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Jüdische Rundschau · 1910-08-05 · Heft 31 (5.8.1910) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XV (1910)
Issue
Heft 31 (5.8.1910)
Date
1910-08-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
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) uw Berlin, den 5. August 1910 — 29. Thammus 5670 Ninnmcr XV. Jahrgang Abonnomonts ml di« wOchenlllch ■m frei. ut rrichcincnde ״Jadltcha k’j .nl»ch4u" kotle* bei der tliiHdition and bei allen Pott• Untern vlerirlllhfllch 1.25 M, aimcilulb Dcultchlandt and Ooterrclch-Uniarna 2.— Mi l.t Miidleder jodlieher Ver. eine im SammelberuB durch den Verein I.— M. Verla« Jfltllick• Randacha■ I!. U. in. b. II. Ilnlln SW, M, Zlnaertlr. TT. (IfHlialMalunden: 3 bl« 7 Uhr auiur Sonnabend and SonnUt.^j Anzolgon kosten fOr die lünlfeipaltene Petittelle oder deren Kaum 25 l'lt.; Stellen-Anfebott and Gesuche towle VerelnimlU tellunsen u. ..Kleine Amelien 15 PI«. 0 0 0 0 0 0 0 Manuskript« werden, wenn Porto bcilleit. itet» *urück- ■eiandt. — Rediktionsublusa Mittwoch vormltta«». ^'"f^?!!Ri»kllon JUdlacHa Rundichaa ,. iZlfo HfrJln-Charlotienbur«. Dlelfyfvyiir. 4*. Tel. Cb. ♦881. " A'en Dlennta« und 5—4 nachmlttaia. ״Jerusalemer Spekulationen“ 11. •1־ Zniißwill macht cs selbst seinen ge• treue '.n Freunden schwer, zu ihm zu halten usul ui zur Rückkehr in den Zionismus die iiotw aligcn goldenen Brücken zu bauen. Nicht mir. . iß er weit davon entfernt ist, die Land* sudu• i aiifzugcbcn — er hat dafür den Juden• Staat >lie Autonomie der jüdischen Kolonisali• .!»(gegeben, deren minder starke Betonung nur 1. Hiiieiv.eit beim VII. Kongreß den Zioni• sich . .1111 allerschwersten Vorwurf machte! — nein r fährt auch munter fort, den Zionismus zu \ höhnen, wo sich ihm Gelegenheit bietet. .. t/1 läßt er wieder einmal ein kleines Com-!nun .!sc in die Welt hinausflattern, das von der ״Vassischen Zeitung“ und einer Reihe an• dem i ,-lauer in folgender Form — und die Form ist das einzig Interessierende daran — wieder• gegeben wird, den Blättern also auch wohl so Stilbn 11 zugegangen ist: N.icli einer uns aus London zugehenden .\W:.i;i1ik berichtet die dortige ״Jcwish Clirouiclc“, 1i.1t• der bekannte Zionist und Schriftsteller Israel Z.niKWilt mit der Regierung We Staus tru• liens wegen Ankaufs von einer Million Acres zur Urimdung einer jüdischen Ansu. ״et u 11 g verliandclt. Zangwill selbst b 5 su. uitt diese Nachricht mit dem Hinzufugen, daß ein. ,Million Acres nicht hinreichen zur Verwirkliciimic seiner Absichten. Z.itigwill gehurt zu der Gruppe von Zionisten, d e 11.e Jerusalemer Spekulationen für aussichtslos luüi n und daher nach anderen Gebieten für umim. 1;che Judcnansicdclungen Umschau halten. > v .,r er vor einigen Jahren der eifrigste Verkm;er des Gedankens, das Ugandagcbict in Ain .a der jiidisehen Kolonisation zugänglich zu 1:1.׳• I'cii. I Projekt selbst braucht uns — so erfreu• lieh vielleicht die Durchführung wäre — ein i m Um nicht mehr zu interessieren als die uup .'tlilicn ähnlichen Mitteilungen, mit denen Zi11)׳",vill seit dem Jahre 1905 ab und zu die cur«׳!mische Presse versorgt hat. Wegen dieses Hu:; Wugs ist Herrn Zangwill schon früher mehr• mal!ui die Finger geklopft worden. Wir haben dit•'•!'