Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XV (1910)
- Issue
- Heft 26 (1.7.1910)
- Date
- 1910-07-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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U E DI s C11E RUNDSCHAU ז. Seite 310. No. 26, mul außerhalb des Ausiedhmgsgeblcts wohnen? Oie jüdischen Apothekergehilfen «alten Immer als ,.diplo* iineite“ und liaiten d.is Wolmrecht in «an/. Rußland. Der Minister des Inneren erklärte aber in einem Zirkular vom 23. Juni 1909 die Apotheker«ehilfen für nicht zu den Personen mit höherer Hildun« geliörig, Einige Jüdische Apolhekcrgehilfen, die daraufhin aus Moskau aus«ewiesen wurden, haben au den Senat appelliert, ln der nun s!att«ehabteu Senatsverhamlluo« verteidige der Ministorgilille Morosow das erwähnte Zirkular, wültrend der Ü b e r p r ״ k 11 r a t o r des Senats behauptete, das Ministe* ז i u m hätte kein Recht gehabt, ein s o I - eltes Zirkular zu erlassen, da die Präge dem Reichsr.1t zur l'.ntscltcidmig vorlicgc. Der Senat s c h I o 11 sich dieser Meinung u 1t u 11 d a u n 1111 i e r tc c i n s t i nt m i g das genannte Zirkular als u n g c s c 17.1 i c In In den Juden günstigem Sinne wurde sodann vom Senat auch die andere Präge, betreffend tlie Ausweisungen von jüdischen Kindern aus Moskau entschieden. Einige Senatoren wiesen darauf hin. dall die Mütter gesetzlich verpflichtet sind, ihre Kinder selbst zu erziehen, woraus hervorgehc. dall die Kinder bei ihren Müttern wohnen müssen und dürfen. Der Senat bescltloli darauf, die Ausweisung von jüdischen Kindern in Moskau einstweilen ein/.u* stellen, ״b i s di e P rage prinzipiell ent* schieden w i r d." — Wieviel Tragikomik liegt in der ganzen Beratung und seihst in der ..günstigen Entscheidung!" Die fm'ehlbareu Smumcrhriiiidc, die in diesein Jahre mehr denn je den Ansiedlungsravon hciiiisiiclicn, setzen dir Vcrhcrmtgswerk immer fort. Dieser Tage wurde die Stadt Dorisow. (hmv. Minsk, das Opfer eines ungeheuren Brandes. Mehr als •hlO Häuser sind den Plammen verfallen: die ganze Stadt bietet das Bild einer grollen Ruine dar, Unter der mmmclir ganz obdachlosen Bevölkerung benscht inrcliibarc Not. Es gab auch Menschenopfer. ״־ Unter anderem bran.iten mich vier Synagogen ab. Ein furchtbarer Brand wütete auch in Bjalobrzog. tionv. R a d o 111. Mehr als bl) Häuser, auch die Svnagoge, wurden ein Raub der Plmumen.Vier Persollen erlitten den Flammentod. acht trugen schwere Brandwunden davon. Auch Irena. Gouv. Lublin, wurde von einer grollen Feuersbrtmst heimgesucht, (legen (>0 lliiuser bräunten ab. Die Betroffenen sind brotmul olulacii* los geworden. I )ei Plechen T r i s c 11 k i. (iouv. K o w n u. ist von einem grollen Brand hcimgcsuelit worden. Der grollte Teil des Plcckcns ist völlig ciugeüsehcrt. Mehr als 511 irdische l'.mnlicn haben ihr Hab und Gut ganz, verloren und leben buchstäblich unter freiem Himmel. Ein fmchib.iru׳ Brand hat dieser Tage auch in Kinn .1 r,iw. 'hmv. Minsk, grolle Verheerungen ungerichtet. Ern grober Teil der dortigen jüdischen Bevölkerung ist völlig ruiniert. In dem l.andllcckcn Kodlnwka, Kreis Kremeint/. 11.11 eine grolle Eenerslirunst, an die hundert wohlhabende Jüdische Pmnilicn über Nacht in Prolctarier verwandelt. \ Galizien Ein Schlusswort zum Fall Lcssinfj Zu den seinerzeit auch von uns gebührend ge• kemizeicliiieten Ausführungen des Herrn Dr. Theodor L c s s i n g vom Aiitilärmverciii über galizlsches Judentum in der ״A 11 g c in c i n c n Zeitung des .111 d e n 111 ui s" äiicern sich nunmehr auch die jüdischen Frauen (iali/.icus durch den folgenden Protest, dem sic die Port» eines Rundschreibens gegeben haben: Her Verband jüdischer l’raucn in Galizien und der Bukowina siebt sich vcranlallt, Sie ergebenst zu