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Jüdische Rundschau · 1910-07-08 · Heft 27 (8.7.1910) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XV (1910)
Issue
Heft 27 (8.7.1910)
Date
1910-07-08
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1 U E DIS C H E RUNDSCHAU No. 27. Seite 318.__ l״rcsscauj|clef|cnhcllcn Wir bedauern, daß cs uns nicht inüKlicIi ist, einen zufriedenstellenden Bericht Uber die Tütickeit unsc• res Prcssckomitces zu erstatten. Hs hat sielt lierausKcstellt, daß die Mittel, die dein Pressekomitee zur Verfügung «cstellt wurden, zu klein waren, da der hierfür vorhandene l’resscfonds erschöpft ist. Wir haben, wie wir Ihnen bereits in unserut letzten Zirkulare iniUteteilt Italien, zum Zwecke weiterer Siumnluniten für den Pressefonds einen dringenden Apjtell an alle Luiulc.sork'anisntioncu und l'Odcralloueu nerlehlet. Wir bedauern aber, fest* stellen zu müssen, daß der Erfoltc sehr weißt: zuiriedcnstellcnd gewesen ist. Außerdem haben sich an Ort und Stelle Schwierigkeiten persönlicher Natur ergeben. Trotzdem haben wir in unserer Sitzung vom 21. Mai beschlossen, die Presseimlernelinuuigcn bis zur Jahreskoitfcreuz f״rtzu(id1rcu und der Juhresk״u• ferenz die Beschlußfassung Uber diese Angelegenheit zu tiberlassen. Orfl.inlsalion a) Oer Kongreß hat folgenden Beschluß gefaßt: ״Es wird dem Uroßeu Aktionskomitee überlasse״, bis zum nächsten Kongreß ein Statut anszuarheiten, dessen Beratung den ersten Punkt der sachlichen Tagesordnung des nüchsten Kongresses bilden soll." Hem Kongreß lag ein P.ntwiirf vor, welchen Rechtsanwalt I»r. B od e n 11 e i in e r im Auitrage des Kngeren Aktionskomitees atisgearheitet hatte und dessen Beratung leider nicht mehr möglich war. Aus dem Beschluß, riet! der Kongreß gefallt hat, ergibt sich, daß der Kongreß sich der Bedeutung wohl he• will war, welche diese!׳'rage für die zlonlsiisclie Bewegimg hat. und es ging hieraus auch hervor, daß derselbe die Refnrmbediirftigkcit der gegenwärtigen Organisationen nach verschiedener Richtung nnerkennt. IN mul'• auch an dieser Stelle betont werden, daß ohne eine gründliche Reform unserer gegenwärtigen Organisation weder iubczug auf Ausbreitung der zionistischen Idee, noch inhezug auf Gesundung unscrer Pinau/cu eine erhebliche Besserung eiutreten wird. I'.s haben sich auch bezüglich der Regelung des Verhältnisses der P ö d e r a t i o n e 11 mit l’raktioiiseharakter zu den La n d e so r g a 11 i sa 11 o - neu besonders in Amerika mul England große Schwierigkeiten ergeben, die auf Uriind der gegenv artigen Bestimmungen entstanden sind. Audi die l'rage der Leitung erfordert dringend eine neue Regehing. Dazu ist aber die Aendcriuig des gegenwärtig geltenden Statuts erforderlich: es erscheint also angezcigt. das Organisationsstatut einer vollständigen Umarbeitung zu unterziehen, eine Arbeit, die jetzt nicht länger verzögert werden darf. Wir werden daher auch der Jalireskonfcrcnz. Gelegenheit geben, sich über die beabsichtigten Aciulcrtmgun eingehend zu äußern und die notwendigen Beschlüsse zu fassen, um diese!