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Jüdische Rundschau · 1910-07-15 · Heft 28 (15.7.1910) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XV (1910)
Issue
Heft 28 (15.7.1910)
Date
1910-07-15
Page
– (sequence 5)
Language
German
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No. 28. JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 333. tcristiscli. Wegen d»es angeblichen mörderische» Ucherfalls auf eine Familie in Potsehop wurde vor ciuiser Zeit ein Jude namens GI u s k c r zu m Tode verurteilt 11 ml gehängt. Wie sielt jfl/! heraiisstellt. ist Uhudvcr ganz iniscluildlg verurteilt worden. Mehrere Zeugen hatten auch vor tlttklH bekundet. daß der Angeklagte zj!r Zeit des Verbrechens Inmdert Wjerst von Potschcn er.tfernt auf einem Oute beschäftigt war. Die Richter schenkten jedoch den Zeuge» keinen 01.1 יו ח en w e i I s i c J u d e 11 w a r e 11!! Nachdem 1 «׳Jesurteil bereits volls.trcefct war, meldete sie!• die Besitzerin, des betreffenden Gutes, eine äuge• schone christliche Haine, und bestätigte auch ihrerscits d e erwiilmten Zeugenaussagen. Hs war aber sch.׳׳ ׳!׳! spiit Olnskcr hintcrliell eine atme Witwe mit ־ .־ •hs Kindern. ♦ •1• I 1r die im koiiuiiendenllerbst in Libau statt- {״nie1 ־:ml«ra1l(msk01tlereH/. ist folgende Tages- 1,r,: festgesetzt worden: 1. vogtilierung der Arbeiten der Rayonskoniitces vier Jüdischen Hitiigrationsjiescllschuft in Rulluul und die Organisation der Rayons. ' ׳.e Versorgung der Emigranten mit Schiffs- .iiteu. X üilie an die Emigranten beim Erhalten von Auslandspässen. •t. Medizinische Hilfe für Kmigranten. hforniationsliicratur. 0 >10 Tätigkeit des Libauer Komitees und der liren/.komitecs. __ 7. \ crseliicdene Fragen (Hilfe für Kmigranten unterwegs.jisw.). 1 ■.־, weiterer Piuikt, betreffend die Ausarbeitung voa I Sanktionen für die Komitees und Vertrauens- 111,111•!• wurde vom Ministerium des Innern ge- Mn. n. Aulterdem hat die Regierung noeli die Hednu.. een gestellt, dalt die Verhandlungssprache der Kon:.:cii/. aiissclilielilicli russisch sei: dal! ihre Sit/1'.'scii geschlossene seien und ihnen ein Vertreter der 1' h/ci beiwohne, und dall au der Kouferen/. nur best ute Mitglieder des Zentralkomitees und der l. 0h, ■ouiiitces teihielimen, deren Namen vorher rccli־ ־-itig dem Oouvcrncur von Kurland anzugeben inul. Roer Gouverneur ist den Juden nicht gerade l'cs׳•• . v 1s gewogen. Als er vom Ministerium des innen, nach seiner Meinung über die Zusiimimingsirrte.:;:• 4 zur Abhaltung der Konferenz befragt wurde, erwukue er, er hielte die Konferenz für nicht erwnnsch;, da ihre Teilnehmer die Gelegenheit bcmu/eii würden, um in Libau Handelsgeschäfte zu m. ulicis: der dortige Hafen sei schon ohnehin von .In,Kn überfüllt. Die Regierung, scheint aber doch uic Luiurlichkcit dieser ״Befürchtung" cingeseheit zu taben. < Oesterreich >1 ll Die jüdisch-nationale Rciehsparlei Das in Krakau kürzlich zum Beschluß erhobene 0 r g a ui א;; t i ס n s s ta t u t der jüdisch-nationalen Partei ls; das Krgcbnis eines Kompromisses zwischen KeiiiiäigMi Zcutralisten und Landesföderalistcn. Dem läi.iln; 11 1 letzteren ist es ziizusclireiben, daß die Landes«. u־ku(ivcu und Konferenzen in vielen bedeutsauun T’rageit autonom und unabhängig von der Reichs».\ekuti\c entscheiden. Nachstehend die wichtigsie!! Ik siiiniiiungeii nach dem von der ״Welt" veröüemliJneii Wortlaut: 1. h . natinl'ul-jiidischc Rciehsorganisation um- : die in den politischen Landesverbänden ־•׳■ unsn.Tteii .luden. 