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Jüdische Rundschau · 1910-07-22 · Heft 29 (22.7.1910) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XV (1910)
Issue
Heft 29 (22.7.1910)
Date
1910-07-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
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No. 20. I UE DISCH E RUNDSCHAU 343. In Sumtna. uiul darin stimmen alle Fachmänner, mit denen ich gesprochen habe, ohne Ausnahme ״Herein, ist eine bedeutende Intensivierung und Ru• lionahsieriniK der Landwirtschaft in Palästina ger.ide m» ent möglich wie überall anders. Mit Ren• 11tlnlitütsscl1;itzmu:en möchte ich vorsichtig sein UiirjCn. Immerhin darf ich sagen, dall nach einigen c״cl1 •Mol'cit. die ich unstelleu konnte, und nach j;rK1n1dn;u1u;en. die ich bei Sachverständigen ein• /0C. die Rentabilität der ״aroboideu Kultur" der j,;ji•che״ Dauern mit etwa (> Prozent des Oesamt• vu-r!.׳s an/unelunen ist, nachdem man vom Ertrage ,Incn Lohn in der landesüblichen Meisthöhc bereits (,l,gl M i/t hat. _ Oie Schätzungen Kelten dahin, dall ו״,ן rationeller Kultur, auch ohne den Kcnosscnsehaftlicln'a Betrieb. der mich einmal eine bedeutende stca.cimiK verspricht, die Rentabilität der Atcrikul- 1׳■', 1״cli nahe bis an iliojenige der heutigen Potnil,11;:r: betrieben werden kann, und dall die Viehzucht wil..׳.׳:ig noch weit höhere Erträge in Aussicht stellt.;׳,mit durften die landwirtschaftlich-technischen lies.׳,;.spunkto genügend besprochen sein. (Schluß folgt.) Die Judenhetzen in Persien ' s .י a n n a 11 (Persien) sendet der Alliances.ln: rci.tor TurrnKuno der Alliance einen ausi.ilu. ,!cn Bericht über die .ludenverfolKUUKen vom M.1׳ .iioses Jahres, dem wir das Folgende nach ,,..1!י .,OM und West" mitgetcilten Wortlaut ent• r.eli! ■ 11־: \ : Samstag nachmittag hatte ein israelitischer V.a: i.imcns Daud Kuluri, ein Millionär, 27 Jahre .1!. , cit einen Scheck im Basar einkassiert, als e i n 1;:,i '•eher Konvertit, l'aradscb DschadhI, an;1 1״.:nt11.־t und ohne jeden Rcchtsgrimd 5 Kraus uv. Mark) von ihm verlangte. Daud lehnte ab. 1,11. ־•cli ergriii ihn und beschuldigte ihn mit lauter >!:! c. dall er Beziehungen zu einer muselmanischen hau ,.cliabt habe, Gnfier .sammelten sich und ',•lik 'i'tin den Beschuldigten in eine Moschee, wo ,in ׳'־!Iah ihn zum sofortigen U e l> c r l r i t t;11;;! Isla :11 auüorderte. Bin Bruder Dauds kam a.;1׳' herbei und verpflichtete ihn. der Religion riebt ':'triimiig zu werden, hoffend, dall er die Be- 11 r,L zu rettender Intervention werde veranlassen!, iuk;.. Die Fanatiker, die den 110( der Moschee;bvrvivvemuu bauen, ließen sieb nicht halten und 11achten dem unglücklichen jungen Mann zwei Wunden bei. Daud erklärte sich jetzt zum Ucbcrtritt bueu. N n aber lehnten die Mullahs den Proselvten ab. und du: rasende Menge schleppte nnsern Ulan- ’.mi'gciuoM'it aui die Straße, tötete ihn mit I!״ Ic 11 \t 1 c h e 11 und zog den Leichnam mittels 1,110 »in ,!.c Füße gelegten Strickes vor Dauds Haus, ,!.