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Jüdische Rundschau · 1910-07-15 · Heft 28 (15.7.1910) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XV (1910)
Issue
Heft 28 (15.7.1910)
Date
1910-07-15
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seile :»:*2. 1u 1• nisci 1 n iniNnscHAU No. 28. ergrifi der bekannte Philantrop. M״ Hermann I.a 1111 an das Wort. Ich Italic den Orient auf inclirfaclien Reisen kennen «eiernt führte Mr. l.an• dan aus und weilt, wie fruchtbar er ist, Her Mini• ster der öffentlicher. Arbeiten in Ae»׳v1>ten stelte mir einen hervorragenden l'aclimaitn zur Verfii«11n«. mit dem ich Palästina bereiste. Als wir das .Ibrdnntal iltirchiiuerlen. sagte mir mein Begleiter: .Dies!: l.atidstrecke ist überaus fruchtbar und fast viilli« iiubebaiit. Sie könnte eine halbe Million Menschen ernähren." IVr Platt der A. .1. K. O. ist vortrefflich, aber er muH in «röll teilt Stil diirehgeführt werden, l's ninlt mit einem Kapital von vielen Mi!• )1«men ein ,.Credit foucier“ für das jüdische Aiisied• lungsgchict «esclutfieu werden. Ich «lattbe. es «ibt keinen .luden, der dieses Werk nicht un1crs1״t׳׳cn würde, wenn die türkische Remci'uiK׳ die genügenden Sicherheiten r.ihl. Ich selbst bin bereit, eine sehr beträchtliche An1;׳I1l von Anteilen zu übcrnelnii..*,! und bin fibei/euet. d.iH die eiin'luHreiehsien (iboibeu;׳• «ettossen diese Instif 11 timt fördern werden. Wir tttlis• seit die A. .1. K. (). in die l.ace setzen, ihr Werk 1:׳ eiitsprechcndem Malistab diirclizuführen und mit Ui:• terstiitzuii« namhafter en«lischer Juden ihre U׳>ter־ I1andluu«en mit der türkischen Regierung abznschlie• Heu, so dal*, die jüdische Kuloiilsatlon durch ein Cies״tz «ereuelt wird. Mr. Pore v Al. Castello erklärte ׳,beufalls seine vollste l.'ebeieiiistinimun« mit dem Plan der A .1. K. O. und seine Bereitschaft ihn ,׳״'nliscli 1111*1 imanziell zu unterstützen. Ous Unternehmen ist ent überaus ernstes mul kann nicht sorgsam '׳einig fiiu• tliert werden. Mr. A\ Kle imenha«en forderte die Ver• .sannnliin« auf. unter dem tiefen l'iiulruck. den die Referate von Pr. (iinsbere und Pr. Nossi« sowie die überzeugende Ansnraehe Mr. Landaus hervor• «ernten haben, einen praktischen Schritt zur l'ürde• imi« der neuen Bewegung zu machen. Die en«lisel1e Jtidenlieit. müsse sich an der Or«anisa!i׳m!)"'eiligen und ein K! initee wählen, das dem K01onisatio״sw׳ ••׳ die tatkrüftiee Imtcrstuumi« ausschlaggebender tilanbeiisuenossen sichert. Die I lenen II. K i s h. Rev. (lolattcz und RcV. Lev in brachten eini«e l'.inwände vor und stellten I r.iKen. du* von dem Chairman Mr. L. .loset) 11 und Pr. Nossi« beantwortet wurden. Nachdem noch Mr. A. d a Cos! a A 11 d r a d e. Mr. L. Heuj;1 nt i n mul Mr. II. Lev in.so 11 die!