Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XV (1910)
- Issue
- Heft 24 (17.6.1910)
- Date
- 1910-06-17
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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IUEDJSCHF. RUNDSCHAU Seite 285. n.nurliclie Hafen der syrischen Küste, die im übrij»cn der Schiffahrt wenig günstige Verhältnisse bic- Künstliche Hufeubauten hat Haifa noch nicht. Beirut der hedcuteiulste syrische Sec* gen tet Hislier ist - pl.11/. doch ist der dortige Hafen von einer fraiwösi- *heu Ucsellscluft recht spiellbürgerlicli eng äuge- K-j:t worden. Beirut ist gleichsam die Hauptstadt des von iter Türkei ziemlich unabhängigen Libanon* jjcbietes. Hie türkische Regierung interessiert sich j;.l,er inr die Entwicklung Beiruts nur mäßig, sueht vielmehr Haifa auf Kosten Beiruts zu fördern. Beirut ist dnuli eine französische Bahn, die die beträchtliehen ilülien des Libanon und Antilibanon zu überwiiu'csi hat. mit Damaskus, der Hauptstadt Syriens, veil adelt. Haifa hat Bahnverbindung mit Dcrat, euer Station der Hedjas-Balm. die in Damaskus ende:, so daII man auch von Haifa aus nach Hamaslat* gelangen kann (und trotz größerer Entfernung in 1);• '׳! längerer Zeit als von Beirut). Die türkische Verv■ •׳iuinu bevorzugt für die syrischen Güteru. i; •ttc die Linie Haifa-Damaskus. Das lim. : »d von Haifa — die Ebene Jcsrccl, das Üc• hei ' Tiberiassccs und die Jordansenke — bietet der uhvirtscliaft vorzügliche Grundbedingungen, v. ..' . ״falls Haifa zugute kommen wird. Im tiir- K1>; .!’arlamciit wird sich bald entscheiden, ob ,4י :• ... eine Mole erhalten und damit zu einem vor- /!!״. ,״ Hafen werden soll. Auch die erwähnte tic' ,liaft. welche die Hhosphatlagcr bei Es-Salt ,■,!:'״. יeil will, wird mit dein Hafenpinn in Vcrbindt.:;, gebracht.;׳gesehen von den genam'.icn Linien gibt es ln l’.il. ■;.״a nur noch die Halm Jaffa-Jerusalem, die :ueksieht auf Fremdenverkehr gebaut wurde.!! zu ferner Zeit wird wohl auch Haifa von «;ein durch Schienenweg zu erreichen sein. ■ ■t t. datl die Engländer eine Verbindung der m'I El Arisch mit Oha/a in der Philistcrcbcne >>cn. Dieser Plan aber dürfte aus politischen eit so bald nicht verwirklicht werden, l'.iit alle diese Bahnlinien wirtschaftlich höchst weit■ .reich wirken, bedarf keiner Erwägung. Der ■'.ebaiier in der Nähe der Bahn erhält fast den Ci>pih!!cii Weizenpreis wie in abgelegenen Gegen- Jett. Ein Doppehvaggon befördert die Last einer Kar.iw.uc von •11) bis 50 Kamelen. Ueberall wächst mit dem Bahnbau die politische Sicherheit, und mit einiger Mühe könnte die türkische Regierung von der Hed'.ts-Bnhn aus das ganze Ostjordanland von de! Bubiuenplagc befreien, wenn sie nur einiger* uut'.eu cr.e, .׳isch Vorgehen würde. Eugen Katz. mit ln : J er Mai. 11... .11! St Verband jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina Der \'erband versendet an seine Mitglieder den!olgenden Bericht, der von seiner vielseitigen und tn1.1grei.11en 'latigkcit erfreuliche Kunde gibt: ״Unsere Tätigkeit ln Palästina hat einen befriedigenden Verlauf genommen. Das üpi t zt* 11-a tclic r, das wir vor einem Jahr in Jaffa begründet haben, entwickelt sich sehr gut. Es arln.;cii jetzt 25 Mädchen dort. Eine Anfängerin un! ent wöchentlich nicht unter 2 Ers. 20, eine '•cti c Arbeiterin verdient 1 Ers. täglich. Durch ftn ht üail, den diese Spitzentechnik in Europa fin• Jet : J durch die saubere, gute Arbeit in unserem Akl .r ermutigt, hoffen wir bald in der Lage zu Hm. .i.is Atelier zu vergröbern und Bestellungen iw.h v.ti Kauilcutcn annehmen zu können. Leider im (.