■cimilutng seit längerer Zeit eingestellt um! ns damit begnügt, die Notizen über die Zau . illschen Kolonisationsprojckte — bald 'pr - Texas, daun Cyrenaika, Mesopotamien, Sui n 11, wieder mal Texas oder ein anderes Sun Amerika; Australien war auch schon mal dran - einfach zu ignorieren. Das war auf die 1׳ nur, wenn man nicht sehr grob werden m0׳II: , die einzig mögliche Taktik gegenüber einen: so verantwortungslos eitlen und spielerischen Gehaben, wie es Herr &t״gwill zeigte. Und das hätte natürlich auch die liberale Tag! presse längst getan. Aber Herr Zangwill bullte, wie er den jüdischen Schmock zu nehmen hat. Der hat natürlich auch längst gemerkt, daß viiese riesenhaften Pläne stets mit einer un• heimliche» Schnelligkeit verschwinden, um wie• der neue» ebenso kolossalen Projekten Platz zu machen, und daß der einzige ruhende Pol in dies«•» Notizen der Name Zangwill ist. Deshalb tat der Meister der Reklame — jedesmal in anderer Nuance — ein kleines Ingrediens hinzu, das die Aufnahme in alle gut liberalen Blätter verbürgte: eine mehr oder weniger grobe An• rcinpelung des Zionismus. ..Der Zloiritmae erstrebt tOr des tödliche Volk dl• SchaRuac einer Oöeoillch-rechlllch geliehenen Helmitllt« la Pelltilna." Baseler Proiraan. Aus dem Inhalt *Jerusalemer Spekulationen.‘ — Zionistisch(» Flnunzrcform. Von Sammy Q r 0 n c m a n n. — Finanzpolitik, Vo» Jakob Hakohcn. — Mclno Studienreise!11 Palästina. III. Von Dr. Franz ü p p c 1111 c I m er. — Dr. Heinrich (Jubel. — Aus aller Welt. (Ruüland, England, Bulgarien.) — Palästina-Rundschau. — Zionistische Bewegung: Deutscher Delcglertcntag 1910. — Vereins-Rundschau. — Feuilleton: Die Widerspenstige. Von A. W c i II e 11 b c r g. (Fortsetzung.) Dafür hatte sogar die ״Vossische Zeitung“ stets ein Fckchen übrig. Zwar hat es dieses vornehme Blatt, das vor lauter Vornehmheit den Anschluß an die nette Zeit bald ganz verpaßt hätte, kaum je für nötig gehalten, seine» Lesern mitzuteilen, was Zionismus überhaupt ist, aber so ein kleines Geschimpf oder Gespött kam im• 111er mit unter. Dabei hatte Zangwill meist noch einen kleinen Trick, Jen er au. h in seiner neuesten Kundmachung wieder spielen läßt: er bezeichnet sich selbst auch als Zionisten, aber natürlich von einer besonderen ״Gruppe“ — früher hieß es immer von jener ״großen“ oder ..starken“ oder ״ständig anwachsenden“ Grunpe, die sich auf dem VII. Kongreß vom Zionismus ״abspaltete“, um usw. usw. Die Abspaltung oder die Größe der Gruppe wird jetzt nicht mehr er• wähnt. Wäre auch gar zu lächerlich, nachdem Herr Zangwill allein übrig geblieben ist und das, was er damals die ״Ziele“ seiner Gruppe nannte, zehnmal geändert und wieder aufgegeben hat! Was tut also Mr. Zangwill? Was nach seiner alten Bluff-Manier zu er• warten war. Er stellt uns, die Zionisten, als heillose Phantasten hin, die irgend welchen ״J e• r u s a 1 c m e r S p e k u 1 a t i o n e n“ nachjagen, während er, der Realist, im Handumdrehen eine Million Acres — so das Groß- Herzogtum Oldenburg etwa — kauft und gleich dazu sagt, das sei natürlich noch viel zu wenig... Und dieselben Zeitungen, die unser lang• sames, zielsicheres Arbeiten, unsere Schritt für Schrill vorwärts gehende Tätigkeit nicht genug belächeln können, die nie etwas zu sage» wissen über das, was d i e zionistische Bewegung t a tsächlich schafft — die reden Herrn Zang• wills Geschwätz vom ״Ankauf einer Million Acres“ (was er nur mit diesem Riesenkomplex auf einmal aufangen will?) und von der ״Gruppe von Zionisten, die die Jerusalemer Spekulationen für aussichtslos halten“ (was die ״Gruppe" nur außerdem noch tut?) besinnungslos nach und bedenken nicht einmal, welches Armutszeugnis sie damit ihrer politischen Einsicht ausstcllen. Spotten ihrer selbst und wissen nicht wie! Herr Zangwill aber sollte doch endlich ein• mal den Rat, den er uns so oft gegeben, selber befolgen, nämlich weniger zu reden und mehr zu tun. Das