־*örderim« der Hcwe«m1« vier A. .1. K. <). aufs Wärmste befürwortet hatten. hcamra«te Mr. l'crey M Castello nachstehende R c s o I n t i 0 ח : ,.Pie Jiier versainmelteu Trcnndc des jüdischen kolonisatiouswerkes im Orient hescltliellen hierdurch, eine Lnglisehe Ahteilun« der All«c111cincn Jüdischen Kolonisations-Organisation mit einem Londoner Komitee an ihrer Spitze zu bilden." Pie Kesolutioii wurde eiustinimi.mime vorauf die Anwesenden sieh als Mitglieder d׳*r A. K. 0. in die Listen eiiumgen. eine Reihe von Snei den für die bmuls zeichneten und sich als Tnglisc! Ahteilun« der A. .1. K. 0. formell konstituierten. In das londoner Komitee wurdmi «ewälil David Allatini, A. da Costa Andrade, P. Hirnham James Castello. l’crey M. Castello. Leopold .losen Hermann Landau, Joshua M. Levy. Joseph Pra Auf Antra« von Mr. Hermann Landau votier die \ crsaminhin« unter warmen Beifall den D.mk f< den Vorsitzenden Direktor Joseph, dessen ors malige Beteiligung an einem jüdischen llilfswei sympathisch heyriint wurde. Ls ist der Tiielischen Abteilum׳ de•• A. I. K. ( gelungen. «leicli beim He«inn namhafte Vertreter d! liortiiylesisclicn. englischen und deutschen Jude»• i kreise z.11 vereinten und einflnllreiclic Person :cu• keilen, die dem jüdischen Kolonisalionswcrk Ins jetzt l völli« fern standen, zur tätiyeit Unterstützung cosselben zu veranlassen. Diese Umstände «eben eine (Iewälir dafür, dall die ״Lnglisli Pevision of tho de• ntral Jewisli Colouizin« Organisation" eine cl?enso «edeiltliclie l!ntwiekltm« iielmieit wird. v<* die •<011• tineutale Abteilung. * Pies der licriclit. der aufs neue ein Zeichen ist, wie anregend und befruchtend die zionistische P r o p a « a u d a auch auf die a u H c r!1 a I b unserer Organisation stehenden ja ihr teilweise gegncrisei! gegenübersteliciulen Hiemente «ewirkt hat. Pcm*. das darf ohne dall wir. wie gesagt. sonst ׳.u Jc.1t Inhalt Stellim« iieliinen wollen bemerkt wi*i׳'c». dall ohne die dreizehn Jahre zionistischer Arbeit der Hoden für diese und ühuliclie Uiiternehnmiiyeit j w eit weniger «eebnet «eweseu wäre. Au der z i o n 1• ‘ s t i s c 11 c n 0 r « a ni s a t i o n . <ds der « r » Uten, weitblickendsten, als der V o I k s 0 r « a n i s a t i o n, wird es sein, alle U1tlcr11ehmun«en. die w i r t - sc ha ft lieh ähnliche Ziele verfolgen, gut im Auyo zt! behalten, damit auch deren Arbeit einst fruchtbar wird für das «rolle jüdische Ziel, das im Baseler Pro« ramm der Zionistischen Bewegung seinen historischen Ausdruck «cfiimlcu hat :־• AUS ALL6R W6LT « Deutschland Bildersturm in München Per Kunststroit mn das P a b i a n s k y s e h e Bild, das die Jiideniueizelcieii in Kiew dar stellt, wird vnraussiclitlicli den P ii e k t r i 11 ein i «er V o r s t a ml s m i t « 1 i e d e r und c i n i « c r Mit- «I i c d e r der i 11 r v in der Münchener Ausstellung im Ulaspalast zur Holge haben. Pie Münchener K ii 11 s 11 e r sind iiher die Nach«iebi«keit gegenüber dem Terrorismus und der russischen Schnüffelei auf deutschem Boden sch r er r c« 1. Pie Jury erklärte, sie habe in dem Bilde keine Belcidi«u.!y des Zaum erblickt, sondern ein v o 11 k o in tu encs Kunstwerk. (V«|, den Leitartikel in voriger Nummer der ..j. k.״.