Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XV (1910)
- Issue
- Heft 27 (8.7.1910)
- Date
- 1910-07-08
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seile 322. ־ I - Die verflossene drille Ditmnscsslo» zeichnet sich durch den in ihr zu läge getretenen Judenhall besonders aus. Sie hat den Juden nicht eine einzige Hrleiehunmg. dafür aber eine Reihe neuer. Beschränkungen gebracht, wie inbeztig auf die So 11111a g s r u 11 e. die A n s se h I i e ß u 11 £ von Juden ans der M 11 i t ii r m e d i z i 1! i s e 11 e 11 A k ad c m i e und die Nichtzulassung v o n J 11 d e n zu den Scinstwos. Die Reaktionäre begnügte» sielt aber nicht damit, dali die .ludet» von den Seuistwo• w .1 h I e u ausgeschlossen wurden. Kurz vor Schluß der Session hat die Dumaknmmissioii noch den He• schliilt gefallt, doll .Inden auch nicht als He amte in den Senistwos anijestellt werden dürfen, obgleich von keiner Seite der Beweis erbracht werden konnte, dal! sieh die .Inden auf diesem Uebiete nicht bewährt hatten. Hie Menge der in der Duma während der ab£0• laiifenen Tagn11£ gehaltenen Hrand- und Hetz■ reden gegen die Juden könnte ganze Hände aiisiulleii. Vergleicht man das Resultat dieser Ses• sinn mit demienieen der zweiten lagmig. so zeigt sieh eine augenfällige Erstarkung und Steigerung der imstereii tlew■allen. Hatte die zweite Session lint den fortschrittlichen Beschlüssen im Sinne der (ilaitbcnsfrcihcit geschlossen und damit auch den entrechteten luden *־inen Hoffnungsschimmer gege• beit, so war der jüngste TagittigsabsclmiU voll Hall taid Gift gegen die ..fremden Völker“ im allgetneineu und gegen die Juden insbesondere. Und doch haue diese Session eine bis turische Hedeiituitg fiir die russische Jndeiilieit er• l.uigt. Heim kurz, bevor sie geschlossen wurde, ist der von Ion Abgeordnete» Unterzeichnete (iesutzentwnrl wegen Absehnfimig des Aiisledhiiigsraymts in der Duma eiugehraeht worden. Das ist auf alle lalle ein Ereignis von weittragender Hedeuumg! Dieser Antrag hat eine lauge Vorgeschichte, l'eher die Zweckmäßigkeit desselben wurde in den fi.breinleii Kreisen der russiselieit Jndeiilieit lauge uebattiert. wobei die Ansichten sehr geteilt waren. Die Zauderer und Aengstliehcrcn rieten davon ab. in der gegenwärtigen ungünstigen Zeit die Judenfrage in ihrem wundesten Punkt - der I rage des Wohnrechts - nnz.nsehuciden. Die Muli• goren wiesen hingegen immer wieder darauf hin, ilalt die verderblichste und schädlichste Politik die des Schweigens ist. Und die Mutigen haben wie immer endlich die Oberhand gewonnen. Der bedeutsame Schritt ist getan. Mit dem Sv*, teilt des tatenlosen A I) w a r t e n s und Schweigens ist vor allen dank der Tatkraft und Energie Nisse Iow i t s e h s g e b r o e 11 c 11 \v o r d e 11. Die mssisclie ,ludeitlragc wird In der koiiiiitciideu Session in ihrer gau/eit Tide uml Furchtbarkeit vor aller Welt :inigcrollt werden. I’.s w׳ird vielleicht der erl'ittcrtste patlamentarisebe Kampf. den die Juden irgend eines Landes jemals mu ihre Menschenrechte geführt haben. Uml wie der Kampf auch enden mag er ist immer ehrenvoller als das wider• Mamlslose Siehfogen in di.