Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XV (1910)
- Issue
- Heft 30 (29.7.1910)
- Date
- 1910-07-29
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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No. 30. JUED1SCHE RUNDSCHAU Seite 355. ־ scl>;t»<t<chc11 Vorsprungs vor den Dauern immer mclir inner deren ReiUabiliüit ticrab. n.iriiiii miissen wir in unserer Sicdtungsgcnossciiseli.di .oicli die zweite, die psychologische liedin• £1110; der Rentabilität schäften. VVir müssen die Kiaft j;-5 S'lbMimcresses als!Motor eintiigen und haben ״.,c!! •dien LrLihningcii der Wirtschaftsgeschichte d.s11a die gegrilndcttf Aussicht, durch den guten Wil• I. U der Arbeiter reichlich zu ersetzen, was ihnen an icclHit'chcr Schulung abgellt. IUs heißt: Unser teclmiscli raffinierter (Ironie• uicb :יו״״ gleichzeitig landwirtschaftliche Arbeiter-!,fo.ii.iNtivgcunssenschaft sein. d. h. ein Betrieb, desseil ' Iler Reinertrag alten Arbeitern im weitesten Sinne 111KI. des leitenden Beamten unverkürzt zu- 1 i 1 e• 1 Nur l.ilit sich dieses Ziel nicht mit einem Spinöse erreichen. Hs bedarf noch einer Vorbercl• 1111;!.' ׳eriode des der Dorm nach kapitalistischen lii,.; 1 ־.■■iriebes. der aber seinem ökonomischen In- II. 11t;eh bereits Genossenschaft ist. nämlich des tir«* •ctricbcs mit starker Gewinnbeteiligung der Arb• •:er. _ Moses ftontefiore und der Zionismus (/«an 100. Geburtslage Montcliorcs — 28. Juli.) Von S. Freut hat/) 1 1.׳s Erwachen des Zionismus fällt ungciälir in die /.eit der letzten l.ebcnsjnbro des weltbekannten |׳h: < ithroncii . Ja. d.is kr wachen, denn der Uednukc!1.1; . seit dem Untergang der Selbständigkeit des \'«: .cs!וו seinem Herzen geschlummert, er war nie gev. sbeti. Die Volkcrstünne batten die Juden über de., ganzen l.rdball zerstreut, batten Not und Tod ..iidiuclt über das Volk ausgeschiitict, aber seine liing doch fest an dem Lande der Vater. Nicht rau;11 den Liturgien, nicht allein im unvergänglichen N.1 w-n.;.ach nicht in der reinen, herrlichen Sprache U der Zionismus, sondern in der Überzeugung, daß kr. 11 eine Nation sei. die im Rate der Völker einst wk ״er als selbständiges Glied eine Stelle haben; \u;.le. Welcher Jude hätte nicht bei dem Gedanken,! di,, cs einmal so werden konnte, im innersten Iler- , zv« und leuchtenden Auges gewünscht: ״Ach, bald in aiisern Tagen!" Aber freilich, vom Wunsche bis zum Glauben war ein weiter Weg. Pie Frommen beteten, so manvlivt strebte danach, wenigstens in heiliger Ente sein U!a\' 71 linden, andere warteten stumpfsinnig der Kriiillatig. niemand dachte daran, da» c.igcnc Tatkr.1t! sie bringen müsse. f.s!st behauptet worden, der neuzeitliche Antisvmr.is aus habe den Zionismus erweckt. Pies ist aber r.;,r insofern zutreffend, als das Auffiammcn des .;!kn s idcnbasses die Idee einer Radikalkur entstehen l!e:i. Halte man früher iur die unglücklichen Vcrioii׳!c!> Almosen, so erkannte man letzt das einzig '1.1110■ Heilmittel — und das ist der Zionismus. Hs mag nun sein, da» die Montefiorc sehe Tätigkeit für die Bruder im heiligen Lande das Nationalbcwullt- ) Her obige Artikel wurde von dem Autor, der viiivr der M i t e i n b e r 11 f c r der Kattou 11 /; e r Kd liier e n /. war. auf unser Hrsucbcn iai die ..I, R.“ geschrieben. Red. d. ״J. R.