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Jüdische Rundschau · 1910-08-05 · Heft 31 (5.8.1910) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XV (1910)
Issue
Heft 31 (5.8.1910)
Date
1910-08-05
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 306. .! U F DIS CI I F RUNDSCHAU Np. 31. Rccltmtttgsjahrcs den gesamten die Höhe der im Haushaltspläne vorgesehenen Summe übersteigenden Betrag ungekürzt;tu den Nationalfoiuls abztifiilircn. Mau kann dasselbe auch anders ansdriieken: Das Aktionskomitee dar{ von seinen gesamten Bin* nahmen nichts zurilcklegcn, sondern mul! den Ueberschult jeden Jahres an den N.-F. abfiihreu. Nur, dal! v 0 r I ü u f i g kein Ucbcrsclmt! da ist, sondern ein Felilbetragl Vorläufig! — Diesem ungesunden mul unnatürlichen Umstand soll und wird mein Vorschlag ein Bude bereiten. Sinn hat die Sache nur, wenn Billigkeit in der Organisation herrscht, und jede, nicht einem Solider/weck «loldeuo llucli, Oolbutiinspeiulc usw.) gewidmete Gabe den oben gezeichneten Weg nimmt. Dann hat die Leitung die Sicherheit laufender und ausreichender Hinnahmen, — daun kann koit* stituierlich gearbeitet werden, — daun wird der Brfolg nicht ausbleibcn. ־— in der Hrhöhuiig der Zahl der Schekclzahler und damit der Geldeingünge. Und was vielleicht in einem Jahre dem Nationalfonds entgeht, werden die kommenden Jahre vielfach ihm ersetzen. •- Auf dem Kongrell wird aber nicht mehr blind drauf los bewilligt werden. Das Verantwortlichkeitgeiiihl wird ein anderes sein und der Haushaltsplan wird sorgfältig aufgcstcllt und noch sorgfältiger geprüft werden. — * * Bs gibt gegen meinen Vorschlag, dessen praktische Durchführung bei gutem Willen keine Schwierigkeit bietet, eine Reihe theoretischer Binwände. Um diese zu hören, stelle ich meinen Vorschlag eben jetzt, ein Jahr von dem Kongresse, zur Diskussion. Billiges möchte ich vorwcgncliiiicn: Die Popularität des N.-F. kann nicht leiden; da ja die (Icsamiciumthmc unter allen Umständen gröller ist, als das etwaige Defizit des Zentralburcatis, weiß jeder Spender, dall mit den 10 Mk., die er gibt, auch die am Jahrcsschlull dem N.-F. zuflicilemic Summe um genau 10 Mk. vergrößert wird. Niclitzionisteu, die dem N.-F. Zuwendungen machen, können das auch fernerhin direkt tun; iclt spreche von den organisierten Zionisten. Andere mögen das Recht haben, den Weg über das Zentralburcau auszuschlicßcii. Irgend eine Komplizierung unserer Verwaltung tritt nicht ein. sondern eher eine Vereinfachung, wenigstens fiir die Nationalfondsvcrwaltuug. Doch ich will nicht vorgreifen! — Vielleicht reden wir auch in Frankfurt darüber! — Wenn die deutsche Landsmannschaft einig wäre, wäre das immerhin etwas. Durciigcfülirt aber kann die Sache nur von dem Kongrell werden! Finanzpolitik Seit einiger Zeit steht die deutsche zionistische Presse im Zeichen der Debatten über die Finanz- Probleme unserer Bewegung. Die Frage, um die sicli die Diskussion dreht, ist die, wie wir 1ms die Mittel zu großzügiger tmd intensiver Pallistinaarheit verschaffen. Man hat vorgcsclilageu. die F.rträgnisse einer jüdischen Lebensversicherung in Palästina auzulegcu, man propagiert die Idee eines jüdischen Ko- .. »!