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Jüdische Rundschau · 1910-06-03 · Heft 22 (3.6.1910) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XV (1910)
Issue
Heft 22 (3.6.1910)
Date
1910-06-03
Page
– (sequence 3)
Language
German
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No. 22. JUED ISCHE RUNDSCHAU Seite 259. hau «־eil*, wie tutciulltcli viel Leides diese beiden Oeisieslieroeii dem Judeutiinie getan haben. Aber das Unjiidische in ihrem Wesen atifztizcigcn, ist Auf• jsabe der Geschichte. nicht der Tngespoliiik. l.ilclier• lieh wäre es. die wissenschaftlichen Verdienste eines Spinor•• ui d eines Abraham (]einer hcrabztnnindcrn. jkhl.ieenswert aber für nns ist. daH sich in den beiden l'.its.ichen. in der einen wie der anderen, ein licist der Assimilation geltend macht, den wir zum mindesten in unseren Reihen nicht erwarten sollten mnl auf den darum einmal mit aller Ofienheit und <clü1ie!»(״gewiesen werden muH. Gewill ist der Zionismus die Rückkehr zum Ju>!c.1:1hm. gewill ist aiiziierhcniien, mit welcher He• jjeisteruue jüdische Studenten wieder begonnen li.il'C'i. sRh יייי* der iiidischen Geschichte, der (lcoer.iplite l'.il.isiinas. der hebräischen Sprache bekannt?״ ni.icheii. die sozialen und kiilturollen Verhältnisse dci J!ulciilicii zu studieren. Aber, im Hrust, genügt li.is'.•׳ Rennt etwa der Diirchsclmitisjndc mehr voll Manu.׳::ides als seinen Namen, höchstens noch Ciehiuts• und I odesiahr i Wie viele lesen denn im l'rtcM Jelmda Halevis Oedichte? Khuehi. Ilm Ksra, Lu/.nto. wer hat sich mit ihnen beschäftigt? Bc• steh: trnn die jüdische (lcscliichte aus Namen und J.duwuhlcu? Was nützt es z,u wissen. daH in dem in.J!.!!ו Jahre so und so viele Märtyrer bluten 111111•.. «ciiu ich das nicht kenne, wofür sie star* I ki 1ul die hebräische Sprache] l!s ist eine Br- : K'ia׳1•■ .׳c. der mau absolut ohne Erklärung gegen* j iih.'is:, In. daii Leute, die sich jahrelang ehrlich und mc:! .11 indischen Dingen beschäftigen, von! ecm .:.»sisehen Buche hebräischer Sprache und j1;,ii', :.er Kultur, niemals etwas gelesen haben! \\:!-• k 'imen denn neben ihren deiitsehcn. Iran- /־.'״ englischen (ledichteii, auch nur .10• ר I’sal• ׳ tien Wie viele haben dem! vielleicht von cinl- | gen K. i'tuln Jesaias und leremi.is abgesehen — un- . •u. 1־ e ich je gelesen? Und wie wenige haben!!),1.11•:;.;. .;ו versucht, in die Oe danken weit u׳u' >/eu. Arnos usvv. sich h i 11 c i 11 z» l c h c 1»? bt .״ו: ■י.In bcseh.imeiid. dal( die meisten von uns den . '.icheii der christlichen Theologen, stets Jas ,du Lv.uiient aui Kosten ihrer Religion herabzu• sct/i,. .:1'M'iiU waffenlos gcgcitüliei stehen. ist das in..: ’."Minlatioii?! Weder eine Vorlesung li'c! Lage der iiitiisciien Kolonien, noch eine ki l.a u Her amerikanischen Ghetti kann uns d..!'!er befriedigen, und der Gesuch von Agi- N.iiniultingeii kann kein Menschenleben aus• iilki : .'!i.dli die bange, initiier wiederholte Frage ei 1 .... L nisten*. Was sollen wir tim? Und die .1 diese Frage ist: Beschäftigt euch weiter : ’.*׳׳.: n't!»lagen, aber uitt dem Bcwulltscin. U a It J es . 1 .. nur cm Anfang war. Zuruck ן zur , v. cii Kultur! Freilich nicht zu dem, was ן i.v: ..!:.11111 so nennt. I>ie sogenannte jüdische Kn!:!., kr ..liingjudeir ist ja weiter nichts als 1111•; seit 1 ■ •:Mische Knlutr. Wort für Wort ins hebräi• Sv he (set/.t. (in tes imu Fcislechles sklaviscli Uber- , :.1!!•׳..V11 l>:c w csteiironäisciieu Zionisten haben es 1 vi : 1;..:1g. die moderne Kultur, die sie im Urtext!.eun.11. :,.