׳> um wenige Schritte von unserin eittferttt ist. Ich h.,’,tc nichts von den Vorgängen in der Stadt 1׳:: VMi1>t hätte ruh mich an die Behörden v:'1t k,:rJiM.!n gewandt, mit denen ich gute Beziehungen m;ter!!.1i1c; dann hätte die Sache nicht so־schlimme '\eiulung genommen. Ich erfuhr von dem Zwischen• Ul eiM. als eine auf mehr als .WOO Personen ge- 'diaf/ie Menge sich auf das Haus der Kuhiris stürzte. Mutige ler Anstiirincnden rissen eine Mauer nieder eul '::.mgen in den ()arten, ln weniger Zeit, als Mia Niederschreihcn erforderlich ist, sahen wir die Möbel, Stoffe, kostbare Tcp piche, i! e!: e 11. K u t> f c 1־ g e r ä t e u s w. überallhin zerstreut und von Tausenden v 0 n ausgestreckte 11 Händen crgiriffen. Inzwisehen entflohen die Eltern des Ermordeten schreiend über die Terrassen. Die Frattcu hielten den Bclcidigungcit, Steinwürfen. Schlägen stand. Sie baten nur, indem sic auf die heiligen Schriften zeigten. Nichts konnte die Plünderer von ihrem Zerstürungswerk abhalten. Erst die schleunigst von uns herbeigeholten Soldaten hinderten die Verwüstung noch auderer Häuser. Am Sonntag, 1. Mai. zogen Neugierige, etwa 4(H)0 au der Zahl, vor dem 1 laus des Ermordeten vorüber, schreiend und Drohungen ausstollcnd. Die Soldaten, die das Jüdische Viertel bewachten, waren außerstande, die offenbar böses beabsichtigende Menge int Zaum zu halten. Soldaten und Neugierige umzingelten unser Haus, ictte von Salar-Mukarcm geschickt, dem Befehlshaber der Armee von Kurdistau, diese auf einen Vorwand zur Plünderung und Brandstiftung lauernd. Indessen warteten unsere armen Glaubensgenossen in den Kellern mit begreiflieber Angst auf den Fortgang der. Ereignisse._ (logen Mittag schien die Ordnung wiedergekehrt. Einige Muslim hatten sich getraut, ihre Läden im Bazar wieder zu öffnen, und wir glaubten schon von dem Albdruck befreit zu sein, als wir in den Nailtharstrallett!•■111110118011 iisse horten. Folgendes hatte sielt /!!getragen: Bin wackerer Moslem, ein Freund der Kuluris, glaubte alle (lefahr vorüber und schickte sich an, einige tiegenstände /urüek/.ubringen. die er tags zuvor den Plünderern entrissen und in seinem Haus verwahrt hatte. Br fürchtete nämlich für sieh selbst mul die Seiniiieu, da er erfahren hatte, daß den Faids (Studierenden der Theologie) Kenntnis von .seinem Verhalten gegeben worden war. Von einigen Solda tat geleitet, schickte er sich an, die Gegenstände zuriiekzustcllen, als ein Haufen von Fakis mit den Soldaten ins llaiubjemcnge kam. Ein Mullah, der horbeigeoilt war. um jede Unordnung und die Wiederkohr der Szenen vom vorigen Tage zu verhüten, w u r d e in dem Gedränge ver w 11 ח d c t. Ilald verbreitete sielt in der Stadt das Gerücht, d a 11 die I s 1׳ a e I i; c u einen Mullah erm o r d e t hält e 11. Knüttclhewaffnete Leute kamen von überall her. um den Tod dps Priesters zu rächen. Die schlimmsten Ausschreitungen befürchtend, entschloß ich mich, meine Familie zu Muschir-el-Divau 1 zu schicken, einmal zu ihrer Sicherheit, sodann um . den stellvertretenden Gouverneur zu ersuchen, daß « er den Ktmdegehungen ein Ende mache. Ich selbst blieb im Haus, wo meine Anwesenheit nötig war. Muschir-el-Divan zeigte sich ebenso energisch wie klug. Br schickte keine Soldaten, die die Sache hätten schlimmer machen können, sondern seine Bedienten, die seihst große Herren sind, um das Volk durch gütliches Zureden zu beruhigen. Der erwünschte Erfolg trat auch ein. . . . Am Dienstag war das Gedränge in der Stadt weniger groll. Oeffcntliche Ausrufer verkündeten, daß alle Inhaber der hei den Kuhiris gestohlenen Gegenstände schwere Strafe zu gewärtigen hätten, w enn sie das Gestohlene nicht zurückgäben. Koniuiissioitcn bildeten sich hei Hadschi Scheich Abdullah, hei Vakil-el-Mulk, Im Haus des Ermordeten und bei mir. um das Gerauhte cntgcgetizunelimcn. Viel Mo- Iniien wurden herbeigebracht. Am Donnerstag wurde Faradsch Dschadid, der nach Üidscltar fliehen wollte, gefänglich cingczogcn. Das verstimmte die Menge, die. Gerüchten zufolge, das indische Viertel am Freitag nach Verlassen der Moschee plündern wollte. Ich ging zu den cinflullreichen Scheichs und erlangte von ihnen das Ver- ..Warum schreit sie denn?!