> :1! Litte deutsche Zentralstelle iiir iiidlschc Wunder• armeuliirsoree ist in Berlin in einer Vcrsammlun« von Verbamlsvertreiern und Vorständen bereits hej stellender I’rovinz.ialkassen endgültig «egrlmdet wor• I * den. Aus allen Teilen des Reiches waren Delegierte erschienen. Pie Versammlung wurde durch Herrn Professor Pr. M. I'liilinnsolm geleitet. Verhandelt wurde über den Stand der organisatorischen Vorarbeiten und die örtliche Abgrenzung der Gebiete der ProviuziabKassen. T'iir Ostprcullcu kämen hauptsächlich Kranke in Betracht, die von Rultland herüberkommen. Herr Kndisch-Pnnzig berichtete über Westpreulieii. wo die Provinzialkas.se erst in der Bil• dun« begriffen ist, Uiue längere Debatte entspann sich dann über die Behandlung der Kranken. Herr Sanitätsiat Br. Pcilehcnfcld-Berlin erklärte, dafi nur ganz, ausnahmsweise eine Berechtigung vorläge. Kranke nach Berlin zu senden, meistens können sic in ihrem I Icimatlande. sonst aber an der Grenze in Königsberg und Memel abgefertigt werden. Gleich• zeitig gal! er die Hrklürune ab. dall die Berliner Ge- 1 meinde ein I'iüiftol zahlen werde, darüber hinaus aber noch einen Betrag nach Maligahc des Bedur|. nisses. Nach Annahme der Satzungen iur die Zentral- Lasse NNurden in den Vorstand gewählt: Professor Plülippsolm L Vorsitzender. Sanitätsrat Dr. Teilchen• feld-Berlin stellvertretender Vorsitzender. Pr. Max < iiushetg ‘legi.. Kommerzienrat Beniainm Hirsch. Ilalberstadt I. Schriftführer, Generalsekretär Pr Nciimnnn 2 Schriftführer. Herr Meisel 1. Schatz.-’ meister. Herr Max Heer 2. Schatzmeister, /!nii Sclilult wurde vom Vorsitzenden noch angeregt, .Litt jede Prnvinzialkasse eine Arbeitsstätte mit Arbei'.s• nacliweis ein richte. Russland Die Aufhebung des Ansiedlungsrayons Ans Petersburg wird uns berichtet: In einem Gespräch mit Zeitiingsvcrtretcrn aul;. rt״ sielt der P 11 in a p r ä s i d e 1. t (iutsclikow! er die Aussichten des in der Puma cmgchrnclitcu <1«. selzcniwurfcs wegen Aufhebung der Wohnrecht*• e* scliränkmigeii für Juden. Lr meinte, die Pumaimhr. heit werde n iir ei n e r L ז v. eitern 11 g d e s :1. .s i e d c I u n g s g e b i e t c s, aller nicht dessen g /. liclicr Abschaffung zustinunen. Diese Acnlicrmig .!. dient um so mehr Beachtung, als (iutsclikow . 1! der Lüiirer der ausschlaggebenden Oktohristeu;- cj ist. Pie von ihm angedeutete ,.Losung" ist denn , h echt ״oktobristisch“: eine geringfügige Konze welche die Grundursache des jüdischen ‘ s- .seiielends unberührt lassen würde. Viel k'.r.s,, ter ist schon das Organ der ״echten Russen ".;!! einer der letzten Nummern schreibt die ..K*. .je Snuinjn" über die russische JmleutTage: ״Ls ist eine verfluchte Trage! Sie niinu; ar kein Hude! Pie Puma muH diese Trage hctia ־cu in der Richtung der Vertreibung aller .1 , d . eben aus R 11 H I a n d . und nicht in der kV,,•mg ilircr Ausbreitung über das ganze Land. Sie 1, ■ ca liier nichts zu suchen, sic verpesten nur d.!s ,!;%• sisclic Volk mit ihrem asiatischen Gift. Die ׳,er• fiiichte Trage dari nicht in die I.ängc gezogen ׳, er• iku; sic erfordert schnelle Trledigung . . . l'i.l cm• mal fnr allemal . . . Die Regierung scheint diese ..Losuug״ iur die richtigere zu halten. Wenigstens dcutui die Masseiiauswcisimgen von Juden in den Vers,..,, Men Teilen des Zarenreiches darauf hin. d.m J,c Regierung gegen das .,asiatische (iiit" mit alle: Kraft an/.iikainpfen entschlossen ist. Weniger erfolgreich hekämpit die russisci.c Ad• ministration eine andere ..asiatische Pcs!״: J!