Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XV (1910)
- Issue
- Heft 30 (29.7.1910)
- Date
- 1910-07-29
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 350. | U ü D l&r.H li RUN DSCH Al_ No. 30. A 111 o r i t ä t. Wir müßten vor Scham in die Knie Miiki'ii, wciut’s wahr wäre. Aber zum Gluck ist I lorr von 1 leeringeii für uns auch keine Autorität, Ein türkisches Industriegesetz 1111 I.atifc der /.weilen Session der nun vertäuten türkischen Knuuuer hat der Arbeilsininisler in der Kummer einen llesel/eiilwurt Iielreliend die Karde• nun; der Industrie in der Türkei eiiiKeluaeln. I>ic /iiMäinligc Koniiuissioii huscltüftiglc sieh mit der Frage; thr Bericht isi bereits jjedruckt und zur VerleiliuiK Kolantrt. Ans Mangel an Zeit konnte der Hutwmf in der lauiemlcn Session niclit melir erledigt werden und mni’.te der kommenden Vorbehalten bleiben. Ha die Meinung der Kommission indessen auch diejenige des Hauses sein dürfte, so ist es immerhin angebracht, bereits jetzt die Übersetzung des Emxvurts zu geben, so wie derselbe aus der Kornniissiott licrvorgegangcit ist, damit interessierte Kreise sich ein llild von den angenommenen Cmindsat/en machen und eventuell bereits Vorkehrungen treffen können. Per Entwurf lautet folgcudcrmaücn: Gesetzentwurf Art. 1. Pie in Art. 7 erwähnten Ausnahmen und Privilegien kommen denjenigen Fabriken und in• dustriellett Anlagen zugute, die auf Uruiul von Gesetzen. Verordnungen und Anweisungen errichtet sowie mit irgendeiner treibenden Kraft verseilen werden und deren Kapital oder Materialwert sieb auf mehr als I5M1 El«. beläuft, sofern ihr ltenich jährlich sechs Monate hindurch die Verwendung von min• destens Kl Arbeitern erforderlich macht. Art. 2. Pie Eigentümer derartiger Anlagen, die die in Art. I angeführten Vorteile geniclien wollen, hüben folgende f ornialitäten zu erfüllen: Sie müssen di m Walt ein in zwei Exemplaren aiisgeferligtes (ie* such cinreiclteu. welchem gleichfalls tu zwei K.xcitiplnren hei/.iifugeii .sind: I. ein Plan der Fabrik; 2.0110 Znsaiimiiiisleliuiig der Art. der Zahl und des W. rtes der Maschinen: 3. ein ticricht über die Produktiou mul Arheitcr/ahl. Je ein Exemplar wird von dem Wali dem Ai bcitsniiiiisterimii eiugereielit. Art. .1 Per R a t de s W i 1 a j e t s hat sieh bi n n e n z w e i e r M on a t c ii he r d a s (1es 11 e 11 zu ,111 11 er 11, widrigenfalls das U es u 0 11 als genehmigt zu 11 e trachten ist. Wenn die Motive des abschlägigen liesclieides nicht überzeugend sind, stein dem Antragsteller das Recht der Pesch w e r d e an den Staats, rat zu. Art. 4. Nach erfolgter Installation hat der Unter• 11 •Inner dem Wali eine Erklärung eiuzureichen. dahin• gellend, dal'• alle Bedingungen erfüllt sind. Art. 5. Ausländische Fabriksbesitzer müssen eine von der Itotscbait oder dem Konsulate legalisierte Urkunde ein! eichen. in welcher sic ausdrücklich er* klaren, dal• sie sich hcznghch der Fabrik tisw. den gegenwärtigen und künftigen osmaniselicn besetzen untcrweiien, ebenso wie auch den Staats- und Koni• 11111nalstcm.nl. Art. fi. Abgesehen von Spezialisten, müssen die Beamten und Arbeiter