Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XV (1910)
- Issue
- Heft 20 (20.5.1910)
- Date
- 1910-05-20
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 20. JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 239. UTCRARISCHe RUI1DSCHAU יז Palästinas Erdgeruch“ P.«* N«clt stellt von der richtigen Theorie aus il.iil uns die Religion Israels erst dann verständlich Wird. wenn wir sie Im Krollen semitischen Kulturkrcis belasse» und aus dem Boden Palästinas, in dem sic wut/i'h. nicht hcrausrcillcn. Es ist eine reizvolle Aiiieahe, das Erdreich zu untersuchen, aus dem so viele Erzählungen und Vorschriften der Bibel orgauiseh hcrvorgewachsc» sind; bei diesem Studium erhelle» sich manche Rätsel, und es fällt uns oft wie Selm,v'cn von den Augen. Darum sind die Analogien, die der Verfasser zu ziehen weiß, aullcrordcntlich anre .:viui. und wir sind ihm dankbar, selbst da, wo «1 •Ir *!t»11 flieht hntnfhVIifnM wir :am nicht bcipfliclitcn. Wir können dem Dämonismus in der israclitU sch. t Volksrcliglon, von dem im ersten Teile des die Rede ist, keine so grölte Rolle beimessen, Biu wie Bilv iwe'• SO!:.'. a 1!ז me:־ zur« nüi' wer uu. Cln fori; lies; (S. liier cr\' dar. Kai! k׳r Verfasser es will. Dali so vieles in der .111 die altkanaanäisclien Bräuche anklingt, ist Kein Beweis für eine kritiklose Uebernahme, rn erklärt sich als bewußte Oegenabwehr homöopathischem Weg c. Es ging .111. die alteingesessene Kultur des Landes aus- •״־: dazu war sic zu Übermächtig. Kanaa- 1e Sitten mullten darum von Israel adoptiert .11. aber sic wurden ethisch um ge wertet!ungestaltet, wie ja später auch das cmnm die germanische Mythologie trans- .a hat. סיג wird das im Passaliritus verordnet neheu der Schwellen und Türpfosten mit Blut 1'י richtig als Ersatz liir das ursprüngliche .!׳liehe Erstgeburtsopfer gedeutet. Das S. 16 nie Gebot der Pfosteninschrift kann m. E. : /»rückgeführt werden, daß die Einwohner יי:ו Oütterbilder und Amulette an die Türpfosten bcHM.ctcn; der Gedanke der Gegenaktion liegt klar zu i. sc: nicht die toten Götzen, sondern die Worte 0 : sollen Israels Häuser beschirmen. Ueberl!.«u : im in noch weit höherem Matte als cs dem Ver- U". bewußt sein kann, bei den zahlreichen Verzw . ..:til gen des jüdischen Lehens die semitische Ur- Ull CA d.e I. jh II ii.idizuwcisen. Gewiß ist auch die Vorschrift, ■enteil sollten die Worte Gottes ״zum Zeichen" ״i uihI Stirn legen (Tlicphillin) »lieht ״sym- ־ .im'/tifasscn. sondern durchaus konkret; cs I ein entsprechender heidnischer Brauch, der ine Gegenlmmllung paralysiert werden sollte, die vom Verf. erwähnte orientalische Sitte eiii.tiiliüufens an heiliger Stätte noch heute «1;e! r.iuressanten Ausläufer in der jüdischen Gepili c.;.he1i. beim Besuche des Ericdliofcs Steine auf da• ut.iber verehrter Toter zu legen. ־— Und daß uu tuiserem Chassidismus nur dann gerecht werden, \U: best... du! eh S- II. des : fUv?־<' \ v r /. dar.r. Dal'. •1 die tanzenden Derwische des Ostens be!!gen und hinaufgehen bis zu den mystischen itgen und ekstatischen Tänzen der Bibel, .um nicht der leiseste Zweifel obwalten. luden Palästinas sich vom Ahnenkultes, wie .:u Verf. bemerkt, nicht frcigchaltcn haben, ist k.dv; s ar.1 Seme, uns 1! sehr,.