•• Cholera. Die Nachrichten über die Aus 1 ' י k I UliV J der Cholera in Rullluiid lauten immer eniMu in bedrohlicher. Auch die jüdischen Zentren, wie Minsk, Wilna u. a., sind jetzt gefährdet. The Niedergeschlagenheit der jüdischen Bevölkeriaig ist dadurch gesteigert worden. Die Zahl der Seihstmorde unter den jüdischen Massen ist in jüngster Zeit m erschreckender Weise gestiegen. Mas• sendend, Verzweiflung. Trstarrmig jeder politischen und gesellschaftlichen Tätigkeit das ist die gcgeiiwartige Signatur der russischen Judculicii. Russische Jusliz j. Justizmorde sind in Rullland keine Sd;citbeit. Doch ist jetzt ein solcher Tall wegen der Ursachen, die ihn veranlalit haben, besonders ci.K- *." ^•Ih״ schnurrte di« Wanduhr heiser, schlug < mm durchdringend die zweite Stunde an. 1\■!־ Alte fuhr sielt über die Stirn, öffnete wieder das I>uch und fitti׳ an zu lesen. Die Stille schien sic 1 nun noch vertieft z.n haben, da die Nacht sich scliwcr auf das hastende Leben dort drau- Ben herniederpfesenkt hatte. Hier jedoch wachte die Vergangenheit, umhüllet mit dem Schimmer der l'-wigkcit Das Dicht glitzerte über den Gegenständen, die unter seiner Bestrahlung erglimmten. Rings umher, au den Mauern, standen Schatten gleich Wachposten unbeweglieh still. Bängen 1. ’Ch schik zu dir dem seltensten Gruß Vuu mein Herz mit Liebe. Ach, die Tätr. sei sennen schwarz, Miesse, dunkle Triebe. *Cli sitz in Winkel still verfracht. U11 ich denk on Zeiten, Draußen iogt a starker Wind, Er derzählt vun weiten. Dorten wart auf dir a Herz, A Herz schoin lange Johrcn; fielt, gesegelt dich azittd. Geil un lteib on führen. Winter in a fremden Land Is nit gut zu halten. Fohr aweer vun dannen schoin , fn dein Heim der Alten. ״Dort westu gefinuen Trcist Un a Wort, a treuen. Geh. un leb on itzt dein Welt Mit a Koiach. a neuem.“ ’Ch sitz un schweig un lieer dos zu, Wer thot mein Weh denn fühlen; Acli. wo nehmt men Koiach itzt, Ach. wo nehmt men Willen?!- II. Fohr aweg. ich muß do bleiben. .Denk’sze. denk’sze mir zu schreiben, Fohr aweg gesund: Trübe Tag. ich well do sitzen. ’Chkeim var Schwarzkeit mich nit schützen, Fohr’szc, foltr. mein Kind. Länger kennst dich nit aufhalten, West dort in dein Heim, der alten, Loben lange Mir; ’S treiben dich. o. Menschen schlechte. Doch die gute un gerechte Oelinstu dorten nor. Dich begleiten logendioliren — - ’Swct die Sunn auch Licht nit Sporen, kli geh ־/.’rück alkin; —־ Ich well welken un verstummen, Un, o, keinmal, keittmol kummen ln dem Land arcin.-- Salomon Dembifzer. Jüdisch-arabische Zeilungcn Seit kurzem erscheint in Tunis inner dem '1001 ״II s-S a in a n" (״Die Zeit"! ein jüdisches Wo.!: 1!־ blatt in judao-arnbischer Mundart und hcbräischei' Lettern. Herausgeber des neuen Blattes ist M1<׳>c Sitbon, Chefredakteur M. Maarek. Das Blatt vertritt eine zionistische und zugleich rcli* giös-traditioncllc Richtung. Außerdem erscheint in Tunis schon seit sieben Jahren eine i־״ disclt-arabischc Tageszeitung unter dem Namen ״Ls- Sa bah" (״Der Morgen"), die von Herrn Jacob Cohen licrausgcgcbcn wird. Auch diese Zeitung sympathisiert mit der zionistischen Bewegung.

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