Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XV (1910)
- Issue
- Heft 26 (1.7.1910)
- Date
- 1910-07-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 30S. JUEPISCHE RUNDSCHAU No. 26. im Yein eil mul in Palästina. Abgesehen von Palästina sind die genannten A n s i c U l n זו g e u sehr alt; stellenweise reichen sic bis in die biblische Zeit zurück, andere wurden von den aus Spanien vertriebenen ״sephardisehen‘* Juden begründet. Im ganzen genommen ging es den Juden in diesen Mindem niemals schlecht. Palästina nun enthält im Gegensatz zu allen anderen türkischen Uebieten überwiegend osteuropäische Juden, die erst neuer- Jings dorthin ciiigcwamlcrt sind, ungezogen durch die Tradition des heiligen Landes. Das kleine l’a* lästiua, mit kaum der Hälfte l'lüchcniuhnlt der Provinz Schlesien, zählt heute wieder etwa 01) »Hin Juden. Was man von diesen l'.lemeiiten früher hörte. w;1r ungefähr: sie lebten von den Spenden europäischer Glaubensgenossen, von denen sie aus leligiöseu Gründen unterstützt würden. Diese Auffassung verliert mm täglich mehr an Berechtigung. Die Zahl der Bettler tritt allmählich zurück hinter der Zahl der Landwirte. Handwerker, kleiner Unternehmer, Arbeiter. Zusehends blüht in Palästina ein Schulwesen auf, das für orientalische Verhältnisse aullerordentlich hoch stellt, Gefördert wird diese ganze Lntvvickhmg keineswegs nur durch Zionisten, son* dem in viel stärkerem Umfang durch Philantropen, die von politischen Aspirationen gänzlich frei sind, die aber der Hoffnung leben, dall sieb im vorderen Orient für das verfolgte jüdische Proletariat Ostenrupas Heimstätten schaffen lassen, welche niclu nur diesen armen Juden, sondern auch dem Land, nach dem sic ihre Schritte lenken, zum Segen gereiche«. Welche Kräfte sind mm in Palästina am Werk, wie sind sie und wie ist die ״Lntwickhingsniöglidikcit des Landes cinznschüt/en? Palästina war in verschiedenen!;pochen der bib* lischen Zeit wohlhabender als heute. Kaum ein andercs von den «rohen Uebieten der Weltgeschichte hat mehr Zertrümmerung und Zerstörung erlebt. und erst jetzt, nach viellmiidertiälirigein Schlaf, bli.iit neues Lehen auf. Vor allem wird erkannt. dalt das Land der Bodenkultur günstige (iiimdliedin• gnngeu bietet, tiewih ist das Klima vielfach durch Entwaldung und Versumpfung verschicchtert,;•her im Käuzen ist es doch;:esmnl und gesmttot selbst dem iNordcuropäcr, ohne I;rsehlaffu1ig intensiv zu arbeiten. Nur die Sehirokkotage im Frühjahr und Herbst können Körper und (ieist ermatten, den gan- .׳ a Sommer hindurch aber wehen erfrischende Seev. inde. Oie jährliche Regenmenge entspricht etwa dem Mittel Deutschlands, und selbst im rcKculoscii Sommer ist die Wnsscrvordunstting derart stark, dalt noch im reinen Sande Wein und Mandeln, (!erste und Kaitoiieln gut gedeihen. Addierst fruchtbarer, stellenweise schier unerschöpflielier Ackerboden 1h•• deckt fas! die ganze Kiistcuebeue, die Lbeit« Jcsreel, das Jordan tal, die Täler mul Her׳,׳• lehnen (ialiläas und Teile des Ostjordun• lindes. Palästina ist früher ein «Utes Bauernland gewesen. Auch!1 .,nt!: scheint seine Zukunft auf der Lau d Wirtschaft zu beruhen. Arm an! J»lz. mul wciii;: reich an Bodenschätzen ׳ wenn auch nicht an Wasserkräften - scheint es nur solchen Indusirien Aussichten zu ii'cicn, die irgendwie an I .mdwirtsekuit. Baugew erbe oder Fremdenverke.hr a.ikiiiipfen. Die l.andwirtseliaft in Palästina licKt Leute in den Bänden von Deut sehen. Juden i.ud arabischen I* e! I a c 11 e tu Uebrigens spielen auch noch die Bc du inen im östlichen Randgebiet eine für die Landwirtschaft