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Jüdische Rundschau · 1910-06-17 · Heft 24 (17.6.1910) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XV (1910)
Issue
Heft 24 (17.6.1910)
Date
1910-06-17
Page
– (sequence 3)
Language
German
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JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 283. _N0.2L______ i״ weiten Kreisen genährt, wenn bei Gcmeindcwahlympfou Zionisten im Unnde mit den Konservativen?.online Reden «eiten den rcliRiöscn Liberalismus Intlteii. Schaffen wir uns da in den Liberalen, aus jcren Kreisen wir doch auch Anhänger gewinnen woleln. nicht Künstlich eine Opposition? Müssen wir nicht in »men den Glauben erwecken, da» in unseren Keilten kein Platz für sie ist? Darf unsere nur auf den sicherlich wertvollen Zu* wachs aus orthodoxen Kreisen zugcschnitten sein? Dürfen wir auf ein günstiges Urteil und die tnora* lische Unicrstiltziiiig derjenigen nuilcnstchcndcn Intellektocllcii verzichten, die einer Rückkehr des juJenfims zu den Anschauungen und Formen der Orih«H׳ <\ie nicht mit Sympathie gcgcnilbcrstclicn? Per Vorwurf, die Ausscheidung jeder religiösen Pisku>-soll aus dem Bereiche zionistischer Wirksam- Keil :■■deute eine Negierung des jüdisch-religiösen 1:1hmlv•■•זי. zeigt ein so geringes Verständnis für diese Kraec. doll seine Widerlegung nur Zcitvcrschwenömtg ■ u e. Der Hinsichtige muH erkennen, da» der allein .!nghare Weg die Abgrenzung der KompctciiA. etc und die Aufstellung des Prinzips ubso•: lutci ׳..!giöscr Neutralität für den Zionismus ist! Auel .!> Verhältnis des Zionismus zur ״jiidisei! Kultur“ unterliegt häufig einer falschen l’.eiu >!'g. F.bcnsoweuig wie in religiösen Dingen Kam citmtg einer politischen Bewegung in Fragen Kultur die Initiative ergreifen und auf deren Inh und Richtung einen bestimmenden Hin- 11111׳ :..heu. Sie kann nur die Uuficrcn gilnstigtii .!mgiingen lierzustellen versuchen, die erst die 1c Hntfaltmig aller geistigen Kräfte eines , ermöglichen. Erst im freien Spiel der Kräfte Ka״: .im eine nationale Kulmr emporwachsen. Die xlic Leitung besitzt nicht den Zauberstab, mit1 ׳ sie eine Volkskultur aus dem Nichts hervor- Irin 1 könnte.! י Ideal eines so verstandenen Zionismus steht;״ י :!׳c nicht hinter dem gewisser Schwärmer zur;.ci 1e dem engeren Aktionskomitee die Rolle tau ״hersten 0 e r i c h t s h 0 f c s in allen Fragen«; 1 Religion und Kultur zuweisen möchten. Die Proteste gegen Russland Mswh'wItscU und die nnllriisstscticii Prolestvcr- Sammlungen. Per bekannte jüdische Dnmanbgcorduetc Rechtsanwalt L. N. N i sse 1 0\v i t sc 11. von dem wir des eiletvu in der Lage waren, unseren Lesern sclüit- :ei•••-: -• Heiträge bieten zu können, und den wir m h :ut indischen Stellungnahme gegenüber seinen 1u׳em1׳ l׳:ui■igenossen. den liberalen ״Kadetten" der k'cic'A'1:!;..;ern und beifällig unterstützen muiitcn,!1 si.'i ■ eh einem Vertreter des ״Israelit"; 1 gegenwärtigen änllcrst trüben Lage tu!:,.tu in R u III a n d geändert. Wir geben u׳n . .J.־..g'!cn Passus dieses Interviews nacii der k׳t/u:! Nt,tttme 1 des genannten Blattes hier wieder: ..V.u d!e!־'rage unseres Vertreters, ob es fiir '■;,.