•*rage auf dem nächsten Kongreß sacltgcmäß zu erledigen. b) F ü d e r a t i 0 n c n. Oie Pcdcration of Arneriean Zionists hat eine Petition eingereicht, in der wir ersucht werden, das Zugeständnis der Rechte einer l'ödcratio», welches dem Order Knights of Zion gemacht worden ist. zu widerrufen. Per Order of Ancient Maecaheans In l׳.n«!and hat um Anerkennung als besondere i'örderatlon gebeten, und die Lnglisli Zionist Pcdcration hat dagegen protestiert. Pa diese beiden Angelegenheiten in ihrem Wesen mit dem Organisationsstatut verbunden sind, haben wir (in unserer letzten Sitzung) beschlossen, dicsclben zusammen mit dem Organisalionstatut zu crledigen. Elnanzlafjc der Organisation Per l'.rfolg unseres letzten Zirkulars an die Lau* de.sorgaiiisationen und l'öderationeii, In welchem dieselben mifgcfnrdcrt wurden, mit aller Energie die Schckclgcldcr vin/usammcln mtd sie regelmäßig an uns abzufülireii. ist bisher sehr wenig zufriedenste!- lend. Pie Gesamtsumme der bisher cingcgangcncn Schckclgcldcr beläuft sielt auf ungefähr Mk. 4000,- . Ls ist von der größten Wlchtigkei, daß alle Lundes• oigaiiisatloneii und Pödcratioiien die grüßten An- .stteuguugen machen, um gute Resultate in dieser Hinsicht zu erzielen, und wir rechnen zuversichtlich dnraiil, daß Sie sieh an dieser Arbeit in den einzelnen Ländern nach Kräften beteiligen werden. Auf Beschluß unserer letzten Sitzung wird der .liilireskonferenz ein Bndgc tvor a nschlag (siehe tunen!) für das am I. Juli d J. beginnende neue Sehekeljahr vorgelcgt werden. Da die an uns abgeführten Schckclgcldcr hei weitem nicht zur Peekung der Ausgaben der Organisation aiisreklicn. werden wir der Jalireskoiiferenz Vorschlägen, daß vom L Juli d. J. ah die Schckclgcldcr von den Laude.sorgaiiisationen und l'öderationeii o 11 n c A b 7. u g au uns abgeführt werden müssen, und daß die Anzahl der Kongrclldetegicrten jedes Landes und jeder l'bdcrndnn mich Maßgabe der im uns nhgufülirten Sclickoliin festgesel/t wird, du wir in dieser Maßregel das einzige Mittel selten, einen solchen lie- Schluß zu verwirklichen. # Au der Diskussion iiher den Bericht des P. A.-K. beteiligten sich (in der Reihenfolge der Redner) folgendc Herren: Julius Simon. A. Podlischcwsky. M. I'ehlstein, II, Pentvvieh. A. Böhm, L. Jaffe, .1. Cowen. J. Krcmeuetzkv, Pr. Bodcnheimer. Pr. Rosenhaum, Poris Ooldherg, Pr. Sch. Lewin. D. Wolffsohn. Pr. Magues, Oronemaun, Pr. Ilantkc, Dr. Salz. Pr. Friedemann. N. Sokolow, J. II. Kann, Pr. Alexander Marmorck, Löhel Taubes. li. Bentwich, Prof. Warburg und Pr. Emil Margulies. Von allen Rednern wurde die Notwendigkeit einet Vcrsaändigung als die dringendste Aufgabe der Jalireskonfcrcnz erklärt. Auf Antrag Pr. Mar morck s wurde, wie bcrichtet, dann eine sechsgliedrige Kommission eingesetzt, die P. i 11 i g u n g s v o r s c 111 ä g c nusarbeitete. Pen Wortlaut dieser Vorschläge, die cn bloc einstimmig angenommen wurden, haben wir bereits in voriger Nnmincr mitgcteilt. * Per zweite Tag der Jalireskonfcrcnz brachte in seinem ersten Teil den Bericht des Herrn Pr. Pranz O n I» c 11 h c i in e r über seine Reise in Palästina. Per Bericht wurde von der Jalireskonfcrcnz mit großem Beifall aufgenommen. Das Puläslinaamt in Jaffa Bericht Dr. Kuppins Als Leiter des Palästinaamtes. dem die praktische Arbeit in Palästina obliegt, mochte ich mir zu• nächst gestatten, einmal festzustcllen, welche Stcl. hing die sogenannte praktische Arbeit in dem zio. Mischen Programm Überhaupt entnimmt. I'.s ist gestern von einigen Herren über diese praktische Arbeit ziemlich geringschätzig gesprochen worden. Ich kann cs mir nicht