■« noch nicht möglich, den Mädchen die Arbeit 11. ״ Hause zu geben, da der Haushalt zu arm >m, 11 ihnen einen freien sauberen Platz für eine Ättc 1 heit zu gewähren. Die Mädchen erhalten im Turnunterricht und hebräischen rieht. Die fertigen Arbeiten wurden bis•!'erlitt geschickt und auf Ausstellungen ver- Es wurden durch uns bisher für 1600 Mk. abgesetzt. Zur Zeit findet in Stanislau in 0.111/״.״׳ eine Ausstellung unserer Spitzen statt, zu \\.r ii!r 1000 Kronen Waren aus unserem Atelier Libcn wilden können. De Moskauer Ortsgruppe des Vcrban-!E mu die Gründung eines Ateliers für Wäsche- Da uns aber bisher noch keine Bcrcch- ״«neu. .,her die Rentabilität und kein Plan über die l imi.lmmg dieses Unternehmens zugegangen ist, Mml ז!,־ dieser Sache noch nicht näher getreten. i ״r das Krankenhaus Sc haare-Zion ־״ Jaffa haben wir Schwester Jenny Stiebei, die in Deutschland ausgcbildct ist und bereits einige Jahre a1״ Schaarc-Zcdek-Hospital In Jerusalem tätig war, «״«agiert. Schwester Stichel hat bereits ihre Reise 3״di Jaffa angetreten, und wir hoffen, daß ihre Tätigkeit dem Krankenhause zum Segen gereichen Die von der Moskauer Gruppe am Hospital eingerichtete Wöchncrlnenstubc wird Schwester Stiebet auch übernehmen. Herr und Frau Friedensrieliter Moser aus Bradford haben, um ihrer Freude über das bessere Aussehen dieser Anstalt bei ihrem diesjährigen Besuche Ausdruck zu geben, 1000 Frs. gestiftet. Leider ist die pekuniäre Lage des Hospitals noch eine sehr schlechte. Wir hatten dieser läge ein Schreiben vom Vorstände des Kranken- Hauses, in dem dieser uns niittciltc, daß das Krankenhaus über das Pcssachfcst und noch zwei weitere Monate geschlossen bleiben muß, da sonst ihr Schuldcnkonto, das schon 12000 Ers. bcträgt, noch weiter Anwachsen wird. Leider war cs schon zu spät, um in diesem Jahr das Spital durch eine Unterstützung offen zu halten. Wir hoffen |cdoch. Im nächsten Jahre dazu die nötigen Mittel zu haben. Den Vorschlag von Herrn Dr. Elias Auerbach in Haifa, ihm dort bei der Gründung eines Jüd i s c 11 c u Krankenhauses behilflich zu sein, haben wir angenommen, unter der Voraussetzung, da» uns die hierzu erforderlichen Geldmittel zur Verfügung gestellt werden. Der Verband bcabsichtigt. die Einrielitungskostcn. die sich auf ca. 6000 M. belaufen, zu tragen, und das Spital mit einem Bctrag von ca. 1000 Ers. jährlich zu unterstützen. Herr Dr. Auerbach hofft, von anderen Organisationen ein Haus oder die Miete für eine Wohnung zur Vcrfügttng gestellt zu bekommen. Zur Deckung der Einrichtungskostcn haben wir eine besondere Stimm• hing eröffnet, Indem wir an Herren und Damen, die sich für jüdische Wolilfahrtscinrichtnngcn intcrcssicrcn, teils schriftlich, teils persönlich mit der Bitte um größere Spenden herantraten. Auf diese Weise sind von Berlin aus bisher Mk. MOO, aufgcbracht worden. Wir richten daher an alle Gesinnungsgenossen die Bitte, in ihren Kreisen tätig zu sein, damit wir bald die erforderlichen Mittel für das Krankenhaus zur Verfügung haben. Die Errichtung eines jüdischen Krankenhauses In Haifa ist sehr notwendig. Es existieren dort zwei Hospitäler: Ein deutsches, katholisches, in dem die jüdischen Patienten liäulig über antisemitische Un* freuiullichkcit klagen und ein englisches, das ein Missionshospital ist. Bisher haben die jüdischen Patienten sehr gegen ihren Willen eines dieser Krankenhäuser aufsuchcn müssen. Es kommt noch