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Jüdische Rundschau · 1910-07-01 · Heft 26 (1.7.1910) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XV (1910)
Issue
Heft 26 (1.7.1910)
Date
1910-07-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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IUEP1SCHE RUNDSCHAU Seite 309. No. 26. 7uciß«c«. ist cs in Palästina noch schlecht bestellt, ״Involil ‘lies umso wichtiger wäre, als ein Teil der 1:mwa1ulcrer. der sich gern der Landwirtschaft wid- ״ich möchte, über keinerlei Fachbildung verfügt. 111• folgedesscii müssen die Leute ihre Erfahrungen mit unnötigem Aufwand von Mühe und Mitteln bezahlen. Was den jüdischen Kolonisten an Erfahrung fehlt, sollte, soweit möglich, durch Belehrung ersetzt werden. Pie I. C. A., die das Verdienst hat, die Kolonien auf eigene!•'iille gestellt zu haben, sieht sich nun vor der Aufgabe, ein ordentliches, landwirtschaftliches pme! 1 iclitswescn schaffen zu müssen, das zweckiii.ii'.icctweise schon au die Elementarschule aiikn'M'fea würde. Vorbilder hierfür finden sich in der, Vereinigten Staaten von Amerika, insbesondere i!1i W esten. wo vielfach landwirtschaftliche Ansied- 11,1h. n ״lute geschultes Material, aber mit Hilfe guter y־ ,.״. Itkeiten für Fachbildung, geschaffen worden sind Heute müssen in Palästina ein paar ordentlich geleit, :e landwirtschaftliche Grolibctricbc, wo nach w1sv, •tseliaitiicher Methode gearbeitet wird, die iii.inee'.thle Beleltnmgsmügliehkcit ersetzen. Zwei gut beitende Groüfarmen der Art habe ich in Sc *י י rah und K i 11 c r c 111, in der Nähe des ־l'ibe!. issees. getroffen. T:,1t/. aller Mängel aber, die eine rückhaltlose Kritik :11 den jüdischen Kolonien Palästinas aufdecken tn.tg. .:.rite doch foststelmn. dall sich der Jude in l'.ti 1i n :1 als Landwirt bewährt. Jede K» I> -ation muH Lehrgeld zahlen, und die Scliwieiigk. eil dieser Kolonisation sind ganz besonders gr<• > ,ewesen. letzt schält sich allmählich aus vio- U'ii ' :suchen die richtige Methode heraus, und der N.i. iiclis ist. nach dem Urteil erfahrener Landesk.1; . 1. an Ai beitsamkeit und auch an Genügsamkeit, de!* besten Bauerntum irgend eines anderen Landes rin vag. Zu diesem Ergebnis gelangte auch der!.in. 1« ־ tseliafiliclie Sachverständige, den unser Aus- \1.11׳ ccs Amt zur Ertorsclaing der syrischen Ver* lal; -sc nach Palästina entsandt hatte, Herr 11. Au- 11,1. an in seinem im Bruck erschienenen Bericht. <!k! 11. Paul Parcy.) miJ mm die P*cdingungen vorhanden, um die!.nur :riscliaftliche Hebung Palästinas derart ausam. dall hier das auswanderndc Ostjudcmiim 11.111 '׳ätten gröllcren MaHstahs finden kann? Wir ujeImi. dal‘• sich unter den Ostjuden genügend v ״Ui'tandstiihiges Ausiedtermatcrial findet, und ein luclr, .׳u verkeimender Idealismus, der die Einwau• icn. kii infolge der für das gläubige .liideiitmn so I . ׳ len Tradition des Landes ergreift, dmttc \ iv'.c >es.v.;1 igkeitett iiheiw itulen. Aber die Bode nii'ag -.1 ־ fit so einfach zu lösen, als viele Zio* r'Ui: I!•::׳ >a gl.mhcn. ob bei guter Wirtschaft nicht noch י . von Baiiernstcllcn Platz hätten,!'er ara- . .':e nutzt das Land ganz unvollkommen . 1u . Ir tialil.ia gibt cs grolle Flächen, die im II!ו;!■ergebend als Weide dienen und dam! ir.rr; ו l egen bleiben, während sie für intensivem .\J..!.1 ׳: ::.ul Pflanzungen geradezu geschaffen er- 1 1 ׳ ie1 :!:«.11׳ des Jordans sind hunderte von 1! : . »..ח:e:en1. die zu tönilsclicr Zeit in hohe!• ku: . .ti. •1. 1r.it leichter Midie zu erschlichen, so- ’ . ־ ..* gige 11 die Bediiinengcfahr geschieht; auch e:1 V י.,/!!.־erli.’iltr.is.sc sind dort durch die Nähe der Ii«..;ויו. :־».■•! .־:! recht günstig. Es fehlt nicht an Boden?