“ ..Hin ich ein Prophet! Gehen wir hinein! Vi’it v.trdcn’s gleich erfahren!“ antwortet er. Uni er?׳cht aui den Eingang zu ud schlägt kräf- 1'U;•׳!! der Taust gegen die Tür. Die Tür kiat!1!. 1•ald hören wir eine Weiberstimme: ״Wer ist da?“ ..Madien Sic mir auf, Pesselc.“ -Das geht jetzt nicht!“ ruft die Stimme von iiuu ..So?! Du kannst also nicht öffnen“, Mn• ß der Fuhrmann mit verhaltener Wut. Ai׳*: dann kann ich’s.“ ..Wer ist denn draußen? Bist du’s, Jossei?“ ..Ja, ich“, ruft er böse. Und mir seine flamniuhkn Augen ztiwcndcnd, sagt er mit 'Uniuin Ton: ״Der Teilte! soll sic holen. Jetzt knitit sie mich schon nicht mehr!“ i »ie Kette klirrt, und die Türe gellt auf. An dtr Schwelle steht eine Frau in einem dunklen Kleide, cj״ Bauenituch um die Schultern. Eine 'Mille I laube verhüllt ihr Haar. In dem blassen Widerschein des Mondes sieht ihr Gesidit noch Wasser ״״s. Und die Angst lugt ihr aus den fßiteii und Runzeln. ״.lossei, du? Ich hab dich kaum noch er- Kiiimi." ״Schon gut,“ sagt Jossei, und er wehrt mit 1 einer Geste ab. Mir aber winkt er, ihm in die Stube zu folgen. Ich bleibe an der Tür stellen. Es ist finster, und ich wage keinen Schritt nach vorwärts. An der Wand mir gegenüber ist ein rundes Fensterdien, durch das ein matter Lichtschein sickert. Dahinter ist wohl noch ein Zimmer. Die Alte geht auf die Wand zu, öffnet die Tür. Und unter dem sich hastig eindrängenden Lichte gehe ich ein paar Schritte tiefer in die Stube hinein. Bald kommt die Frau wieder aus dem Nebenzimmer zurück, eine brennende Lampe in der Hand. Nun sehe ich die ganze Aufmachung: einen Kramtisch an der Wand, einen Kastenschrank mit Zigarettenpaekehen, Tabak letzter Güte, Stearinlielitc, Zichorie und viele Zigarettenhülsen. Ganz oben eine Menge voller und halblcerer. Papierbeutel. In einem Winkel ein großes Glasgefüß mit Kaffeebohnen und daneben, dicht am Tisch, auf einem Brett ganz auf der Erde zwei halbe Säcke Mehl, ein Sack Salz, eine primitive Gießkanne, deren Schnauze sich das an der Wand hängende Konzessionspatent ironisch anguckt. ״Willst du Hafer?“ fragte die Alte lächelnd den Fuhrmann. sprechen, um andern Tage vor dem Gottesdienst Vermahnungen an das Volk zu richten. Attt Freitag verließ kein Israelit sein Haus, ln der grollen Moschee von Satmah hielt ein Seßeieh eine Ansprache, die nicht weniger als zwei Stunden dauerte und tiefen Eindruck auf die Hörer «nachte. Heute., am Sonntag, ist die Ordnung wiederltcrgestellt: die i s r a c 11 i s e h e n Händler sind i tu Baza r. Nur die Hausierer zögern an die Arbeit zu gelten, denn sic haben meist muselmanische Frauen als Kunden und fürchten falsche Anscltuldigütigen. Ich bemühe mich, durch die Behörden atc erfordet liehen Maßnahmen zu veranlassen, damit diese Leute frei ihrem Geschäft nachgehen können. Aus II amu datt berichtet N. Habib: Die Wirr c 11 in S a n n a 11. von denen mein Kollege Ihnen sicher berichtet hat, sind nicht ohne R ii c k w i r k 11 n g auf H a m a d a n geblieben. Da Sanitaii in zwei Tagen zu Pferde von hier aus zu erreichen ist. so hat die E r tu