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Jüdische Rundschau · 1910-07-22 · Heft 29 (22.7.1910) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XV (1910)
Issue
Heft 29 (22.7.1910)
Date
1910-07-22
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seile 342, lUFDISCHF. RUNPSCHAU No. .«׳2 Mail kann Ucti Landwirt in drei Qualilikatinns• stufen gliedern: den Landarbeiter, den lianern und den rationellen modernen Landwirt. Iler Landar• beiter ist vollkommen, wenn er mit ausreichender Kraft und Ausdauer die ineelianiselien Arbeiten sei• nes Gewerbes beherrscht; der Hauer mnll schon kalkulieren mul disponieren kiinneii und auf Ultimi leiblicher Fnipiric die Bedingungen des Wachstums der Tiere und Pflanzen kennen; der rationelle Land- Wirt sehliclUieh muH sie wissenschaftlich heheir• sehen. Der «alilaisclie Dauer mag in seiner Masse auf der Höhe eines lüclttigen Landarbeiters, einige vielleicht etwas darüber stehen: aber er ist noch mehl einmal Hauer, geschweige denn rationeller Landwirt. Pr wirtschaftet technisch kaum anders als der Araber, abgesehen von der Verwendung einiger etwas liesserer europäischer Ackergeräte. Vor allem bat er noch nicht begriffen, dal! das Schwergewicht aller Haiicrnwirtschafi auf die Viehzucht verlegt werden muH, und /.war aus vielen Gründen: erstens ist der kapilalMai'ke Grollhetneb dem Hauernhetrieb in der Uetreideproduktiou wahrschehilich dauernd überlegen: zweitens werden immer wieder neue frische (iebiete dem Getreide• und Weltmarkt augeselilossen, die, von gelernten misgewainlerteii europäischen und amerikanischen Dauern bearbeitet, eine Zeillaug bei extensivster Kultur ohne Düngung sehr bedeutende Fritten liefern. Damit kann der schon relativ teure und seil Jalu* hunderten ausgeraubte palästinische Hoden nicht rentabel konkurrieren. Auf der andern Seite ist der Grollbotrieb be• kamitlieh in der '/!nein von Tieren aller Art: Pferden, Rindern. Geflügel, mit dem Hanernbetrieb nicht km!• kurrcu/.fähig, weil die Sorgfalt und Liebe, die die Tierpflege erfordert, von Tagelöhnern nicht erreicht werden kann. Darum muH die palästinische Bauernwirtschaft schon aus diesem Gründe mehr auf Viehzucht ge• stellt werden und muH es vor allem deshalb, weil der erschöpfte Hoden mir der Düngung bedarf, um imvci l1:1l111isinäHig gröbere Lrnten bei smisi gleichen Kosten zu bringen. Dein weitverbreiteten Glauben, dal! die .ludest Keine Viehzucht treiben könnten, itiuli durch die erfolgreiche 'lat der Hoden abgegrabcu u erden. Wenn es gestattet ist, hier einen Scherz, aii/ufiihicu. den ich bei einem meiner Vorträge in Palästina inaclile. so mag es richtig sein, dalt die Antisemiten Rindsvieli sind, aber es scheint doch 1111• glaublich, dal» das Rimlsvich antisemitisch ist. Die Viehzucht der den Ischen Dauern in den paläslini• sehen Kolonien beweist, da!’■ das Land durchaus da• .!ו fähig ist: in die Molkerei zu Saronu sind im Jahre l'־׳!