Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XV (1910)
- Issue
- Heft 23 (10.6.1910)
- Date
- 1910-06-10
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seile 272. .1111• mscnr. Rundschau No. 21. Namen dauernd mit einer Schöpfung in Palästina zu 1 / verbinden, ln erster Linie müssen die Zionisten selbst hierzu beitragen, und weiter sollen alle Juden, die in der Verehrung Montefiores zugleich die Liebe zum Judentum bekunden, daran gemahnt werden, dal! dieses Judentum seine Wiedergeburt nur in dem von Montefiore so geliebten Krcz Israel erleben kann und wird. Wir schlagen vor, zur 25. Wiederkehr von Monte• fiores Todestag Sammlungen fiir die ״Landspende" zwecks Ankaufs eines grollen H 0 d e tt k o m p I c x c s a u f den N a m c n M 0 n t c• fiores eiuzuleiteu. Da auf dem Hoden der Landspende gemalt dem kürzlich gefällten Hesehlusse des N.-H.-Dircktoriiiins jüdische landwirtschaftliche Ar• beiter anzusiedeln sind, so möchten wir weiter empfehlen, auch Sammlungen (ilr A r 1) e i t e r h e 1 m stiitten vorzunehmen, die auf dem Hoden der l.andspeiulc errichtet werden sollen. Hs kann keine Hhnmg Momeiiorcs geben, die seinen edlen Inten• tionen besser entspräche, als die l'ördernng von Institutionen, die berufen sind, die produktiven Kräfte des jüdischen Volkes auf dem historischen Hoden Krez Israels unserer nationalen Zukunft nutzbar zu machen. Ilauptbureuii des ,liidlschcu Nutlonnlfonds. Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland Am 5. Juni fand in Nürnberg die diesjährige Generalversammlung der ״Vereinigung fiir das liberale Judentum in neutschland" stau. Den Schlatt der Tagung bildete eine öffentliche Vcrsamm• hmg, in der die Herren Rabbiner JAr. F reu de 11• 111 a i Nürnberg. Rabbiner Hr. ifi rs c!1 - Chicago und Justizrat H r e s I a 11 e r Merlin sprachen. Herr Rabbiner Hr. Hirsch forderte, dall die 0 c b e t s s p r a c!1 c die M u 11 e r s p r a e I» e s e i. Nach den Prclihcriehtcn fanden die Ausfiihrtmgen von Herrn Hr. Hirsch stürmischen Hei fall! Oie Anhänger der liberalen Vereinigung werden sieh zu dieser Forderung .׳iullcrii müssen. Viel Aiiklang wird sie wohl selbst in den Reiben der Vereinigung nicht linden. Jusli/rat II r e s I a 11 e r, der über die ״<i e g 11 e r" sprach, meinte, dall die Zionisten, ebenso wie die ״S.c 11 c i n o r 111 o d 0 x e n", gegen den (!rund• satz ״In Wahrheit treu" verhielten, weil sie aus Politik zu den Orthodoxen hieueii, Wir behalten uns vor, auf diese Tagung eingehend znrtiekziikomiiteii. wenn genauere Hcrichte vorliegen, mochten alter schon heule folgendes bemerken: Wenn wir Zionisten so häufig auf der Seite der Orthodoxie zu iinden sind, so hat dies nichts mit Diplomatie oder politischen Gründen zu um, sondern beruht auf der einfachen Tatsache, datt wir bei den Anhängern der Orthodoxie stets das Bestreben iinden. das Judentum in seiner H i g e n a r t z u er• halten. Die Anhänger des sogenannten Libcralis• mus im Judentum haben uns nicht die gleiche lieberzeugung bcibringcn können, und die Forderungen des deutschen Liberalismus deutsche Gebetsspräche, S 0 tt u t a g s g o 11 e s d i e u s t, kurz Anpassung unserer religiösen Formen