2.!״ i andern, wo noch keine Landesorganisation 1 ־.du. ist die Reichscxckutivc berufen, eine ' . in. zu schaffen. 3• < ...»ne der Reichsorganisationc» sind: :!׳ »l 1c Reichskoiiferen:׳., 1יי die Rciehscxekntivc. 4• D .• Reichskonferenz besteht aus den Delegiert« : der Landesverbände, welche von den ein- /■ neu l.u1ulevk11׳üe.reu/,eu gewählt werden. Die 5. Kr Reiehskonferenz obliegen: a! die Wahl der Rciehscxekntivc, •יי Acndcrnugcn des Statutes der Rciehsorganis.!!חסו im Einklänge mit den Statuten der I.uiidcsorgatii.sationcn, e> l'cstM־,.z1mg und Wahrung des Programmcs, ü> Beschlußfassung iibcr die Grundlinien der l'i.litik, welche von der Rcicliscxckutive resp. von den parlamentarischen Vertretern der l'artei zu beobachten sind, t) l'.nigcgeimahmc der Berichte der Rcichscxcl.mivc und der parlamentarischen Vertreter und Krtcihmg des Absnlutoriunts, 0 Stelhmgiiahmc zu allen die gesamte österreichischc Judcnsclialt betreffenden Kragen. Kl Hesiiminung des Ortes der nächsten Reichskonferenz, ״• Alle übrigen Angelegenheiten, wie Stellungnahme zu den Kandidaturen in die gesetzgebenden Körpcrschaftcn usw., bleiben den Landcsorganisa- ״ honen überlassen. , , *• Bas ausübende Organ der Rciehsorganisation bildet die Rcicliscxckutive. Dieselbe besteht aus H gewählten Mitgliedern und den Mitgliedern des ״Jüdischen Klubs״, u. a. entsenden Qalizien 7, Bukowina •I mul Westöstcrrclch 3 Mitglieder. Der Vorsitzende mul seine Stellvertreter werden aus der Mitte der gewühlten Mitglieder von der Reiehskonferenz bestimmt. 9. Der Rcicliscxckutive obliegen: a) Leitung und Vertretung der Rciehsorganisation, b) die Durchfüliriiiig der Beschlüsse der Reichskonferenz, c) KiUgegcnnaliine der monatlich zu erstattenden Berichte seitens der parlamentarischen Vertretungen. d) Beschlußfassung über die politische Tätigkeit der parlamcntariselicn Körperschaften, c) Schlichtung der Streitigkeiten zwischen den Landesverbänden und deren Mitgliedern durch Einsetzungen von Schiedsgerichten. Das Statut ist bis zur nächsten Reiehskonferenz in Kraft, die im April 1011 in Lemberg stattfinden wird. Im Sinne des S 1׳ dieses Statuts wurde folgciulc Verteilung der Delegierten beschlossen. Ks entsenden: Galizien 30, Bukowina 20 und W e s 1 o s t e r r c i e 11 10 Delegierte. Um die Korderung der Einführung einer N a t i o n a I i t ä t s r 11 h r i k hei der bevorstehenden Volkszählung und der Anerkennung der jüdischen Nationalität zu unterstützen, wird im Laufe der Sonmicrscssion des Reichsrnls die Rcicliscxckutive der Jüdischen Nationulpnrtci als Deputation heim Ministerpräsidenten v. Biencrth und dem Minister des Innern v. Haerdtl vorsprechen. Bulgarien. Die neueste Pogromagitalion Rußland macht Schule. Zu tu Wesen eines ״Zarenreiehs" scheinen auch Pogrome gegen Juden zu gehören. Kr killt sich auch die Vermutung nicht ganz von der Hand weisen, dall ein gewisser direkter V. ti sa m m e 1111:1 זו g zwischen der Pogromagitation im Laude des ״Zaren aller Bulgaren“ und den ״echten Russen" bestellt. Denn merkwürdigcrw’clsc trifft diese verbrecherische Aufhetzung mit dem in der bulgarischen Hauptstadt stattfindenden allslawisehen Kongreil zeitlich zusammen. Diese Tatsaelic ist umso beachtenswerter, als die allslawisehc Bewegung in Rullland, die anfänglich mehr von libcralen Elementen aiisgcgangeii war und auf eine Verstümligmig zwischen Russen mul