Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XV (1910)
- Issue
- Heft 21 (27.5.1910)
- Date
- 1910-05-27
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 2י(). I UI• ח I SCH 1: RUNDSCHAU s,mutten. Diese Chowcwe-Zion sind sehr wohl von jenen Halli/.ionisten zn!mterschcideu, die sich erst!,»•wohnen n.inHen, als .Inden Kellen zu wollen. Wir Cliowe'veV.ion wollleu das ganze Ziel des Zionismus, die Umwertung alles Jüdischen und aller Kultur in jüdisch-nationale Kuliurwerte, aber uns fehlte d'c «rolle ()1«a1ü.saii011, und darum die auf ihr beruhende Kror>/i1«iKC politisch nationale Arbeit. Darum fügten w ir uns trotz mnneher Abweichungen in der Methode, vor allem im Hinblick auf die praktische Ai beit im l.amle Israel, Willi« der Leitung .des gro• ben Mannes, und ertrugen es «ent. wuut wir als ..herzliaucr" von llalbzionisten bekämpft wurden, denen wir später nicht Herz.l־do«1uatlsch «emur sein konnten. Was die Organisation schuf, war ein/i« lierz.ls «rolle Persönlichkeit. Der «rolle, aufrechte Mann mit dem prophetischen Selbstvertrauen war der «e- «ebene Liihrer. Lr war cs selbstverständlich. L.r w ar cs für sich, er war es für uns. Ilr verkörperte uns die jüdische l'.lire mul die jüdische Selninhcit, Seine Klu«l1cil wai ein Iah. Seine Diplomatie olaie Hintertüren. 111 kanate kein Lalsch und war des• hall) kein Menschenkenner. Dadurch verschaffte er sielt manche (ievtnerscliaft, wo es im Interesse oer Sache besser gewesen wäre, dall er «erado dort seine beste l1'־ eniulselu*.ft, seine unbediiigtimteu An• linugcr «eliabt hatte. Seme Orölle war der unbeti«• samv Wille /um Ziele. Dieser sein starker Wille einte uns. Durch ihn schuf er Kongreß mul Partei, durch ihn das wollende Volk. Dieser Wille beruhte am seinem prophetischen Selbstvertrauen, auf seiner Zielsicherheit." <K Dr. Ad. ITIcdcmmui will in seinem Artikel ״Wie ich ihn sah", ״uiclii vom Politiker ml er Dieliler llerzl reden, sondern vom Mumie, der sich als Mensch cmnfaml." ״Al)«esehcu von seinem höchst eindrucksvollen Aciißein waren es zwei lUeeuscliaflen, die ibn dein '׳olke nuliebraeliien: die «rolle Seelen«.ite semes 1 Wesens, die 1111׳ mit intuitiver Schürfe alle geistigen | und 11 וייי»v1 liehen Bcditrlnisse der Menge wie!einer Nächsten empfinden lieh, und das unKchcnrc Ver• fil1chutn«:svrvfPhi das ihn oft z.u verz.euren drohte und dann mit elementarer Wucht /.um Ausdruck kam." ..Ich erinnere mich, dall llerzl daheim bei Tische sali nach stuudvnlaiiKcn Verl1a1Kllun«en, als der Rabbiner eines winzigen 11n«arisel1eu Stadt• clieus «enieUIct wurde. Man bat llerzl, bei dem sieh damals schon bedenkliche Anzeichen des Herzleidens /ciuteii, eien Mann zu «elcKcnerer Zeit w icderkoni• men zu lassem 111׳ erwidertet ..Der arme Touiel icist 10 Standen, mn ni>11 ■׳ zu sprechen, und ich soll ihn «olieii hissen, um rnl.i« Mitta« zu essen?" Darauf «in« er hinaus und soraeh dreiviertel Stunden mit dem Aiihoiuinliii.׳. nach deren Verlauf er s.» völlig »rsehöpft war. dall er kaum etwas genießen k,,111110. Oft «cmi« sprach er nach Debatten, in denen er mall• los an«e«riiion und umtcreeht behände!! worden vor, in der heizgewmnenilsleii Weise mit seinen üegnern. Das war iht’i sell'stverstäitdli.'lt. weil er auch in den schönsten Auuriffen niemals den Ton echter I iebe zum Judentum und Paliistirut iiher* holte."