״r V.Miehnuug der jüdischen Dörfer, aber ihn zu ׳.:v. t ׳. I. darin liegt die Schwierigkeit,!linder- ׳ "״!. s l'.odcnerwerbs bestellen in juristischer und i! er Hinsicht. . . . Es ist zu hoffen, datl diese i.u ngkwiten unter dem neuen Regime durch Val ermigcn der Gcsetz.gchnng geringer werden, " •׳ .!Hell auerbaiin; werden muH. dall die jungt.if!« ie Regierung die Dualität der Beamten zu I«11’L־ 1:־.!'ein. U aber die politischen Schwierighu! :! dcs B״ d c n c r w e r b s für A u s 1 ii n ־ 11 u , nuger werden, erscheint uns weniger sicher. 1•r: u ■;er Teil der Kolonisten hat sich ja in das ost'i.m!־ Untertaiienvcrliiiltnis begehen, cnthclirt *־Le r ,,tirlieli infolgedessen des konsularischen Kd־:״•• •:s. der bei der «rollen Entfernung von Kon- '!•«! ikI noch recht schätzenswert ist. Bedeuten- ',ui!;..iirin.rwcrlnmucn durch Ausländer begegnen tiiK 1, y.vwissen MiHirauen. So tüchtig die willsUi:,!׳... hg und soziale Tätigkeit der Zionisten ist, I s״ e. i.öirlieli sind ihre politischen Ambitoncn, insuj y,1 ־«. dieses MiHtrauen vergröllern. Die ganze 1‘r.:.(. ,,, welchem Umfang die jüdischen Kolonien I׳• . i11;a aiisdelimmgsfäl.ig sind, ist eine Frage des 'V'ihl-.voiiuns der türkischen Regierung. Wenn ,,!ai; ■!' iriihercn Zionistenkongressen verkündet ^tn.le. die Absicht des Zionismus sei, aus Palästina ,'iiiui autonomen jüdischen Staat zu machen sei vs . ah unter türkischer Oberherrschaft •— so ist vll.stvmtündliche Eolgc die, dall die türkische Kcgierung alles tut, uin einer solchen Möglichkeit v׳»r/u!)euge11, Palästina war und ist durch seine *׳״•■mmltisclic Lage ein strategisch und politisch zu Nichtiges Land, als dall eine mit einiger Vcrnunfj begabte Regierung auf seinen vollen und sicheren Besitz, verzichten würde. Die Zionisten sollten sieh daher klar machen - und das beginnen sie uueh bcreits —, dall alle Redereien von einer Autonomie Palästinas geeignet sind, das nationalistische Jungtürkentum gegen die jüdische Kulturarbeit in Palüstina cinzunelimc״. Unseres Ermessens wäre cs auf das tiefste zu bedauern, wenn, um eines Luftgebildcs willen, die Möglichkeit abgeschnitten würde, eine grolle Zahl armer und geplagter Existenzen in einem Lande, an dem sie mit Geist und Herzen liiingen, vorwärts zu bringen und dieses Land selbst zu heben. Was den Juden der Türkei in ihrer übcrwältlgcnden Mehrheit klar erscheint, was sich aber viele Zionisten unbedingt klar machen milllten, das ist: nur in ruhiger Mitarbeit innerhalb des türkischen Staatswesens, mir als guten osmanischcn Staatsbürgern, ohne jede politische Sondcrahsicht, wird cs einer gröllcren Zahl von Juden beschlcdcn sein, friedlich im Laude ihrer Vüter unter ihrem Feigenbäum und Wcinstock zu wohnen. Die wirtschaftlichen Grundbedingungen hierzu sind vorhanden, die gceigneten Menschen sind da oder können hcrangebildet werden, die Rechtsverhältnisse werden sich wohl verbessern. Nötig aber ist, wenn anders die Arbeit gelingen soll, dall sic frei von allen nationalistischen Phantastereien geschieht. Auch halten wir cs für wünschenswert, dall die Versuche der Scllhuft* inuchung östlicher Juden sich nicht auf Palästina bcschränken, sondern sich auch auf andere Gebiete der asiatischen Türkei aiisdchiicn, wo die Verhältnisse nicht ungünstiger sind. Umso eher werden dann alle diese Bestrebungen, wie auch von maligebendcr Seite verschiedentlich ausgedriiekt wurde, die Unterstiitziin« der keineswegs antisemitischen — osmanischcn Regierung finden, gegen deren Willen umso weniger etwas aus/nriehten ist. je moderner, d. 11, je kräftiger sie wird. ü AUS ALL6R W€LT ״־ Deutschland Antisemitische Aufdringlichkeit Die Berliner ״Staatsbürger-Zeitung“ bringt in einer ihrer letzten