“ sein wieder erweckt hat, cs ist auch wahrscheinlich, da» seine Aufmunterungen an die Volksgenossen, die er auf seinen Wegen traf; auf die Herzen wirkte wie ein Strahl des Morgenrots nach finsterer Nacht, aber! selbst in dieser «rollen Seele konnte der große nationale Gedanke noch keinen Raum finden, der den Zionismus nusmaelit. Herren anerkannt, die sich der Angelegenheit mit vieler, wenn auch nutzlos verschwendeter, Mühe annehniin. Hie letzte Absage — bis auf weitere — holte sich der freisinnige Abgeordnete Müller-Meiningen, dem de׳* preußische Kriegsminister am 28. Juni felgende Antwort schrieb: Per Zionismus war in damaliger Zeit noch nicht einmal prcs.sclähl«, er galt als Utopie, aber Montefiores Liebe zum heiligen Lande vcranlalltc selbst Alfons Roisehild, für die Kolonisation cinzutretcu. Damit war ein gutes Stück Weges gewonnen. Es konnten die Gegner nicht mehr die Denunziation aussprechen, dali der Zionisimis ein jüdischer Nihilismus sei. Einciii Montciiurc und einem Rotschild konnte man doch wirklich keinen Nihilismus vorwerfen wie etwa jüdischen Studenten Rußlands.-— Ob nun der greise Montefiorc den wahren Zionisiiiu scrfallt oder gefördert hat, das könnte nur er- 'Viesen werden, wenn von gewissen Stellen, z. ü. Warschau, die dort vorhandenen Korrcsportdonzcn veiöffeiitlieht würden. Poch sei dem, wie immer. Per Zionismus hat seine Kraft im Volke, in der ewigen Wahrheit. Montciiorc stand ihm jedenfalls sehr sympathisch gegenüber, aber er hätte fünfzig Jahre jünger sein müssen, um seiner Sympathie erfolgreieh Ausdruck geben zu können. Er hat aber trotzdem Großes geleistet, er hat im verflossenen Jahrhundert, das den Juden 30 vielfach den Abfall predigte, cs gewagt, die Welt daran zu erinnern, da» Palästina noch immer das Land Israels sei, und da» das jlnlisehe Volk unverbrüchlich seine Sehnsucht dahin richte. Mag nun auch die nächste Zukunft noch von finsterer Wolke verhüllt sein, mag eine Aussicht auf Beseitigung der Hindernisse noch so vcrdeckt sein. Juda wird erstehen, wenn im Volke, in der Jugend naiiiciitlich. das Nationalbcwulltscin lebendig bleibt. Montefiorc hat gezeigt, da» man mit seinem Judentum, d. h. mit seiner jüdischen Nationalität, der Weit Anerkennung abtrotzen kann und so möge das Vorbild, das er liinterlasscn hat. bleibend das Panier sein, das den Zionisten voranwellt. Möge nach dem heimgegaiigeiien Moses, der das Land der Verheißung uns gezeigt hat, bald ein Josuah kommen, der cs uns gibt. Jüdische Offiziere Wie die Seesdilange zur Hundslagszeit kehrt in bestimmten I'ristcn die Sorge um die jüdischen Reserveoffiziere wieder. Anfangs hat mau die I rage ernst genommen, als sie aber immer von nettem auitauchte und immer mit derselben Leichenrede begraben wurde, belachte mau sie wie einen Witz. Mit der Zeit wird jedoch auch der beste Scherz langweilig. Schließlieh, wozu das alles? Hie Aufnahme einiger Juden in die bevorzugte Kaste der Rcscrveoiii* ziere hätte für die Judeuhcit im ganzen gar keine Bedeutung und für die deutschen Juden etwa die wie die lloft'ähigkcit einiger jüdischer Schiffahrts- und Bankdirektoren. Nichtsdesto* weniger sei die gute Absicht der christlichen Huer Hocliwohlgcboren teile ich unter Bezugmiliinc auf Ule mir übergebenen IJeseliwerUen über angebliche Zurücksetzung jüüisehcr Einjährig-Freiwilliger