industrieller Anlagen osmauiselie Staatsbürger sein. Am Ende werden sind von allen des zweiten Hetriebsjahres malt die Hallte■ der Spczialisten, am Ende des dritten Jahres drei Viertel der Spezialisten osiuanisclicr Nationalität sein. Art. 7. Pie industriellen Anlagen gciuellen lolgeitde Vor ree lite und Vergünstigungen: 1. SlaatsUindereicit (Miri) werden für 1 abrikeu in brülle von 1 bis höchstens 5t) Dünutns unent geltlieli Itergegeben: die Eigeutumstitel gebülirenfrei ausgestellt. 2. brimdsliieke tmd beliiiude Steueren befreit. .1. IScanne und Arbeiter brauchen den ..leinettim" (Einkommensteuer) nicht zu entrichten, eben* sowenig auch die Paicntstciicr, sofern dieselbe in Kraft tritt. •I. 1 Ut11111.1tcri.il. Maschinen sowie Instrumente nebst Zubehör, die aus dem Auslände eingefulirt xverden zur ersten z\nh1gc oder zu Vergröberungen, zahlen keinen Zoll. 5. Rohes oder halbvcrarbeitetcs Material, das im oMii.iiiiNchcn Reiche nicht vorhanden, für die Produktion aber erforderlich ist, wird zollfrei eingeführt. (». Wenn das imponierte Material hier bearbeitet und in veränderter Gestalt binnen zwei Jaltrcu wieder atisgcführl wird, so wird der eventuell entrichtete Zoll zuriickgezahlt. Die snb 2. .1. •I und 5 erwähnten Vergünstigungen bleiben 15 Jahre hindurch bestehen. Art. א. Per Wert der Rohstoffe darf 50 Prozent des Wertes der fertigen Fabrikate nicht übersteigen. All. 0. PR* Regierung wird bei ihren Ankäufen den Erzeugnissen der einheimischen Indn s t r i e den Vorzug geben, selbst dann, xveiin diese tun 15 Prozent teurer sein sollte 11 a I s a 11 s I ä 11 d i s e 11 c. Die staatlichen Ressorts werden bei den Ausschreibungen 111 du• l.asleuliefle eine diesbezügliche Klausel aufnelmieu. Art. ln. Pie Regierung wird unentgeltlich staatliches Terrain hergeben, um die F.ibriken mit de« nächsten Chausseen oder Bahnlinien zu verbinden. Eiseiihalmliaiileii sind indessen von der vorherigen (ienelmiigiing seitens der Regierung ahhängig. Art. 11. Durch Erfüllung der in dem wärtigen (iesutze vorgesehenen Formalitäten bereits bestellende Fabriken der in Artikel gesehenen Vorteilen teilhaftig werden. Art. 12. Gewissen auf Grund der Artikel 1 mul 2 errichteten industriellen Etablissements kann au cli ein Monopol unter folgenden Bed i 11 g 11 n g c n g e xv ü 11 r t werden: 1. Pic Produktion mmi auf gewisse von der Regierung hczeiehncte Artikel beschränkt werden. 2. Pas Monopol wird auf bestimmte behütd* licherseits benannte Bezirke beschränkt. 5. Pie zeitliche Dauer des Monopols betragt höchstens 1ר Jahre. 4. Pie Produktion bereits bestehender Fabriken darf nicht beeinträchtigt xverden. 5. Pie Einfuhr von Erzeugnissen aus andern Provinzen oder aus dem Auslände darf nicht verholen werden. Art. El. Wenn die Fabriken nicht hinnen zwei Jahren nach Erteilung der .staatlichen Erlaubnis ergegenkönnen 7 vorrichtet werden, nimmt die Regierung das iniciu^it. lieh überwiesene Terrain zuniek . Ebenso werde!! j1c bereits in Besitz genommenen und die nach Art. 7 erteilten Privilegien annulliert, wenn der Betrieb•',״ן,c triftigen (iimul z\»ct .!.ihre liimliireli 11mmte1l1rnv.