Nummern folgende Notiz: Von den Zionisten. In Prag haben die jüdisch-nationalen Studenten eine schlagende Verbindung unter dem Namen ״.I o 1׳ d :111 i a" begründet. Die zionistischen (>rgatte erblicken darin einen gewaltigen Fortschritt des jüdisch-nationalen Gedankens, aber dall zu dessen Verwirklichung ein jüdisches Staatswesen erforderlich ist. darüber setzen sic sich etwas gar zu unbekümmert hinweg. Wir wünschen den Zionisten ein klein wenig mehr von dein ״praktischen" Sinn ihrer schachernden Stamntesgeiiosscn. damit sie endlich in die Lage kommen, ihr Ideal zu verwirklichen. Wir würden ihnen gern dazu helfen. Wir würden unser Ideal vielleicht etwas .schneller erreichen, wenn uns die Gesimutgsgenosseu des genannten liiättehens mit ihrer ״Freundschaft״ verschonen wollten. Verbeten haben wir uns diese heuchlerische Fürsorge schon oft genug. Es wäre nun an der Zeit, dall diese aufdringliche Gesellschaft oen Takt, den sic anderen predigt, endlich mal selber Betätigen wollte und sich nicht um Dinge kümmern würde, die sic nichts, aber auch gar nichts angelten! Russland Die Judenausweisungen in Kiew Eine Depesche ans Kiew vom 25. luni besagt: Die P og 1111 0 ־ p r 0 ין a <:a n da nimmt hier wimlorum bedrohliche Formen an. Ein Mönch verteilt auf den Straüciihalnicn aufwieglerische Prokl;!- mationen, die von dem von allen G I ä n b i ״ c p verehrten La w 1־ a k 10 s t e r Iicraiisger.elen, sind. Gestern begannen sogar zwei Hooligans im Mittelpunkt de r Stadt alle vorübergehenden J ude u zu verhauen, ubcr die Sache hatte keine weitern E״),ge11. Jedenfalls liiitiit sich der Zündstoff in gefährlichem Malle. * Aus Kiew wird der ״Ross. Korr." telegraphiert: Erbarmungslos sind die Massemiuswelsungcii von Juden ans Kiew zu Ende geführt worden. Mit den! Id. Juni lief auch für die kinderreichsten Familien die Aufselmhfrist al), und so wurden itisgesamt tausende, zumeist aluingesessene Bürger ins Elend gejagt. Wer von den Ausgcwicscncn zum bestimmten Termin nicht freiwillig die Stadt verlieh, wurde gewaltsam liiuaiishe/ördert. Während, des ganzen Ausweisungsmonats wurde die Proskriptions• liste durch immer neue ahnungslose Opfer ergänzt. Viele Hunderte sind völlig ruiniert. Ein ausgcwicscncs Mädchen verfiel dem Wahnsinn und stürzte sieh aus einem Eisenbalmzug. Fortgesetzt reitet aber die Polizei noch weiter in der Umgegend von Kiew, wo sic wilde R a z :׳. I a s vornimmt und viele Juden aus den Vororten verjagt, ln dem bei Kiew gelegenen Kurort Da rn I tza muhten die Heilung oder Erholung suchenden Juden, die sieh dort für den Sommer niedergelassen hatten, sich schriftlich verpflichten; den Ort im Laufe von vier Tagen zu verlassen. * Das vereinigte Komitee des Jewish Board of Dcputics und der Anglo-Jcwish Association veiol- {entlieht in der Londoner Tagespresse folgende Einzelheiten über die K i e w e r Judeuauswcisungen. die einem Privalbricf aus Kiew entnommen sind: Bisher haben ungefähr 1000 Familien, deren Scclcnzahl sich auf etwa üOltO beläuft, die Aofforderung zum Verbissen der Stadt erhallen. Die Ausvcisungen begannen am 15./28. Mai. Der Modus de i Ausweisungen ist nach der Kategorie, der die einzellten uusgcwlQscncn Familien angehören, genau geregelt. Die Polizei unterscheidet nämlich drei Kategorien von ausziiwcisendcn Juden. Zur ersten Kategorie gehören diejenigen Ju<V*u die eine kleine oder gar keine Familie haben. Diese werden aufgcfordert, das Stadtgebiet innerhalb «1—5 Tagen zu verlassen. Kleine Viehmaklcr. Agenten und sonst,ge armselige Existenzen, die von der Hand in den Mund leben, zählen zu dieser Klasse. Die zweite Kategorie umfallt Familien von fünf oder mehr Mitgliedern. Diesen wird eine Frist von M Tagen