׳J von rund 12׳• Kellen 171111*Mp j Liier Milch abgelicferi worden, so daH unter Pinrcehnung des Marken liausveibrauehs auf die Kuh etwa H00 bis 151)0 I.iter Milehertrag zu rechnen sind. Der beste Stall von s> Kuben lieferte pro Kuli l(»'/.H Liter ab, der llausverbraiieli ist auf •I Liier täglich zu .schätzen, so dalt der Prtrag pro Kuh noch einmal um 1«) Liter vermehrt, werden muh und der Gesamtertrag .sich auf Is511 bis l'׳w Liter stellt. Lin Rohertrag, der durchaus als Hasis fur eine sehr respektable Ren• t.tbililät gelten kann, da es sieh nicht um eine Ab• melksicllc handelt. .solidem um die ganz, gewöhn• liehe Milchwirtschaft von Hauern, die ihre Kälber seihst aufz.ielien. Um Milchwirtschaft mit Frfol* treiben zu kon• neu, braucht man erstens ausreichendes Putter und zweitens genügende Preise für die Milchprodukte bz.w. für die Xuelitprodukte. Was die Piitlcrlrage anlangt, die von den meisten Kennern des Landes als das am schwersten wiegende Argument gegen eine rationelle Viehzucht geltend gemacht wurde, so ergibt eine nähere He• traelmmg sofort, dali diese Hefürelitiingen wenig Grund haben. Man sagt mit Recht, dalt zwischen Frühling- und llerbsiregen das Land dürre Steppe ist und kein Putter hervorbringt. Das ist unzweifelhaft richtig. Aber es bedeutet im Verhältnis zum Norden mir eine Verschiebung der unfruchtbaren Jahreszeit vom Winter auf den Sommer. Auch bei uns bringt der Hoden viele Monate kein Putter hervor. 1.1 Norddeutsch!,!ml schneidet man das erste Putter (Joliaimisroggcn mit Vicia villosa resp. Luzerne) selten früher als den 10. Mai und kann von da an bis höchstens Mitte November, wenn nicht vorher Pruste eiutreten. das Vieh mit Kleefutter unterlial• teil. Im allgemeinen rechnet man in Norddcutschlnnd bei Pinteilung der Wiiiiei'fnUerrationen stets 200 Wintei'tage und nur 105 Sommer•, d. 11. Grün• futter, resp. Weidetage. In Palästina aber schneidet man. wie mir gesagt wurde, die erste graue llalmfruclit bereits Mitte Januar und durfte von da bis in den Herbst hinein bei richtiger Disposition iiunier Futtermittel vom PeUle hereiniieliineii kiumeii: Wenn auch mir seilen Gras, so doch grüne llalmfruclit. Luzerne und Klccnrtcn mul wiilircinl der 2eit der Dürre die Kiir• bisfriiehtc, die das Vieh nach mir gemachten An• gaben gern nimmt und gut verträgt. Alles gerechnet dürfte man den Stall in Palästina noch um einige Wochen weniger aus den Speichern zu füttern habet! als in Deutschland. Was nun die Preise anlangt, so ist es klar, dal! die Produktion von frischer Milch quantitativ ihre Grenze in der Aufnahmefähigkeit der wenigen Volks• schwachen Städte hat. Wenn die Pin Wanderung 1 städtischer Pleiucntc nicht stark zuniinint, so könnte | man den Milehinarkt von Haifa durch Aufstellung von wenigen hundert Kühen in volle Deroute briii* gen. Aber das sind Prwägimgen, die vorläufig nicht ins Gewicht fallen. Vorläufig stehen die Milchpreist überaus huch und gewähren eine gerade zu gl.m• /,ende Rentabilität. Der Milehprcis sinkt in Haifa fast nie linier .11) Centimes und erreicht in Monaten der Teuerung 5t) bis <111 Centimes pro Liter. Da 111:• seit• Landwirte bei viel hohem Kosten für den teilreu Hoden, die .schweren Gebäude, die weit liuhein Arbeitslöhne 11s\v, bei einem!*reise von 11!: Pfeil* lügen gleich 1.1 Centimes pro Liter ah Stall, noch ׳ immer eine ausreichende Rentabilität erzielen, ist bei j so hohen Marktpreisen für den ersten Hctrieb der Milclijirnduktion in Palästina gcwill eine hohe Ren■ 1 t.ihililäl siclier, wenn die Lage des Gutes nicht zu fern der Städte ist. Der in Aussicht genommene Punkt in der Pbene Jcsrccl. an einer Station der Halm llaifa*Da1nas!s11s, kaum eine Stunde von Haifa, verspricht sogar für eine starke Milchproduktion einen zunächst enormen Produktümsgcwinn. Selbst wenn auf diese Weise später - wie ge• sagt fur Jen ersten Versuch verheilt( die Vieh• Produktion eine glänzende Rentabilität nur mit einem mälligen Prtrag des Kultstalles zu rechnen sein sollte, so wird dennoch die Vicliprmliiktiim |(i zu der ihr gesteckten Grenze getrieben werüc können, um die Grundlage aller rationellen \Vjf<" selmft, die Prhallung der Hodenstatik durch Iw gütig, zu legen und zu erhalten. Der Hoden ist seit Jahrhunderten syMe111nn\r|. ausgeraubt. Der Araber düngt grundsätzlich 1!