|1vn ruht. Diese Frist beträgt nur ein Jahr bei Fubnkcn, die ein Monopol besitzen. Art. 14. Pein Arbeitsminister stein bezhglieli der Fabriken lind Erzeugnisse das 111 s p e k t i o s r ee h t zu. Pie Fabriken reichen dem Ministerium alljalu)!w|t eine Statistik über ihre Produktion ein. Art. 15. Pie Ausführung des voilicgnulcn 1jc. setz.es erfolgt in Uemäliheit einer besonderen Ver- Ordnung. lieber diesen Gesetzentwurf wird vor un! 1,cj seiner Beratung m der Kammer v«•m jmi % ,ן״ Standpunkt noch mancherlei zu sagen sein. Eine Lehrerbildungsanstalt zur!־örderunfj der Arbeitsschule Schon Ende 1W7, als unsere Stiitimg eben ' stituiert x\ar, verbreiteten wir unter den Israelin Lehrern Deutschlands einen Fragebogen, um das von Interesse iestz.ustellen, das für den sogen., cn A r bei l su nte r rieht in der Schule vurli.׳ sei. Wie bekannt ist, verfolgt die Simon'sehe . tung das Ziel, :iberall da, wo Kinder unseres •j. bens unterrichtet werden, HamliertigkeitsASer ״,!. ten und Schulgärten zu gründen. Seit ihrem Bes 1!. ׳ tiat die Stimm'sche Stiftung an 4 t indischen I ,?• liclits.msialteii solche Betätigung der Jugend . v|< zum Teil erhebliche Unterstützungen gelotdcn, \ ״!! Anfang;.n aber dachten wir an eme Zentral: , dieser Bestrebungen. Und w ie wäre eine ־ ל besser möglich, als dadurch. Ja,', die abgei.ei; .. iiiinaristen und ii iigcien l.ehrer Uclegenheit er: ,:cn. sich einheitlich für dei!:rteilimg von AibeiV: :׳;־■. riclit vor/uitüüeii. Pic Versend(«!•.׳ des et v... ־״,u! :•'ragebogens vertolgte den w eiteren Zw eck. >;!. i:»- doiinisirage iur eine der J.cluerb,klung diene: . 1; Ar,- stall zu beantworten. 111 dankenswerter \\ 1 v );4 uns der Vorstand des ,,Verbandes jüdischer I , utvereine im Deutschen Ruch" bei dieser Ln<p \ tcrsiiu/.t, so datt mir ein gcripger Pm/ciusai/ etwa tiUMi jüdische Lehrer xersandten Frag.־• ,cn unlicamwortet blieb. Pas Ergebnis war. . ־.,e! mehr Interesse lar Werkunterricht in den Im. ״,!. serer Pttdagogen vorhanden ist, als wir \ setzen xeagten, so da!t xsir an die Gtn e i ח e r h e s o 11 d e r c 11!. e 11 1 a 11 s t a I t . . (ieda.nl,eil der Arbeitsschule dienen soll, 11:1׳ , :;er iloiimmg hcrantreteii konnten. Wenn von dieser geplanten Cmmdung in ״• selien/eit nichts weiter verlaua-te, dann eu.i.w. ..•״> dem (iruitdc, weil wir das Ende der N'erli.,1,״ mit einer Steile abwarten w ollten, die v11״ Ana.c ra. der Siehe irumdln.11 gegenüber stand. n.,:nln . ..r preußischen Regierung. Per (kd.iuV.. .:1 imssrcni Nachwuchs die l.iingucitui wieder /:: .ז• wecken, die durch eine large, tmglucidiciu■ r;■״-;.chielilc xerlorei! gegangen waren, lut 1t..misst; er• frenheher« eise gerade dort Eiilgcguikoiumeii m!;:;;• den. wo bisher indische Bestrebungen tmsckeiseiJ w eilig^ Unter Stützung fanden. W 11 k .»11 u e 11 11 e u; c d i e M i t t e i 11111 g in a e 11 c n , d a (', d e 1 1' t c u - li i s c h e P o in ,i 11 e 11 - F i s k 11 s uns e r er S! i * 1e!׳, 1;! gebunden. Gelt und schlachte cs, ja, warte mir. Du wirst noch früher geschlachtet werden,“ Und Jossel greift hastig in seine Taschen, ln seinen Alicen nimmt ein wildes Lachen und bittrer Zorn. Ich begreife schnell, was in seinem Hirn tobt: Lr sucht sein Messer. Und ich springe auf ihn zu: ״Was machen Sic?