י:!!: ■י gehe, durch Anträge auf Aemlerung und Milderiaig einiger Gesetze eine partielle Lösung der Jiklvniiagc aiizustrel'cii. oder ob cs nicht besser sei, du׳ Möglichkeit abzuwartcu, durch vollständige Judviieiaaiizipaiion den ganzen verworrenen Knoten auf ci' inal /u lösen, weist der Abg, auf seinen schon in früheren Jahren Im Gegensatz zu vielen seiner Politischen Freunde eingenommenen Standpunkt, ma n nt il ssc das zu cr rcic 11 cn suchen, was erreichbar ist und nicht nach gro- »cn Plänen ausschnucn, die nach Lage der Dinge vollständig unrealisierbar seien und von näher liegenden Z i c l cn in verhängnisvoller Weise abIcnkcn. Br, Nissclowitsch, habe an diesem Standpunkt immer fcstgehaltcn. was schon aus seinem Anträge auf A u f 11 e b u n g d e s Rayons genügend hervorgehc. Ueber die Aussichten dieses Antrages könne heute noch nichts Bestimmtes gesagt werden. Von hüch* Ster Wichtigkeit für das Schicksal dieses Antrages sei cs erstens, da» die D u 111 a die Initiative dazu ergreife, und zweitens, da» seine Verteidigung nicht ausselilielilicli von den Parteien der Opposition, zu denen auch die Kadetten gehören, sondern, vornehmlieh von den Oktobristen, die mehr das Vertrauen der Regierung besitzen und daher auch mehr Einfluß auf die Gesetzgebung haben, geführt werde. Auf die Ausweisungen in Kiew, Moskau usw. Übergehend, meint Herr Abg. Nissclowitsch, da» in dieser Sache viel versäumt worden sei. Der rigorosen Handhabung des Gesetzes hätte im geeigneten Momente wirksam entgegcngcarbcitct werden können. Heute sei es aber zu spät. Die Unglücklichen werden, soweit sic cs noch nicht getan haben, auswaiidern müssen, wodurch sich die Lage im Rayon noch ungeheuer verschlimmern würde. Der falsche Stolz gewisser jüdischer Kreise, die in» Prinzipc gegen alles Bitten, gegen iedc Intervention, K e g e 11 d a s s 0 g c 11 a 11111 c s i n d, 11 a b c sieh hier bitter gerächt. Die Protestv c r s a 111 m 11111 g c 11. wie sic in Berlin b e * reits s t a 11 ge f 1111 d c 11 und in anderen Städten zur Zeit geplant seien, hält Herr N. für vollständig verfehlt. Sic könnten nicht den geringsten Nutzen bringen, aber ungemein viel schaden. Ueberliaiipt dürfe man sieh v11״ einer Einwirkung von nulten nicht das Geringste versprechen. Das habe auch der Protest zugunsten Finnlands gezeigt. Er, Nissclowitsch, habe bereits bei der intcrparlamentariselicn Konferenz in Berlin v. Js. auf die Gefahren!angewiesen, die daraus entstellen könnten, wenn aus der Jtuieufrage in RulUatuI eine internationale Frage gemacht werde. Die Protestv c r s a in 11111111 g c n bilden das sc hie ehteste und ungeeignetste Mittel, den Unglücklichen zu helfen, so gut und so ehrlich sic auch gemeint sein mögen. Sic sollten daher überall besser iiiilcrhtclhcii. Hbenso sei aticli der Zeitpunkt fiir eine Intervention an irgend einer hoben Stelle sehr un* günstig. . . . Auch über die inner-jüdi sehe Lage in Rußland machte Herr Abg. Nissclowitsch einige intercssante Mitteilungen. Seine ablehnende Haltung zur Kownoer Konferenz ist bekannt. Was den Gem e i 11 d e o r g a 11 i s a t i o 11 s e 111 w 11 r f Sehloiibergs betrifft, so seien unter den obwaltenden Umständen all diese Anträge mul Aspirationen so verfrüht, dal! man sich kaum erklären könne, wie ernste Männer sich heute schon mit derartigen frommen Wünschen und platonischen Entwürfen befassen können. Die Rabbiner, die in Petersburg versammelt waren, achte und schätze er ganz ungemein, wenn er Endlich hatte er es denn auch durchgesetzt. &י’1ו t!»!• Vater ihm die Erlaubnis zur Reise erkille. Tiefbewegt nahmen sic Abschied voncin. anchi•, und am Bahnhof gab ihm der Alte ein Säck< Ju־n und sprach: ״Bewahr’ dir das gut auf, mein Sohn, das ist das Kaddisdtgeld. Davon sollsi »lu nach Hause reisen, wenn es einmal mit mjr :1׳׳ l'nde geht.