!1 Dr. .Iiillus Moses schreibt in seinem Artikel .,Theodor llerzl mid der Zionismus in Deutschland": ״Und doeli scheint cs manchmal hei 'Luacntuiig der I1euti«cn Verniiltuisse der deutschen zionistischen Landsmannschaft, als ob vieles von den l'.mmgcti• schatten, die wir der steten Lilhluiignahmc mit llerzl verdankten, die wir erzielten, indem wir die He«eistcrnn«. die von seiner herrlichen Persönlich• keit ntiMtin«, wieder auf andere ausstrdmn n, ver* lorett gegangen sei. Die deutsche Landsmannschaft ist vor allem nicht mehr die «eschlosscnc. «nt dis• ziplinierte Truppe von ehedem. Die letzten Kon- «resse sahen eine in sieh m1ei11i«c. schwer ztisain• mciiz.uhaltende und sieh in heftigen Wortgcplünkeln aufreibende deutsche Landsmannschaft. Welche Ur* sichen seit dem Tod׳• llorzls diese Aendcruug her• heigcfiilin haben, soll liier nicht erörtert werden. Wir bähen cs sicher nicht verstanden, unter deu veränderten Zeitläuften unsere innere deutsche Or- «anisation so lest z.iisaniineiizuliallen, wie cs im In• teresse unseres Ansehens innerhall) der Oesamtor- «anisation wünschenswert «ewesen wäre. Aber schon der oberflächliche Kenner der zionistischen Verhältnisse in Deutschland wird sagen müssen, dali ein Mißverhältnis bestellt zwischen diesem Ycihal• ten der deutschen Landsmannschaft auf den Kon• «ressen und »Igr rührigen Tiui«keit der deutschen Zionisten auf allen (lebieteii zionistischen Schaffens. Wir dürfen, ohne unbescheiden zu sein, sa«cn: Wir haben ein vortreff'ichcs Menschenmaterial und einen vorzüglichen Nachwuchs. Wir haben an allen neuen Auf«aben der Or«anisation, so an den prak• tischen Arbeiten in Palästina, nach besten Kräften mitgowirkt. Daraus schöpfen wir die Honnuug, daß wir wieder einrüeken werden in die zentrni-• Siel• lim«, die wir unter llerzl ein«cnom1nen haben. Sein (ieist ist so lehemli« unter uns. daß er itieii der dem• selten Or«anlsali011 wieder einen frischen Hauch ein- «eben wird. Wir können deu .schweren i'.rimierungsla« nicht wiirdi«cr beuchen, als daß wir;lic den Vorsatz in uns reifen lassen, unsere Reihen wieder dichter zu schließen und einträehti« zusan men/.u• marschieren, auf daß w ir helfen, das jüdische Volk dem Ziele iiülierzitbringcii. das ihm sein Held und I iebl'nic «esleckl hat." Dies nur cini«c!,׳oben aus der tber (׳() Seilen starken Nummer, die außerdem llcitrüge einer «roßen Reihe unserer bekanntesten (lesinnungsgenossen so• wie anderer namhafter Autoren enthält. * N! H־ Auch das ״ISeiliner Tageblatt" hat des fünfz.i«• steil Cjeh11rtsta«es Theodor llerzls «edacltt, was wir «ewill mit Lietide be«riincn. Aber man höre, in welcher Weise. 111 der SuimabemLAbemlausgabe steht im ״l'eiiilletoii“ unter dem Strich fol«endc Notiz: Zur Lriiincriiug au Theodor llerzl. Dcrliucr Lrcmidc mul Verehrer Theodor llerzls wollen mor• «en mitta« in der Philharmonie das Andenken dieses früh Verstorben׳:!! feiern, der jetzt fünf■ zig .1 a 11 r e all «»•worden wäre. Wie es scheint, soll diese l'eier li.mpts.ieiilieli dem Mitbegründer des Zionismus, dem Leiter der zionistischen Hewccnii« «eiten, und tatsächlich hat llerzl ja in seinen letzten Jahren nur noch für diese Ucwe«un« «eicht. Aber dieienigi n. die sich mit dem nati״• iialistisclieii Cltar iktcr des Zionismus nicht zn bcfreunden veiiimgen. ilürien an diesem Ta«e wohl daran erinnern, welch* ein fci11siuui«cr Scliriftstellei. welch* ein formgewandter. durch und durch kimstleriseher l'ciiilleloiusl Theodor llerzl ahseits von seinem zionistischen Wirken war. Hr war vor allem bekannt geworden durch die witzi• «en M111״a«sfe11illet11״N, die er unter dem Ucsamt• titel ..Reise tun die Woche" für das ,.Herliner Taucblatt" schrieb, und sein Ruf l>efesti«te sielt, als er daun, als Pariser Korresuondent der Wiener ,.Neuen l’ieien