urtlunt! d e s J u d e 11 Daud Kuluris sich in unserer Stadt schnell verbreitet. Die Erregung der Gemüter benutzend, naben einige fanatische Priester die Bevölkerung in der Huitptinoschee vereinigt und dort den Krieg gegcn die Juden gepredigt. Seit dem neuen Regime haben die Priester sehen müssen, daß ihre gewöhnliche Anhängerschaft sic verließ. Die Prozesse, die früher von den Priestern entschieden wurden und ihnen große Einkünfte brachten, werden jetzt von dem ״Adlie" genannten Gerichtshof erledigt, der in ejder Provinzstadt e'.ngesetzt wurde. Daher die Unzufriedenheit der Pite• ster mit dein konstitutionellen Regime, daher ihr Wunsch, der frühere Zustand möchte zurückkchien. Um die verlorene Stellung wicderz.ugcwinncn, versucht die muselmanische Geistlichkeit, durch alle Mittel der neuen Regierung Schwierigkeiten zu hereiten. Von der Hefe der Bevölkerung unterstützt, agitiert sie überall und wendet sich natürlich gegen die Schwächsten, d. i. gegen die Juden. Anderwärts ist cs die Beschuldigung des Ritualmords, die leicht die Menge erregt und sie gegen die Junen bewaffnet. In Persien verfährt inan anders. Hie! besehuldigt inan einen Juden, dall er nueilauhte Be• Ziehungen zu einer moslemitiscltett Frau habe. Der Unglückliche, gegen den ein solcher Vorwurf erhoben wird, ist verloren, und manchmal wird seine ganze Gemeinde dem Mord und der Plünderung überliefert Zahlreiche Unschuldige sind bereits die Opfer solche! Verleumdungen geworden. Fast wäre es eitlem unserer Glliubensgcnossen in Hatnadan hegeanet. dasselbe Schicksal zu finden wie Daud in Sannalt Die ganze Gemeinde hat recht triibc Stunden durch• gemacht. Sobald die Priester die Ereignisse von Sannalt erfahren halten, erfanden sie sofort ein älittlichcs Ocsclticitteilen, um einen Vorwand zum Angriff wider unsere Glaubensgenossen in Hatnadan zu haben. Am Sonntag, dett S. Mai. abends, kehrte ein kleiner israelitischer Ladeubcsitzcr. namens Ibrahim Morad. nach Hanse zurück. Er trug einige Lebensmittel in der Hand, die er eben auf dem Markte gekauft batte. Die Straßen von Hamadan sind sehr eng, kaum 2 .י Personen können nebeneinander darin gelten. Ibrahim (luchte an einen Rcchnungsfehlcr. den er int Laufe des Tages gemacht hatte. Während er darüber nachsatm. streifte er. ohne cs zu wollen, an eine moslemiiiselie Frau. Einige Personen, die auf die Gelegenheit za lauern schienen, den Juden ״Wenn ich abfahre! Vorläufig hat'3 noch zu treffen,“ sagt jossei, ins Licht blinzelnd. ״Wer soll nachher auf den Boden klettern, wo der Hafer liegt?“ ״Klettern? das brauchst nicht.“ ״Natürlich. Wenn man nur die Leute aus dem Schlaf reißen kann.“ Und ärgerlich wandte sie sich zur Tür und schraubte die Lampe tiefer. ״Immer langsam! Wen haben wir aus dem Schlafe gerissen?“ ״Nu, wen?“ Die Alte dreht sich um und hält Josscln die Lampe vors Gesicht. ״Euch etwa?! Wenn man das Geschrei bis auf die Straße hört! Euch habe ich geweckt! Lächerlich. Das könnt Ihr Eurer Großmutter erzählen.“ ״Du Ekel.mein lieber Jossei!!“ Und in tiefer Wehmut sagt sie seufzend: ״Ich werde noch vor meiner Zeit die Erde kühlen.“ ״Was ist denn los?“ ״Gar nichts. Immer das gleiche. Die Toch* ter bleibt bei ihrer Widerspenstigkeit. Ich habe furchtbare Nächte durch sie,“ jammert die Ahe, und sie preßt ihr faltiges, dürres Gesicht in beide Hände. ״Ihr sollt doch aber schuld daran sein!“

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