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Jüdische Rundschau · 1910-06-10 · Heft 23 (10.6.1910) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XV (1910)
Issue
Heft 23 (10.6.1910)
Date
1910-06-10
Page
– (sequence 3)
Language
German
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JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 271. p.tl'ci sind sic gute Juden, durchaus national, wenn;1111*11 vielfach niibcwullt. sorgen in ihren Qc• schäften nach Möglichkeit für die ärmeren Juden und 1«*ו:*1י1י neuerdings das Schulwesen in Alexan* tiricu und U;1iro recht erfreulich, auch mit gutem I;cl>r;1isel1c111 Unterricht ausgebilUct, wie denn liobr'üsehe Spr;1cl1k«2)ntnissc vielfach verbreitet sind. Hs hcMeheii gewisse Beziehungen zur lea und zur ^lli.iiicc. die in Cairo und Alexandrien unbedeutende, imd von den Gemcinüen ungern gesehene Schulen itnici 1’*»! 1 * Ihr Zusammenhang mit dein europäischen jiitlcMi'iu ist verhältnismäßig schwach. Per Zionismus besaß vor 10 Jahren gute Organi• suimk i in Cairo tu *l Alexandrien und hatte auch ״Hier den Spaniolen Full gefallt. Aber wegen ver- >J1ic-!.-1er bedaucrlielicr Vorfälle lokaler Natur und .ms •' •k'l an Pflege seitens Europas, ist er zurückfcga־.'• .cn mul umfallte zulct/.t nur noch kleine Qrupneu;-••׳er Aschkciiasiin. Ra bei sind die Verkehrsbc/i.י י een mit Palästina sehr enge. I!•ich ist der llauptinnrkt für landwirtschaftliehe .,,.־linkte Syricus. Die palästinische Gesell- >.•11.1 <.'.!111101 Orienlal-Risehon Lezion beherrscht /. p .. :1 cgvpiischcii Wciuuinrkt und cs finden sich im I •׳•’•׳ eine Menge junger Palästinenser, darunter viele ־•eiiiilcr der Landwirtschaftsscluilc der A. J.U. .\R• Israel, die im llandelsgcwcrbe tätig sind. ׳ e.1 Erfahrungen nach ist jedoch eine um* j.iikk ik• /ionisiisejie Propaganda nicht schwierig, dem s bestehen überall Reste der friilicrcn Organ>.<; mul vielversprechende Ansätze zu neuem I.cIh " ie J irrend vereine und Turnvereine (in Cairo altei . 1e1>. Und die Juden sind stolz und national ges:nn: l'ie Gewinnung der ägyptischen Juden ist für 1ms . nicht mir möglich, sic ist auch von grüilter Wie: Reit.; Pie Senhardim und arabischen Juden werden :1:r ... Entwicklung: der Dinge in der Türkei im all-;ems 1! mul in Palästina im speziellen von aus- 50111.1 .;ehender Bedeutung sein. I ׳ Pie egyptischen Juden sind in einem dem Fai.is •neiisischem sehr älmlichcn, sprachlichen, 1;ati<m.1lcn. kulturellen und klimatischen Milieu aufiunvaPueii und wären daher die geborenen Pioniere. c> Pie Reichen verfügen über sehr erhebliche Kamt,■,;011, sind sehr iiiitcrnelimungslustig, haben sehr Krollen sozialen und imlitisclicn Einfluß, kennen die LanJ•־;::schaft und insbesondere den Baumwollbau, der i.:r Palästina voll grölhcr Bedeutung werden wird, cv:!au. Mit ihrer Hilfe könnten wir;!ullcronkoi'ticLs ,eisten. da W\, .! <st beute F.gvptcn das wichtigste Nach- : :!ml I’. '•׳-׳ aas, heute noch die Durchgangsstation . : f'. . ׳ :.!reisenden und fast aller Importe und I \ ••׳! :׳.öisimas. Mit dem Ausbau der *Bahnlinie \<׳n l’ n'.u.i nach Palästina wird die Verbindung n׳׳c!1 c:!׳1 ׳.>:.׳ werden und Palästina wirtschaftlicli ein Nelienl.unl Egypten!־. sein. -־» I iidlicli ist Hl-Ahzar. die von 12 000 Studenteil i'esiu.'liie molianinicdaiiisclic Hochschule Cairos, heilt׳.