Presse", in «ei.MVollcn mul sor«• sat'i abgerundeten Peuilletoits von seinen Pariser liüutnickeii sprach. Lr «au seine Lctiilleions auch in mehreren Händen heraus, mul besonders sein Hiicli über!las Palais ll'mrl'oii ist reich an kiu«cn I ie״bachiun«e11 and ausgezeichnet, durch die Lein• heit des Stils. In Paris hat er. im Verkehr mit Mas Nordati. daun auch die Idee zur l'.ittleitun« der zionistischen Hewcmiii׳ «»:fallt, und als er nach Wien ׳/iiriickeekelirt war. widmete er sieh fast «anz dieser A«itati״n. Neben den AnhüiiKcrn dieser Idee bewahren ihm seine Lremulc ans der ersten Periode seines Schaffens eine warme Zr• iiiuermi« als ciiP‘111 Manne, der die Kunst 1md das Lchcu ernst nahm und allzu fritit aus ein» m heweuten Dasein schied. Wir «eilen kaum f»:11l, wenn wir in »lern Autor der Notiz. Theodor Wolff, den Chefredakteur des ״H. T." z.u erkennen Klauben. Aber es ist doch iiicrkwürdi«, daß Herz! trotz seiner Hcdeimm« für das Lenilleton, die wir zu allerletzt verkeimen — in einer Zeitim« wie dein ,.Herlincr Ta«chlatt" Keine andere Würdigung finden konnte als eine Lciiillcimuintiz. Das ist am L.mlc auch, al׳«csel1eu von anderem, ein hiltchcn undankbar. . . . Zeitungsenten Das ..llamhur«cr Israelitische LamilienblaU“ hrin«t in No. 211 vom PT Mai L>l(t f״l«endc Notiz: ..in 1' a 1 a s t i 11 a hc«inut eine moslemische Hetze «e«e11 den Zionismus mid die Judennnmi- «ration. 1111 Lande zirkuliert eine von moslemischen Notahlen der Stadt Jaffa unterzeiclmete Proklamation folgcml-.Pi Inhalts: Zionismus und Judeuimmi«ration bedrohe« die Unw.rcltt und den b’iicdcu Syriens \md Palästinas, ln jiin«ster Zeit sind iicimluiiidertlauseiid Israeliten ein«cwundert. Kaum befreit vom Joche des Absolutismus wird die Türkei das Opfer der Aspirationen der Zionisten, die unter der Form livpollicknrisclicr Darlehen sich moslemischer (hini mul Leider I»cn1äehti«e11. Die Verantwortiin« trifft die K’c«ierun«. ITt'olgt nicht eine Lindümmung der J1Kle1ümmi«rati011. so dreht dem Lande ein «tolles UiiKlüek." I lieiv.u .erhalten wir von unserem Kniisluntinopler Korrespondenten fol«ende a u 111 e n t i s c h c Nachrieht: ״Unter den christlichen Arabern in Palästina iiiaciit sieh in letzter Zeit eine antisemitische Bewegung bemerkbar, deren Sprachrohr das in Haifa erseheiiiendc nrabisclie Hlatt ״K a r 111 c I" ist. Diese I iet/.clcmente verbreiten L il« c 1111t ä r c n iiher eine an«eblielt imKclieurc Masseneinwanderun« von Juden nacti Palästina, In letzter Zeit sollen da• nach hunderttausend jüdische liinwanderer in Pa• lästina ein«etroffen sein! Dem ״Ikdarn" «in« aus Nazareth folgender Alarntruf telegraphisch zu: ״Die «rofie Zahl der jüdischen Immigranten, die aus dem Auslände in unsere Ue«end «ekotiuiieii sinu. er• regt in uns die Helürehtim« einer «rollen politischen mul ,wirtschaftlichen (icfalir. Hislier war cs ihnen ver holen, sich hier nieder׳zulassen. I •1« Ze 11 u!1« e n Iiehatiptcn einstimmi«. daß die Zionisten ״ns unseren Hesitz nehmen wollen, und dieses Hesirchcn de! Zionisten ist fnr uns eine Lra«e von Lehen mul T••: Wir lenken auf diese Au«elc«enheit die Aufmerks.011• keit der Re«ierun«skrcise." Das antisemitisch, Hlatt ״La T u r n 11 i e". ein Or«;m französische׳ Chauvinisten, «nll diese I >e111111zlat1״n aui mul l»e nutzte diese (ielc«enhe1l zu Iteftiuen Ausfallen «ege:, die Juden. Der JcuncTurc". der die Vci I o « v 11 heit der antisemitischen Hetze! i.ufdeckt und auf (•rund «enattcr Angabe, nachw ies, daß im «an/en verflossenen Jahre in! 2(1()0 Juden nach Palästina gekommen sind, entsaiul:« einen Vertreter zum Minister des Innern Tal;!, Hey. um ihn nach seiner Meinung über die Mitte• hin« aus Nazareth :11.