Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XV (1910)
- Issue
- Heft 28 (15.7.1910)
- Date
- 1910-07-15
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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.1 UH Dl SC HF. RUNDSCHAU Seite 33ר. No. 28. Merkspruch £u!cm Kcf :u lolflcn ist niemand zu alt und zu weise, Jerusalem Von Max Ring. Den Hügel aufwärts klimmt die Karawane; Die P.jukc dröhnt} cs weht die grüne Fahne, Das Dromedar hebt seinen Nacken schnaubend Und -*:bl den Fclsweg, Feuerfunken staubend. Audi die Hilfe unter Blutsverwandten war so geregelt, daß üer Arme ule!׳an/, verlassen sein Konnte, und der nächste Anverwandte hatte die!*flicht, in solchen Hüllen die Sorge für die in Be• drüngnis Geratenen zu übernehmen. So sehen wir aus der Geschichte von Ruth an einem lebendigen Beispiel die Wirkung der weisen Gesetze, die vor dreitausend Jahren bei unseren Vätern galten, und die im kleinsten Dorfe geordnete Zustände schufen, die heute noch großen und müch• tlgcn Völkern als Vorbild dienen könnten. Aber die Erzählung von Nofmi und Ruth ist nicht nur ein Bild von! heben einfacher Leute in jenen Der 3'־ahi schwingt die glutgeküsstc Lanze, Der > :trist zählt betend an dem Rosenkränze. Der iirkc ruht im Sattel weich geschaukelt, Von' iuris und des Mcer&chaumsdampf umgaukelt. Ücr Tale her zlehn ferne Glockenstimmen Wie cscnwölkchen, die am Himmel schwimmen. Gcs.-jncl ist der Weg, mit schlanken Palmen, Mil: entmen Pilgern, Wcihrauchsdufl und Psalmen. De *.!:f ein Schrei! der Hügel Ist erklommen, Deru ,יlern, in Abendglut entglommen) Ein Phönix, seine Feuerschwingen breitend, Du:>h F'cmmen zur Unsterblichkeit hinschreitend Der Purpur um die Stadt ergossen, 3s;V Sonnenglut, ist’s Blut, das ihr entflossen? Du Herz der Welt, von keinem übertroffen An treuem Glauben und an festem Hoffen! Noch schauen sie, die besten aller Lande, Auf dich, den Leucnturm an des Lebens Strande Dein Name lässt die Herzen fromm erbeben Ur.d hcch den Geist zum Himmel sich erheben Ein Chcrubl.ecr umwandclt Deine Trümmer, Hit gofd’ncm Panzer, heil'gcm Waffenschimmer, Soll schreiten sie als Wache deiner Hauer Und um sic her des Ew'gen Furcht und Schauer. i ״<* יוי• Ruth und Boa» Tagen, sic gehört auch in einem anderen Sinne zur jüdischen Geschichte. Denn Ruths Erstgeborener, den die alte Nonni;mf ihren Kniccn wiegte und aul* [ z״g, wurde der Vater Istns. und diesen kennen wir : als den Vater unseres Königs David. Die liebliche Auf Zions Burg und an dem Grab der Väter Sicht sic in dunkler Nacht der fromme Beter, Achrenlescrin ist also Davis Urgroßmutter, und cs ist nicht unmöglich, dal; der König in seiner Jugend* zeit sie!Hielt gekannt hat. Wo wie die heil’gen Ampeln Sterne glänzen Und Cedern dir die bleiche Stirne kränzen. Im Staube kniet vor dir die Karawane, Die Trommel schweigt{ es senkt sich tief die Fahne, Wie aller Blicke, die in dir versinken Gleich Tauben, die im Kidron durstig trinken. ן So jiielit Dorfggcsehielitc in Königsgcschlchtc, i und cs wird uns hier vor Augen geführt, wie das j Königtum aus dem Volkstum hervorging. * - Es ging•! zugrunde, als dieser