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Jüdische Rundschau · 1910-07-22 · Heft 29 (22.7.1910) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XV (1910)
Issue
Heft 29 (22.7.1910)
Date
1910-07-22
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite ‘.M l, .1 U E 131 S C M E R U,N P.SCHAU zu bclüsticcn. beschuldigten den u n «l u e kliehen lliindlcr. duii er die Frau in den Arm K'ckiiilicn ha he. Sic .stürzten .sieh auf 11)1.1111111 und liätlcii ihm lanvill ein übles l.u.s hcrcilcl, wenn .sieh die Polizei nicht eümcuüselit mul den Un- Kluekhelien aus den Händen seiner Verfolger gerettet hätte. Um den Juden der Wut der Menge zu ent* ziehen, steckte ihn der Poli/.eielief ins (iefängnis. Am nächsten Montag waren düstere Uerüehte im Basar im Umlauf. Man sprach davon. Ihrahim gewaltsam zu ergreifen und ihn auf öffentlichem Platz zu toten, dauaeli aber das ganze israelitische Viertel anziigreifen. ln früher Stunde liatie sieh die Devotkeruug in der llaimtmoschee vereinigt, in der mchreic Redner allen Juden den Prozclt machen, die der Tugend moslemiiiseher Brauen naeliMellteii. die alle k'eichtunier des l.andes an sich zögen und die. wenn mau sie gewähren lielic. bald über die Moslint die Herrschaft erlangen würden. .Irgend jemand schlug vor. die Juden zu zwingen, dall sie wie ehemals ändere Merkzeichen an ihren Kleidern Hagen und lud alle Anwesenden ein. seihst dieses Zeichen als Merkmal des Protestes an/iilegen. Zwischen 21)1) mul .huי Moslmi folgten dieser Aufforderung, eilten in den Basar tun! forderten dort mit lautem Ocschrci den Tod Ibrahims. Alle Händler wurden von spanischen Strecken ei griffen mul schlossen eiligst ihre l.äden. Pie Menge, die ans der Moschee kam. warf sich auf •ije Juden, und zwei Stunden lang, von 1t) 12 Uhr. dauerte das Unhe.il unter dem ticschrei ״Ya Ali, Ya Alt". P.s waren s c It r e e k e n s v o 11 e . w i I d e S z e 11 e 11■ Die Rasenden, mit K e u I e u 1111 d die k eit St o e k c n b e \v aff net. stürzten sich auf die armen Juden, die ohne Waffe waren mul ihre Häuser zu erreichen suchten. Ltwa .סי Israelit e 11 w 11 r d e n v e r \v uiidet, darunter einige schwer, etwa 100 wurden mit Stöcken geschlagen mul aller Habe beraubt, die sic bei sieb fuhr teil: (leid, l'liren. Kleider, lütt armer Jude ei hielt zwei Yatagauhiebc über den Kopf, wurde seiner Kleider beraub:, nackt und halbtot auf der Stralie liegen gelassen. Hin anderer wurde auf der Stralie umringt: die Blenden rissen ihm alle Haare vom Kopfe: ein Moslint setzte den: Juden den Lauf seines Revolvers auf die Brust. Zum tilück kamen gerade Beamte, die den Unglücklichen vom sicheren Tode erretteten. Ich habe diese Biu/el• beiten vmi den Verwundeten selbst, die ich in ihren Hausern aufocsucht habe — Die Wirren horten erst aui. als der Poli/.eichei Agba Taglü mit einer Hundvoll Soldaten eingriff . Ich telegraphierte an den französischen Residen• teil in Teheran, Herrn Raymond Lecointe. um ilm von den Vorkommnissen zu unterrichten und ihn zu bitten, er möchte bei der persischen Regierung für unsere unglücklichen Hriider intervenieren. Auch die jüdische (kiueinde telegraphierte au den Minister des Innern, der die HehörJen von llaiiiadan verpflichtete, das jüdische Viertel zu verteidigen. Seit Montag wird das jüdische Viertel ebenso wie der Basar von Polizei bewacht: aber unsere (ilgjibensgenosseu sind nicht olute Sorge. Sie wissen, dall die Polizei zu schwach ist. um! dall bei ein• tretenden Wirrnissen die Menge die Polizei einfach