Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XV (1910)
- Issue
- Heft 23 (10.6.1910)
- Date
- 1910-06-10
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 270. einen Oelbaum und der 10 £ “ 205 Mk.-Sjxnule zur Eintragung ins Goldene Buch rangiert. Die Summe von 50 Frcs. -- 40 Mark ist liierfür sehr geeignet und die Luidsnende wird gewiß rasch populär werden, weil mit der runden Summe die Vorstellung eines bestimmten Stückes Land verbundcu ist. Für den Ausbau unserer Palästinaarbeit ist die Spende von höchstem Wert, weil mit ihrer Einführung der Beginn einer Ansiedlungstätig* keit proklamiert wird, die allen Zionisten von jeher als Hauptaufgabe des Nationalfouds er* schien Ls sind vielfach Klagen über die planlose Verzettelung der N.*F.*üeldcr erhoben worden. Diese Klagen waren insofern unberechtigt, als der N. L, in den ersten lahren seiner Tätigkeit sich nicht auf bestimmte Gebiete beschränken konnte, sondern genötigt war. die dringendsten Forderungen auf allen Gebieten der Palästinaarbeit zu befriedigen. Auch jetzt noch sind wir genötigt, den N. L. für Arbeiten in Anspruch zu nehmen, die eigentlich andere Gesellschaften aus* . führen sollten. Die P. I.. 1). C. ist so arm an Kapital, daß sie eine Anleihe beim N. L. machen! muß. um endlich ihre Tätigkeit aufnelunen zu können. Auch die Agrarbank wird in den ersten Jahren die Beteiligung des N. L. nicht entbehren können. Schon jetzt hat vier N. L. der A. I*. C. I für ländlichen Ainoliorationskredit 200 000 Eres, bewilligen müssen, le mehr P. I.. D. C und Agrarbank sich auswachsen werden, umso mehr kann sieh der Nationalfouds auf seine wichtigste Aufgabe, die Ansiedlung unbemittelter Koloui* steil, beschränk/1. Auch die Hingabe von Boden für kulturelle Institutionen (Schulen etc.), sowie } die Beleihung von Lrwerbsgesellseliaflen (I län* | serbaugenosseuschafteii) wird in Zukunft relativ1 ׳ geringeren Umfang haben. Mit der Schaffung I der La n d s pe n d e ist der erste Schritt in die* 1 ser Richtung getan, und wir wollen hoffen, daß 1 ihre Lrträgnisse ihrer Bedeutung entsprechen | werden. I Egypten und seine Bedeutung für den Zionismus Von Dr. P.'inx Gideon II e y m a u u. (Vorlr.iu gehalten am *>. Mai 1010 in der Berliner ZionistiveUeit Vereinigung.) II. ) teil habe Ihnen die Un!u;••klung F.gyptcus leider i rr .1׳ v.m/ I,nu11|1vn /'.׳igeii schildern Können. Was ergibt mcIi aus ihr tue die allgemeine Beuileilimg des Orients? Meines F.i'aelitcns folgendes: 1. Pie Grundlage jeder wirtschaftlichen lütt* vvicldmig im Zeitalter dev Kapitalismus ist die Rechts* sicherlich, d. 11. die Sicherheit des Eigentums und *) Vergl. י .•ןאI der ,.Jüdischen Rundschau". Die Kunst bei den modernen Juden (Lin Interview mit Hermann Struck.״) Ausdrucksvolle Augen und eine I Icrzl-Plty• sionomie charakterisieren den Künstler, mit dem ich die Ehre gehabt habe, mich etwa eine Stunde lang ühvv die Kunst bei den modernen Juden zu unterhalten. Bevor ich auf die Sache seihst cingelie, seien noch einige Worte vorausgeschickt: Am l enster sitzend, zeichnete der Berliner Maler auf einer Kupfernlatte eben die S. (iiorgis. Insel, die er schon in anderen seiner Werke be* handelt hatte, unter anderen auch auf einer bei der letzten internationalen