bei der Ausbildung zum Rcscvcroffizicr ergebenst nachstehendes mit: Pie Hülle M., R., S.. G. und K n. liegen bereits eine größere Reibe von Jabreu bis IH!M zurück. Die angcstellten Erhcbmigen haben, wie hei zahlreichen ähnlichen Beschwerden, die der Abgeordnete Kopsch hier zur Sprache gebracht hat. zu dem Ergebnis geführt, da» nach so langer Zeit eine einwandfreie Aufklärung infolge des bei den beteiligten Truppenteilen inzwischen eiligetretenen Personenwechsels und mangels ausführlicher aktcumaliigcr Aufzeichnungen nicht mehr inögl.elt ist. Pie Feststellungen haben anderseits auch keinen Anhalt dafür gebracht, da» die Zugehörigkeit der genunuien Einjährig-Freiwilligen zum Judentum auf d׳c militärische cBurtcilung irgendwie von Einfluß gewesen sei. Ich möchte bei dieser Gelegenheit nicht unterlassen, darauf hinzuweisen, daß in derartigen Füllen die Privatpersonen gegenüber aufgestellten Behauptungen mit großer Vorsicht aufzunehmen sind. Häufig ist iiicr schon fcstgcstellt worden, daß solche Behauptungen sich nicht auf Tatsachen gründen, s' ndern nur in erklärlichem Mißmut über vermeintliche Zurücksetzung erfolgt sein können. So z. B. steht hei S nUtemnüßig fest, daß die mit ihm v״rgen«>mmene Prüfung zum Reserveoffizier nach dem ein* stimmigen Urteil der Prüfungskommission folgendes Ergebnis gehabt hat: Praktisch: nicht hinreichend, b. mündlich: nicht hinreichend. Schlußurteil: Prähing nicht bestanden. Auch andere Angaben betreffs des p. S. sind unzutreffend. Die rEmittclungcn i׳ctreffs des nur einige Jahre zurückliegenden Falles Kn haben nachstehendes ergeben: K n hat sielt in und außer Picnsl ״sehr gut" geführt und zeigte auch Interesse fiir den Dienst, seine Leistungen als Soldat waren bei seiner für den militärischen Dienst persönlieh guten Veranlagung auch gut. In seinem Auftreten als Vorgesetzter, zu dem ihn der Koinpaguieclief heraiibilden wollte, zeigte K 11 jedoch wenig Vcraulagung. Es fehlte ihm vor allein die Fälligkeit, seinen Willen durehziisetzun und sich die unbedingt criorderlichc Autorität zu verschaffen. Bei der Ende Seplember 1900 abgebaltenen Ofliziersaspiranicnorüfang hat K n nach dem übereinstimmenden Urteil sämtlicher Vorgcsi/ten nicht genügt, seine schriftliehen Arbeiten waren mangelhaft Aus diesem Grunde konnte ihm die Befähigung zum Rescrveuiiiziersaspiranten nicht erteilt werden. Paß ihm uic Geeignetheit zum Unteroffiziersaspiranten zugesprachen worden ist. heg eist cm besonderes Wohlwollen seiner Vorgesetzten, die annalimcn. daß X n trotz seiner militärischen Schwächen noch ein \crwendungsfähiger Unteroffizier des Beurlaubtenstandes werden könnte. Nach Vorstehenden) muß als fcstgcstellt gellen, daß die Zugehörigkeit des K n zum Judentum in keiner Weise auf seine militärische Beurteilung von Einfluß gewesen ist. Per k'riegsministcr: v. H c c r i n g e n. Ein fürchterliches Zeugnis wird uns da ausgestellt. Wenn wir schon mit Mühe peaktisch, theoretisch, schriftlich und mündlich die Befähigung erwiesen haben, so fehlt uns die du. r׳Jß nur das Herz aus dem Leibe, das Herz de.kt Mutter ( und sie zerrt ihrer Tochter die Bi.:• * vom Gesicht), zerreiß mein Herz und wirf e> ui brumende Kohlen! Dann litte es nicht Wir jetzt!