wegscliwcnnnt. Alle Tage ist davon die R e d e . di e .1 11 d e n z 11 1 ii t e n tt tt d /. u h e ־ rauben. Per l’oiicl verlangt die Hinrichtung Ibra* bims. Per Minister des Imient hat der ״AUtie" den Auftrag gegeben, Brüchlingen anzustellcn. Iliralum ist Vor das Priestertribiinal gebracht worden, das aui tiriind falscher Zeugnisse ganz gcwill sieh he• niidifii wird, den Unglücklichen /.um Tode zu verurteilen. j Die Anstifter der Unruhen sind al* I ler Welt bekannt. Bisher hat mau sic noch nicht belästigt. Die Juden wagen 11 i c 111. 1 «ג c I a 11 z. 11 z. e i g e 11, weil s i c R c!י r e s s a 11 e u . fürchte n. Die örtlichen Behörden sind uliniimehtig gegenüber diesen Blenden, die fortfahren,. sieh frei in den Basaren zu bewegen, und von Tag zu tag neue Schrecken unter unseren (Ilaidiensgenossen zu er* reglos Uic fortgesetzt für ihr Leben und für ihre Habe fürchten. Das!,alästina-Kessort Bericht über seht« Tätigkeit In der Zelt vom letzten Zloulsleukougrcli In llanihuru bis zur Juhreskonfereiu In IJerlin.״) Während der Bericlitsneriode hat sieh das Palästinaressort mit den ihm von früher zugewieseneu Aufgaben befallt, die liauiHsächlieh darin bestehen, dall unser Palästinaressort einen regen Briefwechsel mit den verschiedenen, für Palästina tätigen /״misti• sehen und uiehtziouistischeii Institutionen führt und auch Privatleute für die mannigfachen Kolonisato• rischen Bestrebungen z.u interessieren unJ zu ge• Winnen sucht. Pas PaläMinaressort erfüllt schon seit Jahren die 1‘uiiktionen eines Inforni.itioiis• burcaus f״r die gesamte Diaspora.׳ und auch in den letzten Monaten hatten wir recht viele Anfragen von Auswanderungslnstigen zu erledigen, (hm/, besi.ii• ders erfreulich ist es, dali sich auch die Zahl der An• fragen von kapitalkräftigen Kreisen mehren. Die Be• antwortung der Anfragen indischer Kapitalisten erfordert natürlich einen grollen Zeitaufwand, da die• selbcu meistenteils wichtige Fragen betreffen mul gründlicher lUlediguug bedürfen.! j Was die tiuan/.ieile Lage des Palästinaressorts J 1 anbcl.iugt, so freuen wir uns konstatieren zu können, ן j dall wir dank grober Sparsamkeit und Beschränkung j auf die alleruotweiidigsteii Ausgaben trotz, unserer geringen Bümalimen mit einem kleinen Uebersclnill die Bilanz für die Zeit vom I. Juli P/fW bis zum dl. Mai DHU abselilieiRu konnten.! P. L. D. C.! Des weitern bat unser vereinigtes Palästina- : Imreati während der Bericlüs/.eit seine Aufmerksam- I Keil ganz Pcsmiders der Kanitalwerbung für die von! tms geleitete Palcstiuc Land Development Company j Lid. /.!!gewandt l’s gereicht uns zur (ienugluur.g, I an dieser Stelle feststellen zu können, dall unsere j Beniidiimgeii. das Vorläufig tmcli eeriuve Kapital der ' P. L. D. C. zu vermeinen, in den letzten Mon iten ei11igermal!en befriedigende llrfolgc gezeitigt haben. Pas Stammkapital der I*. L |). C., das laut P.ilmi/. per I, Oktober IW) ander den Aktien des .1. N. P. AI12 t betrug, bat sich in der Zwischenzeit um 20011 t' auf 5172 £ erhöht. Oanz besonders erfreu• lieh ist es dall das Interesse für die P. L. P. C. in J den kapitalkräftigen Kreisen Riilllaiuls im Wachsen begriiicu ist. und wir lioffen. dal. wir von diesen I i Kreisen noch recht viel Held für das palästinensische j Kolonisatioiiswerk werden auftreihen können. Die | erzielten l'rfolge haben w ir fast aiisscbliclllicli dem direkten schriftlichen Verkehr mit den einzelnen in Betracht kommenden Personen zu verdanken. Pas von uns In Kinercth Vor einigen Jahren ein• gerichtete