׳ Gott n i s e solel.. aufgc sine Tatsache. Rabbi Mcir baal haness und neu Jociiai sind Heilige, wie nur irgend ein kr Weil. ׳:neu wir dem Verfasser im ersten Teile Huches in vielen!,unkten zustimmen, so läßt r zweite Teil durchaus unbefriedigt. Hier be ' t sich Greßniann auf den Nachweis, daß der •-:.ids im Wesentlichen der flott palästi- 1er Naturerscheinungen ist. Fünf : Naturerscheinungen werden besonders 1. Wüstenwind, 2. Erdbeben, 3. Qc׳ «nur. 1. (ließbacb, 5. Vulkan. — Aus der Bctrach tung, ,!.!15 diese Naturcrsclicinungcn zerstörenden Cha1״:.K-rs sind und öfters in Verbindung mit dem Gottesnamen (Jahwe) gebraucht werdv ׳,־, kommt der Verfasser zu den absonderlichsten v. Idiißfolgcrungcn. ״Jahwe ist zunächst nicht <kr 11 .! der ganzen Welt, sondern der Gott der *ntve ז zli c h c n Naturereignisse, überall, wo Entsetzliches geschah, war Jahwe den Seinen ״nmitteibar nahe." Und so folgert Qreßmann schlank- •Her Jahwe der alten Zeit war ein cifcr- »lieht,»; r. schrecklicher, explosiver Oott, vor dessen unheic.i.clicn» Wirken man Angst empfand." V» .״;) man das liest, hat man die Empfindung, Wü liier, wie so vielfach bei der christlichen Exegese J« ״ölten Testamentes" der Wunsch der Vater des Gedankens war, und Wünsche wissenschaftlich zu bekämpfen, das hat noch nie gelohnt. Wenn Qreß* ®חחג ab das gemeinsame Moment der aufgczähltcn Naturerscheinungen das Entsetzliche ansicht, so begeht er einen verhängnisvollen Trugschluß. Das Gemeinsame in den Nnturmnnifcstutloncn, die als ״göttlich" In der Bibel dargcstellt werden, ist nicht das Entsetzen, sondern die Erhabenheit, das Grandiose. Zum Nachweis nur cln Beispiel. ״Es sättigen sich die Bäume Jalnvc’s, die Cedern des Libanon, die er gepflanzt (Psalm 104)"; sind denn die Bäume Jahpes ebenfalls Schrecken und Entsetzen erregend? — Da sind wir fa dem Verfasser einen besonderen )ank schuldig, daß er gnädig anerkennt, daß die Gottheit daneben ״auch" (!) gute Seiten hat, daß man ״die freundlichen Charakterzüge Jahwes nicht vergessen darf". — Es ist nur schade, daß der Verfasscr den Erdgcruch Palästinas nicht auch in den freundlichen Charakterzügen der israelitischen Reigion nachweist. Aber hier versagt plötzlich die Kraft des Gelehrten. Es fehlen, meint Qreßmann, bei Volk und Gott ״die feinen seelischen Ueber- und Uutertönc. die das Gemüt in harmonischen Schwingungen erhalten". Sic fehlen nicht, aber der Verfasscr empfindet sic nicht! — Wie wunderbar vermülilt sicli z. B. im Buche Rütli der Odem der Qctrcidcrfcldcr mit dem reinen Hauch religiöser Stirninung. —- Der Nachweis, wie bei liebevollem Versenken in die Eigenart Palästinas landschaftliche Motive in reichster Fülle das religiöse Leben Israels durchziehen, wie aus dein Munde der Sänger und Propheten das Hohelied der Heimat weint und lacht, wie die ganze Natur klagt und jubelt und in die Hände schlägt, diesen Nachweis ist uns der Verfasscr schuldig geblieben. Die Einseitigkeit des Verfassers zeigt sich am schroffsten in den Worten: ״Gewiß gibt cs auch in Palästina einzelne Juden, deren Frömmig keit an die Höhe und Reinheit der israelitischen Glaubcnshcldcn hcranrcichcn mag, aber der großen Masso tut man sicher kein Unrecht, wenn man ihr religiöses Niveau so niedrig wie möglich cinschätzt." — Wir sind die letzten, die die jüdischen Zustände in Palästina als durchweg rosig ansehen; aber das verallgemeinernde Urteil