“ I >ie Tochter will wieder unter die Decke ktn.hcn. Aber die Mutier y.ciTt sie mit aller (je* wi;' auf die Erde hinunter, und vom Sturme der Sv. i.־ gepeitscht, rast sie im Zimmer auf und ab. l'lo!/lich bleibt sie wieder vor dem Bett stehen. Ilm Augen sprühen Schrecken, und mit schneidti’der Stimme schreit sic: ״Scheusal du! Unter niiuHin Dach soll diese Sünde nicht hausen, l eb. n oder sterben!“ — Sie eilt zum Kinderbett, nimmt einen Strick, den Me doppelt legt und stürzt auf die Tochter, die. ihre nackten Beine unter das Nachthemd gezogen, zusammcngckaucrl im Bette liegt. Erschreckt blickt sie auf die rasende Mutter; die •־ibcr schreit: ״Genug gesündigt! Genusam verhüllt! Jetzt muß aufgedeckt werden.: . . . In meinem Hause ist die Sünde, die Sünde, die Sünde.“ Und die Tochter greift nach detp Strick, der über ihrem Kopfe hin. und her schwingt. Aber schon saust der harte Strang auf den weichen l eih der Tochter nieder. . . Der junge Ehemann schrickt in seinen! Bette auf, als hätte sich der Strick in seinen Leib gegraben. Nur eine Sekunde. Und da er seines Weibes jämmerliches Wehgeschrei hört, blitzt sein Auge, flammt sein blasses Antlitz wild vor Genugtuung! ״Soll sie mir für ihre Widerspcnsligkeil büßen, ja büßen.“ Und die Seha* denfreude lächelt sein 1 lerz. Ich blicke schaudernd auf die Szene. Da bekomme ich einen Stoß gegen den Arm. Ich drehe mich um, Jossel, der lulmnaun! Ihre Stimme zerrt ihn au das Eenstcrchen. Im anderen Zimmer tobt der Tumult. Die Kinderchen sind aufgewacht, zappeln und schreien, wie junges Geflügel am Vortag des Versöhnungsfestes. Doch die Alte peitscht die Tochter immer wilder und blickt auf sie herab mit Augen, in denen die Wut und die Lust der Genugtuung sich giftig mischen: War’s gut, ja, war’s gut?“ ״Schlag mich doch tot!“ ״Ja, dich muß man totschlagen!“ Und da der Strick immer wieder niedersaust, sinkt der Oberkörper der Tochter über den Bettrand. Die eine Hand stemmt sic gegen den Fußboden und reißt mit der anderen Hand das Oberbett nach unten. Die Mutter wirft sich auf sic. Ein wildes Ringen. Die Tochter schnellt ins Bett zurück und gräbt sich in den Strohsack unter dem Laken ein. ״Hilfe, Hilfe!“ schreit sie mit aller Kraft, und ihr Schrei übertönt das Weineu und Lärmen der Kinder. Da stürzt Jossel gegen die angekettete Tür. Die Wut knirscht in seinen Zähnen. Lin Stoß und (sich zusaannenkauernd), noch ein kräftiger Stoß mit dm Siimltcm: und die Kelle /erblicht krachend. D׳cTi1r springt auf und Jossel stürmt ins Zimmer wie toll! Die Mutter schrickt ernpor, wie er drohend vor dem Bette sieben bleibt. ״Deborah'*, schreit er, ״du willst dich totschlagen lassen? Deiner Mutter zulieb. Meinst du, sic wird dich beklagen, wenn du tot bist?“ ״Kerl! I'lendet! du Lump! Du wagst es, in meine Stube cinzudringen.“ Der Ehemann springt aus dem Bett, daß die Schläfenlöckchen vor Schreck hüpfen. ״In deine Stube, hahaha!“ Jossel dringt auf ihn ein und schlägt ihm die Fäuste ins Gesicht, bis der Mann blutüberströmt zu Boden fällt. ״Mörder!“ schreit die Alte und hält dem Fuhrmann die Hände fest. ״Mörder du!“ Doch Jossel achtet ihrer nicht und nicht der wimmernden Kinder und der zerrender Fessel an seiner Hand. Mit sehnigen Füßen wie festgegossen stellt er da. Und sich über den heulend am Boden kauernden Mann beugend, ruft er: ״Was liegst du so still da? Das Schäflein ist