׳ d;,s geistige Zentrum des Islams, vor allem arai’i'Jur Nationalität. Es wird fiir uns von größter ',■־ichngi e!t sein, dal! durch unsere egyptischen hcmHi• die Zwecke und Ziele unserer Bewegung d׳»rt ui nebliger Weise dargestellt werden. Ni ist Egypten als Paradigma orientalischer So/i.!l,.•!•twickhuig wie als Nachbarland Palästinas Volk; ״ des allbekannten Meisters Jozef Isral'ls. ohne Zweifel eines der größten Maler des Jahrhundcris.“ ..Derselbe, dessen Werke bei der internation;!!ס ׳ Kunstausstellung in Venedig ausgestellt wart׳;! ..Derselbe. — Genanntes Werk stellt also tincn alten luden dar. der vor seinem mit alten Kleid* , n, altem Geschirr, alten Leuchtern erfülllen 1;;den sitzt; man sicht daselbst auch einen trebr,•tuchten Reuen schirm und tausenderlei Ob* kkti!!;׳noen. Wie Sic sehen, ist dieses Thema H'hr *■infach. Keine Pose, keine Sentimentalität, und d* nnovii findet man in den traurigen Augen;:!:111־ Händlers, die in die Ferne blicken, in Hinir «ganzen Figur. alle Leiden und Schmerzen, 1,׳k!!xwhung des jüdischen Volkes durch lange lahilinndirte. Und von diesem Gemälde kann ״•an mit Recht behaupten, daß es unmöglich ht. daß ein nichtiiidischcr Maler cs ebengemalt hatte; es ist unmöglich, daß 1'" imiiiiüdischer Maler, sage ich, so viel üxliv.hcs Gefühl ausdrückcn könnte, so *dir ist das eben besprochene Werk vom jiidisehen Geiste durchdrungen. Wohl ist es wahr, daß •na!! einige holländische Elemente, z. B. von! Kcnihrandt. in diesem Gemälde wie in allen Wer. j to» Israels vorfindet, aber die vorherrschende 1 und Wohnstätte eines erheblichen Bruchteils unseres Volkes für den Zionismus von größter Bedeutung. Ich freue mich, daß ich Gelegenheit hatte, cs etwas näher kenne» zu lernen, nls es den meisten von uns vergönnt ist und wenn ich auch äußerer Umstünde halber den Boden Palästinas nicht betreten konnte, so hat mir doch der Orient die unumstößliche Ueberzcugtmg gegeben, daß unsere Sache gerecht ist, daß in Palästina unsere Zukunft liegt und daß wir mit festem Wollen dtirchdringcn werden. Lernen wir von den Engländern, von denen wir in Egypten soviel zu lernen haben, vor allem der Satz: Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg. Moses Monlefiore Am 28. Juli d. Js. werden cs 25 Jahre, seit Sir Moses Montefiorc, 100 Jahre alt, sein dem jüdischen Volke gewidmetes Leben beschloß. Was dieser Grolle in Israel für seine Brüder getan, wie er für ihr gleiches Recht überall gestritten, ilincn in allen Nöten liilfreicli beigcstandcii, das ist noch in lebendiger, dankbarer Erinnerung der Juden in allen Ländern der Diaspora. In England, seinem Vatcrlandc, war er der Vorkämpfer der Judcneinanzipation. Dort fand er in der großherzigen Königin Viktoria und ihrer Regicrung mächtige Hilfe für seine politischen Aktionen zugunsten seiner Brüder auch außerhalb des britischen Reiches. So zuerst bei den Judenverfolgungen in Damaskus, wo cs ihm mit Hilfe des englischen Geschäftsträgers gelang, die unschuldig cingckcrkcrtcn und gefolterten Juden frei zu bekommen. Damit nicht zufrieden, erwirkte er durch eine Audienz beim Sultan in Konstantinopcl einen Firtnan, der allen tiir- 1 kischcn Juden völlige Gleichberechtigung und dauernden Schutz verbürgte. Und als der französische Agent bei Verscltwlnden eines christlichen Kindes eine zweite Verfolgung 1 der Juden in Damaskus anzcttcltc, intervenierte Montefiorc persönlich bei König Louis Philippe von Frankreich, worauf den Juden durch den