anders erklären, als daß dies auf eine vollständige Verkeimung der praktischen Arbeit zuriickzufiihrcn ist. Die praktische Arhcit in: ja nicht der Endzweck, — sic ist für uns ein Mittel, und zwar ein ausgezeichnetes politisches Mittel. Ich möchte Ihnen das Verhältnis von praktischer 11• , politischer Arbeit durch einen Vergleich anselmuiu'; lunchen, in P.iläsiina muß jeder junge Orange11h..1! eine Stütze erhalten, damit er gerade aolw.ichu. kann. Diese Stütze und dieser H.uuu sind das. w.; politische und praktische Arbeit einander sein sollui, Pie hehlen Arbeiten sind Paralfelaktlonen. Wie der Orangenbaum ohne die Stutze mein .!!■'. wachsen kann, so kann die praktische Arbeit m 1־ lästina nicht gedeihen, wenn ihr nicht durch gle!.׳• zeitige politische Arbeit Licht und Luit gewh.iin! wird. Aber die politische Arbeit allem 1M v׳• lN* dig leer, wenn ihr nicht durch die |1.1!.11^)u A!: ein Iniialt ־gegeben wird. I’o!;:inJ •c Arbeit 1 . gleichzeitige praktische Arbeit ist dasselbe, als , man allein die Stutze ohne den Orangenbaum in . Erde stecken und davon Früchte erwarten u< i. Als ich vor ungefähr 2': Jahren hier Vor 1׳ u stand und ihr Vertrauen mich zur l.vium« s'vs l״־ lästiiiaamtes berief.'halte Ich Ihnen von v«.״יון. gesagt, daß Sic von der Einrichtung des Palast!•, amtes nicht den Anbruch eines goldenen Zu!..: erwarten dürfen, da dieses Amt sich erst laug‘ . 1 im Lande einlchen müsse. Aber ich vcrsniach I'. . meine besten Kräfte für die Arbeit ein/nset/eii. 11 ״ dieses Versprechen glaube ich gehalten zu ß. I Als das Patästinaamt begründet wurde, war 11י!'׳,״• solut keine Ucbereiusiimmung über die /.oln 1׳ te der praktischen Tätigkeit. Per N;tt»«*m1H«»nJs einige Stucke Landes. Es galt eine Meinung, daß; Nationalionßs nicht Besseres tun könne, als •i '״• l.antlsnieke sofort w ieder zu verkaufen. Pie an»! 1.1 wieder glauhten. der Nationaliouds imissc aui (W-v.i seinen!.:,udstiickeu landwirtschaftliche Betitele c!!:• lichten. Dagegen wurde wieder geltend daß iedc administrative Wirtschaft iiuratiotuH . . viel Geld koste »sw־. Wir haben diese Sei i.e keilen gelöst, indem wir auf dem Hoden des N',! •י.,;, fornls durch die P. L. P. C. t'tul dein Verein ס• ' - spende Wirtschaften cinirervlitet halten. Es 1v >!,!• durch ein Weg gezeigt worden, w ie der Nation.:!•!י ־ Hoden erwerben und für sich erhalten kann IN dadurch ein Weg gezeigt worden, wie der Na!! •!־.׳!• foiuls Hoden erwerben und für sich erhalten k.!!,!׳,. Fs ist in Palästina ferner durch die Hilfe ries \,!!׳>׳• ualionds ein Stadtviertel gegründet worden, das zu dem schönsten und gelungensten gehört, w as d> r 7,1*•• nismus in Palästina geschaffen hat Fs war. als m m mit diesem Vorschläge an den Natiou;diottds heia׳u• getreten ist. ein lebhafter Widerstand dagegen hatte ilagegcti Bedenken erhoben, ob sich der Na:•׳ nalfomls;01 städtischen Unternehmungen Ih1:!I1.!1 darf. I'.s hat sich aber Her wie nbcrall ge/e ct. eine einzige Tat mehr wert ist;•'s lunuler! t>nי. <׳ N Erwägungen. . Der Sohn des alten Volkes Von M. N. van Gatnpen. (Fortsetzung.) ..Junge, willst du nun so die Naclit an Irek־n, die lallte Nacht, allein mit deinem Kum* 111er? Schämst du dich vor mir? — Vielehe Torheit! Hin ich mehr als du? — Soll in einem Leben von siebzig, — siebzig Jahren nicht gesündigt worden sein?