an den Christliehen Gottesdienst— werden niemals die Sympathie eines Nationaljuden finden. Wenn aber selbst ein so gescheiter und Zweifelsohne von warmem jüdischem Hutpfiuden beseelter Mann wie Justizrat II res lauer bis beule nicht bcgriffen hat, dall der Zionismus mit der historisch gerichteten Gruppe, zu der auch die Orthodoxie geh׳»rl, z 11 s 11111 m e 11 h a 11 c n muH, ans dem einfachen Grunde, weil der Liberalismus, und mögen das die Herren noch so energisch bestreiten, destruktiv wirkt, so beweist uns das, wie wenig bis heute noch die ältere Generation die Jugend verstellt. Wenn wir gegen den Liberalismus kämpfen, so ist das kein Kampf gegen die individuelle Troiliclt des Hinzehicu, sondern es ist ein Kampf, der auf die Hrfabrimgstatsaclie ztirüekziiführcn ist, dall der sogenannte Liberalismus nichts anderes ist als ein zerstörendes Hlcmcnt. l'.s gab Zeiten, wo im Namen des Liberalismus Glocken auf Synagogen verlangt wurden. Die Synagoge in Buchau i. Württcmb. trägt noch heute eine solche. Mau wird Leuten, die das Judentum erhallen wollen, nicht verdenken können, wenn sic Tendenzen dieser An gegenüber — wir erinnern nur an den Soimtagsgottesdienst, für den Herr Ilonas Levy noch vor kurzem in dem Frankfurter Organ der Liberalen Vereinigung eine Lanze gebrochen hat, Diplomatie, sondern Liehe zum Judent tt m. Nun aller noch eins: Die Herren von der Liberalen Vereinigung suchen immer den Anschein zu erwecken, als gäbe es nur ״Hie Orthodoxie, hie Libe ra 1 ism us" und verwischen vollkommen die Tatsache in besonders peinlicher Horm trat das bei dem Vortrag des Justizrats 11 lau gelegentlich der ״Berliner Relig i o ״ s g e s p r ä c 11 c" zutage —. dall zwischen Rabbiner Dr, Hrcuer's Orthodoxie und dem Liberalismus z, B. eines Mannes wie Professor S c h a e f e r, der sieb zur Reiormgemeindc zählt und in Nürnberg fiir die Liberalen den Verwaltungsbericlit erstattet bat, eine sehr grolle Anzahl,von Sehnltierungen vorhanden ist. Wenn also die Zionisten auf der Seite des Konservatismus zu finden sind, so ist damit nicht gesagt, d a II sie unters c Iti c d s l n s alle 1' o r d e ru n g c n der Ort 11 odoxie unterschreiben. Hs ist damit lediglieb gesagt, dall sie, da sie sieh mit der radikaldestruktiven Tendenz des Liberalismus nicht idetui- »i/icren können, in Kampfstellung verbleiben und mit denjenigen Hlemeuieu Hand in Hand gehen müssen, die historisch gerichtet und geneigt sind, alles historisch überkommene, so weit es irgend weihende und werbende Kraft hat, zu erhalten, den Kindern von Jugend an jüdische Hindrücke zu geben und T reue und a n U ä n g - liebes Gefühl f ii r das JuU c n tum in der Jugend zu wecken. Rcformtcmpei Hmanucl in New York, die Pcssaeltpredigt dazu benutzte, um seiner Gemeinde einmal unverhohlen seine Meinung über die Reform zu sagen. Wir fügen Auszüge der Predigt Vergleichsweise hier an: ״Von dem Pexsaeli-Pexte als Prühliugsfest a!1sgeltend, warf er seiner Gemeinde mul der 1״1.