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Jüdische Rundschau · 1910-06-17 · Heft 24 (17.6.1910) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XV (1910)
Issue
Heft 24 (17.6.1910)
Date
1910-06-17
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 286׳. ןur• 11 י sc 11 a runpschau No. 24. Name» der iiulischcn Organisationen halten, wozu auch der Gouverneur seine Zustimmung gegeben halle. Wie sieh aber nachher hernnsstellte. haben indische Progrcssistcn selbst, aus Rücksiclit auf die ״Dotnisehe 1111 c 11 i g e 11 z", dagegen gewirkt mul es durchgcset/.t, dall der hebrüische Nachruf unterblieben ist. Von jüdischer Seile snraeli am Grabe in polnischer Sprache ein Vortreter der Warschauer jüdischen Gemeinde, der mehr als.״nohilselier Patriot" auftrat und nur zum Schliill sein Judentum schüchtern erwähnte. Der Vorfall hat in weiten Kreisen der russischen Judenheit den neiulichsten Eindruck gemacht. Nach dem nunmehr auch von der Duma nngcnonuuenen Gesetzentwurf sind die Juden von den Semstwovvalilen ausgeschlossen. ..bis zur allgcnwi• neu Regelung der die Juden betreffenden Gesel/e". Diese Einschränkung hat keinerlei positive Hedcutiuig, da an eine den Juden günstige ״Regelung" der sie betreffenden Gesetze in absehbarer Zeit nicht zu denken Ist. Das hob auch der jüdische Abgeordnete Pricdutuun in einer in der Duma bei der lleliandlumr dieser Vorlage gehaltenen glatt- /enden Rede hervor, In der er den schärfsten Prolest gegen die immer schlimmer werdende judenfeindliche Politik der Regierung erhob. Seine Aus• fiiliriuigcn blieben aber ohne jeden Erfolg. mul die Ausschliellumr der Juden von den Scmstwowalilcn ist mit großer Alclirhcit bescblosscu worden. Türkei Signor Carlo Ailant In i ans Saloniki ist im Alter von 50 Jahren in Rom gestorben, wohin er sich zur Kräftigung seiner Gesundheit beuchen batte. Der Verstorbene, der ein Solm des verstorbenen Dr. Aloise All.mtiui und liruder von Herrn Lazarus zMlamiiii in l.omlon war. wurde allgemein hocltgcschätzt. In seiner warmherzigen Weise folgte er dem Beispiel seines unvergeßlichen Vaters, dessen Namen mit der Errichtung zatilreiclicr j11üisel1*plu!.mtropischer Institute in Saloniki verknüpft ist, und nahm sieh selbst in aufopfernder Weise der Immaiiltüren und erzieherischen Bestrebungen in Saloniki au. Sein unerwarteter Tod ist!,in giollcr Verlust Mr die ottoiiKiiiisclieit Juden. Seine Villa in Salomki dient übrigens dem P.x-Siiltan Abdul Hamid zum Aufenthalt. PALAe5TINA־RUMDSCHAU Dlo ImiUwIrtseluiltllehü Versuchsstation 111 Pnliistlna. ht der Konferenz, die vor kurzem im Hause des Herrn l.oiiis Masliall-New York stattfand, ist diu Gründling einer Gesellschaft unter dem Namen: .,J e w i s h A g 1 i e 1111 n r a I H .\ p e r i 111 ent S t a - I i o n" beschlossen worden, die die Hin! ichtimg, Erhaltnng mul l orderimg laiidwirtsehaftlieher Versuchs- Stationen in Palästina zur Aufgabe hat. Die Summe von 5t1 not) Dollar, die die taufenden Ausgaben 41er Station auf fünf Jahre bestreiten soll, ist bereits gezeichnet. Dazu kommen noch die Kosten der Ausrüstung, die von Jacob Schiff und Julius Roscmvald getragen werden. Dank dem i'.iitgegenkoiimien des Departement of Agrieiiliurc der Vereinigten Staaten, welches fur das Projekt der landwirtschaftlichen Versuchsstation lebtaftes Interesse zeigte und dem Unternehmen wei gehende I'otdertmg versprach, wird die Station auf Grund wertvoller, in mancherlei Hinsicht einzig dastehender landwirtschaftlicher Berichte in Betrieb genommen werden. Hin anderer wissenschaftlich wertvoller Beitrag für die