׳eii einmal aufgewürmt in der Uebcrset/umg n gM.11s.11. Was wir aber notig haben, ist, zu den gu'i• •1 (1! lern iimeier Almen zuriiekzukcliren. Wen .1 /!im Bewnlitseni dessen gekommen sind. 1 1; .1» Volk sind, brauchen wir nicht aufz.u• tt . . Volk der Kilnk zu sein und zu bleiben, (1ii's - I I ben t־in/.ucln1u׳c11. Schon damals, vor , unmialir 21 lalircii. lernte ich sie kennen und | wai ווי י ihrer \Vißbc1׳iertlc, von ihrer htlelli• * 1b.1iz und ihrem l >iß bezaubert- Die Unter* i l'aluii:;: mit dieser noUbeirnadctcn Dichterin gej hört zu den schönsten Enuncrunuen meines 1.0• | K*11s In ihrer Bescheidenheit schien sie immer | bii d u andern lernen zu wollen, ohne zu ahnen,! (iah 1c die l ehrende war. i•ל war ihr heiliger Ernst um die Beschrci• (u״u dys iiidischen Lebens. Durch reiche Le- I k*;1'. mul Weherfahrunu׳ tfeistij׳ gerüstet, wailin• sie sich reine!:mpfänglichkeit mit fiir Dliiv mul lk'lelmuur, fiir erhebende, erweckende ywl.ü-kni. Das iiidische!.eben schildern! Mit Sentuucntalitätcn. die vielleicht einigen Empfind• sa1m.11 Tränen entlocken, ist cs hier nicht getan, mäii muß einen für (las innere Leben geschärt• ,‘חי i•lit k haben. Or/sozka war Realistiit nnd me.ili'im zugleich. Sie beobachtete scharf und Wnati, sie schilderte, wie sie gesehen, und zulileicii verstand sic cs. den Leser emporzutragen «her die Entre und Beschränktheit der Alltags- Interessen, über die Oedc und Leere des Skcp*!'rtsimts und Materialismus zu einer höheren, idealen Welt- und Lebensbetrachtung. ״Dein Leben werde ein volles und reiches Mühen nach vollendestem Wissen, nach innigerem Glauben, nach sittlicherem Wandel. Setze dir hochtra• . eine Aufgabe, an der ieder einzelne zu arbeiten Gc• I legcnhcit hat, und eine unendliche Aufgabe dazu. Hs ist der grolle üedtmkc des Judentums, duf! ethische Gesinnung nicht durch gelehrte Theorien, sondern durch praktische Taten, nicht durch Moral• predigten, sondern durch Gcsctz.c erzeugt wird. Wie oft inan auch von Paulus bis zu Abraham Geiger in der Theorie die Nichtigkeit des ,.gesetzlichen For* melkraius" bewiesen 11:11. in Wahrheit war cs dies geschmähte und gelästerte Gesetz, das die Juden nicht nur ei halten, sondern mich geistigund sittlich gesund erhalten hat; das zu allen Zeiten dio Juden (111er ihre Umgebung eine Stufe emporhob. i'in Volk, das stell zum Ziel setzt, ein Reich von Priestern und ein heiliges Volk zu sein, ist auscr• ן wählt, d. It. es hat mehr und höhere Pflichten als die anderen Völker. Wie es Assimilation war, uns unsere iiidischen Namen rauben zu lassen, so war cs ein Verleugnen der iiidischen Ligenart, das jüdische Gesetz, mir als ״Aeullerliehkcit", als ״Last" zu entpfinden, nicht als das. was es uns Juden immer gcwesen war, die Betätigung nrtscrcsJuücntu ms im!.eben. Vergessen w׳ir nicht, dal! wir an liircz.cnbergs Juden nicht mir Gesicht und Bart, sondem auch Taliis und Tcftillim als jüdisch empfinden. Wer in dem Gesetze des Judentums nichts als eine religiöse l'ormeuwcU" sieht, die man mit dem modernen bmnfimleu als überflüssig und ver• ultet abzuslreifen hak der 11.11 nie ״In dem Apfel der Krkemunir. gebissen", er hat den geistigen OclMlt dieser ״Pormcu" nicht erkannt. Mag er noch so siel jüdische Geschichte und hebräische Sprache ge• trieben haben, der volle Sinn des Judentums ist ihm nie ganz und ungeteilt zum klaren Bcwulltscin gc•!.online״. Man mul'• die Geschichte unserer Ahnen mit ln 11 len. um zu wissen, was Judentum ist. Man hat gegen die Gebundenheit des jüdischen Gesetzes die!