wird in der Tat eines Mannes, der politisch ernst genommen werden möchte, wür* diger sein als die allmonatliche Verbreitung phantastischer Nachrichten. Ob wir dann frei• lieh überhaupt noch oft von ihm hören werden? Zionistische Finanzreform Ein Vorschlag von Sammy Qroncmann. Die finanzielle Lage unserer Organisation gleicht aufs Haar der des Helden der amerikanischen Operette, der mit einem Millioncnschcck in der Tasche nicht so viel Kleingeld hat, um sich ein Stück Brot zu kaufen. Unsere Jahrcscinnahmc, alles in allem gerechnet, ist glänzend: unsere Reservefonds wuchsen ständig. Und doch haben wir nicht die Mittel zur Bestreitung unseres Haushalts. Fast alles, was wir bekommen, stecken wir in die eine unserer Sparkassen, vor allem in die Nationalfondsbüchse. Und die Schlüssel'zu diesen Behältern haben wir so sorgsam verwahrt, daß wir selbst nicht herankönnen. Während alle anderen Organisationen jeglicher Art zunächst sehen, ihre laufenden Aufgaben zu bcstreiten und den Ueherschuß in die Reserve legen, fließt hei uns alles Geld gleich in die Rcscrvckassc. Und so ist man in der Verlegenheit jetzt dazu gckommen, unsere Reserven besteuern zu wollen. — Das heißt, den Pelz naß machen, ohne ihn zu waschen. Uebcr eins wird Uehcrcinstiinmung herrschen: wenn für die Ausgaben der Organisation Deckung vorhanden ist, kommt das dem Nationalfonds zugute. Heute herrscht mangels sicherer verwendbarer Einnahmen Unsicherheit in aller Tätigkeit. An eine großzügige Agitation ist nicht zu denken, — die Organisation vermag sich nicht auszudclmcn, und so gehen gewaltige Mittel uns verloren, die dem Natiniialfonds vor allem zufließen würden. Wir bewilligen auf Kongreß und Juhreskonfcrcnz schlechthin alles! Warum auch nicht? Um die Deckung kümmern wir uns ja nicht! Wenn wir, sagen wir auf fünf Jahre, der Leitung den vollen Eingang der nach dem Haushaltsplan nötigen Summe garantieren könnten, würden wir gewiß allein die Nationalfonds-Einkünfte verdreifachen oder vervierfachen! In absehbarer Zeit eine radikale Aendcrung der Verfassung unserer Finanzinstitute durchzuführen, ist aussichtslos, nachdem der NationaHunds einmal konstitutiert ist. Also wie der drängenden Not abhelfen? * Stellen wir uns vor, in der Spendenrubrik der ״Rundschau" erschiene eines Tages folgender Ausweis: N. N. in X. für den Sclickelfonds, — mit der Maßgabe, daß nach anderweiter Deckung der im Haushaltsplan des Rechnungsjahres vorgesehenen Ausgabensunime der Betrag an den Nationalfonds abzuführen ist . . . 2,50 Mk. Weichen Eindruck würde diese Spende auf uns machen? Aller Wahrscheinlichkeit nach würden wir lächeln. Wenn wir aber die Sache überlegen, kommen wir dahinter, daß das Komische nur in der geringen Höhe der Spende liegt! — Mit zwei Mark und fünfzig Pfennigen ist allerdings das Defizit nicht zu decken! Aber schließlich haben wir alles mit den kleinen Summen erreicht! Würde Herr N. N. statt 2,50 Mk. zehntausend Mark geben können, käme uns die Sache ernster vor, und wenn zwcimalhunderttauscnd Mark auf die Art gespendet würden, wäre mit einem Male das ganze Finanzproblcm gelöst! — Und da Herr N. N. allein das nicht machen kann, wir alle zusammen aber das und noch mehr leisten können, muß da eine Lösung liegen. Was ich Vorschläge, ist danach: alle organisierten Zionisten sollen das, was sic dem Nationallonds zuwenden wollen, künftighin nicht mehr direkt in .die Kasse des N.-F. abführen, sondern unter obiger Auflage an unser Zcntralburcau. — Das Aktionskomitcc aber soll verpflichtet sei», am Schluß des «

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