Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XV (1910)
- Issue
- Heft 27 (8.7.1910)
- Date
- 1910-07-08
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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lUEDISCHE RUNDSCHAU No. 27« Seite 319. Man heute überall zu. daß diese Sache das cch.1l1cu hat. wofür sie begründet wurde, namiieli Ute Position und das Prcstlec der .luden In Palästina m erhebe יו• Wen» $»c (rüber nach Palästina kanten, so lan• kn Sic das jüdische Leben atomisiert. Wollten Sic •saui einem Punkte selten, so entglitt cs Ihnen unter Y.n Ihmdcn. Wenn Sic jetzt nach Jaffa kommen. *0 sehen Sie i n dem neuen Stadtviertel Hl d i S e It c s Leben pulsieren wie vieleicht nirgends sonst in der Welt, tas indische Viertel ist ein um so größerer Erfolg, 1ls der Nutioiialfotuls sein Geld sicher angelegt hat.!dt ch'id’c. das sollte den Nationalfauds ermutigen, einer andern Ucseilschnft ein Darlehen zu geben, die 1Uf aiuüiclicr Basis arbeiten will und bezüglich wel*!•her n.vlt in der Generalversammlung des Nationaljends u ■^rochen werden wird. Per lU'/alel. für den das Palüstinaantt die adnti- (׳strativc Arbeit leistet, ist in guter Entwicklung be-?nifen Er beschäftigt beute die vierfache Zahl von Arbeiter •׳. die er frillier beschäftigt hat. Der Bczalcl jji weiter oüwicklungsfdlüg. Er ist dazu berufen, eme Kl« nindnstric ins Leben zu rufen. Palästina nt heute utr eine Großindustrie im allgemeinen noch u cht rci Ls fehlt nicht nur an Eisen und Kohlen, cs fehlt . ,!eh an guten und billigen Verkehrsmitteln, a״ dufci .duldeten Werkmeistern usw. Der Bczalcl innecwM beschränkt sich auf die Hausindustrie und n! heu:, bereits seines Absatzes so sicher, daß er das Dr« oder Vierfache seiner fetzigen Produktion verhau..■» Könnte. \\ werden I» der Sitzung des Nationalfonds mit ei! 1 Vorschläge hervortreten, auf dem National- * r.Jsl. «! in Lvdda einen Teil des Siibcratclicrs des V»aal« unterztibringcn. Das wird, ich glaube, der tn'.c \\!such sein, um Hausindustrie auf das flache Land :נ vc: pflanzen. Das wird eine wertvolle Unter- 5:״uu;e der Sicdhnigsgcnosscnscliaft sein, wie schon Dr. Oppenheimer nusgeführt hat. Es ist sehr schwer, die Täfigkeitszweige des Pa- Usmia.iints einzeln aufzuführen. Es ist sehr viel V c r w .111 u n g s a r b e»1 dabei. Sic ist notwendig und inn.i getan werden. Wir haben die Aufgabe, die uns diuclt die Erziehung der Kisch inewer Waisen übertragen war. erfolgreich zu Ende gefuhrt ui..1 aus 20 oder 31) Kindern brave Handwerker!u machen gewußt, die sich fetzt in Palästina ernühan. Wir bähen für die P. L. D. C. eine Wirtichait in Kincreth errichtet, die nach moder- -en »»mndsätzen geleitet wird, und der der Ruhm ecl!.׳.׳,. ü.i»'• sic ein Land, auf dem bis dahin kein Jude gcarbaut batte, mit einem Schlage zu einem :sul1seL.cn . I»t hat. Dasselbe gilt von dem ruan N.iiKiMii.jndsland. wo früher keine jüdische I 1 :.!1 וc '״־; und wo jetzt fiidisclic Arbeiter be* « ׳ ׳. in Lydda und Hulda. Wir haben duw j;•::Meilern juristischen Verhältnisse in Pai;>tn:.1 (E.nhiich zu konsolidieren versucht, daß wir cm Schiedsgericht eingerichtet haben, das sich cm er 1>sc n An selten zu erwerben verstanden hat. Wir!;ahcn die V i c 11 v c r si c 11 e r 11 u g in die Wege seiend. Wir bähen überall in der Welt auf Anfragen In!