Versuchsstation bildet die über 25 000 H.xemplarc zählende Pilzc*K״Ilcktiun des verstorbenen Professors Kellermaim. die von Herrn Rosenwald erworben und als Geschenk der genannten Gesellschaft übermittelt wurde. Herrn Aarousolin aus Palästina wurde das Amt des leitenden Direktors der Station übertragen. H.r ist jetzt auf dem Wege nach Palästina, und es ist zu erwarten, dali er Mitte JunP mit der Tätigkeit auf der Haifa-Station beginnen wird. Neben den Aus* rüstungen und der Sammlung, die er'von Amerika mitbringt. verfügt er auelt über eine grolle landwirtscliaftlichc Bibliothek und Sammlung, die er im Laufe, von 14 Jahren in Palästina. Nord-Afrika und Süd- Amerika erworben hatte mul mm der Versuchsstation zur Verfügung stellen wird. Präsident der Gesellschaft ist Herr Julius Rosenwald. Vizc-Präsidcnt Herr Moritz. Lüb, Schatzmeister Paul M. Warhurg. Sekretär Henriette Szold. Hs mag noch erwähnt werden, datt der türkische Gesandte in Washington, der in dem neuen Unternehmen ein wertvolles Glied In der Entwicklung seines Landes erblickt. Herrn Aaronsohn tatkräftige Unterstützung versprach. * Auf Anregung des Herrn Konm!cr/.icn־׳ats M. Ha Ipern hat ein Kreis von Odcssacr jüdischen Kapitalistcu die Errichtung einer Zuckerfabrik In Palästina beschlossen. Demnächst wird eine Expedition von fachkundigen Chemikern ur.d A»ronomen entsendet werden, um die WshiJien an Ort und Stelle vorzunchmcn. RUNDSCHAU D6R PR6556 Prntf ’/.» den gcnlanlen Vernichtungen des berühmten Prager Judenfrledliofes und der wenigen noch erhultciieu ehrwürdigen Jüdischen Baudenkmäler äullert sieh das Organ des tapferen Professor Masary.k unter der Snlizmarko ..B e s t i a t r i 11 m f a n s": In der am (!. .1 um stattgcfundeiieu üememderats• Sitzung der Stadt Prag gelaugte unter anderem der Antrag des klerikalen Abgeordneten Myslivcc und des Baumeisters Salier zur Verhandlung. Die Antragsteller fordern in demselben die gänzliche l’.esei-!lernte des alten indischen Hricdhofcs und aller umliegenden Denkwürdigkeiten, und /.war der beiden Svitngogcn. des indischen Rathauses. Krankenhaus«« und Itadlioies. I!s möge dies nicht so sehr aus Kommuuihatümswie aus ästhetischem Interesse gesclielien Hs sei 111111־ hört. wenn das christliche Volk in der Mute der Stadt einen indischen HriedJiof duldet, Besitzen die mit Scherben und Steinen hedeckten Grabsteine einen historischen Wert, dann Hingen sie die Juden an einem anderen Ort. vielleicht nach Straselniitz übertragen, dort mit einem Dache verdecken, damit sie durch die Witterung keinen Schaden erleiden." Und dieser Antrag wurde dem Stadtrate zur eventuellen Berichterstattung zugewiesen. Vermutllclt sind wir nncli zu wenig blamiert. Wenn sich das kulturelle Niveau der Stadt Prag der allgemeinen Kultur nähert, dann kommen die Herren Mvslivcc und Sclialler mit einem derartigen Antrag. Doch nicht genug dara». dall derselbe überhaupt zur ',erliandluug /»gelassen wird, zieht man denselben im Gegenteil in Erwägung. (Wen hindern denn diese Denkwürdigkeiten, die zu den interessantesten und mit Prag geradezu eng verwachsenen zählen?) Pas ist ein Skandal, den man mit einigen Worten gar nicht nimm kamt. Man sagt von uns. wir seien ein indisches Blatt und wird dies wohl nach unserem heutigen Artikel wieder hehauntai. Das kann uns jedoch nicht hindern, auf diesen neuen Kulturskaiul d der Stadt Prag Imivvcisc». Bcsälien die MotokmJen irgend eine Denkwürdigkeit in Prag, die sich hier einJchte, man würde sic gewiß schonen. Aber ein vorsätzlicher lind, der Hall eines Unintelligente» hestia triimifans, in des Wortes