“ J *nd meinen Sie, gnädige Frau,“ sagte Re- L. ״der .lossei bat das Kaddischgeld je angerrt i. i? Gehungert hat er oft, und mit Stiefelj'Ohk:.!st er gegangen, wo das Wasser rcinge- Imifm!st, aber keinen Pfennig hat er davon ge* וסח!!!!-.;!. _ Gott, wie bin ich glücklich!“ h יי habe dann auch den Jossel selber keilneu ׳ ׳ lernt, in dem ich wirklich einen ungc« 1! י1ו:ו11י>׳ץ begabten und strebsamen jungen gefunden habe, und so habe ich mich!‘1'hi', gefreut, als Rebekka mir vor einigen WoHh'11 erzählt hat, daß sie nun ans Heiraten deukvn könnten, das heißt, sowie der Jossel Se*n» n Doktor gemacht habe. Ich war denn J|hc!1 innig froh, als ich ihnen sagen konnte, daß fhin Mann ihnen einen Vcrwaltcrposten und freie Wohnung geben könne, und wir haben sel1«;a angefangen, uns zu überlegen, wie sic die Zimmer einrichten sollten. Dazu war allerdings nur der jossel zu gebrauchen, denn die Rebakka war vor lauter Glück und Freude närrisch wie ein kleines Kind geworden. Gerade am Tage nach dieser Unterredung war cs, als ich am Abendbrottisch saß und an die beiden glücklichen Leutchen dachte — da klingelt cs plötzlich und im nächsten Augenblick stürzt die Rebekka ins Zimmer, ohne Hut und' ganz verstört, wirft sich vor meinem Stuhl nie* der und längt an zu weinen, als wolle ihr das Herz brechen. Erschrocken ziehe ich sic empor und frage, was es gibt, aber sic kann nur immer wieder schluchzen: ״Der Joscsl, der Jossel!“ Ich erschrecke sehr und frage, was denn dem Jossel xugcstoßcii sei, und nachdem ich sie ein wenig beruhigt, höre ich es endlich: er hat einen Brief von einem Bekannten aus Smolensk erhalten, daß sein Vater schwer erkrankt sei und im Fieber immerfort nach seinem ״Kaddisch“ rufe. Hoffnung sei gar keine mehr, der Sohn möge nur so slinell als möglich kommen. Einen Augenblick möchte ich Rebekka wegen ihres törichten Weinens ausschclten, dann ergreift mich plötzlich ein furchtbarer Schreck: Smolensk! das ist ia die Stadt, wo wieder ein* mal die Judenverfolgung haust, wo sic die Häu* ser durchstöborn. um nach Juden zu suchen, die sich ohne Erlaubnis dort aufhaltcn, um sie ins Gefängnis zu schicken. ,. י ״Helfen Sic mir doch,“ schluchzt Rebekka, auch ihre Ansichten nicht in allem teilen könne. Die Auüicnz bei Stolypin mußte den Mißerfolg bringen, den sic gebracht hat, weil die Sache nicht genügend eingclcitct und vorbereitet war. Ob cs besser kommen werde, wiederholt Herr N., ließe sich heute noch nicht sagen. Eines aber stehe fest und sicher, da» die Juden selbst unaufhörlieh und mit aller Energie an der Verbesserung der Lage arbeiten müssen, und da» die beengenden Jadengesetze, so wie sic sich allmählich durch eine Reihe von Jahren angchäiitt haben, auch allmählich verschwinden müssen, denn nur so könne man sich einstweilen, wenn überhaupt, den sanltcn Uebergang zu der ersehnten Judenemanzipution in Ruilland denken.