«•>matioiicn erteilt, gedruckte Informationen itreeMeilt und die wichtigsten Verhältnisse in Publi* Kattunen nicdvrgclcgt. Wir sind tätig als Sammet- Melle des Nationalfonds, verschaffen armen Leuten Er m ä 1; i g u n? c n für S c b i f f s k a ז t c n . unärrielcen tlie Presse über palästinische Angelegen* Uitcn 1:sw. usw. . Immerhin eine Verwaltungstätig• hit. d׳e zwar im einzelnen klein ist. im ganzen aber eine große Masse von Arbeit erfordert. Und dann I noch eins: Wir haben In diesen 2Vt Jahren auch selbst י etwas gelernt und hoffen, daß die gewonnene Erfahfung in Zukunft unserer Geschäftsführung zu statten kommen wird. Meine Herren I Ich habe die Ueberfabrt nach Europa benutzt, um das letzte Kongrcßprotokoll zu lesen. leb habe dort mehrere Vorwürfe gegen das Palästinaamt gelesen. Ich will darauf In einigen Worten cingchcn. Da ist gesagt worden, das Palüstiuaaint arbeite zu langsam. cs habe für die Oclbaumspende noch immer, keine Bäume gepflanzt, oder die Bäume seien noch zu klein. Nun. dagegen können wir nichts machen, dem» bis die Bäume groß werden, vergehen clnigo Jahre, und die Pflanzung der Oclbilumc ist auch von der Jahreszeit abhängig. Man sagt, die Beamten int Palüstiuaaint seien zu nüchtern. Nun muß ich gestehen, daß ich •nicht zu den Leuten gehöre, die ihre Begeisterung fortgesetzt im Munde führen, sondern ich halte f c » c Be g c I s t c r u n g für die beste, die man Im Herzen trägt und die siel» in Taten umsetzt. Dann wird gesagt, daß wir nur 2—3 Stun* den des Tages arbeiten. Dies entspricht durchaus nicht den Tatsachen. Die Burcaustundcn bcschrän* ken wir allerdings auf das Notwendigste, denn wir wollen ja nicht nur Burcauarbcit leisten, aber In Wirklichkeit gehört unsere ganze Zeit unserer Arbeit. Ferner wurde gesagt, das Palästiaamt sei zij teuer. Nun betrügt der Gesamtetat jährlich 19 (XX) M. 1 Wenn Sic bedenken, daß damit zwei akademisch gebildete Beamte und zwei Sekretäre besoldet werden, daß zur B c a 11 j s I c.h t i gu n g unserer Arbeiten fortdauernd Reisen erforderlich sind, und daß der Vertreter des Aktionskomitees In Jaifa gewisse Rcpräscntationsplliclitcn zu erfüllen bat, so kam» der Etat nicht als übermäßig hoch gelten. Die Frage, ob eine Behörde für den Zionismus zu teuer ist, läßt siel» überhaupt nur beantworten, wenn man zugleich in Betracht zieht, welche Arbeit die Bcltürdc leistet. Ein Palästiaamt. das viel Arbeit tut. kann mit 19 000 Atark sehr billig, und cs kann, wenn cs wenig Arbeit tut. bei demselben Betrage sehr teuer sein. Bisher batte das Palästiaamt viel Arbeit, denn wir batten hauptsächlich mit Neueinrichtungen zu tut». Aber die Erhaltung des einmal Eingerichteten erfordert viel weniger Arbeit, und ich sage cs offen: wenn das Paliistiiiaanit nicht bald neue grnßo Arbeit erhält, dann kann wirklich bald der Zeit- Punkt elntrctcn, wo das Palästinaamt für sein• Kosten kein genügendes Aequivnlcnt mehr leistet! und dann werde ich der erste sein, der Ihnen sagt, daß das Palästiaamt in seiner jetzigen Gestalt keine Existenzberechtigung mehr hat. Als ich das Palüstinaamt übernahm, sah ich cs voraus und erklärte mit alclr Entschiedenheit, daß das Palüstinaamt auf die Dauer nur dann eine große Tätigkeit entfalten könne, wenn cs das P a r z c 11 i c * r u 11 g s g c s c h ü {t übernimmt. leb habe darum für die Übernahme des Palästinaamtcs die Bedingung gestellt, daß die P. L. D. C. gegründet wird. Sie hat aller leider nicht das nötige Kapital aufhringcu könneu. wenigstens nicht auf dem Wege des Verkaufs von Aktien. Wir wandten uns darauf an die Kolonialliank um Gewährung eines Darlehens. Die Verhandlungen haben jedoch zu keinem Resultat geführt. Wir haben uns schließlich an den Nationalfonds gewandt, und ich will hoffen, daß der angesuebte Betrag uns jetzt endlich bewilligt ist. Olme Ule Parzelllcrmigstütlgkclt der P.L.D.C. fehlt unserer guu/.cn Puliislltia-Arbclt das Rückgrat. F.s gibt in Palästina für Zionisten, sie främn trinken mul so lange ihr Leid empfinden, E0 daß es zu einem stillen Freuen wird. Nichts alles verändert sich, wird besser, wenn הגיח ihm nur Zeit läßt und Geduld hat.