“ ״Ich muß ihn totschlagen!“ schreit Jossel und seine Augen blitzen wie die eines blutdiirsii* gen Tieres. ״Warum, um Gottcswillen! Linen Menscheu ermorden?!“ Und ich packe ihn fest an der Hand. ״Das soll ein Mensch sein?!״ lacht Jossel höhnisch. ״Das ist ein Lappen, den man in der Hand /.erknäult, ein Blättchen, das jeder Windhauch fortbläst!“ ״Aber was haben Sie nur vor!“ ״Sehen Sie die da an!“ Und er zeigt auf das junge Weib im Bett. ״Nun ja!.. . Die Mutter!“ ״Aber dieser Mensch lag doch geradeiiber in seinem Bett und hat’s ruhig mitangesehen. Seine stillen Augen haben noch zugeredet, diese Augen 1“ ״Das geht aber doch nur ihn an! Sie ist sein Weib!“ Da wurde Jossel still. ״Sein Weih, sein Weib,“ seufzt er und seine Gesie sagt: ״Vorbei! Lassen Sie mich los. ich bin ganz ruhig. Da sie sein Weib ist, geh ich zu meinem Pferd.“ Und lossei geht aus dem Zimmer. Ich helfe der Alten noch den jungen Mann ins Bett heben. Und v\,\ das Kissen sich bhtlig iärbt, legt die Alle ihm eine Schürze unter den Kopf, und schellend und fluchend wäscht sie ihm das bin* tige (icriiiscl von dem leichenblassen Gesicht. Zwei lenehie Augen blicken crbanuungsvoll müde zur Decke empor. Ich lege eilt paar Kupfermünzen auf den l isch. Noch einen hastigen Blick auf das junge Weib im Bett, und ich gehe auf die Stiaße. Jossel steht draußen, den Kopf gesenkt, Lr pfeift wieder sein Liedehen, so süß in herziger Trauer, als weinte eine Seele darinnen. Aber oft lösen sich kräftigere, bittere Töne von den Lippen, und die Töne jagen einander wie die Wellen im Bach, wenn ein Gewitter sic aufpeitscht. Und da war keine weinende Seele darin: Die Geister der Rache und des Hasses und der Genugtuung tanzten darin im Flammenwirbel. Das Pferd — den Kopf in den Hafersack vergraben — lauscht des Fuhrmanns Pfeifen, und seine Ohren zittern hin und her. Vom Nacken zur Stirn! Ich stelle mich an d11־׳ Wagen und Ma rc j Jossel an, der mich (scheint) gar nicht luT.iei'.f. I und immer weiter pfeift und unruhig über d n knisternden Sand auf mul abgvht und über Ge kleinen Steine, die im Lichte de? Mondo gln/..1 :־. Da bleibt Jossel stehen. Pas 1 ieJ v r-; stummt. Lr sieht mich mit einem langen, f r• : scliendcn Blick an, als wollte er sagen: Wie 1 •'״ 1 gefällt dir die Geschichte?! Ich bleibe still und mag ihn nicht sioivu seinem Sinnen. Der Manu redet wenig. V. r sein Sinnen ist kraftvoll (denk ich) und schweiß suchend in die Runde und ist scharf, daß cs wie ein stählern Messer das Herz zerschneide1׳; und doch wieder von der Weichheit einer zäu* lieh gestreichelten Mädchenhand. Ohne eine Wort zu sagen, geht er zu m•!־ nein Pferde, gibt ihm ein paar kosende Schläge auf den Rücken, streichelt ihm den Nacken utul schüttelt den Hafersack. Das Pferd hebt den Kopf ui.d beugt ihn wieder, spiiz.t die Ohren - und frißt ruhig weiter. — ״Friß nur Baschke!" Und Jossel kitzelt seinem Gaul den Bauch. Dann kommt der Fuhrmann auf mich zu. Fr sucht etwas im raschelnden Stroh des Wagens. (Fortsetzung folgt.)