schlimmster Bedeniimc. der bleibt auch vor der stillen T r a 11 e r v e 1־ g a u g e 11 e r G e ״ e r a t i o 11 e 11 dieses oder i en e s Glaubens nicht s t e h cn. Den Antrag der ehrenwerten Brüder Mvslivcc und des Herrn Schallcr wird man nicht begreifen, wenn er;1114*11 zehnmal aus dein Gemeinde in den Sludlral wandern sollte. Gegen solche öffentliche Erscheinungen nrotestieren wir. aber auch gegen die Art und Weise, wie mit derartigen Sachen umgegangen wird. Dafür gibt es nur eine nützliche Sache: den Panierkorh. Daliin gehören ähnliche Anträge, damit sich diejenigen nicht bloßstellen. die sie an• nehmen, und das Gefühl derjenigen nicht empören, die liir Recht. Gerechtigkeit. Pietät. Aesthetik und andere Begriffe Sinn liahen. der den Antragstellern ganz und gar ahgelit Hs gibt Tatsachen, die mit dem Tscheclientum unter keinen Umständen ctw׳as gemein haben, dagegen imstande sind, uns zu verrohen. zmisTism b6wc6uhg Die Jalircskonfcrcnz in Berlin Die Jahresknufcrcnz, findet Montag, den 27. und Dienstag, den 28. Juni ds. Js. in Berlin, im Hotel Esplanade. Helleviiestrafie 17/IS. mit folgender Tages• Ordnung statt: 1. Wahl eines A 11 s s c 11 u s s c s des Q r 0 ß e n A e t i o n s com i t ö s. Antrag des Engeren Actmuseomites: Die Jahreskonfereitz wählt ein Cmuite von <» Mitgliedern, bestehend aus dem Vorsitzenden des Direktoriums des J.C.T.. dem Vorsitzenden des Direktoriums des J.N.P. und vier weitern Mitgliedern des A.C. als einen ständigen Ausschuß des AeUouscomites, Dieses Comit6 be* schließt gemeinschaftlich mit dem E.A.C. über alle erforderlichen Maßnahmen der Organisation und tritt mindestens alle 3 Monate regelmäßig zusammen. 2. Presse angclcnhcitcn. 3. Organisation, a) Küiicrcllhcscldnß: Es wird dem Grollen AetionscomiR überlassen, bis •zum nächsten Kongreß ein Statut ausz.uarbeiten, dessen Beratung den ersten Punkt der sachlichen Tagesordnung des nächsten Kongresses bilden soll. (Das E.A.C. legt der Jahres- Konferenz einen Entwurf vor.) b) H oder ntlonsangclcgcn holten. 1. Order Knlghts of Zion. 2. Order 01 Anclcnt Maccnbcnns. c) Antrag Dr. B c r n s t c i n - K 0 h a n. (Vom Kongrell dem A.C. überwiesen.) 1. Die Vereinigung aller Bureaus für die zionistischo Tätigkeit in Palästina 7.u einem Bureau, das unter Kontrolle und kollegialer Leitung der In Palästina wohnenden Mitglieder des A.C. stehen soll. 2. Die Aufgabe des Bureaus zerfällt In 5 Teile: a) Auskunft und Hilfe bei Landankäufen in Palästina, auf Wunsch auch Parzellierung; 1 b) Informationen jeder Art zum Zwecke der Ansiedluug: c) ein Vermittlungs- und Auskumtsbiireau für Arbeiter und Kolonisten: d) Inspektion und Registratur der Kultutauf. gaben: c) Organisation der palästinensischen Juden. 3. Es w׳ird vom Kongreß aus das Recht emer nalästiueiisisdicii Laudsiiianiiscliaft mit uhuii entsprechenden Landescomiie anerkannt. 4. Es ist wünschenswert, auch aus Palastira ein Mitglied des E.A.C. zu wallten. 5. Bei der A.P.C.-Leitung in Jaffa soll zur Be• ratung aller geplanten neuen Unter■,׳.;nie.m. gen in Palästina das Lanuescohiite hin/s Kc• zogen werden. d) Antrag Dr. Raooanori. (Vom lä.11,11.; kni A.C. überwiesen.) 1. Der Kongreß hält es ftir wünschenswert. .!.!׳, das I ,alästinaaint. sowie das InforiiM, •!>,. bureau in Jafla zu einem Amte ver 1 igt werden. 2. Ein Mitglied des E.A.C. hat seinen Wo'״ mu in Palästina zu nehmen, dem die <11, stq Aufsicht über sämtliche zionistische I; % •j. lionen in Palästina obliegt. Dasselbe i;. ..«» iedem zionistischen Kongreß Bericht!1! .׳ l-c Tätigkeit in Palästina zu erstatten, un;!st demselben verantwortlich. 