“ ״Nein, nein,“ antwortete der tum heftig, indem er wild die Hände von seinem Gesichte entfernte, ״zielt dich nicht selbst in den Staub, um mir empor zu helfen. — Ich bin ein Elender, — ein Schurke. — Ach, du weißt das nicht, — es kommt vom Spekulieren. — Ich habe Gelder aufnehmen müssen, —• ich glaubte sicher, daß sie wieder steigen würden, — und wofür hatte ich’s nötig? Ich habe mein Glück verscherzt. — Ich habe meine Gedanken betäubt, — gerade, wie sich jemand betrinkt, eh’ cr’n Mord begeht. — Und jetzt, — jetzt denk’ ich, denk’ ich. — Nun soll ich mich verwünschen und verfluchen, bis ich tot bin. —- O Gott, Gott, wär1 ich bloß tot!, von allem 10$ 1“ Aber der Alte, mit der unbewußt exaltierten Sprache eines, der von morgens bis abends und beinahe von abends bis morgens die Bibel und den Talmud studiert, sagte: ״Mein armes Kind, du sprichst wieder harte Worte. ־— Doch Gott soll nicht hören, was du jetzt sagst in der Betrübnis deiner Seele. — Wie eine rote Wolke tungibt dich jetzt die Sünde, -- und du siehst nicht die Weiße deiner in Reinheit uuierneuten juurc wui wuksi 1 .־>n nisi em vi fallener, der sich nicht wieder erheben wird. Ab! ich werde dir jetzt sagen, wer du bist, und it werde dich mm sehen lassen, was du vor diese getan hast. — Als du dich vom Knaben zu Manne entwickeltest, dachte ich bei mir, welch Verdienst wird er sielt erringen, wenn ich il immcrwälirend leite und ihm die Gelegen!!( biete, selbständig zu bandeln? — Ich wen mich ietzt weniger mit ihm beschäftigen, ih freie Verfügung über Geld lassen, — tun, .ר ob ich nichts sehe, aber tatsächlich gut nufpassc welchen Weg er jetzt cinschlagen wird. — Ab als ich sah, daß du nicht anders wurdest, — d.׳ du größer wurdest im Menschsein, — was ft eine Freude, mein Junge, hab* ich da durch di« empfunden, — dann habe ich dich, unbehütt in das volle Leben hincinwachsen sehen; d Schlechte und Niedrige, das in dich hincindri gen wol tc, sah ich verschwinden, ohnmächtig der Blute deines gesunden Denkens. - % würde mein Aller anders geworden sein, w ״ ׳• ich dich nicht gehabt halte! Ku\ /\v,d' - Du bist mir stets wie einem Vater ehmhk’ , ontgegengcireten. du hast mir tausendfach '.<׳• gölten, was ich für dich getan habe, was ich ־. pflichtet war zu tun, sonst wäre ich ein 1':;. heuer gewesen. Laß das mm in dein hmc. dringen und denke nicht, daß ich dieses imrs;!,. . um dich zu trösten; denn ich will es beschwört; . daß es die Wahrheit ist. ich will dir sagen. du in deiner Jugend schon so gelebt hast, v ein anderer bloß leidenschaftslos mul 111:.: *wütigen im hohen Alter lebt, — daß du w< ׳!:l mit dir selbst gerungen haben mußt, wie •׳:! Mann. — So einer wie du fällt nicht immer, י י hat die Kraft, sich wieder aufzurichten. Wein'׳.’ dich nicht von dem Leben ah, das Leben Kt .!er Freund dessen, der es zu tragen weiß. -! < kann noch schön und hell für dich werden, n«־»ch viele, viele Jahre, — du stehst kaum am Anton•:. Ich sag es dir, glaub’ mir’s doch, cs gellt c<:1 großes Erbarmen durch das scheinbar Inno Leben. —■ Fs gibt unsichtbare Hände, die!:.**> retten, stützen. — Ich weiß wohl, das ist Natu• ren wie der deinen eigen: in der Freude wissen sie ,daß diese nur kurze Zeit währen soll, im Kummer glauben sic, daß der ewig ist, — daun wollen sie sich in der Nacht begraben und ihre

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