־rcilicit ausgcspielt. Aber ..es ist einer Her tiefsten Widersprüche des Daseins der Aul• Klärung ein Aergernis dalt die menschliche Seele ans gewisveii Gebundenheiten das Geinlil einer Be• reielicruug. einer Ikireiung des inneren Lebens schöpft." ״Wie das Feuer mir belebend wirkt, wenn es in enger Hut gehalten wird, so kann man der Weite der Idee unbeirrt und imz.crfasert mir leben, wenn man den tiefsten Bindungen der Seele sieb iiuigibt." .,In dieser Gebumlcuheit. die wir nicht als Fessel empfinden, die in sich Gefühle des Wachslums. der Freiheit, der Kraft entfaltet, brauchen wir nicht ängstlich zu sein, dal! wir uns ins Uncrmcßliehe verlieren könnten." Mag m.m das imiucrliin mvstiscli nciiiicu. wenn I nur die Wirkmigcn klar und sichtbar sind, und sic ■ sind cs. Und trotzdem will ״um das Gesetz, nicht!1.11• teil. Weshalb? Weil man sein Ziel nicht mehr will,; mul das ist der K c r n p 1111 k t der Assimilation. Mau will sieb dem ihtteiigeseiz. fugen, soweit Straf• gest/iiuch und Konvention cs verlangen, darüber hinaus zu wollen, ist 11 ווו וו o d c r 11. w enn cs auch oder vielleicht, weil es jüdisch ist. Nicht das ist das schlimme, dalt wir schlecht sind, sondern dal! wir nicht den Willen haben, besser zu werden. M a n r 1i 11 m t sich des alten jüdischen Adels, aticr die Pflichten des Adels lehnt man ab. Freilich, dann ist das jüdische Gesetz, das uns zu Adelsmcnseheu machen will, wirklieh leere f orm, unnütz, überflüssig; wir können die gciitle Pfeiler! Hollem strebe der Mensch nach, j zu Vorbildern erwähle er sich uroile Menschen,! Träk'cr heiliger Ideen!“ Sowohl in ״Kräftige Samen“, wie in den ״Riiujen“ (01׳niwa) verherrlichte Orzeszko das iiidische Haus, die altväterliche, jüdische Haus• lichkeit in ihrer Einfachheit. Einigkeit und lnnigkeit. In diesen Schilderungen reiht sich j Perle an Perle. Von gleicher Kraft und Originalität, aber geradezu von prophetischer 1 ioheit und hinreißender Macht sind die Schilderungen der leidenden, unschuldig leidenden jüdischen Armut. Orzeszko führt den erhebenden, alle trüben Erfahrungen der letzten lahr/elmte aufhellenden, alle dunklen Gestalten der Gegen* wart überstrahlenden Gedanken aas: Der größte Hcr/cnsadel und der größte Gedankenreichtum ist unter den armen luden zu finden! Die Alten haben das Seliriltwort ״bewcgend die Lippen der Schlummernden“ (Holl. Lied 7. 10) in ihrer Art auf das Eortwirkcn der!•;dien und Weiset] gedeutet. ״Sobald man ihre Lehren wiederholt, bewegen stell ihre Lippeil im Grabe.“ So mögen denn auch die Lippen dieser Entschlafenen, die eine Edle und Weise war. in ihren hinterlassenen Worten fort* wirken, sich bewegen und ihr Wort, das so gediegen, so tief, so weise war. nicht aufhören zu , viele Zeit, die cs uns kostet, besser und amüsanter verbringen.! Ls ist mieligertidc ein Dogma geworden, dafl i das jüdische Gesetz ״nur national“ sei. und dal! ״wir“ [ cs darum nicht mehr nötig hätten. Man hat das! kritiklos von Geiger, Holdheim und anderen Rcformern übernommen. Man hätte sich doch auch einmal trugen sollen, ob nicht auch die, die dem j Gebiete noch andere Seiten nbgewlnnen, etwas ן von der Sache verstehen. Mit Vorurteilen zu ן brechen ist keine Schande. Und selbst — oder erst 1 recht -- w׳cnn dem so wäre: auch das nationale Be- I wulttscin will durch Taten, nicht durch Worte bei wiesen werden. Aul die Gelahr hin, iür banal er- 1 klärt zu werden, will icl» Beispiele aus dem alltäg-! liehen Leben bringen: Wenn ihr. jüdische Stu- ן deuten, in eine fremde Stadt kommt, und in das erste beste Hotel geht, um in nichtjüdischcr Umgebung zu leben and zu speisen, dann verleugnet , ihr unhewuHt und ohne cs zu wollen eure Nation. 