“ «.Orkel, du bist kein Mensch so wie ich. — IWne Worte gehen über mich hin, ich fühle sie nich!. Wenn ich in mein Inneres schaue, sehe זי" nid. > von all dem Schönen. — Habe ich denn der Vi'iMidning Widerstand geleistet? Das eine "al, 1I. .1 ich es hätte zeigen können, habe ich cs nicht Nun bin ich ein Schurke geworden, [״> K־׳!ßz. gewöhnlicher Schurke, und du, der Idealist, der Heilige, begreifst du das nicht, das ja ganz natürlich. Ach, ach, wenn ich dran wnke, v,k« wir hier so zusammensaßen! Warum Jst mir nun alles so fremd? Der Mensch darf «ine Freude haben.“ . ״Der Mensch darf keine Freude haben? Einst vard die Erinnerung dir eine Quelle des Trostes *,יי• daun wißt du an heute denken und inner* «en zu dir sprechen: Mein Onkel war ein strenjw־ Mami, der strenge Begriffe von dem Leben 1,*Je, und doch stieß er mich damals nicht von sondern tröstete mich und gab mir mein *Ibstvertrauen wieder. Sicherlich war ich da- "Jds nicht so verdorben, wie ich glaubte. Und, tonchter Junge, meinst du nun wirklich, daß lch zu hoch stehe, um die Dinge zu begreifen, und daß ich ein Heiliger bin? Heule gerade, als ich cs so plötzlich erfuhr, da dachte der Heilige erst an sich selbst! Nein, glaub’ mir, ich bin nichts weiter als ein Mensch, dir gleich; nichts, nichts mehr. Komm, laß es uns nun mal besehen, ist da wirklich nichts mehr dran zu tun, so schnell glaub’ ich nicht daran.“ ״Onkel, ich bitte dich, spann’ mich nicht wieder auf die Folter, ich habe die Tage und Nächte mit Rechnen zugebracht, bis ich blöde davon geworden bin und mir alles vor den Augen tanzte. Gestern in der Nacht, in meinem Kontor, da wollt’ ich mir selbst weiß machen, daß ich verrückt bin. Jemand, der so etwas ohne Ursache tut, der muß doch wohl wahnsinnig sein, — und ich war schließlich so weit, daß ich wirklich einen Augenblick die Seligkeit empfand, mich in einen Nebel von wahnsinnigen Gedanken hincinzudenken. — Aber da stieß cs mir auf, daß jemand, der es weiß und sich freut, daß er verrückt ist, doch nicht verrückt sein kann, und an diesen einen logischen Gedanken knüpften sich wieder andere, bis alles wieder in furcht* barer Deutlichkeit vor mir stand. Nein, da ist nichts dran zu machen. Die Passiva sind ungeheuer. Aber, das ist meine Sache, dich geht .das nichts an, all das Schmierige. Noch bin ich nicht bankrott. Morgen — morgen erst, heut mögen sich politische oder praktische nennen, 1»ur zwei Dinge: den Boden zu erwerben und Leute hin* Zubringern Ich kann Ihnen sagen, daß jetzt eine große Menge Leute in Rumänien. Rußland und Amerika bereit sind, mit Geld nach Palästina auszuwandern, sobald ihnen die Möglichkeit geboten ist. in Palästina Boden zu erwerben und evtl, vorher bepflanzen zu lassen. Ich kann Ihnen sagen, daß die Aufträge, die ich in dieser Beziehung habe, sehr bedeutend sind. Wir haben leider in den letzten Jahren die Gelegen* licit versäumt. Land zu kaufen. Jetzt, wo cs keiner Einsicht mehr verborgen bleiben kann, daß cs Käufer en massc gibt, ist cs schwierig geworden, Land zu kaufen. Darüber hier zu sprechen, ist nicht der Platz. Ich möchte nur darauf hinweisen, daß man. sobald cs möglich ist. Land zu kaufen, mit aller Macht kaufen muß. Aber wir haben nicht nur mit bcmittclten, wir haben auch mit unbemittelten Juden zu tun. Ueber die Sicdlungsgcnosscnschaft. die unbemittelte Juden landwirtschaftlich ansässig machen will, will ich nicht weiter