Polen hingcziclt hatte, in der Folge immer mehr in ein reaktionäres Fahrwasser geraten ist und jetzt vollständig von den ״russischen Patrioten" geleilct und beherrscht wird, so dall die liberalen Kreise von der Teilnahme an dem Allslawen-Kongrcll ausgeschlossen worden sind. Es ist daher wohl kein Zufall, dali die Pogtoinagitation in Bulgarien gerade am Vorabend dieses Kongrosses ausgebrochen ist. Die Judenhetzen haben einen derartig bedrohlichen Charakter angenommen, dall vier bulgarische Minister des Innere sieh veranlaßt sah. folgendes Zirkular an die Administrationsbehörden zu richten: ״Ich habe genaue Mitteilungen erhalten, daß in letzter Zeit einige verbrecherische Personen es unternommen habe», unter der Bevölkerung, namentlieh in Dörfern, allerlei Gerüchte zu verbreiten, mit dem Zwecke, den religiösen Fanatismus aufzuhetzen mul Hall und Ausschreitungen gegen die friedlichen jüdischen Einwohner im l.andc hervorzuriifen. In einigen Dörfern des Tirnower Rayons haben sich einige der verbrecherischen Agitatoren erlaubt. <1(י׳ Bauern zu betören und ihnen allerhand freche Lügen, wie z. B. vlic falsche llliitbeschuldigung, vorzuschwindein. Noch trauriger und noch bedauerlicher ist cs, Türkei Aus Konstant i 110 p e I wird uns geschrieben: -L- Die neiibegrlimlete ״Liga zur Ottomanisicru 11« der Juden" ist der erste Versuch zur Anhaltuiiiig einer Asslmllatloiisbewcgung unter den Türkiselien Juden. Dahinziuleiide - zumeist aus Westeuropa herkommende Elemente sind in der Türkei zwar schon längst vorhanden, und sic haben leider aueli nicht ganz erfolglos gewirkt. Doch trat ihre Wirksamkeit bisher nicht in der Form einer programmatischen Organisatiotistätigkcit hervor. Diese Aufgabe soll mm die neue Liga erfüllen. Natürlich stellen ihre Initiatoren die ״idealsten" Prinzipien auf. Das jüdische Gefühl solle in keiner Weise geschwächt werden. Die brüderliche Assimilation werde den jüdischen Nationalismus noch stärken." Wozu ist denn aber die Liga nötig? Haben sich die türkischen Juden nicht stets als gute Patriölen gezeigt? Sic haben an der Erneuerung ihres Vaterlandes tätigen Anteil genommen und wirken mit Hingebung und Erfolg für dessen Wohl und Gedeihen, ohne dal) cs dazu künstlicher Mittel bedurft hätte. Die Assintilationsbcstrcbungcn, die selbst in Europa bankerottiert haben und längst veraltet sind, passen noch viel weniger zum Wesen des ottomanisehen Judentums und zu dessen politischer und sozialer Stellung im türkischen Reiche. Die Prediger der ״brüderlichen Assimilation" sollten lieber ihre Energie darauf verwenden, dio Brüderlichkeit unter d e n türkischen Juden selbst zu fördern, die Gegensätze zwischen den Sephardim und Asclikcnasint zu mildern und zu beseitigen. Einen beachtenswerten Erfolg in dieser Bczic* Innig hat der Chaehatnbasolii Rabbi Cliaim Nalium in Jerusalem erzielt, indem es ihm bei seiner jungsteil Anwesenheit daselbst gelungen ist, den Frieden in der dortigen jiidiselien Gemeinde wiederherzustellen. Hoffentlich gelingt ihm dasselbe auch an. anderen Orten und namentlich in Konstantinopel selbst. Uebcrhatipt dürfte die jetzige Palüstinarcise des türkischen Oberrabbiners für das nationale Judentum gute Früchte tragen. Dort in Palästina hat der ofiizjclle Repräsentant der türkischen Judenheit z.unt erstenmal das moderne, lebendige Judentum keimen gelernt, hat das hebräische als Umgangsspräche vernommen, ist mit der neuen jüdischen ücneratio» in