׳/c״ keformriehttmg vor. dall sic mir einen Herbst ׳,־<•. schaffen. ״Der alte Bnimi." sagte• der lern me iim.'c Redner, ״welcher so manche schöne Hinte gc/m. tigt, steht heute beinahe blattlos da mul mit dem Ableben der älteren Generation fallen auch allm. h. lieb die wenigen gelben Blätter, die 1ms noch virblieben. Nur den starren Winter könne wir ervar- Um. denn wir Italien keine Jugend, um die Hitcru zu erseven. Wo ist die Jugend? innerhalb, sondern a 11II e r 11 a 111 der < knie. g I e i c 11 g it 11 i g 1111 ü t r c 11 los g e g e 11 , \ Juden tum. Die reichen Rcfornigemciiuleii ma. wohl äulierlich Hindruck durch die Schönheit!!;er Gebäude, durch die künstlerische Verschönerung ׳ ■:,! die Ordnung des Gottesdienstes- Kann aber •>, dies die Lehre und Seichtheit des jüdischen l.v! ns verdecken? Unsere Jugend empfindet keine Fr. c mehr an ihrem Judentum. Nur als eine Last . scheint es ihnen, da cs ihnen im sozialen Vet;.; Schranken auierlcg!. Das alte traditionelle Gebctl* tu tt II wieder z 11 r it c k g e b r a e ii 1 w e r d | das du reit die Leiden und Hoffntni. und die religiöse Inbrunst der /;! | losen G e s c 111 e c 111 e r unserer Ali 11 et, ׳. . •heiligt ist. Alte Formen und Z e r c! jnien müssen wieder eingeiulirt v j den, wenn sie an sieb schön oder kr.iltvnil, ׳! | sie uns eine Idee repräsentieren, schlieiilieh \u , sie mir dazu dienen, unseren Gottesdienst s spezifisch jüdisch aiiszuzcicluicn." Die unmittelbaren Folgen blieben natürlich uns. Wir erfahren dartiber aus New York: Dr. .1. L. Magnes. Vizepräsident der l'c.! tion of American Zionixts. ist von seinem An;׳ Rabbiner des Tempel F.manucl in Ncwvorl,. > er seit lööii tätig war, znrüekgctretcn. Dum׳ Schrill ist eine Holge der viel diskutierten Pc יי• whoredigt. in der er vor den Folgen der R c f o r m I) e w e g 11 n g g c w a r 11 t 11;»11 e. In einem .־uisführliehen Brief, den er ,<•>;! Präsidenten und den Vorstand des Tempels g.i c tet hat. erklärt Dr. Magnes. dall er heret: ' , in seinem Amte zu bleiben, falls die Gemeinde 1 > ־. ,.einen Ansichten mul VnrsehTugvu uheieee.tumn.; andernfalls sei er gezwungen, aui eine W 1c>... ■ .! zu verzichten. Der Vorstand erklärte, die schlage des Ilernt Dr. Magnes nicht aiuub'un zu Io.ulten. Somit tritt Dr. Magnes :011 t. u'.;!. d. J. von seinem Amte als Rabbiner zurück. Dall die Amerikanischen Liberalen diesen A:.c:,׳' abgeschlagen haben, ist noch kein Beweis וווr r:,:c Starke. In Wirklichkeit ist das ganze It!■.:,!!- reforiuatorische Negiernngsprinzip vollstäml.g <..׳■• schlittert, in Amerika sowohl w ie in Deutsch! ■re. und nicht lange mehr, und das ganze ku1!% 1 Seheingebilde geht in Trümmer. Herr Ralibincr Dr. Hirse 11 ist übrigens ein schlechter Kronzeuge. Wenn der. destruktive Radikalismus irgendwo abgewirtschaftet hat, so ist dies in Amerika der Hall, und es ist kein Zufall, wenn ein Mann wie Rabbiner .1. L. NA ag 11 es, Prediger am Unsere Abonnenten bitten wir .schon jetzt auf Hrneucrtmg ihr.י Abonnements bedacht zu sein. Sie sparen d ,..;:r. '■> Spesen, und sichern sielt eine prompte, laufende - Stellung der ״Jüdischen Rundschau". dernen Kunst der berühmie Maler Camille Pissnro. der in seinen wunderbaren Gemälden das pi'äclitij'c l.ied des hcrrliclvii Lichtes der französischen Landschaft gesungen hat. Wir können noch weiter anführen: lean Francois Raffaeli. Levi-DImrmen und den Bildhauer Bloch etc. Und gehen wir nun auf Rußland über. I lier haben wir den größten Bildhauer Antokolskv, eleu ctwsUgen ־.