-' —...L1.1J1 hmialfomls, weitaus die meisten1 Sammlungen - zionistischen Kreisen kommen ohnehin auf irgend eine Weise direkt der Falüstimiarbcit zugute. . Angesichts des grollen lüfcrs. ״nt den diese Probleme vciilillcrt werden, ist cs auffallend 11 d charakteristisch, daß eine andere I manzfragc .v“ eheiisogroller Bedeutung ganz mit bullschsvcigeu übergangen wird. Bs ist die!,rage: Wie verschaffen wir uns die Mittel f n r die Verwaltung und den Ausbau unserer Organisation, sowie für eine gr<)lizügige tmd intensive Propaganda;׳ — Diejenigen Männer, denen der Mangel an genügend grollen, für diese Zwecke reservierten Mitteln die Bünde bindet, an ihrer Spitze Präsident Wolifsolm, werden nicht milde, die zionistische Ocffeiitliclikeit immer und immer wieder auf diesen wunden!,unkt der Bewegung hinziiwciseii. Bezeichnenderweise ohne l'.rfulg, Her neunte Kongreß hatte über einen Antrag der Leitung auf Besteuerung unserer Finanz- Institute zugunsten des ״Parteifonds״ (der besser ״Organisationsfonds״ hieße) abzustiminen. Der Antrag wurde abgelelmt. Bs war aber zweifellos einer der größten Versager des letzteil Kongresses, dall er aiiseiiiandcrging, ohne dann in irgendeiner anderen als der von der Leitung vorgeschlagencii Weise die Lösung des angeschnittcneu Problems zu versuchen. Der Kongrell hat dadurch gezeigt, dal! ihm das Verständnis für diese eminent wichtige Frage abging. Der Leitung wurde immer vorgeworfen, dall sic nicht genügend arbeite; will mau etwa von unseren Führern verlangen, dall sie aus dem Nichts schaffen? In unserer Finanzwirtschaft hat sieh nachgerade ein ganz . verhängnisvolles Prinzip Geltung vorschafft, und zwar ohne dall uns dies bis jetzt so recht zum Bewußtsein gekommen ist, das Prinzip: Alles durch die Bewegung, nichts für die Bewegung. Durch die glänzende Organisierung der Saiimiclcinricliiungcii wird weitaus der grollte Teil der finanziellen Hrgcbnissc zionistischer Arbeit dem Nationalfoiuls oder anderen Palüstinainstitmionen zugefülirt, so dall fiir den Ausbau der Organisation selbst nur sehr wenig übrig bleibt. ’ Das ist ein durchaus ungesunder Zustand. Bin guter Kaufmann wird immer einen beträchtlichen Teil seines Rein* ertrages zur Vergrößerung seines Unternehmens bcnützen. Demgegenüber wird heute in unserer Ilewegiittg ein regelrechter Raubbau getrieben. Man prellt möglichst viel Kuptal aus der Organisation heraus, um cs sofort in den Banken oder in Palästina festzulcgcn, wo es erst nach Jahren und indirekt propagandistisch wirken kann. Bin Teil dieses Kanitals muH aber in der Bewegung selbst arbeiten, muß dazu dienen, unserer Sache immer neue Anhänger zu gewinnen. Bs müssen Landesagitatorcn angestellt werden, die die ziouistischeu Ideen in den verschiedeneu Ländern populär zu machen hätten, etwa im Sinne des Vorschlags Dr. flevniann (in der Mittwoch- Nachmittag-Sitzung der Jaltreskonfcrciiz) auf An- Stellung eines Agitators fiir Ägypten, den Orient und Rumänien. Dr. Ileymunn scheint sicli auf Grund ncrsüdlicher Brfahruugen von der Durchführung dieses Vorschlags viel zu versprechen, und cs ist anztmehmen, dal! auch in anderen Ländern durch Anstellung von Propagaiidarcdncru viel zu erreichen ist. * Bs mul! schwachen l.andcsorgatiisationcn durch Subventiouierimg ermöglicht werden, ihre Bureaus ausziigcstalteu. möglichst auch Bezirksbureaus einzurichten und von diesen aus das fluche Land intensiver zu bearbeiten, als es den Landesagitatorcn möglich sein wird. Diese Dinge sind ebenso notwendig wie Palästinaarbeit, denn sie schaffen erst die große Masse, auf die unsere Bewegung nach ihrem Charakter als Volksbewegung unbedingt angewiesen ist. sie erin zeugen das ״״ttoiialiudischc Leben, das einzig u״ allein die Möglichkeit gibt, auf unsere Volksgenos I crzichirsch einzuwirken. wie ja ein ganz gewah!'