wenn! erfreuliche Rolle. Ls Ist interessant, in Palästina zu beobachten, wie der Charakter der l.andwirtseliaft weniger vom Boden »bhangt. als von der Qualität der Menschen, die ilm bearbeiten und von der OrKunisution von Staat und Gesellschaft. — Am höchsten stehen die vier deutschen Kolonien in der Nähe von Haifa und Jaffa...Die landwirtschaftlichen Kolonien der Templer machen einen änderst erfreulichen Eindruck. Die Polder sehen besser ans, als der Durchschnitt deutscher Baiieriüieker. Getreide, Gemüse, OraiiKen, Mandeln, andere Hamnfi Hehle 11ml Wein werden mit unter Technik crzciiKt und aliKesetz.t. . . Die demsehen Kolonisten hatten auch ein gesundes Genossenscliafiswesen entwickelt und eine landwirtschaftliche Schule eiiiKerichtet. Aber diese Kolonisation hat quantitativ nicht das erreicht, was ihre Urheber erhofft haben. Trotz, allen technischen Aufschwungs mul aller erarbeiteten Wohlhabenheit nimmt die Zahl der deutschen Kolonisten kaum zu, ja man hört von Ausw'nndcnmK und Verkäufen. Letzteres geschieht ohne jeden Zwang - die Deutschen haben in Pakistina eine bessere wirtschaftliche und politische Stellung. als irgend eine andere Nation — einfach deswegen, weil die religiöse Idee der Bewegung verblallt ist. Groller ist der ZahlcnerfolK der jüngeren jfulisehen Ansiedlimgsbestrclmngcn. Die jüdischen Ko |on i e 11 umfassen bereits etwa 000א von der Landwirtschaft lebende Personen und vcrgröllern sieb ständig nach Maltgnbc des zur Verfügung sichcmlcu Bodens. Auch gewähren sie im Ganzen das Bild sichtbaren Aufschwungs. Hs gibt jüdische Kohmien, welche die deutschen int Obst- und Weinbau bereits iihcrircffcn, andere, deren Ackerwirtschaft kaum mehr hinter jenen zurilekstelit. Nur die Viehhaltung läüt allgemein noch zu wünschen übrig. Jedes Urteil über die jüdischen Kolonien muß aber beniihsiclilmim, dall die meisten Kolonisten aus städtischer Bevölkerung bervorgingen. Die Geschichte dieser Kolonisation war voll von Miilicn, Lut- Inbnmgen und Pehlselilügcn, bis der rechte Weg des Vorgehens gefunden wurde. Vor etwa 25 Jahren kamen russische und rumünisclie Juden, die sich als Kolonisten nicderlasscn wollten, in grolle Not. Sie waren wie die Tem:!• lei ohne Kenntnis des Klimas, des Bodens, der arabischen Sprache, des türkischen Vcrwaltungs- System ins Land gezogen: sie besaßen aber noch weniger Geld mul vor allem keine bäuerliche Hr* fahrung. Dieser Immigranten nahm sich der Baron Ldmond de Rntscliild zu Paris an und nicht mir ihrer allein. Lr gewann Interesse an der Kolonisation des Landes mul stellte allmählich einen ganz bedeute!,- den Teil seines Vermögens großherzig in ihren Dienst» Lr ließ Boden kaufen, Dörfer bauen, Sümpfe aiisti'ocknen, Bewässerungen anlegeii, Kellereien einrichten usw. Leider wurde nicht alles Geld, das er dem Ansiedlungswcrk zur Verfügung gestellt batte, seiner eigentlichen Bestimmung zugefiilirt. Große Summen wurden Von erpresserischen Paschas und t'ngetreucn levantinisclicn Beamten geschluckt. So kommt es. dall die von Rothschild gegründetem Kolotu!tc (Piiie'lisclmittsgrölie 211 bis 25 Hektar) bis zu ihrer Fcitigsiclluiig mul Linriolitmig kaum weniger gekostet hilie-n dürften, als das durchschnittliche Bauerngut der preußischen Ansiedlungskoininission in der Ostmark. Auch wurde durch ein Uebernma von Subventionen lauge Zeit die Entwicklung eines gesunden bäuerlichen Geistes eher gehemmt als gcfördert, insofern die Kolonisten sich zu wenig;ח,; eigene und zu viel auf fremde Hilfe verheilen. Heu. noch verlor Rothschild den Mut nicht und opRno weiter Geld 11ml Arbeit. Lr übergab die Verwaltung der von ilm» gegründeten Kolonien der ״Jewish Co. lonization Association״ (I. C. A.), zu Paris die au.h die Stiftung des Baron Hirsch verwaltet, und dem wandten sieh langsam die Dinge zum Bessern. Mit dem Uiitersüitzimgsystem wurde ... seil Jahren erhalten die RotliscliiUlsclien Köln״!