Zusammenhang nicht mehr I wirksam war. Rabbi Josua Der Türke neigt das Haupt und wirft sich nieder Dem heil'gen Staub vermählt er seine Glieder, Der Christ bekreuzt sich an des Heilands Grabe, Der Jude weint und lehnt am Wanderstabe. I Ein römischer Kaiser sagte eines Tages zu RabU | Josua. Silin CI1n;mj;1s: ..Zeige mir deinen Gott, du! großer Talmudiss! Ich hin neugierig, ihn kennen 7.1: I lernen. Wo könnte man ihm ins Antlitz, schauen?" Rahln Josua lärlielte mitleidig über dies einfältige Verlangen und erwiderte in bescheidenem Tone: ״Das ist unmöglich, Herr, kein Sterblicher kann auf Erden zu solcher Vollkommenheit je gelangen." Ruth und Boas c Geschichte von Ruth und Boas ist eines '•'׳־• öliehstcn Bilder, die uns in der Heiligen Schrift aus .,r Urzeit unseres Volkes erhalten geblieben sind Die Erzählung führt uns in eine bäuerliche Um;.billig. Die beiden Frauen, Noinii und Ruth, geh'iru! zu den ärmsten Leuten ihres Dorfes. Doch siml s,e nicht ganz verarmt. Das Gesetz Mosis 8ibl i.dcin sein Stück Land, und niemand soll cs für! imnuf verlieren können. So besitzen auch die beiden | 3riiKij Frauen noch das Land Eliniclechs, des verstorbenen Mannes der NoGni, und nur deshalb sind sie auf die Hilfe anderer angewiesen, weil sic *גי;!! zehnjähriger Abwesenheit eben erst, zur Zeit <kr Ernte, nach der Heimat zurückgekommen sind. Aber auch jetzt sind sic nicht auf fremde Leute angewiesen, denn im alten jüdischen Gesetz hatte 3״eh der Arme sein Recht, und niemand durfte •hm wehren, bei der Ernte der anderen die Nachlese *u halten. ״Wie? Unmöglich? Kann wohl irgend eia Wunsch einem römischen Kaiser unerfüllt bleiben? Ich verharre bei meinem Verlangen, deinem Gott•:, dem Gotte Israels, ins Antlitz zu schauen! So du mir aber solches zu erwirken nicht imstande bist, werde ich deinen Körper den wilden Tieren zur Speise vorwerfen lassen." ״Ich bitte nur um Aufschub bis morgen, Herr und Kaiser, und deinem Wunsche soll Genüge geleistet werden." Tags darauf, es war eben im Monat Thanius in der heißesten Julisonnc. bat der weise Rabbi den Kaiser, ihn auf einem Spaziergange in die Stadt zu begleiten, da wolle er ihm Gott zeigen. Der Monarch kam seiner Bitte sogleich nach. In einer freien Ebene angclangt, zeigte Rabbi Josua auf die hellstrahlende Mittagssonne und bat den Kaiser, In dieselbe hineinzublicken. ״Das ist nicht möglich," rief der Monarch aus, ״mein Auge ist nicht Imstande, den ungeheuren Glanz dieses großen Himmelskörpers zu ertragen." ״Wie,“ versetzte der weise Rabbi lächelnd, ״einem mächtigen römischen Kaiser kann irgend etwas unmöglich sein?" Der Kaiser senkte betroffen seinen Blick zu Boden nieder, während Rabbi Josua sich ihm demütig zu Füllen warf und ausrief: ״Kaiser, wenn schon die Sonne, die nur ein einziges der Myriaden Geschöpfe, nur ein Diener jenes großen Meisters ist, dein schwaches Auge zu blenden vermag, wie wolltest du cs wagen, jenes erhabenste Wegen selbst schauen zu wollen? Gestehe, mein Fürst, daß solches den Staubgcborcncn niJit möglich und bedenke, daß wir in jedem Grashalme, in jenem Sandkörnchen die unendliche Größe und Majestät unseres