.״ Teil zionistischer Arbeit Lrziehungsarßeit 1s. ' t bleiben muß. . t Uln' Und mm zur eigentlichen Frag« ,ן" |sc Schaffung der Mittel für eine derartig paganda. — Ich möchte da zmiaclist noch eu״•׳;,! <•«.’ : Antrag auf Besteuern n g der |• , ״״, i 11 s t i 111 t e erwähnen. Nach den Verhnml.u;,״׳.׳, V* Jahrcskonfeicnz zu schließen, ist heute die >■ m!min, für diesen Antrag wesentlich günstiger ah. Mc ״ Hamburg war. Bs ist evident, dall eine <;kusiv‘ Propaganda (iir unsere Finan/iiiMitiiu־. Ins«,!;m ן ' den Nationalfoiuls, von allergrößter Bedeutung Her Gedanke der Besteuerung ist gesund g 1g, u;il es wünschenswert erscheinen zu lassen. 0 dem nächsten Kongreß ein entsprechende• unterbreitet wird. — Bs ist ferner schon r \, geschlagen worden, den Schekel zu et ־ •»licn Dieser Gedanke ist aber besonders in Ru:; J auj heftigen Widerstand gestoßen. Man sagte, arme russisch-jüdische Bevölkerung nicht 11׳ mehr belastet werden könne. Das mag der Faii m. dessen könnte mau doch vielleicht in jeder « Schükcrkommissioncn wählen, die nach Mat.g; e der finanziellen Leistungsfähigkeit der Binzelu! mdi oder weniger hohe Schekelbcitragc Sest1: ״־. ... Alsdann möchte ich noch auf die sogenannte : h e s t c 11 c r u n g liinwcisen, die bis heu Nationaifouds zuflicllt; ihrem Charakter ab "teuer entsprechend mußte sie indessen viel eher «;;1 r;f. ganisations-(Partei-)fonds zugute kommen, un Tat ist die Meinung, daß dies letztere der!;i ל*!, selbst unter sieh besteuernden Zionisten viel: breitet. Ferner muH cs möglich sein, den נ r gan i s a t i 0 n s f 0 n d s, fiir den schon je!/. rrgi!. mäßige, wenn auch geringe Beiträge e gelier., p o p u I ü r e r z u mache 11. — Und ״last 1:;easr sei verwiesen auf einen Antrag des B. A der j dahin geht, den Landcsorganisaiioncn in Zu.-, •:*.ft d.s Quote von den Schckclgcldoru;;ich: mehr zu belassen, sondern die Sehe! ׳:; er,, verkürzt eiiizufordern. Diese Maßnahme «!•! nicht nur Sanierung der Finanzen unserer Wel ׳ >rga* nisation beitragen, sondern auclt auf da• * Wirtschaft der deutschen zionistischen Veuaugur.; eilen günstigen Binfiull ausiilicn. wie im folg .den zu zeigen versucht werden soll. Ich benutze gern de Gelegenheit, um auch auf diese ein wenig .«:!;vfiu'1) des Themas liegenden Fragen cinzugehen. Bs dürfte in weiten Kreisen bekannt v,n. da.; vor nicht allzulaugcr Zeit das Berliner I> ...1 ־,:,!« an die ürlsgruppeii wandte mit dem Brsia .1״ jenigvn Sclickeizahler namhaft zu machen, de v• :• aussichtlicli zur Zahlung eines besondere; .!.«!:.,es• beitrags für die deutsche Vereinigung berer. h.i!, An diese Gesinnungsgenossen erging dann a:u׳: nacii kurzer Zeit eine Aufforderung zur Zeichnung der er• wähnten Jahresbeiträge. anscheinend : se’ r gutem Brfolg. Dieser Brfolg darf 1ms ied1 ,».״!;eV. bestechen und uns nicht davon abhaltcn, de ge• scliildertcn Maßnahmen als vollkommen \cr• k c 11 r t zu bezeichnen. Bs kommt eben 1« , :: n.:t darauf an, daß man «Mittel hcKommt. soudeni ׳..ovi״• lieh auch darauf, wie man sie bekommt. 111 d, .1 b:• zeichneten Vorgehen kommt dieselbe ״aprils•־, ■!!