Kimstausstellung in Venedig figurierenden Arbeit. Die Kunst meines liebenswürdigen Vis*ä.vis ist von einer ihn fas! niemals verlassenden Traurigkeit durchdrungen, er ist ein sehr frommer und gleichzeitig auf seine Rasse, auf sein Volk und auf seine Traditionen *) IlerrYakls Be har, unser geschätzter de* riummgvücmut uiiU Korrespondent des trefflichen Koiistantiiioneler Jtidcnblattes ״Aurore" hatte Ge* IcKcnhcit, sich mit dem Künstler in Venedig über Fragen der Jüdischen Kunst zu unterhalten und schickt uns das Manuskript seiner Aufzeichnungen in deut* scher Übersetzung. ,1 U II P I SCH L. RUNDSCHAU des Lebens, die Unbestechlichkeit und Ordnung der Verwaltung, die Gleichheit vor dein Gesetze. Man darf nicht vergessen, dall heute noch Ägypten in einer Weise inerkaiitilistiscli regiert wird wie kaum je ein Land in den Zeiten des Polizeistaates, dall in jedem Laude mit planmiilliger staatlicher Be* Wässerung mul vor allem in Egypten, cs der Staat ist, der die Landwirtschaft mit Wasser versorgt, d. 11. auf unsere Verhältnisse übertragen, es der Staat ist. der regnen und nicht regnen lällt. Malen Sie sieh aus. was es bedeutete, wenn zu Ismael Paschas Zeiten der Reiche und Mächtige, der fast steuerfrei war. Wasser im Uebcrflull bekam, das dem Felde des mit Steuern überlasteten Fellachen I entzogen wurde. 1 2. Ist die Voraussetzung der Rechtssicherheit gegeben, so timtet sieh alles Uebrigc zur Umwicklung eines orientalischen I amles in der Jetztzeit von MÜ'st: Wasser. Kapital. Intelligenz. Arbeit. Leber die letzten Faktoren nur ein Wort: Sie sind in Uuropa im Uebcrflull vorhanden, ängstlich harrend auf loh* nende Verwendung, allüberall in Masse erscheinend, wo ilmcii reichlicher Hrvvcrb winkt. Und auch der Binlieimisehe arbeitet, arbeitet mit Liebe und Fleill, sobald er mir sieht, dall ihm seihst seine Arbeit Flüchte trägt, dall er die Möglichkeit hat, voran zu kommen, dall sein Schwein nicht nur den Steuer* einiiclaiier und Wucherer fett macht. Und nun zum Wasser. Wasser ist trotz der Waldvcrvvüstung iilu rall vorhanden, als Regen oder Fluli; es gilt mir. er nutzuspeichern und zur rechten Zeit auf die Fel* der zi. bringen. Das kostet Anlagekapital, das kostet Spesen, aber der Geldaufwand lohnt unter der war* men Sonne des Orients hei verständnisvollem Be• triebe, wie iiberall mannigfaltige Beispiele gezeigt kalien. reichlich. Die Sonne des Südens ist ein Ule* ment der Fruchthurkiii. dessen Allmacht unser bypetbiuülselies Klima v.n nicht kennt, die Sonne zersetzt, sobald Wasser vorhanden, den Boden, bringt seilte nährenden Bestandteile an die Ober* fl.•elie, ist der beste Finnnl des Landwirts. Dies gilt für Nordaii ika, gilt für Kleinasieit. gilt tur Meso* potauiien. gilt vor allem auch fiir unser Ziikiuifislund I aiä.siina. Die feste tlcbcr/cugiing. die sieh mir in Egypten gebildet!lat. ist die. dall wir au der Schwelle einer ungeahnten Kulturentwiekliiiig des ganzen Orients.vop Marokko bis Persien stehen, dall diese alten Ur׳Mallen menschlicher Gesittung und Kultur, zertreten durch Unwissenheit und schlechte Verwaltung von neuem die Hochsitze der Zivilisation werden und dal. wir alle und vor allem wir Juden, wir geborenen Mittler zwischen West und Ost die laab״e Aufgabe fiir uns und