Stammgut entwickelt sich in lundwirt• seliaftliclier Beziehung auüerordentlich günstig, und auf alle Touristen, die es besucht haben, hat es den ') l eider ging 1ms der inr die Jahrcskonfereuz bestimmt gewesene Bericht Prof. Warbnrgs erst verspätet zu. so dal! wir ihn erst heute veröffentlichen können. besten Bindruek gemacht. Auf (Iruiul der uns /.!. gellenden Berichte ist an/tiiieliuicn, dali die dies).,!!, läge Brüte eine befriedigende sein wird. \V,!s •;,w I׳arzell1er11ngstatigke1t der P. L. I». C. anl.el.uigi, so hat sieh der J. N. B. nach langen Verli 01dlut1gc!1 bereit erklärt, der P. L. D. C. fur Landkäufe einen Kredit von IU IM»1׳ £ zu gewahren, und es ist l,c. gründete Hoffnung vorhanden, dall wir dank diesem Kredit in nicht zu ferner Zeit mit der Parzellierung neuer Urundstiicke und Schaffung neuer Sied|״.!siu auf geschäftlicher Basis werden beginnen kom Damit wir indes diesen Kredit gehörig a11sm::/cn und weitere Kredite erlangen können, mnssen ,ז unser eigenes Kapital, das trotz der unsgsten l.n•■ noch immer recht gering ist. wesentlich und wir Indien z.iiverMcInbcb, dall unsere Uv *•וי!, mmgsgeuossen in sämtlichen Landern uns Ino Bei von jetzt ab tatkräftiger als bisher 11־־\!v...: ׳. werden. Wie aus dem Meinungsaustausch, der ״s Anlall des Vorschlages des Herrn Dr. Aron Sat:a!.r wegen der Binfnhnmg des Kolomalfoiids 01 der 1׳ leipresse erfolgt ist. hervorgdit. ist der Widerst, ״! gegen die I*. L. I>. C geschwunden, und es ist; uns gewil! eine besondere Ueniigtiiung. »•־«■• dal! die I*. L. D. C. heute prmz.uoelle (ieguer 1 : mehr bat. Inimobillciigeseliscliaft ״Palästina**. Neben der Porlsctztmg der Kapitalw,erbung r die P. L. D. C. haben wir uns bemüht, die von 1,, s in Angriff genommene limnobilieiigesellscliait ■ l.istina" zustande zu bringen. Die rechtliche K! tuicrnng dieser (iescHschaft w ird endlich am 2'K ü als (1. m. b. II. mit dem Sitz, m Berlin erfolgen. 1;> - dem bereits SstHt» Mark in bar hierfür eingeg.0' :1 sind. Wir hoifen. dat; sieh dieses UiUeriidimei ׳׳•! einem lukrativen entwickeln und seinen Tcilndi!•ו gute Dividende״ Bringen wird. Pal;isti11.1׳*l11d11s1rles\1ulikat. Das Indus’.riesvmlikat, dessen (ieseüaf’.e . r iinserui vereinigten Palästinabureau geleitet wo «Tn. hat sich im verflossenen Jahre auf die Pachtunc ..ז heilien Quellen, auf die Beteiligung au einer er• läufig noch kleinen Zciucut/icgcliahrik 1111J .0:1! e (irumlimv eines ehcmisclten Studiensvndikats 1; l'.i• I.1M111.1 besel1r.1nl.cn mnssen Pas Studien'.1!;! ö..,t wurde liauiüsäclilicli zu dem Zweck der Ilers:!:!״!:• guten Tafelöls sowie der Fabrikation aihemj;:f Oelc aus den in Palästina wachsenden Blumen u.s Leben geruien, und ein Chemiker wurde 11.u.. I*..1.1• Atina entsandt, der bereits ein Laboratorium u!.!!1.1 eingerichtet bat. Wie uns vor kurzem herudet wurde, hat dieses l.abor. torium auch Itereiis ..••.gc grilliere Aufträge von dritten Personen ui.dtcn. Was Jen llaupi/weck des ImlustriesvndiKats. 1;. m• lieh die Brwerbimg und Verweitimg von K /.s• sionen anhelangt. s<< nuissen w ir leider dsmii v . 1;;׳, bis 11,1s türkische l’.irlatiutit das K׳>r./c*s;..:;• ,'1:1 auf gesetzlichem Wege geregelt haben wird. PlantrigciigcsellscliaB. Bitte von mehreren hauptsächlich russischen hu• Pilalisteu begründete plautagengesellselmft dort;ט gleichfalls in aller Kürze i!ue reebtiielie Kons:!• luierimg finden. Leber die Tätigkeit dieser sein!