Schöpfers erkennen können." Isaak de Castro-Tartas Ein Jüngling von schwärmerisch-frommem Gemüte! In der üascognc. in dem Städtchen Tartas geboren, war er mit seinen Eltern glücklich nach Amsterdam entkommen, wo cs nicht mehr nötig war, das Judentum als Todcsvcrbrcchcn zu verheimlichen. Doch Isaak fand noch keine Beruhigung dann. daß cs ihm gestattet sei, die Gebote des Judentums un* gehindert und öffentlich zu üben. Seine fromme Seele war vom Eifer erglüht, die Marannen ganz, zum Judentum zurückzuführen. Zur Durchführung dieser selbst aufcrlcgten Mission, trat er eine Reise nach Brasilien an. Isaak lebte mehrere Jahre in Furasiva, über die Ausführung seines Planes nach* denkend. Gegen den Willen seiner dortigen Vcr* wandten und Ercundc, begab sich der gottbegeisterte Jüngling eines Tages nach Bahia. Hier wurde er von den Portugiesen als Jude erkannt, ergriffen und nach Lissabon geschleimt, um ihn dem Ketzergc* richte ausz.uliefcrn. Obgleich Isaak de Castro-Tartas in Holland bereits das Bürgerrecht erworben hatte, zog ihn die Inquisition, die weder göttliche, noch völkerrechtliche Normen respektierte, dennoch vor ihr Blutforum. Das Ketzergericht nahm sich viele Mühe, den Angeklagten zur Abschwürung des Judentums zu veranlassen. Alles vergebens. Wie einst Salomo Molcho -- scheint auch der schwärmerische Isaak de Castro das Märtyrertum nachgerade angcstrebt zu haben, um als ״Brandopfer" den Namen Gottes zu verherrlichen. Am 22. Dezember 16*17 fand in Lissabon ein Auto* I da *Fe statt. Sechs Personen wurden wegen Judai* sicrcns lebendig verbrannt; 60 andere wurden zu lebenslänglichem Kerker und sonstigen Strafen vor* urteilt. Unter jenen sechs Märtyrern, welche die Todesstrafe erlitten, befand sich auch der 25jährige, für Juden und Judentum erglühte Jüngling Isaak de Castro-Tartas. Aus den Mammen rief er die Worte: ״Höre Israel. Gott ist einzig!" mit solch ergreifender Stimme, daß sic auf die zahlreiche Zuschnuermcnge einen tief erschütternden Eindruck machte, ln ganz Lissabon sprach man mehrere Tage hindurch von nichts, als von dem ״Schema", daß der gottbe* geisterte Jüngling aus der Mitte eines Flammen* niecres und einer dichten Rauchwolke im Momente seines Todes so schauervoll hervorgestoßen. Die Inquisition bemerkte sogleich den überwältigenden Eindruck, den der jugendliche de Castro durch seine unvergleichliche Glaubcnsfestigkcit und seine freudige Aufopferung für die Wahrheiten des Judentums auch auf die christliche Bevölkerung machte. Die Inquisition mußte, um den Fall in Vergessenheit zu bringen, die Erwähnung und Aussprcehung des Wortes ״Schema" unter schwerer Strafe untersagen. Gleichzeitig wurde beschlossen, künftighin judaisic* rendc Maranncn nicht lebendig zu verbrennen. Rätsel 1 23456728 Stadt in Palültina 2 4 3 9 10 6 Weltteil. 3 4 8 11 12 13 2 12 Europäisches Fürstentum. *13 6 7 Gebirge in Rußland. 5 10 6 12 13 2 12 Europiäsclics Königreich. 6 5 13 2 12 Weltteil. 7 9 12 14 9 12 Stadt in England. 2 15 2 3 Stadt und Fluß ln Böhmen. 8 6 14 3 13 14 Stadt in Spanien. Die Anfangsbuchstaben von oben nach unten gelesen, ergeben das erste Wort I