Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XV (1910)
- Issue
- Heft 21 (27.5.1910)
- Date
- 1910-05-27
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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I 41 ויי I! ז! 1 ן 1 1 t ו I t e 1 1 ו¬! יו » ז t E » II t r * n 1 א No. 21 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 247. den, Heifr.'lne mul andere Einnahmen für unsere Or• K.misution erwarten. Die Ilerausuabc und Verbreitung des Zionist!• «.dien Merkblattes, das sowohl ein vorzügliches Pro* 1*,1ganda1nittel als auch eine wesentliche Stärkung des Ansehens unserer Organisation, deren Macht- ,mild. Institutionen und organisatorischen üijiricli• ׳.angeu das Merkblatt zum ersten Mal der Ocffcnt• hel1kv.it vor Augen führt, wird erheblichere Unkosten ls irgend eine unserer bisherigen Broschüren ver- .isachcn. Weitere Ansprüche an unsere finanzielle 1 cisiuiigsfiihigkeit stellt das Projekt der Jugendzeit- -cliriit dar. Erst ganz allmählich wird es möglich cm die Unkosten durch Abonnements zu dcckon. \ni Inserate ist bei einer derartigen Zeitschrift nur ,1 allergeringstem Umfang zu rechnen. Anderercits ist die .lug'.'iid/eitsdirlft uuuiugüiigllch notwen-!g. wenn wir in Deutschland national-jüdisches eben verbreiten wollen. Stellt doch unsere Orgaisatiou. wie auch hier wieder hervorgehoben wer-;cii muß. nur die üullere Form für die Propaganda cs zionistischen Gedankens dar. Unsere Tätigkeit .,«וו sich nicht darin erschöpfen. Geld zu sammeln, >1 .׳r müssen vielmehr versuchen, insbesondere die ci.mwaelisende Jugend für unsere Idee zu gewinnen, :c ja nncrknnntcrmnlicn unsere ganze Stellung im (iischen!.eben fast aussehlielHich in unserem Ein- Mi; ,1111 die Jugend beruht. Die Hohe unserer Sammlungen für den NationaluJs und fiir andere palästinische Institutionen, der!!!.mg des Verkaufes von Aktien unserer Banken .(iisschlielUich abhängig von der Intensität des .;!!Mischen Lehens und damit von der Ausbreitung ־״*crer Organisation in Deutschland. Es wird uns .nials gelingen, aus Gründen der Wohltätigkeit ,ni.crc Summen für Palästina zu erhalten, wenn .׳! nicht ein national-jüdisches Milieu in Deutsch- . <;d zu schaffen vermögen. Nur überzeugte Antanver unserer Bewegung werden die Opferwillig- \m zeigen, die wir beanspruchen müssen. In den!(.!/teil Jahren sind durchschnittlich über M. 100000 .;! Deutschland für zionistische Zwecke cingcgangcn. :'!esc Summe erhöht sich mit jedem neu gewönne*; ••!! Zionisten, mit jeder neu gegründeten Ortsgruppe. Da■ scheinbar unserem Endziel so fernlicgcnde Pro- .ic.mdaarbeit zur Gründung neuer Ortsgruppen ist 11ml bleibt der direkte Weg zur Schaffung eines nhschcn Palästina. Berlin, im Mai 1910. D;. Ilantkc. Dr. Friede mann. Rcchtsan- > .111 0 r 0 n e m a n n. Dr. H e y m a n n. Dr. Jungci.iun. Dr. Le s;׳. y n s k y. Hermann Struck. Max W 011 s t e i n e r. Egypten und seine Bedeutung für den Zionismus Von Dr. Maris Uidcon llcymann. j (Vortrag gehalten am 9. Mai 1911) in der Berliner j Zionistischen Vereinigung.)! Egypten, das Wunderland des Niles und der י Pliaraonen ist in den letzten 30 Jahren der belieb- I teste Wiiiteraulentliait der europäischen und ameri- { knnischcn Oberklasse geworden, die in den grollen ' Hotclpalästcn Kairos und Obercgypicns nichts von dem gewohnten Luxus vermint, der die warme Sonne neue Lebenslust verleiht und die an den Denkmälcrn der aitegyptiselicn und arabischen Kultur, den Pyramiden, Tempeln und Moscheen ihren wisscnscliaftlichcn, antiquarischen und ästhetischen Neigungen Genüge um kann. Mit dem heutigen Leben Egyptens, seiner ansässigen Bevölkerung, j Europäern, Levantinern und Arabern, seinen Hoff- I innigen und Interessen kommt die große Masse der j winterlichen Zugvögel in keine Berührung, cs sei denn j mit Dragomaueii, Eseltreibern und Konsulatswasscn; { für sie ist die Vergangenheit Egyptens alles, die üc-! genwart des Landes nichts. Und doch ist gerade | das heutige Egypten, für jeden Gebildeten, der mit j offenen Augen sozialen Pünontcnen der Jetztzeit nachspürt, ein hoch interessantes StuJicnobjekt, ganz be-; sonders aber für denjenigen, der dem Problem kolo-! nisaiorischor Arbeit im