> delugc"*Politik zum Ausdruck, die das >\ >:e unserer Finanzwirtschaft (ganz getrennt von d.; l’e־• soiilicltkcil des Binzeliicn, der darauf naturgei. . ir.r geringen tfinfinit hat) im allgemeinen kenn/־, din: Immer wieder wählt man zur Beschaffung!.euer Kapitalien den allerdings sehr bequemen Mi., de wenigen Gesiimungsgenossen. die ohnehin 1ed.r Beziehung itir «Möglichstes um. weiter zu In «־־־.e׳. Bimnal aber wird auch das ein Bude haben. :;/■> Die Widerspenstige (NjiculrucH valivlen) Brzählung von A. \V c i II e ti b e r g. (Fortsetzung.) F.r 1101t die Peitsche vor. Andächtig prüft er Riemen tmd Knoten tmd fuchtelt durch die stille Luft. Fr stellt den Ptitsclmvstü ww\ den Boden und kritzelt wirre Runen in den Sand, und der Riemen schaukelt hin und her. . . . Schweigend blickt er auf die Zeichen im Sande. Und ich fühle, wie das Schweigen seine Seele eiupreßt; ich muß ihn etwas fragen. Wie immer. I )och ich finde den Anfang nicht. Ha fragt er plötzlich, und seine Augen suchen den Boden, als schämte er sich seines Sprechens: ״Wie gefällt Ihnen die heutige Nacht?“ ״Sehr schön 1 Der Mond scheint so lieblieh.“ Ich lenke seinen Blick auf den Himmel und suche in seinem Gesicht die Wirkung, die meine Worte wohl machten. ״So? Wirklich? . . , Gottes Wunder!“ spöttelte er und dreht sich mit höhnischem Achselzuckcn um. ״Bleiben Sie nur! Wie meinen Sic das?“ Ich suclie ihn festzuhalten. ״Jedenfalls nicht das, wovon Sie mir ן sprechen.“ Und er blickt mich fest an: ״Sie tra• gen städtische Kleidung und sind wohl ein ge* bildete»־ Mensch und warfen mir vorhin eine Ant* wort an den Kopf, die wie die Faust aufs Auge paßt“ ״So! Sie meinten vorhin Ihre Nacht, Jossel? Sa su!'1 ״Dachten Sie vielleicht, ich kümmere mich um Mond und Sterne? — Ja, von meiner Nacht sprach ich.“ ״O, die interessiert midi sehr. Aber ich verstand eigentlich nichts von alledem, was da in der Stube vorging.“ ״Liegt Ihnen was dran, das z.u verstellen?“ fragen mich seine funkelnden Augen. ״Nun gut, so hören Sie midi an, und Sie sollen dann sagen, ob ich ein Mörder bin.“ ״Ich fahre diesen Weg sehr oft, weil mich!nein Geschäft liier vorbeifülirt. Ich halte hier immer, um den Gaul zu füttern. Schon so lange, wie mein Vater tot ist. So etwa fünf Jahre. Das heißt: meine Mutter lebt noch und auch eine Schwester. Da muß man fiir’s Leben sorgen. Und so hab ich mir das Fuhrwerk zugelegt Na, so fahr ich also hier ganz oft vorbei und Italic hier dann immer, wie gesagt, eine, zwei Stun• den. Die Deborah, die Sie da im Bett gesehen haben, war noch ein Mädel, und so oft sie mich durchs Fenster sah, da stand sie schon;< ׳ d.r Tür und ihr I ndien und Juchen halbe s׳> roß* j d!g überrascht, als käme ihr toter Vater il. 01:• gegen. - Sie verstehen mich doch. Kur/, sie I. um* mir uuel sogar meinem Gaul nicht genug tu׳ Lu gab’s gutes Fssen und einen guten Sch'.ick. Nicht umsonst. Gott behüte! So was läßt 1• ist j einer nicht zu. Wir sichen uns gut. Un׳־ U* lasse mich nicht lumpen, wenn man mich gut behandelt. Gut — ist eigentlich nicht riehiic ec* sagt. Stellen Sie sich vor! Wie oft hat Del 1׳!״ah z.u, mir gesagt: So einen Bruder hätte ich um ge• wünscht — einen so getreuen! Und ich י ־ :tot! gestanden!. . . Na, und wenn man so was von einem non• den Mädel hört, dann wird das I lerz. weich wie Butter auf frischem Brot. Und warum . uc!1 nicht? Aufrichtig gesprochen: Mit 11110!.׳' Schwester gibt cs auch mal eine derbe Szene• Aber da die Deborah, wie ein schönes, luhe» Täubchen. Stellen Sie sich vor: Hier zum Bei• spiel steht mein Gaul. Wie oft hat sie ihm dot Rücken gestreichelt. . . . Was ist dabei schließlieh, wenn sie mein Pferd streichelt? . . . IM doch ist das so lieb, daß ich kaum hinzuguckcit wagte. Die Augen wollen sich mir schließen vor lauter Lust; und ich drehe mich weg um!

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