direkte Berührung gekommen. Und das w׳ird sicherlich nicht ohne Einfluß bleiben auf seine Denkweise und seine Anschauungen über das Wesen und die Zukunftskraft des neuen Judentums. Es muß dabei zur Erkenntnis gelangen, daß jetzt eine ganz andere Wirksamkeit erforderlich ist, als die von der ״Liga" inaugurierten Bestrebungen. Amerika Eine neue jüdische Kolonie In Texas Aus G» lv cs ton schreibt man der ״N. J. K.": Fällige in Texas ansässige reiche Juden, denen sich der bekannte Multimillionär Jakob Schiff zugesellt hat. haben zwischen 0 a I v c s 10 11 und H 011־ ston 500(11) Acker Land gekauft, auf dem vlic aus Europa, namentlich aus Rußland ausgewiesenen oder aiisgewanderte» luden angcsicdclt werden sollen. Nach den Plätten des Ausschusses, der sich mit der Ansiedelung befallt, soll jede jüdische Familie etwa 20 Acker Landes, ein auf Kosten der Gesellschaft erhautes Hänschen, ein Pferd, eine Kuh und das nötige Arbeitsgerät erhalten. Im ersten Jahr erhalten die Ansiedler auch die nötigen Vorräte: die Abzahlung für den Wert des Gutes soll in 25 Jahresraten erfolgen. ziohistischc bcwcgung Präsident Wolffsohn in Königsberg i. Pr. Ende voriger Woche weilte Präsident Wo I f f soh 11 auf der Durchreise nach Memel einige Tage in unserer Stadt. Auf den besonderen Wunsch des Präsidenten war von offiziellen Veranstaltungen und öffentlichen Ehrungen Abstand genommen worden. Der seitens der hiesigen zionistischen und nationaljiidi.sclieii Kreise ausgesprochenen Bitte, den Präsidenten in ihrer Mitte begrüßen zu dürfen, war Herr Wolffsohn jedoch bereitwilligst naehgckoiiimcn. Am Freitag veranstaltete die Zionistische Vereinig u n« ein kleines Festmahl in Masie’s Hotel. Im Verlauf desselben entbot der Vorsitzende der Ortsgruppe Dr. Pelz Präsident Wolffsohn in ehrfurchtsvollen Worten ein herzliches Willkommen und gelobte zugleich im Namen der Königsberger Zionisten dem verehrten' Führer unverbrüchliche Irene. Präsident Wölfisch» erwiderte etwa folgendes: Wir Zionisten hätten im allgemeinen 1:eine Ursache Feste zu feiern, aber diesen Abend mitzumachen, gereiche ihm zu besonderer Freude und Genugtuung bei dem Gedanken an die überaus er* folgrciclieii Verhandlungen der Jahreskonferenz, welche die scheinbar so gefahrvollen und doch gar nicht tiefliegenden Gegensätze völlig ausgeglichen und die ersehnte Einigkeit auf absehbare Zeit wiederhergestcllt habe. Die Kraft der Idee habe sieb wie• der einmal j!! ihrer machtvollen Größe gezeigt und mit Leichtigkeit den Sieg davoiigetragen. Seinen Worten nunmehr einen launigen Untertan gebend kam Präsident Wolffsohn dann auf das Verhältnis zwischen Ost und West zu sprechen. Es existierten Unterschiede, das sei unleugbar, aber diese lassen sieh verwischen, wie es das Beispiel gerade in Königsberg lehre, wo die seit Beginn der Bewegung in schöner Eintracht geleistete Arbeit merklich wachsende Erfolge hinter sich!!erziehe. Mit einem herz* liehen Hcdad auf die Ortsgruppe schloß der Präsident seine Rede, deren zukunftsfreudiger Optimismus alle Anwesenden mit sich fortriß. — Am Sonnabend fand — ebenfalls in interneren Kreise — ein Fest- Kommers statt, zu welchem der Verein jüdischer Studenten nach seiner schönen geräumigen Kneipe geladen hatte. Dr. Julius Rosenfcid betonte in seiner Bcgrüliungsrede, wenngleich um das Banner des V.I.St. auch nicht ausschließlich Zionisten geschart seien,

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