Orient seine Aufmerksamkeit zugewandt bat. Von diesem Gesichtspunkt aus möchte ich Urnen im Nachfolgenden In kurzen Ziigcn erzählen, was ich in viernionatlieliem Aufenthalt in Egypten zu sehen und zu lernen Gelegenheit hatte, und ich bin überzeugt, daß Sie selbst aus näherem Studium der cgyptischcn Dinge f'ir Ihre zionistische Tätigkeit mannigfachen Vorteil ziehen werden. So die Anrcgnng zu erweiterter Kenntnis des Orients zu geben ist mein Zweck. Egypten im politischen Sinuc vom Parallclkreise Wadi Haifas an nördlich, vom Meridian von Siwa an westlich bis zur türkischen ürenze ist 930 000 qkm, also etwa l!l1 mal so groß wie das deutsche Reich; das eigentliche Egypten, das Niltal und Delta umfaßt 33.500 qkm, von denen noch rund 7500 qkm als Sümpfe, Seen und Wüste unbebaut sind, das gegenwärtig bebaute Land umfaßt somit nur rund 26 000 qkm, auf denen 1907 ll' i Millionen Menschen lebten, somit 430 Menschen auf dem Quadratkilometer, rund viermal soviel wie in Deutschland auf der gleichen Fläche. Es sind nicht die großen Städte Alexandrien und Kairo, die den Eindruck so außergewöhnlich dichter Besiedlung im Beschauer erwecken, cs ist vielmehr das flache Land. Bei uns in der Mark oder in Obcrbaycrn kann man oft eine Stunde und länger gehen, ohne einen Menschen auf den Land- Straßen zu bemerken. In Egypten sieht man ununtcrbroehen Züge von Kamelen und Eseln, begleitet von braunen Fellachen und kerzengerade gewachsenen Frauen, die Tonkrüge auf den Köpfen, an sich vorbeipassicren. Es ist ein Land voll wimmelnden Volkes, Und diese Volksmenge ist ein Ergebnis moderncr Zivilisation. Die Bevölkerung betrug, und ich bitte die enorme Steigerung zu beachten: 1X21 21•-• Millionen Menschen IMb 41- 1882 ö'4 1897 9Vi 1907 111« Sie hat sieh also!!ns sich heraus, denn Einwanderung und Auswanderung spielen hierbei keine Rolle, in 90 Jahren mehr als vervieriaelit. Als Vergleich dazu diene, daß Algerien, das iiordafrikanische Nachbarland, seine Bevölkerung seit der französischen Eroberung im Jahre 1830 von rund 2 auf rund 6 Millionen erhöht hat Die natürliche Zuwaclisratc der cgyptischcn Bevölkerung beträgt denn auch trotz enormer Kindersterblichkeit rund 2« jährlieh und ist damit immer noch um ,-׳׳I größer wie in Deutschland. Aber wie schon hervnrgdiobeii, die Bcvülkcriingsvermchrung ist ein Ergebnis des letzten Jahrbunderts, des europäischen Fortschritts. Zur Zeit der alten Pliaraonen war trotz, vieler Kriege Eg.vplen sehr volkreich; sie legten die größte Sorgfalt auf einen immer vollkommeneren Ausbau der Bewässermigswerkc. König Amcnemlict III von der 12. Dynastie etwa 2000 vor unserer Zeitrechnung baute den Moerissec zu einem ungeheuren Reservoir aus, das zu hohe Fluten des Niles aufnahm, um in Zeiten der Dü! re Wasser abzugeben. Die Wasser- Baukunst war aufs höchste entwickelt, wie überhaupt die technischen Leistungen des alten Egyptens bei der Primitivität ihrer Hilfsmittel fast unbegreiflich sind. Unter den Ptolemäern und Römern soll Egypten 12 Millionen Einwohner gehabt haben, und es scheint als wäre damals ein großer Teil des heule im Delta wüst liegenden Landes bebaut gewesen. Dann ging es abwärts. Die arabische Eroberung verstand es nicht, den Landfrieden aufrecht zu erhalten, die ewigen Fehden der mittelalterlichen Zeit ruinierten das Land und nahmen den Bauern die Arbeitslust: mangels vorsorglicher Regierung verkam das Bewässerungssystem, mehr und mehr Land fiel in wüsten Zustand. Die Mamcltikcnhcrrschufl seit der türkischen Eroberung 1517 war womöglich noch elender, da die Zentralgcwalt ganz verscliwunden war, und so finden wir zur Zeit der französischen Eroberung 1798 die Bevölkerung auf ihren fünften Teil reduziert. Seit der Zeit haben 80 Jahre lang die Frauzoscit und 30 Jahre lang die Engländer langsam modernen Geist und europäische Methoden in das Lund cingcfiihrt. Die Franzosen als Berater der jeweiligen Herrscher, mit großen Ideen und großen technischen Fähigkeiten, aber gehemmt auf Schritt und Tritt durch die Reibung',widerstände der orien* talisclien Vcrwaltnugsmaschincric und durch die Launen der einander folgenden Vizekönige haben die Grundlage gelegt, die Engländer seit 