hinzu, daß für die jüdischen Kolonisten UntcrgnliHias kein Hospital existiert: Safcd ist unerreichbar. Das für sie so hctiticm mit tlcr Balm erreichbare Haifa ist für sic der gegebene Ort. Wir hoffen bestimmt in der Lage zu sein, noch in diesem Jahr das Kran kenliatis cinrichtcn zu können. Die vom Verbände in Breslau ausgcbildctc Schwester Necliamali Gaiautv hat ihr Examen bc standen und ist auf unsere Veranlassung noch einige Zeit in der Breslauer Augenklinik tätig gewesen, da gerade solche Kenntnisse in Palästina gebraucht werden. Schwester Gaiautv ist auf Kosten des Ver bandes nach Palästina zurückgcrcist und wird dort ihre Tätigkeit beginnen. Anfragen ans Palästina um Unterstützung und Verbesserung bestehender Einrichtungen kommen jetzt oft zu uns. Leider müssen wir vieles, das uns sehr der Unterstützung wert erscheint, ablchncn, da wir nicht genügend Mittel zur Verfügung haben. Oft kommen auch Gesuche von Privatpersonen aus Europa, die durch uns eine Anstellung in Palästina suchen, oder Auskunft über einen geeigneten Beruf für Palästina erbitten. Es ist dies ein Zeichen, daß der Verband immer bekannter wird, und man Ver trauen zu unserer Tätigkeit gewinnt. Anläßlich der Konferenz zur Bekämpfung des Mädchenhandels, die im April in London stattgefun den hat. wurde der Verband von Frau Rosenstern »ns Hamburg vertreten. Es war uns weiterhin eine Hauptsorge, Propr/ ganda für den Verband zu machen, und neue Mitarbeiter und Mitglieder zu gewinnen. Es stehen uns leider noch keine Berichte über die Erfolge In anderen Ländern im ganzen Umfange zur Verfügung, ln Deutschland sind seit der Generalversammlung über 250 neue Mitglieder hinzugekommen. Auch machen wir darauf aufmerksam, daß cs uns in Berlin gelungen ist, einige Fraucnvcrcinc für den Verband zu interessieren. Wir sind über* zeugt, daß cs nur einer Anregung bedarf, damit auch die jüdischen Erauenvcrclnc In anderen Städten sich für unsere Palästina-Arbeit interessieren, und wir bitten unsere Gesinnungsgenossen höflichst. in diesem Sinne zu wirken. Im letzten Jahre haben wir von einigen Oescliäftsinhabcrn und Privaten Wäsche für das Krankenhaus in Jaffa als Geschenke erhalten. Wir haben so ohne Jegliche Kosten sehr brauchbare Sachen für das Krankenhaus bekommen. Vielleicht ist cs Ihnen möglich, In Geschäften Ihrer Stadt oder bei Ihren Bekannten, Wäschestücke, die wir bei der Einrichtung des Krankenhauses In Haifa vorwen* den könnten, als Geschenk zu erhalten. Sehr er* wünscht sind auch Baby-Ausstattungen für die Wöclincrinncnstubc in Jaffa. Zuschriften fiir den Verband sind zu richten an Frau Betty Lcszynsky, Berlin \V. 62. üav* reuther Str. 56. :: AUS ALL6R W6LT Deutschland Die dritte Lesung des Gesetzentwurfs, betr. Schaffung eines OruaulsaUonsucsctm ür de prcu* ßlsäcit symiuogcngemclndcn, sollte in der ״KJ״'־[;™* len Kommission״ erst nach Ablauf «1er..1ton12״; zialvcrbündcn und den größeren um ihr Gutachten angegangenen Svnagogcngcmcindcn gestellten rrist des Jahresendes 1909 erfolgen. Eine atn 11. Oktober des v. Js. im Bureau des D.-J G.