die Menschheit hallen, an diese! Ktiltmeiitviekltuig nach allen Kräften mit* > 11:1rhei len. J. Aller die Aufgabe ist schwer, sie bedarf der ... aller Kräfte und labt keine seliud* hellen inneren Widerstände zu. Und damit komme ich zu der tioliiisehen Seite der F'rage. Dali Rechts* glciclicil die nimmgäiighehe Voraussetzung aller weiteren Arbeit ist. habe ieli schon betont. Diese Gruu'lforderiiug der Demokratie ist unentbehrlich. Audi eine weitgehende Selbstverwaltung der Ge* inciiidcn ist von Nuten, schon wegen der Religion und Rassemmtersehiede und ferner, weil nirgends der Unterlieanite so zti Uebergriffe״ neigt, so un* In nidiliar uml hesteehlidt ist. wie im Orient. Der ___________ . No. 23. ärgste preuiiiseiie Schutzmann ist ein wirklicher Kaltnrträger gegenüber dem egyptisehen Chaonidi oder Gufiir. Und man muü bei diesem Beamten• material immer überlegen, 01» eine Regieruiigsinaii. icgcl und sei sie im Prinzip noch so heilsam, nicht durch schlechte Unterlieamtc dein Volke appliziert, mehr Schaden als Nutzen stiftet. In der oberen Verwaltung dagegen ist es mir sehr zweifelhaft, ob der Orientale zum Sclbstrcgi• ment schon reif ist. Man darf nie vergessen. d. Ii Herrscher und Beherrschte durch tausendjährige Unterdrückung verderbt sind. Bestechlichkeit, \\ ״. kehmitigkeit, Mangel an Moral, an Charakter ke in•! zcielmen den durchschnittlichen Orientalen. p,cr kann wie schon in vielen lateinischen Ländern ’;!s l’arlaniciit nur zu leicht zum Träger der Komm werden. Aber das Gleiche gilt von dem ..auig■;: r. len Despoten“, der für den Orient an sich das 1“ ... rnngsidcal w äre, wenn er nur immer in ausrei. . ,ן aufgeklartem Malle zu finden wäre, und es gilt ״!, von der Burcaukratie. sobald nicht ständig ein c ncr Besen Ordnung scliafit. So wird vorläufig gemischtes System, wie es sich heute in l'.g»! findet, so gut mul so schlecht arbeiten müssen, es elien vermag. Fiir diejenigen aller, welch. Träger des Fortschritts und der Kultur werden 1111־, also für t׳ns güt es vor allem uns selbst pohtsch zu erziehen. Seifcontrol and selig« ment müssen bei dem eigenen Ich beginnen. .׳ und Disziplin bei Selbstachtung, das mtii» fm m >. Parole sein. Denn in uns allen steckt noch u.; eine grolle Portion orientalischer Clur. . .!• schwäche, w ir sind 11<«;־I1 lange nijil die guten I . püer im moralischen Sinne, die wn sein imültci;.! .1 unserer Atiignbe ganz gerecht zu werden. Sind dies die allgemeinen Resultate für ׳« Zionismus, die ich aus meinen egyptiselieu I.! rungen ziehe, so oiogjitc ich Urnen noch zu:a s.'.. . ganz kurz einiges über die egyptisehen Juden ־ I'.;• sind deicn etw a tu 000. davon Jo 111 hi!;! K > und 15 01(11 in Ale'uiulrieu. der Rest m Tarn״. einigen anderen Stadien. Sic bestehen .ms •! Oberschicht reicher and gebildeter spagit« arabischer Familien, einer Masse nnttlaer und ,!,!.... aialmehcr Juden und einigen tausenden in :■. .׳ Zeit eingev.anderter Ascbhen isim, russischen, ,,:u...־ niselieu. gnli/ivlicii Ursprungs. Sie sind p׳>lm .11 ni'Milut tici, die Reichen meist italienische, iier..״• sisclie, österreichische oder englische Burger . ,'. r Schiitzangchörigc. Der Judcnhall existiert unter >'m■ hammcduiicrn nur Iw•: denen, die eliriMlicbc iltirciigciu.iclil!i.iben. N.im.11,1 (Clmst) ist beim \1. ' ein weit ärgerer Sclninnin.iine als J.diudi. i;. a.