bitten, nachfnlgcmlcn Protest entgegeimclimcn zu wollen gegen die ungeheuerliche und schamlose Verimglmipiung der jüdischen l'raucn im allgemeinen und der galizisclieu insbesondere, die in der zu Berlin erscheinenden ..Allgemeinen Zeitung des Judentums“ veroiicutlielu worden ist. Sv'U Jahrzehnten schon ist man gewöhnt, »lall von Berlin aus die heftigsten Schmähungen gegen den jüdischen Stamm, die jüdische Religion, das jüdische Schrifttum geschleudert werden. Die in Berlin ge• prägten gehässigen und verlogenen Schlagwort״ haben in der ganzen Welt Verbreitung gefunden und haben aultcrhalb Deutschlands zu blutigen und grau* ,Samen Verfolgungen Aulalt gegeben. Nachdem man in Berlin alles .Indische verleumdet und gelästert batte, nahm man sielt licraus, das jüdische Eamilieuleben und die jüdische Frau, deren Ehre Jahrlumderte laug unsere schlimmsten Feinde nicht anztitastcii gewagt hatten, zu besudeln und in den Kot zu zerren. Allein das taten bisher nur die offenen und eiligestamleuen Judenfeinde, denen kein Mittel zu gemein dünkte, wenn es galt, Ihren Hall zu befriedigen. Nim aber ist es. dal» ein angeblich jüdisches lilatl, weldies von dem Sohne eines Rabbiners und jüdischen Gelehrten redigiert wird, der noch dazu Vorstandsmitgiied der Berliner jüdischen Gemeinde Ist und verschivdcnc Ehrenämter bekleidet, sieh dazu hergibt, zur grollen Prcude der Antisemiten aller Länder und Zungen, die jüdischen l’raucn auf die unflätigste Art ■zu bcseliimpfcn. Einer solchen Misselat gegenüber «eilt cs nicht an. das Stillschweigen der Verachtung zu bewahren. Wir meinen, daß die jüdischen l’raucn In Deutschland es sieh selbst schuldig sind, hier nicht schwel* gend zu verharre», sondern auf die unerhörte Be* sehimpfmig die gebührende Antwort zu erteilen. Man soll nicht in der Welt sagen dürfen, cs sei in Deutschland gestattet, die Gesamtheit der indischen 1 rauen, ja die ganze jüdische Rasse aufs Gröblichste zu he* leidigen und die deutschen Jüdinnen lassen dies imgezüchtigt über sieb ergeben. Tatsache ist es, dall dies in einem jüdischen Blatte geschah, welches zu den ältesten in Deutschland gehört, durch den Namen seines Begründers und seines früheren Redakteurs sieh bisher eines guten Rufes erfreute, gewissermaßen als offizielles Organ der Berliner Gemeinde gilt und dessen jetziger Redakteur im Vorstand der Gemeinde Sitz und Stimme hat und über manch religiöse und kulturelle Institutionen zu verfügen hat. Es wäre unter unserer Würde und hieße die jüdischen Prauen beleidigen, wem! wir auf den Inhalt jener ticsclmupiungcn auch mir mit einem VVorte cmgehen wollten. Sic kennzeichnen sieh für jeden unbefangenen Leser von selber als eine Ausgeburt niedriger gellässiger Verlcmndungssuclit und roher Gesinnung. , _ ״ , Aber im Namen aller jüdischen Prauen in Galizien und der Bukowina erlichen wir nachdrücklichsten Protest gegen die Ruchlosigkeit, die darin liegt, dalt ein jüdisches Blatt die giftigsten antisemitischen Verleumdimgen aufgreift und verbreitet. Wir fordern die indischen Prauen Deutschlands auf, dieses verhebtliehe Gebühren oifentlicli energisch zu brandmarken. Das ist unbedingt notwendig, damit die Schandtat keine Wiederholung mu) Fortsetzung linde und damit die Gesinnung, der sie entspringt, im Keime erstickt werde. Wir buten Sie, sehr vereinte gnädige I ran, ergehenst. dieses unser Schreiben den geehrten Mit» gliedern Ihres Vereines auf geeignetem Wege zur Kenntnis bringen zu wollen, und erlauben uns zu lie* tonen, dall es notwendig wäre, eine öfteutliehe Ver- Sammlung jüdischer Prauen cinzubcrufen. damit diese sich unserem Protest anschliclien und solchen zugleich m den Zeitungen zu veröffentlichen. Wir bitten Sie 1.11 seren schwesterlichen Grull und den Ausdruck unserer vorzüglichen Hochachtung entgegen/miehmeu. Piir den Verband jüdischer l'raucn In Gali/Icn und der Bukowina. E'iir den Verein ״Solo kohict zvdowskich" in Lemberg: Prau Rosa Poiucrau/.