\vmtn GheÜo-Knabcn \on Wilna; den allbekannten Maler Leonidos Pasternak. Professor an der Akademie in Moskau; in Paris finden wir noch andere Juden aus Rußland, wie /.. B. die Bildhauer Aronsolm und Bernstamm. — In Oesterreich haben wir den liochbegnadeten Maler Jehudo Lpstein, Isidor Kaufmann, der uns soviel Gemälde aus dem jiklisehen Leben geliefert, den alten 1 Iof-Poriräl-Maler Leopold Moronstz. In Zakopani, auf den galizischcn Bergen, lebt ein junger polnischer Jude, der Mi ler Abraham Neumnnn, der die schönsten Wii.ierlandschaftcn malt. Und noch• mals auf Deutschland zurückgreifend, will ich Urnen noch sagen, daß cs eine sehr große Zahl von Jungen Künstlern gibt, von denen ich nur nennen will: den Maler l'rnst.Opplcr, von dem ein Gemälde in der Galerie in Venedig existiert, und dessen Bruder, der Bildhauer Jakob Pleßncr, Max U־vi und viele andere. ~ ln Italien, und zwar in Rom. lebt der hochbegabte Bildhauer 1 lentik Glieenstein aus Polen, der die große Statue des ..Messias" und den ״Bar-Kochba‘• geschaffen. Liner der hervorragendsten Künstler war Samuel Nirzcnberg, der als Lehrer an der Kunst- und Gewerbeschule des Bezalel nach Jerusalem gegangen war. Besonders bekannt wurde er durch seine berühmten Werke: Spiuo/.a, Dev ewige Jude, Die icschiba, Das Golut. 11־ ist in der heiligen Stadt im Alter von 40 Jahreu gestorben. Sein Tod ist für das Gesamt- Judentum ein großer Verlust gewesen. ln Lngland ist einer der berühmtesten Maler Solomon J. Solomon aus London. L.r hat historische Gemälde und Porträts geschaffen, wie z. B. Simson und Dalila, Und schließlich führe ich von Amerika noch an: den berühmten Maler Loch, der vor kurzem gestorben ist. Man könnte noch viele andere anführen, aber diese dürften Ihnen genügen, hoffe ich,“ fügte der geistvolle Künstler hinzu, ״ um unseren Gegnern zu beweisen, dnß die Juden auch in der Kunst einen sehr wichtigen Platz unter den iibri. gen Völkern einnehmen.“ Gedankenspliller uus Hess’, ״Kom und Jerusalem״ Jeder Jude hat den Stoff zu einem Messias, jed: Jüdin hat den zu einer mater dolorosa in sich. Derjenige Teil unserer heiligen Schriften, woii׳ von Unsterblichkeit keine Rede ist, entstand zu ein. Zeit, ־ats die jüdische Nation noch nicht untergegnn• gen war mul darum auch noch keine Auferstehung■» gedunkelt haben konnte. * Wenn ich fiir die Wiedergeburt meines eigen.־. Volkes arbeite, so Italic ich darum meine humum׳ I türen Bestrebungen nicht aiifgegebeu, Die Deutschen hassen weniger die Religion de. Juden, als ihre Rasse, weniger ihren eigentümliche■׳ Glauben, als ihre eigentümlichen Nasen. Die jüdische Rasse hat mehr als irgend eine an dere die Fähigkeit, sich unter allen Breitegraden za akklimatisieren. Wie das Vaterland der Juden. Pa• Uistlna, südliche und nordische Naturprodukte er• zaniRt, so scheint mich das Volk dieses minieren Klimas unter allen Himmelsstrichen zu gedeihen, Der Jude ist xvegen des ihn von allen Seiten um• gebenden Judenhasses stets geneigt, alles Jüdische von sich abzustreifen und seine Rasse zu verleugnen.