1 Wenn ihr aber das indische Restaurant aufsucht —; es ist vielleicht primitiver als das andere. dann bleibt ihr in jüdischem Milieu, seid unter Juden, und; ci haltet euch dem jüdischen Volke. Wenn ihr. zio- : mstisebe Litern, einen Scder gebt, eine Laubhütte baut, die ClianukaMiclitei entzündet, dann gebt ihr euren Kindern für ihr ganzes Leben jüdische Lrinne• ’ rungen mit. I.nlit sic das Arha kanfot tragen, dal! i sie als süd/.e Juden nicht jedem uniüdischcn Gelüste, das in ihrer Brust enmorsteigt, Jedem fremden Brauch, den sic sehen, willenlos folgen. ־־ Mit einen! 1 Worte ״werft euch nur ruhig in die religiöse Formen- I weit hinein" ein Todessprung ist es nicht. Die westeuropäischen Zionisten sind auf den Weg zur Rückkehr, mau soll die Rückkehr zum Judentum nicht leichtsinnig mifhalicn. ״Alte Formen und Zcremomc:1 müssen wieder eingeführt werden, wenn sie an sich schön oder kraftvoll, wenn sie uns eine Idee repräsentieren, selilicn'ich wenn sie nur dazu dienen, unser״ Gottesdienst als spezifisch indisch auszu- /Helmen" s.igU: km/lieh Dr. Magues, Prediger am Rcfornitempil Lmanual in New-York. Aus dem Munde eines Mannes, dem man tlieo• logische Voreingenommenheit nicht Zutrauen wird, aus dem Munde unseres Präsidenten klang uns noch ganz vor kurzem ein echt jüdisches Wort entgegen: יעי א* ואירייהא הך הוא Israel und seine Lehre sind eine Hinhcit. Dadurch, dal! wir Nationaljuden sind, gehen wir kein Tilelchcn von unseren Menschlieitsi.lealen aut. Das indische Volk darf und soll der Träger groltcr. universeller Ideen bleiben. miJ wer das die Mission des Judentums nennt, den sollten Zionisten am wenigsten schelten. Wogegen lier Zionismus sieh stets mit Recht gewandt hat. das ist die törichte Forderung an alle, mir nicht an sich seihst zu denken, mens sann in corpore sano. Der Körper des Judentums muH gesund werden. das Ziel iles Zionismus, dann wird auch das Geistesleben des Judentums, wird die Lelire des Jadentunis sich zu ungeahnter Höhe entfalten. R. L. Die Fortsetzung des Artikels: ״Kgyptc.1 und seine Bedeutung für den Z i o n i s tu u s" von Dr. H. O. He y m a n ח imiiUe wegen Raummangel zu* liiekgestelli werden. Die Redaktion. den Menschen zu reden, nachdem der Mund jjar zu früh Beschlossen, die secenspcndende Leder gar zu früh ucbrochen wurde.“ Gcdankcnsplillcr aus Hess’ ״Rom und Jerusalem“ Das Judentum ist keine passive Religion, sondern eine aktive Lrkcnntnis, welche mit der jüdischen Nationalität organisch verwachsen ist. Das Judentum ist vor allen Dingen eine Nationalität, deren Geschichte. Jahrtausende überdauernd, mit jener der Menschheit Hand in Hand geht, eine Nation, die schon einmal das geistige Regeneration*- organ der sozialen Welt war und welche heute, nachdem der VcrjüngungsprozcH der weltgeschichtlichen Kulturvölker seiner Vollendung entgegenreift, mit der Wiedergeburt derselben ihre eigene Auferstehung feiert. Die (kirchliche) Reform im Judentum criolgtc erst, nachdem das moderne!.eben das mittelaltcrliehe Judentum bereits untergraben, von seinem Lebensborn abgegraben hatte: sic konnte den von seiner Wurzel abgetrennten Stamm nur als Bauholz benutzen zur Ausschmückung ihrer sonst nichts Jüdisches mehr bietenden Tempel.

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