״ nur noch Beihilfen für Schul- und Sa* n i t ä t s w c s c n , also Aufwendungen, die unter ge•, ordneten Verhältnissen der Staat übernimmt. Audi die I. C. A. bat ihrerseits Kolonien gegründet. ein׳•,•,! Zionisten. Andere Ansiedlimgen sind von Ans־.• deren! selbst ins Leben gerufen worden, ohne; muls durch Subventionen unterstütz worden zu s ,•!. Die jüdischen Kolonien Palästinas, besonders ..■e judäischcn, wurden zuerst durch ihren Weinli,.« bekannt. Dieser aber imifite infolge der schied u,t internationalen Marktverliältnisse und des Auftrei : s der Phylloxera erheblich eingeschränkt wem■ Wein wird nur noch in den geeignetsten Lagen . baut und hauptsächlich nach Aegypten ansgeiü einige Marken sind von wirklicher Güte, bevor.' ,s nach genügend langer Lagerung. An Stelle ■>, Weinbaus wandte man sich mehr der Kultur ■!! 0 rangen. Oliven und Mandel n zu. Bei ז• kenswert sind die O r a n g e 11 - P f I a 11 z u 1:;!! der Jaffacr Gegend. Ls ist hier gelu■;,. eine grolle, saftige, kernlose!׳nicht zu züchtet..!0 zwei Monate früher reif wird, als die Orange . .r Konknrrenzl.'imlcr. Die Oraiigenaiisfiibr übe! I;.,1, die hauptsächlich raclt Liverpool geht, betrug i!» annähernd 5 Millionen Lrancs. Die Ornngeiig.1;»!! bedürfen künstlicher Bewässerung. Mandeln .:ul Oliven niclu. Bemerkt sei, daß matt in Palastu,,* k. Oliven einen jährlichen Reinertrag von .5 M!■';.:ms durchschnittlich auf den Baum aiinimmt. Alle > ,•■״• Pflanzungen machen einen selir günstigen l:m . l)er eigentliche Ackerbau jedoch ist noch vn..1,.c!1 vcrbcsscritngsiiihig. Zwar arbeitet der Jude au: vollkommeneren Gerätsclmiten als der Lellaelie. n!• berer und mit tm-lir wirtschaftlichem Sinn. aber \״n dem fellachisclien Prinzip. ״möglichst weine lnkosten", ist er vielfach neelt nicht losgekoinitK;. I> w ird auch da. wo die Marktverliältnisse günstig 1,1»ch zu extensiv gew irtsehaitet. Zw ar habe 1d.; : Satnaria und Galiläa Kolonien getroffen, wo hei Weizen bis ztnn 2(»fuchcn ut'.d bei Gerste bis . .;׳u Asiaclien 11er Aussaat geerntet wurde. Aber d.!s ,׳.!J Jlöclistz.iffern, und selbst solche Lrtrüge k׳cc:.r, noch gesteigert werden, wenn ordentlich geü cg; winde, d. b. wenn eine rationelle Viehhaltung s 1; getuhrt würde, wie sie!!ie Deutschen haben. . . . Den landwirtschaftlichen Fortschritt in den K׳ lonicn vertritt der junge Nachwuchs, der von k :,J an in der Landarbeit grd! wurde. Durch t..ci. ..c Arbeit zeichnen sich auch junge Leute aus K*n;1.1׳, l;ms, die viel Körperkraft und Bedürfnislosigkeit ar• bringen: von den Kolonisten, zu denen sie sich rr• dingen, erlernen sie den landesüblichen Hetsivl r.i werden dann öfters von der J. C. A. als Pächter gesetzt. Um die Möglichkeit aber, sieb auf g, »etc Weise landwirtschaftliche La c 11 b i i d 11 n ■! l eben, das sich über ihnen wölbte, war wie ein H0!4enbau von!Sein, der mit ruhigem Ernste hemkdcrsult auf die <׳b'ßütende Pttlverlunle,!,.ie dort umen glühte, ruliijx, ernst, als ob er so die Jahrhunderte hindurch sollte stellen bleiben unü nicht zerselumlleii werden würde -׳- im nädisien Angenblifk. . . Doch endlich ermannte sielt der Alte, er sah atu. — Welche Zeit war vertan• /ge 11, seit er so wartete und nicht hatte eletu.v־.•. wollen, nicht hohen, nicht beten mul doch uedacht, gehofft und R'ebetet hat. Vor ihm, rvi0-־i1 den dunklen Vorhang, saß, wie eine schwatze 1 onn, 5u!s de•!'