• Mcl/cr. Prau Gisela Seboiiield. Prau Dr. (). Buchstab. Prau Dr. Pcuerstein. Prau Dr. M. Zipper. Prau Doktor Mieser, Fr!. Amalie Back, Erl. L. Werbcrg. I’rl. B. Brenner, Frl. Zofia Scboiifeld, I’rl. Ernestine Landau. (Folgen zahlreiche weitere Unterschriften iüdischer Praucnvcrcinc Galiziens und von Einzel- Personen.) England Aus London wird uns berichtet: Mittwoch, den 22. Juni empfing der König eine grilliere Abordnung von Mitgliedern des •Lewisli Board 01 Beputies mul der Anglo-Jcwish Association, die dem König das Beileid der englischen Jmlcnhcit zum Ableben König Füiiards nussprach und ihn zur Thronbesteigung beglückwünschte Die Deputation bestand aus den folgenden Herren: Leopold de Rothschild, Chief-Rabbi Dr. Adler, Dr. Gast er. Oberrabbiner der portugiesischen Gemeimle. Rev. Morris .1» senil, erster Prediger der Rcfnrmgcmchulc. Minister Sir Rufus 1 s a a c s. I .nrd S w a v t h l i 11 g, Sir Francis M o n t c f in r c , Kgl. Rat D. L. Alexander. Gouverneur Sir Maihcw Nathan, gewesener Lordmayor Sir .1. Pa u d c I - P h i l i p ps, Künigl. Rat A. H. .1 e ssc I, Parlamentsmitglieder Sir 1*11. Magnus mul U. S. Straus sowie einer Anzahl weitojer Notnhetu der englischen Jmlenlieit. Mr. L. de Rothschild führte die Deputation an und verlas die Adresse, »lie von CI. <1. Moutefinre und D I.. A I c x a ml e r gezeichnet ist. Der König erwiderte mit der Verlesung einer Adressx*. In der er in seinem Namen und im Namen der Königin für die Loyalität der jüdischen Bevölkerung dankte und seine Freude über den i.inpfaiig dieser illiistrcn Deputation aussprach. Mr I '^*'hsehn d, Sie Edward Stern und D.I.. A cr kiißtcn hierauf dem König die Hand, mul die Deputation verabschiedete sieb. * ln der Liste der ״Birtlulay Honours", die am 2-1. Juni, dem Geburtstag des verstorbenen Königs, iiublizieil1 worden ist. befinden sich auch drei jüdische Namen: Mr, Alfred M ond. Mitglied des Parlaments, Mr. Adoll l nek, ein bekannter Führer im jiidisehen (h'incimlelelien. mul Mr. Carl Meyer. Alle drei sind vom König |n den erblichen Ha tu* ticustand erhoben worden. Spanien Die bisher mir von privater Seite misgegangenen Mciiiüliiingcn, dem wirtschaftlich so schwer darniederliegenden spanischen Königreich neuen Elnlhiß arbeiu sanier und Intelligenter Einwanderer zu verschaffen scheinen tiiclit ohne Einfluß auf den jüngsten königliehen LrlaO, betreffend die Freiheit der Religions* (ibung geblieben zu sein. Eine neuere offizielle Inter* prctatlon betont nümiieh ausdrücklich, das sich die neuen Bestimmungen nicht nur auf Protestanten sondern auch auf alle Rcligionsgesellschaftcn bc* ziehen, die sich nicht zur Slaatsreligion bekennen, somit mich auf die Juden und Muselmanen. RiehiiJ ist, daß der königliche Erlaß von Ib7t», der außer Kraft gesetzt ist, mir von Dissidenten spricht, aber der jüngste Erlaß schließt alle Religionsgcsellsclmitcn, die sieb von der Staalsreligion unterscheiden, ctn| Inlülgt'dessen werden alle Zeichen und Religions’ Übungen dieser Rcligionsgesellscbaften /״gelassen werden mit Ausnahme von Versammlungen tmter freiem Himmel. Ja die öffentlichen 11iel1tk,1tl1״lo .|Kli Kundgebungen durch die Konstitution verboten sind. Die Propaganda und Diskussion religiöser Angelegen.' beiten genießen sonst in Spanien die größtmögliche Freiheit. Es ist kaum anztmehme», daß jüdische Aus \an. derer — wie groß ihr materieller Notstand;.u.h s״, jemals hesoudere Lust verspüren werden, .! v.;! Paragraphen zu praktischer Bedeutung zu v.rti. »n. Vollends unsinnig ist aber die Zumutung, dis ,-*.