״•״• gen (iesellschaft lädt sich vorläufig natürlich; nicht viel sagen Bs ist an/imchuien. dal! sich d״ ses UuteriicSimeu bei miisie'itigcr Bubruug gm>: g eutwiekeln und auch andere Kapitalisten vei.od.is■•1 wird, ähnliche (iesc'iseli.iflen ins!.dien z.u 1aü.׳ Verebt Oelhautnspende. Bis Mitte April dieses Jahres Indien wir ..!־.!! die (iescliäfte des von uns begrnndeien Wrcais cd• ,.Dn bist ein Kind. Was kann eine arme sündige Mutter fiir den bösen Geist. Frag* die Nachbarn im Dorf.“ ״Also (Kr Böse schreit aus ihr heraus?“ ״Gewiß! Pas Mädel — das heißt der böse Geist in ihr ־ ־ schreit, sie wird ihre Multer mor• den. Sie flucht dem Rabbi, wo clueh alle Men• sehen vor dem Rabbi zittern.“ ״Und was macht sie mit dem Mann?“ ״Ntttt - fluchen Bit sie zwar nicht — aber sie lällt sieb von ihm nicht — berühren!“ . . , . ״Ich denke sie will ihn nicht? Sie hat mir’s selbst gesagt." ״Gut Besagt! Hie Mutter morden und dem Rabbi fluchen. Weiß sic denn, was sie spricht. Und das -- andere, wen geht’s was an?“ ״Gewiß nicht. Aber mau redet eben da• rüber.“ ״Gciuib schon!“ lind wütend wendet sich die Alle mit der Lampe zur Tür. Poch ich holte sie wieder zurück und fragte: ״Habt Ihr vielleicht ein Glas Tee?“ ״Hin paar Minuten, dann könnt llir’s haben.“ ״Gut so,“ sag' ich, ihr zunickend. Sie nimmt die Lampe und verschwindet ins zweite Zimmer. ״Sollen wir hier im Finstern sitzen?“ frage ich den Fuhrmann. ״Wenn Sie wollen, gehen Sie mir da hin• ein,“ mul er weist mich auf das erleuchtete Leiistcreheii in der Tür. ״Und Sie?“ ״Ich nicht! Ich will hier bleiben. Steckt doch eine Kerze au“ ruft der Fuhrmann, ״ich werde sie bezahlen." Hie Alle kommt herein: ״Was ist denn? Bald wird’s wieder losgehen.“ ״Nichts. Zündet ein Vierkreuzerlicht an!“ Sie gibt ihm das Lieht. ״Ich soll Schuld haben! So ein junges Bit zu begraben, so ein Weib wie ein Juwel — d hast sie ja gekannt. — Ach Gott! Ich bin ilm sicher nicht würdig. Und man wirft mir 110c Stemc aufs Herz. . . Zwei liebe Scliwälbcitcn, z» i'ückgcbliebcn ohne Mutter, Und der jünj! Manu liegt mir auf dem Mals. Ein lieber Jung! ״ IU״t mich wie ci״e Mutter. Was soll da ein Mutter, eine unglückliche Mutier, andere machen, wenn sie noch eine erwachsene Tocl et ,? . ßc״ i1״»»1״ Mann fortjagen, di Scliwaibchcn fortjagen zu einer Stiefmutter un die Tochter mit einem fremden Mann verhe raten?“ I ״Nu ja. So habt Ihr doch nicht gehand.!! j sagt man.“ j ״Ja, T'lt habe wirklich geglaubt, dal» ' Wunde in meinem Ikrzen ein bischen /m.. monsclirumpfcn würde. Her erste Schlag w.t schon eine Strafe von (iott. Sag, Jossel, hab i 1׳ das alles leichtsinnig, aus Ucbermut getan? 11. F | ich nicht erst den Rabbi gefragt? Was bin ich? j Aber das Wort eines!Tomtuen muß man \• 1 stellen, l hui als »eli ihm alles erzählte mul iina dann sagte, was ich tun will, hat er mir gea:;'• | wortet: Gewiß, es wäre ein Jammer, wenn d!c Kinder verwaist blieben. Was kann er andere., damit gemeint haben? .... Gestern noch war ich wieder in der Stadt, ging wieder zum Rabbi (seiner Ahnen Gedächtnis soll mir beistelien). Lr hat mir Absahabsel vom Teufelfinger und besprochenes Baumöl gegeben. Kostet zwar etliche Gulden. Aber was Bits? Vielleicht er• barmt sielt Gott doch! Und welche Mutter gibt nicht ihr letztes Hemd für ihr Kind hin?“ Sie weint, die Alle, Und die Tränen perlen ihr auf den bebenden faltigen Lidern. l\־m Fuhrmann greift’s in die tiefste Seele. Line schmerzliche Geste, «als wollte er sie beruhigen! Und als sie wieder in das zweite Zimmer geht, drückt er sich scheu beiseite. 1 * (Fortsetzung folgt.)

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