״•, und zwar nicht nur aus Indolenz, und U11ke1!״n'\ sondern in logischer Konsequenz, »les imheih■,!!'' Hodeneigeiitunis. das liier bestellt. Die Dorigu!,^*' kuiig wird alle zwei Jahre neu unter die Here, (in״* ten uufgeteilt: natürlich dangt niemand einen 1:״!, ׳ auf dem im nächsten Jahre walii selieinlieh 111,1!: sondern iigend ein anderer, vielleicht sein I e״״■’ ernten wird. Statt dessen wird der Dung /!,;״ |t*; als Prsatz des in diesem hol/amien L.imlc י!,;, . ,,.!,ן den Hreiiuhol/es vet bräunt, zum Teil zu v ,1r1, Hergen aufgesclüittct. Die deutschen Hauern sa‘ rmia und Wihclma haben solche Itcrge mit <« miguug der Araber abgefahren und auf ihre I!dt: gebracht: man kann aber z. H. bei Rauilch 11!! \־•,' zarelh grolle Hügel von vielleicht 21) Ins ,1.1 Höhe sehen, wo der kostbare Sioff seit Jalu/, .׳tli verrottet. Ps spricht fur die unerseliupfljelu des Hodens, dal» er bei einer so widersinnige is, bammgsmeiliode überhaupt noch mul gar n, l, wenig Fruchte trägt. Nach dein Stand der 1 und den Aussagen der Sachverständigen darr j״ arabische Durchschnitt au Körucrfruclitcii . noch auf 1(1 bis IS Zentner pro Hektar (h 0 .־ Zentner) kommen: ein Prtrag. der geringe: scher Bniiernkiiltiir entspricht, bei der aber.!.!!;(, relativ starker Viehhaltung, der Hoden K, Mengen von Dung erhält. Wo aller genügend Dünger hiukoiiimt. tr, Felder das Vielfache der arabischen Frille, ,»• z. H. in Kinereth ein (ierstcieki. auf das Ile!; ke,- manu so viel Dung hatte bringen lassen. \\u ..׳ Verfogiing hatte. Die Grenze war wie in Um Lineal gezogen. Und wir schätzten, dali der k ertrag des gedüngten Teiles wenigstens 2!!!״!. wahrscheinlich über .!mal so hoch sein »um., der des imgeduiigten. 41 . ־ Wie weit es niogiiclt sein wird, den >• durch kuiistliehen Dniiger zu ergänzen, m,1.; läufig dalini. Die Deutschen in Wilhelm., 1 . J u; jetzt auf Anregung ihres sehr tüchtigen L ». P.\.r:• sehaftslehiers Keller die ersten Versuche um m..!.••;; mineralischer Dimguug, da sie jetzt keine .!; Diingcr mehr in erreichbarer Nahe im״!,. >!,- haben, meiner Prinuerung nach. 5500 Ze!.::,e Kalisalzen und Phosphaten bestellt, tiber/i, Topfversucltc. die Herr Keiler angcstellt » die allerdings geradezu fabelh.1tte Resultate ,; Iiaheti. lim vollgedungter Topf (bcsielien.l .,־.׳• d,• in Palästina als Universalgef.il’. mul Ums ,1 . f dienen.lei! Petrolenm-Bleclü annc) biaeliie ,»!!o. , Hiischcl Gerste mit nicht weniger als 150 Achtet:. > ' dal! ein Prtrag von über 10.111 Kornern zu erw,,ru., stellt. Natürlich ist ein T»»piversucb kein lk •.,־ such und dieser noch kein Feldversuch:!!!וו;,.:!,! kamt mau sagen, dalt der Hmlcu die Dungs:. verarbeiten imstande ist. Die Versuchs.ihm,! 1 1 ־.J hier eine der wiebtigsteu Aufgaben zu losen 1 i■,;1. und es ist immerhin heute schon erlaub! /!! i dalt die Produl, 1ivit.it der Fcl.lw irtscliait ,m. :1 ז dieser Seile Iler stark vermehrt werden kann Die Widerspenstige Frzählunj; von A. Weißen bc r g.