ו gerade an die osmaniseben luden stellte, ihr krzeitiges Vaterland mit dem ungewissen Sdm sal, daß ihrer im klassischen Lande der Inquisition w. ׳x■:, zu vertauschen. Türkei Der Tod Hamada Paschas Aus Ko 11 s t a n t i n o p e 1 wird uns beruh*״! Der Senator II a tu ad a Pascha, der יי ae Minister des Likal. ist einem plötzlichen T<> tc m Opfer gefallen. Das ist nicht nur ein Verlust mr ׳•::!» Vaterland, zu dessen fälligsten Staatsmännern 1. 1״ hörte, sondern auch für uns. das Judentum IL. ״.׳!,• Pascha war der überzeugteste ottoiuaniseiu:!!!•י ger der indischen Einwanderunesidee. Als ,er bat er versucht, ihr Verständnis zu schaftea, noch kurz vor seinem Tode halte er einem i•.dis..!en Freunde erklärt, er nehme sich vor. nach er Rückkehr aus Beirut mit all seinen Kräften sich ,kr Arbeit der Durchführung des Gedankens!!im•.■, •en. Dieser Enthusiasmus fur die jüdische P.inw 1. n.׳ entsprang keiner Sentimentalität, sondern der l .herzcngimg von dem großen Vorteile, den sein \.j:er land daraus ziehen wurde. Diese Wahrheit bleibt bestehen, auch \u• 1!.׳■ mada Pascha nicht mehr ist. und sic wird ',uh, dringen wie eine jede wirklich reale W. ..;.! Gleichwohl haben die Juden durch das Hins :,tim dieses Mannes, in einem Lande und zu eit.er Zeit wo noch fast alles sich persönlich, nicht sachkn er• ledigt. viel verloren. Das Sullansfcsl in Bcjlcrbcj Der Konstantinoplcr Korrespondent der ..N J K." meldet: Sultan Mebmcd Rasch,״| lud m vctgaiigr.«״ Woche die beiden Parlamente und die Pte'-v Hauptstadt zu einem Sommerfcste in dem her rite :o. Schlosse Mciicrhcj ein. Auch »lie Vcriietcr der jüdischen B I ä 11 e r w a r e 11 g elad c 11 11 n d s i.11 d vom Sultan in A u d 1 e n z c ווו p f a 11 g c n" w o r d c 11. :Ute .!es 11t .lie :1111 .11• 1 ich• •. .1 Vtl. '■er- •/,׳ ftliance Isra^lite Universelle Einzelne jüdische Zeitungen haben Gemeine \crbreitet, wonach die Deutsche Koiifereii/gemeiussli.ttt der A. 1. U. beabsichtige, sich von der l*ar<ser Zs וו• tialc der Alliance ioszulüsen. Im Zusammen’.• damit wurde von der bevorstehenden Demission Präsidenten der Deutschen Konierciizgemcim י Jnsti/rat T i in e n d o r f e r berichtet. Das d«■•׳'• Bureau der Alliance Israclite Universelle in B• veröffentlicht nun folgende Erklärung: ..In verscliicJcncn Zcittjüi'en wurde die N׳ rieht verbreitet, daß die Deutsche Kon!Vn׳n ׳ ' nieiiisehaft der Alliance Kr.ulite Umvsisilk׳ I sichtige, sich vmi der Zentrale in l'.uis I •'׳"■ I und eine selbständige deutsche .Alliance zu sei׳. Ich erkläre hiermit, wie ich dies auch in der .0 ׳ ordentlichen Tagung in der Deutschen K1!>׳:e1 GeiiieinscliaU um 29. Mat getan habe, st.sß st/s!1 siilium mul der Geschältfiihrer der Deutschen <• fercuz-Ucmcinscliaft nicht daran denken »1•«״ nie daran gedacht haben, sich von Paris zu t״ mu die deutsche Abteilung selbständig zu und gewissermaßen eine deutsche Alliance Im.! Universelle, unabhängig von Paris zu schaff•.״׳, habe damals erklärt und bin mich noch der Mein daß neben dem llilfsvercin der deutschen lüde Deutschland absolut kein Platz fur eine solche ' ständige Organisation ist, mul daß ich als stell■ tretender Vorsitzender‘des llilfsvereins der 1 sehen Juden mein Amt als Präsident der DeiitsUa’ Konferciiz-Oeiiiciuscliaft sofort iiiederlegeu 10* 1,;' falls ein Milcher Plan auch mir im ent(en״eMcn v‘’ irgend einer Seite propagiert werden wurde. P•׳ ich die Absicht hatte, zu demissionieren. crtspnJ1 den Tatsachen, ebenso wie cs wahr!G daß der Geschäftsführer Herr M. J Klausner seine Demission g c g c ü c 11 n t. Die von mir beabsichtigte Demission isj vui'i weilen unterblieben, weil die zwischen Paris un Berlin schwebenden sachlichen Differenzen einer all scitig befriedigenden Lösung sich nähern. B. TI m c n d o r j c r. u•