1882 als ununischränkte Herren, die befehlen konnten, wo die Franzosen überreden mußten, haben ihr Werk vollendet und großzügig ausgestaltet. Der Vergleich zwischen den Ergebnissen der Tätigkeit beider Völker beweist, weich ungeheuren Unterschied es in orientalischen Staaten macht, ob Neuerungen unter einheimischer oder unter europäischer Verwaltung cingcfiihrt werden und wie schwierig es ist, unter orientalischer Verwaltung wirklich zu reformieren. Ehe ich näher auf die Einzelheiten der Reformen cingelie, muß ich noch einige Worte über den Nil großes Raunen entfielen, und die alte Erde i'btc unter ihrem Gruß, und jegliches begra* eile, erstarrte und versagende Ding erhob sich :nd lauschte. Und die Stimmen riefen: ..Stehet auf, ihr clilafcndcn und ihr Verstümmelten, bereitet mich, denn euer Erlöser ist auf dem Wege!“ הלו erhob stell der ungeheure Leib der Erde 1׳ einem schweren Atemzug, und in dem einen ufatmen schüttelte sie den uralten Schlaf ab. hd ein jegliches Ding rief mit herzgeborenem Ion den Lebensruf aus, und war ein gew5ütiges '',;tuschen der Freude in der Nacht, und ein; Gichten war und ein geheimes großes Erheben 011 Schlucht zu Gipfel, und das versunkene Gut Hülm•. Schwert und Opfcrschalc. und die er- י abeiien Gewässer rauschten, und es kreiste <kr Saft des Kornes und der Rebe. Und die Viertle über den! alten Lande wuchsen in dieser Hauen Nacht der Erwartung. Der Baalschem schritt unverdrossen vorwäris, aber seine Helte und Freudigkeit war nicht bei ihm. Er blieb still und sann in sich, und wenn Rabbi Zcwi von dem wunderbaren Ziel ihrer Reise sprach, antwortete der Meister kaum anders, als mit einem verlorenen Seufzer. Denn er trug ein Ding auf seinem Herzen, das lastete sehr und wurde schwerer mit dem Wege. Das war die Gottesstininic, die vor der Selmsucht hatte verstummen müssen und nun gar stille schwieg, aber immerdar weilte und nicht von dem Herzen wich. Und zuweilen war dem Meister, als sei eines zarten Kindes heimlieh verhaltenes Weinen . in seiner Brust, und nachts war da manchesmal ganz inwendig ein Klagegctön ohne Wort, so tief und leidensvoll, das er erwachend in sich horchen und horchen mußte. Allein mit jedem Morgen trug er die wachsende Last weiter auf die Wanderschaft. So ließ er Stadt und Und hinter sieh, Vertrautes und Fremdes. Der Mond hatte schon zu mehreren Malen über ilun gcwechselt, als er nach eines Tages Irregehen des Abends an die Küste des Meeres kam, das ihn vom Ziele schied. Doch da war nicht Haus noch Stätte, so weit das Auge sah, kein Segel am Wasser, nur Strand, schimmernd und weit, der Wasserschlag am Sand und eine laue Nacht mit mildem Himmclslicht. Da warfen sie sich beide nieder zur Erde, die noch des vergangenen Tages Glut ausatmctc, zu ruhen und den Morgen zu erwarten, der sie zu Schiffern weisen würde. In der Mitte der Nacht fand der Meister sich mit dem Weggesellen auf hohem Meer in j einem kleinen Schiff ohne Ruder, nur ein Segel I über sich, flammend rot und gelb. Das Schiffj lein aber wurde von einem ungeheuren Sturm j hin und hergeworfen und ringsum war nicht ן Himmel noch Land zu sehen, nur Wasser in! aller Weite, entfesselt und heulend. Der Baalschein suchte um sich, aber da war nichts als j des Wassers tödliche Einsamkeit. E.r suchte in j sich, aber siehe, da war alles von ihm gewichen, alle Weisheit und alle Herrschaft. Da fühlte er eine Verlassenheit, die größer war als die Meeresnot. Er fand sich leer und bar in seiner Seele wie die hingeworfene Schale einer Frucht ohne Saft und Süße. Ein großes Weinen kam I über ihn, und sein Beben war stärker als das Rütteln des Sturmes. Dann warf er sich neb.u den Gefährten hin und wartete auf das Virgehen. Aber indem er lag, ein elend taube, Ding, tat sich ganz sacht eine Stimme auf und liub zu reden an, erst leise und heimlich, doch allgemach schwoll sie an und ward großmächtig und schlang das Toben des Meeres wie ein nichtiges Geräusch in ihren Schall. Und der Meister trank den I aut der Gottesstimme. Im Morgenzwielicht erhoben sich der Baalschcm und Rabbi Zewi.aus dem nassen Sand. Haar, Antlitz und Gewand waren ihnen durchnäßt, wie denen, die das Meer ans Ufer spült. }