Ministerpräsidenten Ouizot volle Genugtuung zuteil wurde. In Rußland erschien Montefiorc zweimal, erlangte Audienzen bei den Zaren Nikolaus I. und Alexander II. und versuchte eine Milderung des harten Loses seiner Mriider durehzusctzeii, sowie einen Teil derselben dem Ackerbau zuzuführen. Als iu Italien der Judcnktuibc Mortara auf Befehl des Papstes gewaltsam seinen Eltern weggenommen wurde, erschien Montefiorc iti Rom und war. allerdings vergeblich, bemüht, vom Papste die Rückgabe des Kindes zu erwirken. Beim Ausbruch der Judenverfolgungen in Marokko scheute Montefiorc nicht die gefährliche Reise in das wilde Land, wo er allerdings vom Sultan wie ein König empfangen wurde. Bei einer Audienz erlangte er vom Sultan einen Schntzbrief, den er, um größere Bürgschaften für die Juden zu erlangen, persönlicli Napoleon III. und der Königin lsabella von Spanien präsentierte. 1 Auch fiir unsere schon damals wie heute wenig beneidenswerten Brüder in R11 nt ü 11 i c 11 intcrvenierte Montefiorc zuerst bei Napoleon und hierauf bei König Carol in Bukarest, woselbst er vom rumänischen Pöbel sogar tätlich bedroht wurde. Würden diese Taten schon allein hinreichen, um dankerfüllt des edlen Mannes zu gedenken, so haben wir Zionisten noch eine große Dankesschuld an den Zionisten Montefiorc abzutragen. Jawohl, Moses Montefiorc war Chowewe Zion und, wenn man will, sogar politischer Zionist. Nicht weniger als siebenmal reiste Montefiorc zu jener Zeit nach Palästina, zuletzt im Alter von 91 Jahren, und jedesmal ergoß sich ein reicher Segen über Erez Israel. Bei all diesen Reisen war das Hauptziel Montefiorcs: mit aller Kraft die palästinensischen Juden einer dauernden, produktiven Tätigkeit zuzuführen. So plante er anläßlich seiner zweiten Reise die Gründimg einer ״Gesellschaft zur Beförderung der Bodenkultur in Palästina", suchte vom Pascha von Ägypten, dem damals Palästina unterstand, eine Art Charter zu erlangen, durch den er Ländereien für einige 100 jüdische Dörfer erwerben könnte. Durch einen Zufall, den Ausbruch des türkisch-ägyptischen Krieges, ist dieser Plan leider vereitelt worden. Gelegentlich einer andern Reise nach Palästina erwirkte er in einer Audienz beim Sultan einen Pirman zum Bau eines Krankenhauses in Jerusalem sowie zum A11 k a uf von Boden für Zwecke des Ackerbaues, gründete eine Industrieschule fiir jüdische Mädchen in Palästina usw. Und als er im 100. Lebensjahre von der Gründung der ersten Chowewe Zion-Vereine hörte, schätzte er sich glücklieh, dies erlebt zu haben. Wenn es noch eines Beweises für die zionistische und nationaljiidischc Gesinnung Montcfiorcs bedürfte, so sei daran erinnert, daß er, als Königin Viktoria ihn zum Ritter schlug, als Wappen eine Zeder des Libanon wählte und als Inschrift auf den Palmeben den Namen ״J c r u s a I c m" in hebräischen Buchstaben, überhaupt war ihm das Hebräische das einigende Band aller Juden auf dem ganzen Erdenrund, weshalb er auch so entschieden gegen die Bestrebungen der Reform, das Hebräische abzuscluiftcn. Front machte. Ist es zu viel verlangt, wenn wir die Zionisten auffordern, ihre Dankesschuld abzutragen? Diese Schuld ist eine zweifache, einerseits Montefiorc und anderseits dem jüdischen Volke gegenüber. Wohl sind seine Verdienste noch in lebendiger Erinnerung aller Juden. In Westeuropa und Amerika führen angesehene jüdische Körperschaften mit Stolz seinen Namen. Im Osten ^1t