gewährt. Auch die Witwen von Handwerkern, ferner ar'ocitsunfähige Handwerker, die ipso facto nicht wohnbercclitigt sind, werden dieser zweiten Kategorie Zugezählt. Zur dritten Kategorie endlich gehören Ute ärmsten Proletaricrmasscn. Bottler usw. Diese müssen jeden Augenblick gefallt sein, einen Befehl zum sofortigen Verlassen der Stadt zu erhalten. Da viele der Ausgewiescncn noch hoffen, ihre Ausweisung rückgängig machen zu Können, und verzweifelte Anstrengungen zur Wiedererlangung des Wohnrechts unternehmen, da ferner die Auswcisungen noch immer fortdnuern, ist cs unmöglich, aocli nur annähernd die Zahl der Juden zu bestimmen, die endgültig die Stadt verlassen müssen. * Aus K ic w wird uns berichtet: Auf der dieser Tage stattgetundenen Sitzung der Kommission f it r Rc c 111 sbc i s t a nd an die Atisgc wieselten wurde iestgesullt, uali von 1151) Familien, über die die Ausweisung veriugt Worden war, (abgesehen von den 25א Familien des Vor- <*ries Dctniewka) nur 1TP in Kiew bleiben dürfen. — Daneben wurde noch festgestellt, dal) in letzter Zeit immer neue Kreise in den Bann der Ausweisung gezogen werden. Die Zahl der Ausgewiesenen, die in der ursprünglichen Proskriiuionsliste fehlten, wachst mit jedem Tag. In groilem Schwange sind zurzeit die l>erii,1!׳- tigten ״Nachtlictzen" (I l.itissucliungen in Privatwoltmmgeti) auf wolmreehtslose Juden. Aus Warschau wird :!her einen enormen Zuztig ausgewiesener Kiew er Juden berichtet. Die ״Vossische Zeitung" berichtet aus Warschau: 111 Opa low fanden in vielen jüdischen Häusern H a 11 s d 11 r c 11 s u c 1111 n g e 11 statt, die die ganze Nacht au,lauerten. Nach genauer Re- Vision wurden 19 junge l.eiue beiderlei Geschlechts, deren Eiste die Polizei .schon bereit hatte, ve r hafttf t. Von den Verhafteten wurden tags darauf drei Mädchen gegen Kaution ireigelassen. Die übrigea wurden nach Radom geschickt. Wahrend der Rc\:• .sioii wurden Sammelbüchsen mit Geld für den z.o• mstisciieii Natioiialfonds beschlagnahmt. Und heim Rabbiner, dessen Enkelin mit verhaltet wurde,;and man eine Zinuistcnliste. Man will w issen, dall d!•־״ Verhaltungen durch eine Denunziation v<>,1 Jude 11 h c r c i g c i ii 11 r t w 11 r d e 11, die der zionistischen Bewegung feind lieh gegen ii!י erst e 11 c n." (!!) * n Die Zeitungen brachten vor kurzem die Nachricht 1!ail der Statthalter vom Kaukasus sich beim Zar datur verwendet hat. da;l es den Juden gestattet sein uv,me, du.־ kaukasischen Kurorte krankheitshalber autziisiichen. Einige Zeit darauf ... sogar in viclen Zeitungen die telegraphischen Mitteilungen der Kurortverw altungen zu lesen, datl den Juden die Eraul'tiis erteilt worden ist, sich Iturhalbcr in den kaukasisehcn Wariiibadoortcit zwei Monate auf/nhalteu. ibescr läge erhielt mm Rcichsdmnaabgeordiieicr;rnd.iiann aus Pjatigorsk vom Abgeordneten ,.itekow folgendes Telegramm: ״Viele Juden lassen sich teils von der vorjährigen Erlaubnis, teils von den Zcilungsberiehtcn über die Bemühungen des Stattha Hers bestimmen, um die kaukasischen Mineralbüder au!zu stic heu. Sie werden aber sofort durch die lokale Behörde ausgewiesen. Eine unverzügliche Lösung dieser Frage nach dieser oder jener Richtung tut not, damit den Kranken die zwecklosen Plackereicn erspart bleiben." Die unermiickliclie Judenfragc mit ihren unzähiißcn Spezialitäten bereitet den tfesetzbestiinmciulcn Instanzen des Zarenreiches viel Umstände. Dieser * a,?c bcfalltc sich der russische Senat mit zwei das Jüdische Wohnrecht betreffenden Fragen von croller fJ^Kdseher Bedeutung. Die eine Frage ist: Dürfen Jüdische Anothekcrgehllfen, die sich nicht >mt ihrer Profession beschäftigen, in Moskau

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