sprechen. Ich kamt nur sagen, daß die Versuche, die wir im kleinen in Um-Dschuni jenseits des Jordans gemacht haben, bis• her sehr günstig verlaufen sind. Aber worüber ich jetzt sprechen möchte, das ist die Lage des jüdischen Arbeiters, der als Lohnarbeiter in den jüdischen Kolonien tätig ist. Dieser Arbeiter kann mit dem arabischen des* halb nicht konkurrieren, weil der arabische Arbeiter in dem nächsten Dorf wohnt und dort sein Haus und sein Land hat. Für ihn ist der Lohn, den er in der jüdischen Kolonie verdient, nur ein Nebenverdienst, den er bar nach Hause trägt, während der jüdische Arbeiter ganz und gar von dem leben muß. was er als Lolin erhält. Man hat bisher noch keine Vorsorge getroffen, den jüdischen Arbeitern in den liidischen Kolonien das Lehen durch Schaffung gesunder W011nungen leichter zu machen. Hier muß etwas geschoben, damit die Arbeiter nicht glauben, daß der Zionismus nur fiir die bemittelten Juden sorge: es muß sofort zur Schaffung eines Fonds für den Bau von Arbeiterhäusern geschritten werden. Ich möchte Sic dringend bitten, in der Palästina* arbeit jetzt ein schnelleres Tempo clnzuschlagcn. Es gibt keine Verschiedenheit in den Prinzipien mehr. Ich wollte besonders auch fcsstcllcn. daß cs unrich* tig ist, wenn von manchen Seiten die Ateinung aus* gesprochen wird, das Palästinaamt könne deshalb nicht erfolgreich arbeiten, weil cs in Köln oder Herlin Widerstand fände. Widerstände hat es von den Institutionen, mit denen cs arbeitet, nicht gehabt, aber cs gibt Verschiedenheiten des Temperaments und des Tempos. Wenn wir in Palästina die vielen ArbeitsnotWendigkeiten sehen, geilt cs uns sehr ans Herz, wenn wir eine Gelegenheit, etwas zu tun, nicht sofort ausnutzen. Es kommt vor. daß ein Brief, der in Jaffa sehr warm geschrieben wird, in Köln und Berlin viel kälter gelesen wird. Es kann ja sein, daß man unsern Anregungen bisher deshalb nicht so rasch gefolgt ist. weil man geglaubt hat. wir seien neue Leute in Palästina und könnten Dummhei* ten gemacht werden. Nun sind wir ja schon 2V: Jahre dort. Wir hatten also Zeit genug, Dummheiten zu machen oder Dummheiten vorzuschlagcn. Wir haben das nicht getan. Wir haben unsere Geschäfte vorsichtig geführt und nichts befürwortet, was man als phantastisch oder utopisch bezeichnen könnte. D i c P r ii f u n g s z c i t sollte deshalb jetzt als beendigt angesehen werden. Und wenn wir in Zukunft von Palästina aus Vorschläge j machen, bitten wir Sic. diesen mit Vertrauen ent* gegenzukommen und versichert zu sein, daß wir die '** ‘ ' י ״ י..1 11 m noch niclit. Heute verfüg’ ich noch. Für dich hab’ ich gesorgt!“ ״Für mich gesorgt!?“ — ״Um Gottcswillcn, Onkel, sd still, frage nicht mehr, es ist alles gut so. Fs Ist recht. Hier hab’ ich’s mitgebracht, — ich hielt cs so für besser. Hier — da ist es —“ Hastig holte er ein Paket aus der Brustfasche seines Rockes, stand auf, legte es auf den Tisch, lirf wieder zurück, wie־ taumelnd unter der schweren Last seiner Gedanken, und sank wie gelähmt wieder in seinen Stuhl, indem er es vermied, seinen Onkel anzuschauen, in Angst vor dem, was er nun hören würde. Der Alte starrte entsetzt auf das papieme Päckchen, das in brutajer Weise unter der Lampe glänzte und in dem Traumleben des Zimmers wie eine Störung erschien. Mit einer fast unwillkürlichen Bewegung entfernte er es von dem Buche, in dem er gelesen hatte: ״Das ist Geld, das ist Geld,“ — sagte er sa?\mcl"d• «den anderen Gläubigem gestöhlen“ * * ״Hör’ auf, Onkel, hör1 auf, du weißt das n cht. du brauchst das nicht zu wissen. Morgen bin ich erst bankrott. Denk’ nicht zu weit. — ich tu’ das —■״