!'*io Hände, die das Gesiebt verbargen, wie weiße Hecken hervorschimmerten, die(kstaltumi der Verzweifln«}* /usammenjjfestmken. Er fühlte es, wie in diesem Menschen ׳.!ie SelmierzLedanken wühlten, und das ließ den Wunsch in ihm noch heftiger werden, nicht zu sein, und den Gedanken von ihm Besitz crp;rci feit, den Kampf aufzuj׳ebcn. so daß er sieh nicht zu sprechen getraute, aus Furcht, all dieses Entset/.liehc deutlich hören zu müssen und in dieses Gesicht zu blicken, das vielleicht im Schmerze erstarrt war. — Aber mußte es nicht sein? — Vielleicht gelang es, zu helfen, wenigstens ־zu ׳ trösten. — So in dieser stummen Verzweiflung dürfte er ihn doch nicht lassen. — Wie hatte er nur an sich noch denken können? — War der nicht so gut, wie sein eigen Kind? — Der Sohn seiner verstorbenen Schwester. — Fr war immer ז ein braver Mensch gewesen, hatte ihm immer j noch l.iebe erwiesen, die sonst ein Kinderlo׳er j wohl nicht erwarten dürfte. — 1 iin Sohn würde j ihm nicht mehr beschert gewesen sein, er schien ׳ wohl nicht für das Glück bestimmt zu sein, s׳i früh schon seine Eltern verloren. — Vielleicht j hatte er immer schon den Verlust, vor allem den seiner Mnüer, sehr Uef empiunden, — und jetzt erst recht. ־ Und doch war es ein Glück, daß sie nicht mehr war, daß sic ilm nicht so sah.! -- Wohl war cs seine teure Pflicht, iluu ein | Vater zu sein, solange Gott ihm noclt zu leben! vergönnte, und mit der Xarllieit einer Mutter ihn ' zu behüten. —- Wie soll ich nun anfangen —! was muß ich ihm sagen? •— [ ״Liebster, bester Junge, willst du nicht wenigstens mit mir sprechen? Was du jetzt denkst, sag’ es mir, -•־ sind wir beide nicht eins? Du tust mir sein* wehe, wenn du meinst, daß ich nicht so mit dir fühlen kann, wie du selbst fühlst. — Oder denkst du, daß ich strenge sein werde? Lieber, ich bin ein alter Mann, — ich weiß, — ich weiß.“ Durch die dunkle Gestalt fuhr ein Zittern wie ein Seufzer, aber eine Antwort kam nicht. (Fortsetzung folgt.) Ein jüdischer Admiral Aus New Y*>rk wir.l beneblet: K״a!e1.> '• i Adult ALtrix ist ,i:izt im Alter vo.1 <>2 J;1Ine11 aus ■\! aktive:! Muriiicüieiist geschieden. Er ist im ■׳• •' ts'S in Sachsen •geboren, kam als Knabe < ' Amei 11■ u und im Alter von 1(» .lalir.n in die ־ al.adcmie. 20 Jahre alt, trat er in den ׳>•>'... '• und avancierte sein׳ schnell. Lr diente auf der ." ״ tüte, vkw im a n! e ץ i k n » i s e b - s;! n n 1' ce Kriege;1111' der Reede Von Jlav.mrm in die geflogenen Schlachtschiff, welches er km/. \ 1; Katastrophe verlassen hatte, tun das K<nm11.Hiö>» u.י ״Skorpion״ zu übernehmen. Line enge l 'ictmdsG. ־; verbindet ihn mit dem Präsidenten tait. um er A.u er, als ׳.'!escr (leiicr.ilgmivcriieiir der Philippinen v.:. als M a r i ti c a 11c 11 e c funktionierte. In *‘.:1 ersten Jahren des lö. Jalirlimulei 1s war L!I’ Levy ein Kommodore in der l'lotte der Vereimc!,׳:* Staaten tuid außer diesem sowie dem ebciiiaßs jra: aus dein aktiven Dienst geschiedenen Konieradaar.d L. D. Taussig ist Admiral Maris der einzige Jude, der eine so hohe Stellung in der am.־rika; ,• sehen Marine erreichte. Hie schlichte jüdische Gemeinde von Portland, Maine, sah an eia* a Sabbath im Sommer des Jahres!,ms zm'äilig iuu! ia!• vorragende Juden gleichzeitig in ihrem Gottesdienste. Zwei waren amerikanische Konteradmirale. Mans lind Taussig, einer Mitglied von Roosevelts Ministeriimi, üliser Straus, einer, der ein Ministerporn• fcuillc unter Präsident Cleveland abgeschlagen haue, Isidor Straus, und einer der Richter von Portorico, Adolf Grant Wolf,