׳ l׳cfra«et1. Der Minister er m ä e 11 t i « t ׳.׳ darauf dieses Hlatt zur l 'estMellun daß die Regierung keinerlei Nadir ich! ״he. eine jüdische Masseneinv. anderiin« in Nazareth un Umgegend erhalten hat. ״Diese Mitteilung so s.!«le »ler Mmist» ist mir a 11 f R e e h n u n K e u ein/, einer / setz, e 11, d i e i m Truhen fischen \v ״ I I e n . u 1. sie ist vollkoimnen (»•iiilui/liis**. Der ״L1־n 'I 11 r c" reißt bei dieser < 1elege11b.1־t v׳>n ״La Tu. 1111 ו c" die heuchlerische Maske herunter und dcc, endgültig und imwiderleglicii die. sagen wir fr.•■, würdigen HczicluuiKcii auf, »lic zwisclicu ״I T 111!11 ן i e" und dem t 11!. ו / ö s i s c 11 e 11 Intel c s s e n t e n k r e i s bestellen. I’s ist 1ms einfach imvcrständlieli. wie ein j u d . sc 11 es Hlatt es fertig bnngt, eine »lei artige T .י . tarcimacln iclit zu verbreiten. Wir dürfen d.. eigentlich von einer .,jüdischen" ZeUscliiäf: » warten, daß es seine luiorniatioiieu iiielit nur .!;. a n t i s e m 11 i s e 11 e 11 (,hießen he zieht?! :: AUS ALL6R W€LT :: Deutschland Auf dem zweiten Parteitag »lei Demokratischen Vereinigung in Ki׳ln a. Rh. wurde «nie Resolut!••: angenommen, in der den unterdrnckten 1'1 n 1. ländern »lic Sympathie des Parteitages ausgesprechen wurde. Daß die Herren Demokraten sioli auch der .111,1»; erinnert hätten, die ja auch unter »lern russisch»■!: (ivwaltrcgimeni seufz» 11, war bei »lein ״dem״׳ kratisclT.‘11" Sinn der - wohl zur Hallte indisch». : Teilnehmer natürlich nicht zu erwarten. Ru ss!und •yl* Die ,Indische llßiliiuusgesellscliait eröffnet!:! Wilna linde Juni S o m in e r k 1 ״ s e 1:!: j ii »lisch». I. eil rer. Das Lchrprograiiim unii.־•״ insbesondere die liehiete der Natur wissen• schäften, der Pädagogik tm»| der II» bratschen Lacher. Die '1 eiln.diuie .01 »!»■,: Kursen ist unentgeltlich: die heim fugen Tc!;■ iiehmcr soll.•11 dabei auch materiell unterstützt werden * i.lise v. Orjesz k»•, «ob. L.!w |owsk.!. d!, ly »len (ein! Me polnische Schriftstellerin ist. ös J.!iu, alt. 111 drndno gestorben. Sie hat «crn und im: \»rstamlnis das Lehen in der indisclien (lasse «c• ss bilden. Gngland (ielegentlieli einer kürzlich stattgel1.!(׳tcu \.ז• saiumliiiig »Ies Hoard of (juardi.uis in l.oiidnn 0.־ richtete der Präsident. Herr L. L, Cohen, da!; e: cm Sein eiben vom Privatsekretär »Ies Mmistei* inston Clinrehill erhalten habe. 111 dein »beser ״ui initieile, daß nunmehr die im Londoner I latengcs» 0 von 10(iS vorgesehene Hestiniiuuii« der Rrrichtuiis eines Asyls für L. i n w a 11 »I e r e r in Kraft treui solle. Der Minister des Inneren halte es tur i.its.on dal! 11.׳r jüdische Hoar»l of (iuardi.uis in diesem Komitee vertreten sei. Der Präsident Italic den Staatssekretär für »liese Heriicksicliligim« »ler Is’elirnseiitaiiteti der jüdischen Ucmcinde gedankt ui!,’■ ihm nntgeieilt, dal! ein geeigneter Vertreter für das Komitee ernannt werden wurde. Spanien *’^v1*״ \?r Kurzem ist ein von den hervorrageiui- '4lc1' J'*־**•‘***stellen» dieses Landes nntei/eichiiet.! Anpell an das spanische Volk erschienen. ..Die viitcrlandsloscn Spanier", »lic Juden, deren Vorfahren vormals soviel Scgenreiches f׳״ Spanien geleistet haben, zuriiekz.urufen. Was »las spanische Volk auf diesen Appell erwidern wird wissen wir noch nicht. Die ״vatcrlandsloscn Spanier“ aber haben die Antwort darauf bei ähnlichen trüberen Aufforderungen gegeben. Sie werden sich vom Lande der Inquisition für alle Zeilen {enthalten!