-B. veranstaltete Bestechung, an der zum ersten Male an Stelle des. als fleißigen Mitarbci er an dem Gesetzentwurf verdienten Vorsitzenden des Verbandes der deutschen Juden. Herrn Justiz.rats Dr. Edmund Laclimann. sein Nachfolger. Herr Justizrat Dr. Hörwitz. tcilnahm. hat diese Frist um 6 Woeben verlängert. Schließlich ist mit Rücksicht auf noch ausstchcndc wichtige Bescheide die Beschluß* fassung über die Frage, ob und. im Falle der Bc* jalunig, in welcher Weise die Fertigstellung des Entwurfs in dritter Lesung erfolgen soll, auf den Herbst vertagt worden. Es ist auch vorläufig von der Lrnenming von Referenten und der Zuwahl neuer Mitglieder abgesehen worden. Inzwischen hat das Bureau die recht zahlreichen Ae uHer ungen der jüdischen Presse aller Richtungen gesammelt und die Gutachten der Provinzialvcrbändc und Großgemeinden geordnet. Man dar! im allgemeinen sagen, daß die Auffassung der berufenen Vertreter der jüdischen Gemeinden, die im Namen der überwiegenden Majorität der prculöschen Judenheit das Wort führen wesentlich von dem Standnunkt des durch eine allerdings sehr kleine Mehrheit des XI. G c m c i n d c t a g e s an« cn ummenen Antrags F r i c d tu a n n a b w e i c h c n. Nur ein einziger Bczirksverband, der des Regie* rungsbezirks Posen, hai sich fiir ihn erklärt. Der Bromberger Verband hat eine sachliche Stellung zu dem Entwurf nicht eingenommen, sondern nur ein gesetzgeberisches Vorgehen als z. Z. inopportun erklärt. ־• Der Verband der Svnagogcngcmcindcn des Regiermigsbezirks Brcslaii-Liegnitz hat ausgesprochen: ״In Erwägung, dar. der Gcmcindebundstag den vor* gelegten Entwurf der Kommission zur Weiterbearbeitung mit dem Aufträge übertragen hat. dabei die angenommenen Anträge und die in der Besprechung gemachten Anregungen zu berücksichtigen, den wcl* teren Arbeiten der Kommission mit Vertrauen entgegcuzuschcn." Der Provinzialverband Pommern hat auf die Beschlüsse des Gcmcindctagcs verwiesen, weil er erst im nächsten Jahre zusammentrete. Dagegen haben sich zustimmend zu dem Gewurf ausgcsnrochcn: die Provinzialvcrbändc von Ost- und Westnreußen. Obcrschlesicn. Sachsen, Westfalen. Rheinprovinz und sämtliche größeren Gemeinden. darunter Berlin. Frankfurt a. M,. Breslau, Köln, Danzig. Stettin. Magdeburg. Kassel. Wiesbaden und von mittleren Gemeinden die zu Olciwitz und Ueuthen. Crefeld. Kreuzburg O.-Schl״ Lissa. Biele* feld. Bochum. Stolzenau, ferner die liberalen Vereine der Mitglieder der jüdischen Gemeinden zu Berlin und Breslau. Ablehnungen des Entwurfs von seiten der Gemeinden sind nur cingcgangcn aus Altona. Thorn. Bromberg und München-Gladbach, r ü r den Antrag Friedmann haben sich von Gemeinden ausgesprochen nur die zu Posen, Zabrze und Dortmund. Russland Immer deutlicher zeigt cs sich, daß die entrechtete russische Judenheit völlig isoliert dasteht und nicht einmal auf die Mitwirkung der anderen unterdrückten nicht-russischen Nationalitäten im Zarenreich rechnen kann. Bei der Dtmiabcratung über die Sonntagsruhe hielten cs die mohammcdnnischcn Abgeordneten, deren Interessen mit denen der Juden zusammcnficlcn. für richtig, dem von jüdischer Seite gemachten Vorschlag nicht zuzustimmen. obgleich dieser auch für die mohammcdanischc Bevölkerung günstig war. Dasselbe hat sich auch bei dem Gesetzentwurf wegen Einführung der Semstwos in den Westgouvernements gezeigt. Die benachteiligten Polen batten nichts dagegen cinzuwcndcn. daß die zwciundcinhalb Millionen Juden in diesen Gouvernements von den Scmstwowahlcn gänzlich ausgeschlossen werden, obgleich die Juden die Scmstwostcucr entrichten müssen. * Die natlonaljüdischc Presse in Rußland — d. I. fast die gesamte jüdische Presse in ,diesem Lande ־־־ spricht sich sehr abfällig darüber aus, daß am Grabe der Schriftstellerin Elise Orzesko in Qrodno keine Gedenkrede in jüdischer Sprache gehalten wurde. Eine solche Rede In hebräischer Sprache sollte, wie bestimmt war, Herr L. J o I e im