürlich von der Genossenschaft besoldeter K.issenbeainter die gesamte Fiiiaiizgcbarung der Ge• nossenschaft in der Hand hat, mit der Verpflichtung. Zinsen und Schuldsumme miszuscheideit und an de!: Gläubiger abz.ttführen. ln Notjahren wäre natürlich eine angemessene Stundung möglich. Nehmen wir an, das Geschäft sei erledigt, d.״ simulierte Summe ausgczahlt. Dann ändert sich d e juristische Konstruktion sehr bedeutend. Bis hierher sind drei juristische Personell beteiligt gewesen: de־ Natioualfouds als Higcnumier des Hodens im.1 ..., ״Blaß? Vielleicht! lelt bin nicht allste• ruht,“ ,lla<( du die Nacht nicht geschlafen?“ ״Nein," saut sic leise. ״Warum denn?“ ״Ach, du weißt es schon!“ sagt sie und wentkt sich ab und wischt sich die Augen mit der Schürze. ״ln nur sudet's and teil sage: Möge uns nie!■Mises treffen, wie ich von nichts weiß,“ ״Aber warum hast du dielt gestern nicht nach mir umgeblickt?“ ״Neue Geschichte!“ sage ich, ״wie kommt eines zum,andern. Deswegen schläfst du nicht?“ ,,Nein . . . aber cs hat mir leid getan, daß ich dich zwang, den Gulden zurückzunehmen “ ״Wegen eines Guldens all das! Na, da hast du dreie, aber schlaf!“ Und ich zog meinen Geldsack. ״Und wenn ich sic nehme, bist du dann wieder gut mit mir?“ fragte sie, und um diu tränenden Augen huscht ein Lächeln. ״Ja!“ antworte ich, als ob's mir im Traum eingefallen wäre, ihr zu zürnen. Drei nicht. Den einen Gulden kann ich nehmen.“ ״ ןNun gut,“ sage ich und lasse die drei Gul- | den auf dem l landtoller tanzen. 1 ״Aber du bist mir nicht mehr büse?“ j ״Wirklich nicht! Ich wiederhole dir’s!“ i Sie nimmt den einen Gulden. | Die Tage gingen dahin. Wir lebten freundlieh initeiiiander. Da kommt das Ungiiek. Am i Vortag des Osleiiestes wird die ältere Schwester, die verheiratete, krank und kaum sind zehn 'läge vorbei, gerade einen Taff nach dem Fest, stirb( sie. liiu goldiges Weibchen, lieb wie eine Schwester das kann ich fluch versichern. 00 wahr ich ein Jude hin, tief ins Nerz hat mich dieser Schmerz getroffen. Ich konnte nicht in die Stube gehen und min gar Deborah in die i Augen selten. Deborah ging wie ein Schatten! herum, den Kopf gesenkt. Ihr Gesicht war j bleich wie eine eben gekalkte Wand. Früher — ן war’s so lieb um! heimlich. Und nun das Un* glück, ln jedem Winkel der Stube hockt die Trauer. Die Müller ־״• bei jedem Wort kommen ihr die Tränen. Selbst die Wände standen so j traurig da. Man jagt das gewaltsam unterdrückte I Leid aus der Stube. j tiinmal, vor Pfingsten war es, fahre ich! eine Schar Chassidim zum Rebbcn nach Kalibiel 1 da in ein nahes Städtchen. Und wie ich liier , min;mhaltcn will, um meinen Gaul zu füttern. : lassen es die Chassidim nicht zu: ich soll•; BlmcUcr fällten. Was kehre ich mich drmn'״; Ich denke, mein Pferd ist kein Chosskl mul ha! * keine File mit dem Rebbcn. Aber ich will mich : auch nicht besonders aufbalten. Ich kehtv also niclit^ in meiner allen Stelle ein und bleibe au! 1 lief Chaussee sielten. Vor der Brücke. Lade die 1 Krippe ab und gehe zum Brunnen * du hinterm 1 Maus. Ich seit mich tun: Deborah sitzt auf den»! Gras, Mal’ wie der Tod, den sorgenschweren; Kopf Kegen die Brust gedrückt. Da muß sie | wohl drille hören. Sie blickt auf und sieht mich » an, das Blut schießt ihr vor Scham ins Gesicht.! ״Was sitzt du so?“ frage ich.! ״Ich weiß cs selbst nicht“ antwortet sic, ״ich j sitz’ eben so und bin so ganz vcr«riibeh.“ ׳ Und vergrübelt sah sie wirklich aus — ich weiß selbst nicht; ich hätte gern erfahren, was sie beschäftigt. Aber fragen, das ist nicht meine Art. Na, ich schöpfe mir die Krippe voll und wie ich nun Fortgehen will, da fragt sic mich, wann ich wieder zurückfahrt?. Ich sage ihr’s und gelie zu meinem Wagen. (Fortsetzung folgt.) i ו 1 V f 'jtt!1 I fc P> (U tu di re is (U sc g׳ Ul ü> sc iS! Cs ul in ״) k. A (k I » 1 I 1 .-׳ 7 J. 11! V, tt '־1, ji ׳!! r. v.; .־׳) V. v d>. I. de di s^ US (L w. d.> (!, du I* 1 ׳11! ft.’ I). . D:1 n . ü l \c * f J :׳;'! \\ 1.1 1 . '! i »!' . I I I I (" {'■ i. l.'i I:;; .n, » 1! )-!!.'.I I Gi tlt s:1 c:\ s >. t.l in die sic zu Sei sei ׳ cif Prc de : wi Ue I ok׳ \