־ blutige Harbarei! Die Hinbritigimg dieser (iesetzesvorlage ist den Reaktionären und Verliäudiern ordentlich in die (Hie• der gefahren. Die ,.Ross in" droht mit M a s s e » p o g r o in c 1t und fordert das ״russische Volk" auf, den Zaren zur ׳..Abwendung der tiefalir";iii/.ti ru fen. Nach den Hrfahriitigen von den ״Hrcilieitstageu" im Oktober löii.s wird mau gut tun, die iieucstcit Pogromdrohungcn doch nicht zu leicht zu nehmen. * -1- Das Ministerium des Innern hat das lutherani• sehe Haiiptkoiisistoriiim daraul atifnicrksam gemacht, dali stell in letzter Zeit zahlreiche .luden taufen licllcn, wobei die meisten von ihnen lediglich die Erlangung von Rechten bezweckten, die sic als Juden nicht haben. Das Konsistorium hat darüber eine besondere lleratuug abgelialteu und darauf an sämtliche Ittlhc• ramschen Pastoren folgendes Zirkular gerichtet: .,Juden sollten nur nach der einmal Jährlich stattfindenden Konfirmation zur Taufe zugelasseit werden. Vorher müssen die betreffenden mit der christlichen Religion genau vertraut gemacht werden, voltei sieh die OcisUielicn davon zu überzeugen hätten, ob die Taufe auch ״a u f r ich t i g" gemeint sei. Ausnahmen hiervon dürften nur in besonders wichtigen Fällen und mit Zustimmung des llaupikonsistoriiims gemacht werden. Dali die meisten zur Taufe schreitenden Juden es dabei nicht ״aufrichtig" meinen — stimmt wohl. Die Schuld an dieser lmmoralität fällt aber vor allem auf das Haupt der Zarcnregicrung. die durch ihre Harbarei die Juden zur Verzweiflung treibt. In erster Reihe in ii li t c sic sich selbst mit den ״Grundsätzen der christlichen Religion" vertraut machen. England Im Londoner Hast End fand vor kurzem ein großes Protest-Meeting wegen einer Angelegenheit statt, die das Verhältnis der Londoner Jüdischen Millionäre zu den Bedürfnissen der ]Udischcn Massen _I U I: D I SC 111:Jj_U N I) SC 11 A U _ in eigenartiger Welse beleuchtet. Die Sache zieht sieli schon seit vier Jahren hin tutü hat bereits mehrfach zu lebhaften Auseinandersetzungen geführt, l'.s handelt sieh um die Begründung eines besonderen Jüdischen Krankenhauses im Hast l'.ttd. Daselbst be* sieht zwar das größte Londoner Krankenhaus, das ״l.oiulou Hospital". Die kranken Juden, die aus den osteuropäischen Ländern stammen, können aber von demselben fast gar keinen Gebrauch machen, weil sie der englischen Sprache nicht mächtig sind, l'.s hat sieh deshalb im Hast Lud ein besonderes Komitee zur Begründung eines jüdischen Hospitals gebildet, dem auch schon ein beträchtlicher Ponds zur Verfüginig stellt. Die reichen Jude» des West Hnd, an ihrer Spitze Lord Rothschild, sind aber entschieden gegen ein solches Unieriiehiiien. Die Hast-Juden müßten, wie sie behaupten, Englisch lernen. Die Medizin sei auch ״international" und kenne keine ״konfessionellen Unterschiede". Die jüdischen Milliouäre scheinen die Befürchtung zu liegen, daß ein besolideres jüdisches Hospital ein schlechtes Licht auf ihren ״Patriotismus" werfen und zum Entstehen eitler antisemitischen Bewegung Anlaß gehen könnte, lind deshalb ignorieren sie völlig ein elementares Bediirfnis von tausenden armen Juden. Das genannte Komitee versuchte es ״im Interesse des Friedens" mit einem Kompromiß: es beantragte bei der Leitung des ״London Hospital", in diesem einen jüdischen Ar/t und einige jüdische Krankenschwestern für die Hehaudliing der Bast-Juden speziell anzustcllcn, wofür es die Kosten übernehmen wollte. Als auch dieser Vorschlag erfolglos blieb, steigerte sich die Unztifriedeulicii der interessierten Kreise zu unverhohlener Mißstimmung. Diese wuchs zu voller Empörung, als das Komitee für die Errichtung eines jüdischen Denkmals zum Andenken des verstorbenen Königs Eduard VII. den Vorschlag ahlchutc. ein indisches Hospital auf den Namen Eduard VII. zu begründen, der gerade fnr Kranke und Neilbedürftige bei Lebzeiten ein warmes Herz hatte. Dieser Empörung wurde vor einigen Tagen in einer im ״Pavillon-Theater" staugehabten, iibcratis