“ Dazu bemerkt der ״Israelit“: . ״Bieten auch diese Aeußerungen des hervorragenden russiscli-jiidisclicn Parlamentariers, so weit sic liier wiedergegeben werden durften, keine seilsationcllcn neuen Gesichtspunkte für die Beurteilung der Lage, so enthalten sic doch viel des Bcaclitcns- und Beherzigenswerten. Gerade jetzt, da jeder Tag eine neue Hiobspost ans dem Lande der klassischen Judennot bringt, da sich die Ströme der Ausgetricbenen und Heimatlosen in das ohnehin wirtschaftlich dnrniederlicgemlc Rayon oder in ungewisse über* sceisclie Ferne ergießen, muß das Wort eines Mannes von der Bedeutung des Abg. Nissclowitsch. das wo'11 zur energischen Arbeit, aber unter allen Umständen zur Mäßigung und Besonnenheit mahnt, sehr schwer ins Gewicht iailcn. Da» die lauten, stürmischen Proteste nach Lage der Dinge mehr schaden denn nützen und zudem die ziclbcwußte Arbeit im Rahmen des Erreichbaren wesentlich erschweren, ist so einleuchtend, daß man hoffen darf, die Veranstalter dieser Protestvcrsamniluiigcn werden sich fortan dieser Einsicht nicht verschließen und ihren ehrlichen Wißen zu helfen, auf andere, zweckentsprechendere Weise bekunden." Wir bedauern außerordentlich, daß wir diesmal nicht in der Lage sind, mit unserem verehrten Gönner und Mitarbeiter Herrn Rechtsanwalt Nisselowitsch iibercinzustiiiimcii. Erstens einmal glauben wir ganz und gar nicht, daß die russische Regierung sich von unseren Protesten oder Nicht-Protesten irgendwie beeinflussen läßt. Machen wir uns doch da rüber keine Illusionen! Und die russischen;111 tiscinitl.sclicn Demagogen werden ihr llet/.inateriai komplett haben, auch wenn wir uns noch so men* selicnstill verhalten. Aber cs heißt doch auch, das Wesen dieser P röteste verkennen, wenn man sic so beurteilt, wie Herr Nissclowitsch und der ״Israelit". Uns handelt cs darum, d i c O ei i c n 11 i c 11 k c i t aus ihrer stumpfen Indifferenz wachzurüttcln! Sic zur aktiven Teilnahme an dem Geschick von sechs Millionen gehetzten und getretenen Menschen aufzurufen. Und wir können und wollen uns dabei wahrhaftig alles andere eher als die Bequemlichkeit der russischen Regierttng angelegen sein lassen. Dem Abgeordneten der Duma, Nissclowitsch, können wir es dabei nicht einmal verargen, wenn er die Sache von einem anderen Gesichtspunkt nnsicht, aber ein deutsch-jüdisches Blatt sollte in dieser Sache wirklieli bessere Ratschlage auf Lager haben als ״Mäßigung und Besonnenhell". Wir waren allzulange ״gemäßigt" und ״besonnen" — ja. viel meinen nicht mit Unrecht, da» das eigentlich das jüdische Erbübel sei. da» wir immer gar so besonnen sind! (Vgl. d. Artikel ״Russisches".) Koiiint ״halten Sic ihn doch zurück, ich weiß, er kr nicht wieder, wenn er jetzt dorthin geht.“ Ein Weilchen lang kämpfe ich mit mi selbst, dann sage ich: ״Nun gut, komm mit, \vi wollen zu Jossel gehen.“ — Ich will cs kurz machen. Der Gang ha uns nichts genützt, Jossel blieb dabei, er hab cs seinem Vater versprochen, und er müsse da Kaddisch au seinem Grabe beten, und nichts au Erden könne ihn davon zurückhalten. Got werde ihn und seine Braut nicht verlassen, un< sowie alles überstanden, werde er zurückkom men. Schreiben wolle er jeden Tag. In der Verfassung, in der Rebekka war konnte ich sie unmöglich allein bei ihren Pen sionslcuten lassen: so habe ich sie zu mir nacl Hause genommen. Und nun sind Tage gefolgt an denen sich das arme Mädchen verzehrt 11a vor Angst, bis endlich eine Depesche eingeirol fen, daß der lossei glücklich angekommen sei und am nächsten Tage ein Brief, itt dem er ih sclmeb. der Vater wäre noch am Leben und e konnte immerhin noch ein paar Tage mit ihn dauern. Der Alte sei unendlich gliickücit, dei wl,!pnCA#S0 m bCl S11״ zu.h?bc״• u״d bis zun letzten Atemzug wolle er bei ihm bleiben F sei auch gar keine Gefahr für ihn vorhanden. Das Letztere war, wie ich aus den Zeitun gen wußte, eine fromme Lüge, und während Rq

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