3. Dem in Palästina ansässigen Mitglied*, ־!es E.A.C. steht ein vom E.A.C. ernannter!via. stinnrnt zur Seile, von dem die Initiativ /iif Tätigkeit in Palästina ausgehen soll. 4. Das E.A.C. hat Agronomen und Vc:. •re in Palästina anzustellen. die teils m kt\ Schulen, teils als Wanderredner Vor.; •ge über Landwirtschaft (speziell (■arten•. We• nniselind '׳ichzuclit) zujiatlen haben 5. Die Leitung der P.L.D.C. res!), das I VC. wird aufgefordert, die Pnrzcilicrimgw •1g. keit der P.L.D.C. im Sinne ihrer >:!* •׳ea so schnell wie müglich aufzunehmen. 4. Bericht der A g r a r k r c d 11 b a 11 k C ׳ rim i s s i o n. 5. Zionistische Institutionen: a) .Indischer Nationalfonds: b) Sicdclmiesgcnosscnschaft; c) die Banken: dl slas Palastiitaamt: e) die ..Welt": I) der Jüdische Verlag, fi. Hinanzlage 41er Organisation. 7. Zeit und Ort des nächsten Kongresses. »S. Verschiedenes. Verbandslag der zionistischen Ortsgruppen Bayerns Der Vcrhandstag der zionistischen Ortsgruppen Bayerns, der seit mehreren Jahren nicht mehr zu• s.immengetretcn war. tagte am 2‘K Mai in Niitnhcrg unter der Leitung des Vcrbaiulsvorsitzemlen Ham Dr. Ba mberger (Nürnberg) und in Anwesenheit des Parteisekretärs der zionistischen Vereinig״'••Z fnr Dentsclilaiid. Herrn K. H I ווו וו e 11 fe I »I U’.i ilm». Autler den Nürnberger Parteigenossen, hatten '•1't sämtliche baverisclien Plätze, an denen Ortsgruppen oder einzelne Mitglieder vorhanden sind. Vertuter entsandt, so München. B a m berg. A u c s bürg. R c g e n s h u r g. W ii r z b u r g usw. I >!c Verbindung im K. Z. V. ...1 o r d a n i a". Miiiichcn, sandte einen Delegierten, und auch der V. J. 8t. ’ ׳*r vertreten. Nach verschiedenen Bcgrtißungsansiiru. hen wurde in die Tagesordnung eingetreten, die wc folgt, festgesetzt worden war: I) Organisatiotisreform der zionistischen '»ז׳• cinignug fur Deutschland (Referent Herr I’. ׳!• sekietar Bhimcnfeld. Berlin). 2) Nein•!,, i• sation des Baverisclien Grupnenverbandes (Iv'cti t Herr Rechtsanwalt Dr. Münz. Korreferent! Parteisekretär Bin tu c n f c I d). — 3) Berich; ז Ortsgrimeti. — 4) Praktische Palästm.iarheit <K’ c• reut Herr Dr I) a 111 b e r g c r. Nürnberg). .יי!• di sehe Gemeinde-Politik (Referent Herr Dr. 1• יי Straus. München). Von den durchweg hochinteressanten Refei.. * >• an die sich rege Diskussionen anschlosscn. 1.1: * cssicrtcn besonders die Ausführungen des Pu! > '־ Sekretärs, welcher in fesselnder Horm die van *.ז Parteileitung Deutschlands geplante Reform *er Organisation und Agitation auseinamlersetztc. Es wurde nachstehende Resolution einstinn>:>< angenommen: Der Vcrhandstag beschließt: 1. Einen A11s>c!1.'׳ß von drei Mitgliedern zu wählen, die in Nurubag ihren Wohnsitz mul das Recht der Kooptation h.11׳' sollen. - 2. Der Verband erblickt in der tmaiizicH 1׳' Stärkung der zionistischen Vereinigung lür Deuiw״• land das beste Mittel zum Ausbau der Organisation• -- 3. Der Verband beschließt, einen bayerischen Zionistentag im Herbst nach Nürnberg eiuz.uberuU»• In der Debatte über Punkt 4: ..Praktische I •11־1־ stinaarbeit" verteidigte der Parteisekretär unb« Beifall die Tätigkeit des Aktionskomitees, und mc Versammlung gab in ihrer großen Mehrheit dem Wunsche Ausdruck, daß die praktische Palastm־'• arbeit des Präsidenten Wolfssolm. im Sinne «tr Kongresse nachdriicklichst gefördert wird. Punkt 5 mußte, da die Zeit sehr weit vofv.4.* schritten war und der Beginntermin der /cnlaub öffentlichen Versammlung hcranrücktc. leider (Fortsetzung auf Seite 288)

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