flrollmanns müssen wir einfach als unerhört bezeichnen. Was weiß der Verfasser von dem religiösen Innenleben der Juden Palästinas? Will er nicht besser sein als zahlreiche Besucher des heiligen I.;indes, die den Drang in sich spüren, nach kurzem Verweilen die oberflächlichsten Urteile über Land und Volk zum Besten zu geben? -- Greßniann sagt seihst: ״!.and und Leute Pa iästinas sind spröde und!»erb; sic geben sich nur dem hin, der heiß tun sic wirbt." Das Liebeswerben des Verfassers scheint erfolglos gewesen zu sein, und dafür kann er wohl nicht. Vielleicht ist die Un möglichkcit des steh Einfüblcns im letzten Grunde in der Struktur des Blutes begründet, und das Buch ״Palästinas Erdgcruch in der israelitischen Religion" müßte mit etwas anderen Worten nochmals von einem Juden geschrieben werden. Emil I.cvy. islamitischen Glaubens- und Rcchtssätze auf geschichtlichcr Grundlage. In den ersten Kapiteln behandelt er die deschichte des Gründers der mohammedanischen Rcli* gion und seiner Nachfolger. Darauf folgt eine umfassende Schilderung des Glaubensbekenntnisses des Islams und seiner Lehre. Den Hauptwert legt der Verfasser Jedoch auf die Darstellung der islamitisehen Rcchtsgebildc, die er, auf Originalwcrkcn fußend, durch historische Entwickelung und durch Rcchtsvcrglcichung eingehend beleuchtet, da das Recht, wie er im Vorwort sagt, die Pflichten gegen Qott mit denen gegen die Menschen mischend und alle, auch die intimsten Handlungen betreffend, das ganze Leben des Muslims durchdringt. Den Schluß des Werkes bildet eine Skizze der islamitischen Qc- Seilschaft, welcher eine Statistik, aus der hervorgeht, daß der Islam 224 Millionen Bekenner zählt, beigefügt ist. Dr. Tannenwald. Scfhstcrzlchung von Dr. Paul Dubols, Professor an der Universität Bern. 6.—f0. Tausend. 8' brosch. 4.00 Fr. Verlag von A. Franckc. Bern. 1909. Dubois. der ein Arzt von gediegener philosophi* scher Bildung ist. unternimmt es, in diesem Buche den Menschen den Weg zum Glücke zu zeigen. lrn Wesentlichen läuft seine Lehre auf die alte sokratische Weisheit hinaus: ״Erkenne dich selbst!" Durch Sclbtscrziehung int Denken. Füllten und Handeln sollen wir zu dem Ziele gelangen, das aller Menschen Sehnsucht ist: zum Glück; und dieses Glück beruht schließlich in der Erkenntnis dessen, was gerecht ist, gerecht gegen steh selbst und gegen andere. Wie weit allerdings die menschliche Welt, die ja nach einem Ausspruchc Kants ״im Argen liege". Gefallen daran finden wird, durch Selbstcrzichung zum Glücke zu gelangen, ist zweifelhaft. Aber die kleine Schar der besseren und im philosophischen Sinne reiferen Menschen wird ganz gewiß mit großem Nutzen und großer Befriedigung das leicht und schön geschriebene Werk des Berner Professors genießen. Wir können daher dieses Buch unseren Lesern aufs wärmste empfehlen. Eingegangene Bücher Sendungen »Ind nur an die Redaktion der «JUdlschen Rundschau*. Chafloticnliurg. Iil־׳lb!rcustr. »9, *u richten. Rucksendun׳> *׳»»“ nicht *tatilimkn. Die mit berclchncicn Werke”*ind zur Besprechung vergeben. g kann be bereits Bücher-Besprechungen H. Cohn. ״ ( . םPalästinas Erdgcruch" in der Israelitischen» feliKion. Von Lic. Dr. Hugo Qreßmann, Ber- ״״• Verlag von Karl Curtius. 