die Volksphantasic einen Kranz schöner Legenden um das Andenken Moses Montefiorcs geflochten, und in den Hütten der Äermsten ist das Bild dieses patriarchalischen und heldenhaften Juden zu finden. Allein cs ist unsere Aufgabe, sowohl ״isten wie Nielitzionistcn darauf aufmerksam zu machen, daß man einen Montefiorc nicht bloß durch Bilder und schöne Reden, sondern vor allem durch die Tat i 11 s e i n c 111 Sinne ehren muß. Es ist unsere Piliclit, alle Juden, die cs noch nicht wissen, damit bekannt zu machen, daß Montefiorc, trotzdem oder gerade weil er überall für die Gleichbcreclnigiing seiner Brüder kämpfte, doch das Hauptziel in der Ueberfiihrung der Juden zum Ackerbau und zu produktiven Berufen iu Palästina erblickte. Und so möge denn der 25. Todestag von Moses Monteiiore den Anlaß bilden, um seinen glorreichen Note ist die jüdische. Sig wissen, daß jeder moderne Jude durch seine Bildung, den in der Umgebung, in der er gelebt, erhaltenen Einfluß aufweist; wenn nun dieser Einfluß stärker ist, als sein jüdisches Gefühl, so haben wir Kunstwerke, die von denen der Nichtiudcn sieb nicht unterscheiden, was, nebenbei gesagt, im allgemeinen eintrifft. Wenn aber im Gegenteil, wie z. 15. bei lsraüls oder bei Hir/.enberg die jüdische Seele mächtiger ist. als der am Geburts• orte erhaltene Einfluß, dann können wir sagen, daß wir ein Meisterwerk wahrhaft jüdischer Kunst besitzen. Bei der Mehrheit unserer Kiinstler ist es woltl schwer, dieses jüdische Element naclizuweisen, wie z. B. bei dem großen Meister Max Uebermann. einem der berühmtesten deutschen Maler.“ ״Können Sie mir einige Künstler unseres Stammes nennen, die sich in der Kunstwclt eine Berühmtheit erworben haben?“ ״Mit Vergnügen; aber cs gibt deren so viele. Sic sind wirklich der Stolz des Judeniums. — Doch werde ich Ihnen einige anführen, die mir gerade in den Sinn kommen. Die bereits genannten Israels und Liebermann: Der erstere, 85 Jahre alt, lebt im Haag wie ein alter Patriarch, von aller Welt ausnahmslos hochgeehrt, als der größte holländische Maler. Seine Gemälde wer- Gönnen Preisen bezahlt und zum großen l ei befassen sic sich mit dem Lehen der hol- J«1nvli5chen Fischer. I .in großes Gemälde, jüdischen Charakters im Bauern-Museuin von Amsterdam, ist ״Saul und David“. Liebermann ist das Ober- Haupt der modernen deutschen Schule. Eines seiner Gemälde befindet sich im Museum y.u Ve*!ledig und stellt alte, an Snitzen arbeitende rrautn dar. Wie Liebermann in Deutschland für die moderne״Kunst gekämpft hat, so hat es auch Emst Josefson in Schweden getan. Aber während ersterer seinen Triunwf erlebte, hat der unglückliche fosefson nach einem erbitterten Kampfe gegen alle Widersacher und für den J numplj der modernen Schule in seinem Lande, die Verwirklichung seiner Pläne nicht erlebt* denn er wurde wahnsinnig und starb nach 18jähriger Geisteskrankheit vor einigen Jahren in Stockholm. Seine vordem von den Jurys der Kunstsalons und der Ausstellungen zuriiekgewicscnen Werke sind gegenwärtig ein Schmuck, eine Zierde, ein wahrer Schatz für öffentliche und 1 private Sammlungen Schwedens. Sein Meisterwerk befindet sich in! Besitze des Prinzen Eugen, des Bruders vom König, des größten Bewunderers von Josefson. der diesem Werk den schönsten Platz in seinem Schlosse angewiesen hat._ In Frankreich war unter den Vorläufern der mo-

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