*) Auf der l.ubliner Chaussee fuhr ich einmal mit einem jungen kräftigen Fuhrmann durch die Nacht. Wir sit/en slill da. Das Wägelchen seltau• lielt uns lief und hin über den fostgewal/ton Weg. Von fern her funkeln die Sterile. Sie 1)1111ment und /illern, als wollten ihre /.tickenden Seelen sich tief in die dunkle Nacht einbohr»״ l'in kühler Septemberwind kiißl mir die Augen, streichelt die Wangen und raunt mir j stille Märclun zu. Per liUdunklc Himmel neigt sich schwer zur r.nle und hüllt das Feld in seinen Mantel. Und Stille rings umher. Pie Felder in der Runde schlafen, umschltmgen von den silbergratien Schleiern des Taus, auf dem sich die Träume wiegen. Nur liier und dort ein Baum. Und der sorgenblasse Mond, in Hedanken versunken, lauscht dem Rauschen der Blätter. Pen Weg säumen zwei Zeilen kalkiger, vom Mondlicht umsilberter Steine. Wir fahren in der Mitte des Weges langsam dahin. *) ״Aus einer stillen Welt". Von Dr. Th. Zlocisti. Verlag von Leo Winz, Berlin. i Per Fuhrmann ist eingenickt. Und ich j blicke über seine breiten Schultern hinaus vor• i M/iuicn in das Dunkel. j Auf der rechten Seite der Fahrstraße ahne | ich zwei dunkle I lecken. Und da wir näher j kommen, sehe ich, daß es die Pacher zweier Hänschen sind. Per Fuhrmann reckt sich auf und sagt: ״liier will ieh das I'iertl füttern.** Nun nach ein lütl/vines Bvückchcn, und der Wagen steht vor der 'Für eines der I lauschen. Sie beide sind plump. Pie kliinbeworieitcn Wände sind zerschlissen. Und an der einen Seile des Hauses, wo wir halten, sind beide 1;ulen verschlossen. Nur durch die eiugesehnit• lenen 1 lalbmöncleheii in dem einen Fensterladen quillt ein I ichtstrahl heraus und fließt bis an den Bauch des Pfcrdas. Pie Fenster der ande* reu Wand sind mit Brettern vernagelt. Pas andere Haus hat an beiden Seiten zwei großer verbogene Finfahrttore. Wind und Sturm haben die morschen Bretter zerrissen. Die hol:- len Fenster gucken mit starrem Blick, wie die Augenhöhlen eines Skelettes, in die weite Welt hinein, als suchten sie die umherschweifenden Händler und die Fuhrleute mit vollen Wagen. Versonnen blickt der Mond au! das altersmüde, halbzerfallene Dach, das vor sich hin- ‘ träumt in alten Erinnerungen. I Irgendwo in der Ferne kräht ein Hahn ich , | blicke um mich. Rings umher noch viele '! einzelte Dächer, die aus einem Tale hervoll ■1 j; Pie Nacht hat sie in einen tiefen Traum u! •aiä bert.!־׳.in>Traumgewebe, in welches das .V.»;<:• licht Millionen silberner f aden Itineingev ׳׳!«<! hat, ן » Pa witlieft das Pferd. Ich erschrecke ״>•! pur. Der Fuhrmann hat ihm einen Bon ui :! |j Hafer umgcbttnden. Ich springe vom \\ .׳ . a ן | herab und, angelehnt an die Sciicnhrcttcr, ׳ »’ J j ich meine Uhr: Punkt zwölf! — |! Aus dun I lause dringen wirre Stimme!, u ן;| uns. Ich 11010־ die Worte: ״Was soll das?" ׳>' j j Fuhrmann zuckt die Schultern. Und seine 11 ׳• | j inenden Augen starren auf den Faden, aus »?!׳! | das l.iclit in die Nacht schleicht. Fr tritt n- ׳ F heran, legt horchend sein Ohr an eleu F... und blickt auf mich, was ich wohl zu allem-n i sagen würde. j ״Wohin wer da?“ frage ich. i ״Eine Witwe!“ — Und seine Blicke sinktn j auf die Brust nieder, lir rückt vom Faden g;i ך wenig ab. >] ״Wohnt sie allein da?“ || ״Nein, mit ihrer Tochter und dem Schw״• fi gersolm. Horchen Sic! Das ist die Stimme der | Tochter.“ 1

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