19(». Bibel- und Talntiidschaiz, Von J. Verlag von George Kramer, Hamburg. In einer Neubearbeitung von Rabbiner Dr.S. B a m* bergerist die 9. Auflage eines Buches erschienen, das in keiner jüdischen Familie feilten sollte. Der Bibel- und T a 1 m u d s c h a t z von J. H. Kohn gibt in schlichtem, klarem Stil eine Nacherzählung des Inlialts der 5 Bücher Moses, vermischt mit Icichtverstündlichen Auslegungen, Erzählungen und Fabeln aus Thora und Midrasch. Das Buch ist durchaus geeignet, in denen, die zum Studium des Wochenabschnittcs In der Bibel selbst nicht kommen würden. besonders aber in der Jugend. Verständnis und Liebe für die Geschichte und Religion des jüdischen Volkes zu erwecken und damit die jüdische Gesinnung des jüdischen Volkes zu stärken. Das Werk, das im Anhang noch eine Nacherzählung nach Halcvy über Wirken und Zeit von Hillcl sowie die Sprüche der Väter in der Uebersetzung von Michael Sachs bringt, ist in einzelne Wochenabschnitte cingctclU und ebenso geschmackvoll wie würdig ausgestattet; auch die neue Auflage wird sicherlich die gleiche Beliebtheit finden wie die früheren. Glaube, (Verlag Hartmann: Der Warn. Geschichte, Recht. Ein Handbuch. Leipzig 1909. R. Haupt). Der Verfasser gibt unter Berücksichtigung der seit dem ahrc 1908 in der Türkei eingeführten Verwaltungsrcformcn eine eingehende Darstellung der * Die Entstellung des Talmuds (Sammlung No. 479). Dr. S. Funk. Guschens Verlagsbuchhandlung. Geb. SO Pf. * Heinrich Heines sämtliche Werke. 9. Band. Insclvcrlag, Leipzig 1910. Jeder Band geheftet 2 Mk., in Halbpergamcnt 3 Mk. MoshCle. Von Albert Katz. Verlag Gustav Engel, Leipzig. Geb. 2.50 Mk. gcb. 3 Mk. * Ein König von Juda. Ernst Trampe. Verlag Maxeß & Plank. Berlin. Brosch. 6 Mk., gcb. 7.50 Mk. * Der babylonische Tnlmud. Von Dr. Jacob Fronicr. Verlag für die Wissenschaft des Judentums, CiiarloUcnburg 4. Die hebräische KtiWtirkonlercnz (stattgeliabt in Berlin vom 19. bis 21. Dezember 1909). Von M. F. Scidmann. (Jargon.) Verlag Zionistische Kopeken- Bibliothek. Odessa. Bczalcl. Seine Vergangenheit. Gegenwart und Zukunft. Von B. Schatz. (Jargon.) Verlag Zionistisehe Kopckcn-Bibliothck. Odessa. Überblick über den IX. Zlonlstcnkongrcß In Ham• bürg. Von Dr. F. Sapir. (Jargon.) Verlag Zionistische Kopckcn-Bibliothck. Odessa. Zur Geschichte der Karäer In Galizien. Von Rüben Föhn. (Hebräisch.) Berlin. Eltigcgaugcue Bücher. Geschichte der Juden und Ihrer Literatur. Von Dr. M. B r a n n. Verlag H. Marcus. 2 Mk. Monatsschrift liir Geschichte und Wissenschaft des Judentums. Herausgegeben von Dr. M. Brann, 54. Jahrgang, Heft 1/2. Kocbncrschc Vcrlagsbuchhandiutig, Breslau. * Neliemias .fcliuda Leih, cln Märtyrer für den Jitdcnlclbzoll . Von Louis Lamm. Verlag Louis Lamm-Berlin. Preis 75 Pfg. Gcsamtwörfcrbiicli der alt• und ncuhcbräischcn Sprache. Von Eiieser Ben Jehuda in Jerusalem. Heft 1, 2 und 3. Langcnscheidschc Vcrlagsbuchhandlung, Beriin-Seböneberg. Sozialhygiene der Gcwcrkvcrclno und Ihr Endziel, eine sozial-psychologische Studie. Von Dr. mcd. Eise nstacd t-Berlin. * Von Ghetto zu Ghetto. Reisen und Beobach• tungen vonfi. N. Adler. Autorisierte Uobertragung aus dem Englischen. Verlag von Strecker und Schröder-Stuttgart. Preis brosch. 3.50, geb. 4,50 Mk. The Synoptlc Gosolcs. Von C. Q. Montefiore. Verlag Macmlllan & Co.. London. Das Schächtfach. Von M. Benjamin. Verlag Gustav Engel-Leipzig. Preis 2,40 Mk.