stark besuchten P r o t e s t v e r s a 111 in - lutig lauter Ausdruck gegeben, in der u. a. Dr. M. Ga ster und der frühere jüdische Parl.mientsabgeordnete Mr. Bertram Straus das Verhalten der iiuliseilen Millionäre in dieser Angelegenheit und insbesondere die daraufbeziiglichc Resolution des letztgenannten Komitees aufs schärfste verurteilten. In der Versammlung spraelt auch der P’inanz.miiilstergehilfe Mr. Ben, ein Christ, seine Sympathien für die Begründung eines jüdischen Hospitals aus. Beiläufig bemerkte er. er lerne jetzt Jüdisch und hoffe, später einmal Reden in jüdischer Sprache halten zu können. Finnland ״Finnische FreihciP' Die freiheitsliebenden Pinnen Italien wieder einmal ihre nahe geistige Verwandtschaft mit - der itissisehcn Regierung in punkto Judenfrage an den Tag gelegt. Vor kurzem wurde wieder einmal über 20 jüdische Familien in Helsingfors die Ausweisung verfügt. Die Betroffenen appellierten mm an den Senat. Dies verdroß den Helsiugforser Polizeieltef, mul er ordnete an, die 20 Familien, die schon seit viele» Jahren nt Helsingfors wohnen, müßten sofort die Stadt verlassen, sonst würden sie mit Gewalt hinaiisgetriebe» werden. ״Die jüdische Frechheit übersteigt alle Grenzen." schreibt der Polizcichcf in seinem offene» Briefe an die ausgewiescncii Juden. ,.Immerfort wenden die Juden alle ehrlichen und unehrlichen Mittel an, um gegen den Willen der hie- *igeit Bevölkerung am Platze zu bleiben. Allein auch die Polizei kann die jüdische Frechheit nicht mehr dulden." Daß die iinnländiselic Polizei an humaner Rücksiehtiuthme der russischen keinesfalls nachstcht, beweist folgende 'fatsachc: Einer der Atisgcwicsenen legte der Polizei .ein ärztliches Attest vor, daß seine Frau krank durniederliogc. Er erhielt aber zur A1!twort, dali er die Stadt schon früher hätte verlassen sollen und nicht so lange warten, bis seine Frau erkrankt wäre. Die Ausgewiesenen sandten eine Dcputatim! an den Gouverneur, die aber nicht empfangen wurde. Amerika 08. Im Monat April d. J. sind im New Yorker Hafen htimlerhimlvlerfauscnd Einwanderer, darunter 53t7 Juden, cingctroffcn. 1809 Personen, darunter 90 Juden, wurden zurückgcschickt. Die Zahl der Ein- Wanderer in Amerika im ganzen Jahre (bis 30. Juni) dürfte über eine Million betragen. Die Judenaiütweisungcn in Rußland machen sich bereits bei der Immigration in Amerika bemerkbar. Die EinwandcruiigsRcsctzc werden jetzt mit äußerster Strenge angewendet. ______ No. 27׳. __ Vcranslultunfjcn der licrlincrZionistcn unlüsslicli der Jalircskonfcrcn/. Anläßlich der in Berlin stattfindenden zionistiselten J.ilireskonfereitz veranstalteten die drei Vereine Jüdischer Studenten Berlin, Chnrlottcnlmrg um| Makkabaea am 20. Juni eilten Kommers im Saale des Motivhauses. l)a die Herren vom E. A.-K.. Herr Präsident Wulff soll» mul die Herren Prof. Warbürg und Kann ihr Erscheinen /!!gesagt hatten, fand sich eine aiiscilesenc (i.isteseliai in 1 I ests.ul ein. Die Mitglieder der Jalireskonfcren/. waren iav. vollständig erschienen, die Verbindung im K. Z. V. Ilnsimmäa, deren Ehrenmitglied Herr Wolffsohu im. hatte ihre Vertreter entsandt. Begleitet von neun Chargierten des V.J.St.! Vollwiehs betrat der Präsident den Saal, stnrmiv.! begrüßt \on aßen Anwesenden. Nach der 1; . grüßimgsanspr.iclie von Stud. Kien bei (V. J. >• Makkabaea) hielt Referendar G r e i 1" e n 11 a g <.! (V.J.St.) Berlin) die Teudcnzrede. F.r betonte, ö; von jeher die zionistische Agitation m den 11.0.' , Von V. J. Stern gelegen halte und daß so seine K porationen em besonderes Recht haben, die .V. . glieder der Jaitrcskonfercnz zu sich zu Gaste 1 laden. In varmen Worten dankte Herr l'i.isideiu MV soll» für die i'.ml.idtmg. Hs sei ihm eine g; Freude, diesen Abend bei selbstbewußten jüdisch Studenten /.» verleben, da sie die begeistertes Verfechter des Zionismus in Deutschland seien. 