״ Unruhen Ivs» wurden nur die Juden crsJilage!. C e man b.ir l’.uropäer hieiu s<»b.11d sie sich .!K! י. , •, dokumentieren konnten, lieb man sie• l.uiiei!. de n Christen sind die Griechen und die Swci d e ärgsten Judenfeinde. Du■ reichen Juden m•111. ,.׳ eine sein geachtete׳ soziale Stellung cm. *1c hi :.■! eien Kern der levantiniselieii tiesellsehaft. G.-h,.'1.1'.• lieli stellen sie vor allein im Gekliiandel. Sie li.dua im letzten Jahrzehnt mit Sir F.rnest Casse’.l ,*"<■ n.1 ölten (iescliafte1111 ־. drill vZVPtischcn Staat .!;na■- geführt, dominieren in einen, groiR» Teil da Wi a. tmigsräte der Akliciigesellseliaften und hesitzen g.'• städtische und ländlich. Terrains. sehr stolzer Ititle• Sicher ist er einer der inter* esxaniesteii Typen von Künstlern unter den Jn• den; denn in allen seinen Werken, auch in denen, die sich vom jüdischen Leben mclir oder minder entfernen, wellt ein gewisser melancltolisclier I!auch, der die iiidisehe Seele kennzeichnet. Von I lermann Struck 1;iht cs viele geschätzte Radierungen; unter seinen Porträts verdient be* sondere ITwähiinin! das von llcrzl, das unter allen das gelungenste ist. ״Man spricht so viel von jüdischer Kunst in unseren Zeitschriften.“ sagte ich zu ihm, ״gibt es denn überhaupt eine iüdisehe KunstV" ״Hs ist wohl recht schwer, auf diese Erage kategorisch zu antworten.“ versetzte der Kirnst* ler, ״denn man hat so viel darüber geschrieben, daß man die Sache dadurch noch unklarer ne* macht hat. als sie dies ohnehin vordem war. Vor allem aber muß man sieh fragen: Was ist die jüdische Kirnst? Denn die vielen Irrlümer aller jener, die sich bis nun mit dieser Braue befaßten, sind hauptsächlich dem Umstande zuzuschre * bcn. daß man zwei von einander völlig verschicdene Begriffe mit einander verwechselte, nämlich die von Juden betriebene Kunst und die jüdische Kunst. Ein von einem jüdischen Künstler aus* 1 geführtes Kunstwerk gehört zu dem künstleri' i sehen Vermögen unserer Rasse. ins<%ra j Iigenst•haften aufweist, die nur einer im!1 ׳» י . Seele zukommen. oder mit anderen Worten, in i kann nur jene Werke als jüdische Kunstwe.A• bezeichnen die, von unseren Stammesgciu»* « ausgefülirt, die Gefühle, die Leidenschaften, 0 י tatsächliche mit der ganzen jüdischen Seck• .!׳.־*• gedrückte Leben unseres Volkes durstelleu. Außerdem hat man ott iene Werke jüdische Kunst zu bezeichnen erachtet, die S nett aus der indischen Geschichte, jüdi-vv.e Typen, jüdisches Familienleben usw. darMeln;! Aber auch ilas ist ein Irrtum; Wenn auch a« Jude eines der genannten Sujets malt, so dui.ic das betreffende Werk denn doch nicht zur juu< sehen Kunst gerechnet werden, wenn der dai/u* stellende Gegenstand nicht einem indischen < wissen, einer jüdischen Seele entstammte. i< •׳ habe meine Ideen hierüber wiederholen 1m0'< *• um ein fiir allemal Alles an den rechten Pia■׳ zu setzen.“ ״Möchten Sie mir einige Beispiele zur Hin• strierung Ihrer Andeutungen anfuliten?“ ״Recht gern! Nach meinem bescheidenen Dafürhalten ist das Meisterwerk jüdischer Kun.a. piir exccllence, das berühmte Gemälde ״Ben Anti", oder wie es holländisch heißt ״de Zoo!» van het onde Volk“, d. h. ״Der Sohn des alten