1; auf ihren Schultern die Zukunft nnsvier Beweg; ruhe. Und gerade an diesem Tage könne er mit ganz.! Herzen an studentischer Fröhlichkeit teihivhmen,! er von dun tiber.uis erfreulichen l.rgebms der .U: konferenz den Studenten als den ersten Mitte!: g machen könne. Er trank unter begeistertem ik , I auf die Zukunft des indischen Volkes mu! am 1 H. .1. C. Die (irtisse der llasmonaca tihcrhrachtc n.» . י seiner Verbindung Herr Lichtlicim den seiner k rporatioit eng befreundeten Vereinen .Indischer 1 י• iie nun. Dr. Heinrich Loc\ve (V. .1. St. Berlin. \!11 lieb einen Salamander auf die Ostjinlen ai01 <־ mc Ir.igei der zionistische» Idee, win.ini Dr. K .>:. .!•• e Iso im auf die Einigkeit zwischen ()st mul V. .■st im Zionismus trank. Mehrfach unterbrochen v<1!..■:. 1:׳ Applaus der Kuciplafcl, richtete sodann Dr. M.! r m o r e k begeisternde Worte au die Studenten, i! erzählte von den ersten jüdisch•».lUon.ilcii Stn.'.nu:.• Verbindungen, gab seiner Freude Ausdruck ul ־.!!. ז.״ kräftige Hntw ickhittg, die sie genommen Itatteu. ml ermahnte die jungen indischen Mudenten zu :;e.ui.1 Verharren bei ihrer Fahne. Das Präsidium der nunmehr beginnenden I i tut führte Dr. Isaae Zw irn (V. I. m. A. Ii). du es verstand, die gehobene und doch fröhliche Stirng .sämtlicher Kommersteiinchmcr zu erhalten. Imcn Höhepunkt erreichte die Kneipe bei den frohen!!!ס־־• gen Darbietungen: Herr Pr. S. Hildesheimer sowie Dr. Arnold U i I d e s Ii e i m e r (V. .I. St. .V!,! .■ .!• baca) und eand. Priel! Kretschmer (V. I. י:. Berlin) trugen Couplets und eine au zionistisch•;'״!!• tischen Anspielungen reiche Hobelbank vor: H׳tr Lichtlicim kopierte in hervorragender M •. Kongreßtypen mul fand dabei in Herrn Ben' kl Fciwcl einen glanzenden Sekundanten.?יי entflogen die Stunden überraschend sch n i. und keiner war mehr erstaunt denn Herr MV!:;k ka. als er erfuhr, dtß bereits die zweite Sachtst׳!• v ihrem lätde zucile. U. 1*• Seiten hat die Jüdisch-nationale Frauetivcre gütig ein solch stimmungsvolles uml harmomsc'..י l'est gefeiert, wie das von ihr gemeinsam mit >' : Berliner Zionistischen Vereinigung und der ()!>׳• gruppe C'narioUeidmri; am Sonntag anläßlich <׳■ Jaltrcskonfercnz veranstaltete Gartenfest, d 4 in den Gesamträume» von Keller cs Reiner st. fand, die wunderschön mit Blumen dekoriert war,״ F.ineii überwältigenden Eindruck machte cs. v sielt die Anwesenden von ihren Plätzen erhöhen. ׳ v die Mitglieder des Aktionskomitees mit dem lk. ־ deutelt Herrn David Wolffsohu an der S;!i־• ׳ begleitet von den beiden Vorsitzende» der Vereu!־ gtmg den Saal unter den Klängen der ..II..: wob" betraten. Am Hingang des Saales wurde de n Präsidenten ein blau-weices Bukett überreicht. F’rau Lina \V a g 11 c r - 1' a 11 b e r begrüßte mm zunächst den Präsidenten und das Aktionskomitee sowie die zahlreich erschienenen Gäste, indem mc dem A.-K. neben dein Dank auch zugleich das Vertrauen aitsspraeh. das wir seinen Arbeiten entgegen*!)ringen. Des ferneren hob sic hervor, daß auch die Frauen den festen Willen haben, mitzuarbeiten an der Lösung der Judenfrage, und daß sic gern bereit ‘ wären, von der Gleichberechtigung, die sie inner• halb der zionistischen Bewegung genießen, voll und ganz Gebrauch zu machen, indem sic für die gemein•