Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XV (1910)
- Issue
- Heft 20 (20.5.1910)
- Date
- 1910-05-20
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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No. 20. JÜDISCHE RUNDSCHAU Seile 237. ׳:n nicht deshalb gemacht, weil ich etwa glaubte, der N.-P. »I!1rfe diesen Kredit nicht gewähren. Im Gegen• tc!l. icli wtlnschtc das durchaus; da sich aber die Heucii vom N.-F. weigerten. diesen Kredit zu bcwilligen. und der Verkauf von Aktien der I*. L. 1) g keim׳ Aussicht auf Beschaffung des notwendigen Kai'f.aN bot. eben deshalb machte ich den Vorseid c. einen neuen Ponds zu begründen; so laut sich das kaini.1l leichter aiifbringcn. und ist außerdem'die Moc'ichkct gegeben. au Nichtziouistcn werbend I1e111/:!״trcte». inzwischen hat sich nun die Situation geändert. I'ouits wird nun doch der lJ. 1״ Ü, G. von seiten des S. ' ״יי־ Kredit bew illigt werden, und zweitens tritt ihn l ssischkin mit dem Vorsehlage hervor, die ms. •clic (iesellschalt ״Üeülah" mit der I*. L. D C /!!׳׳. /wecke gcmciiisaiucn Ankaufs und Verkaufs v •, icrraiu zu vereinigen. \\ as den letzteren Vorschlag anUrngt. so hat Ja •Hst Herr Prof. Warlmrg das Wort. Es geht aus , Schreiben nicht klar hervor, ob Herr Ussischkin 1 me IlctciUgtmg der I’. I.. l>, C. au den erwiiliuteu ,t.iiteii wünscht, oder oh er als Voraussetzung nee ..Vereinigung״ ansicht. dali die I». L. D. C. :• Mierigos!,rogranim lindert und einige ihrer biszcii Bestrebungen aufgibt. In letzterem Palle : sich eine Pmigung schwer erzielen lassen. Hs ,! er mir kurz darauf hingcwicscu. daü. wenn die imgte Gesellschaft auch die Parzellierung, uricriing und Bepflanzung der Terrains «herdi soll, sie eines gröberen Arbeiterstammes, Baumschule usw. bedarf, so dali die Fortführung eigenen Wirtschaft der P. L. D. C. Ja doch nothg ist. Jedenfalls würde sicherlich die Veruiig der beiden Gesellschaften von allen Zionisten Freude begrübt werden. Warten wir ab! A ns den in Aussicht stehenden Kredit von seiten N.-F. anlangt, so ist cs höchst erfreulich, dal! in \nschnm1ngcn einzelner Direktoren des N.-P. ein! Umschwung cingctrctcn ist. Das Verhalten der eil war in der Tat bisher kaum verständlich, sosie Bedenken bezüglich der Statuten des N.-P. •ul ״lachten. Herr Ussischkin hebt mit Recht r. dal! bei der Bewilligung von Kredit an eine :ccsellscliaft. selbst wenn diese ihre Terrains er verkauft, von einem Verstoll gegen die .'* .,,nun des N.-P. nicht gesprochen werden sollte, n ,11,!ein vorher sogar an eine Ilüuserbati-Gesell- >.!.!!! cm Kredit bewilligt worden ist. Die Ver-!! nie׳ .mf die Ansetzung von Pächtern durch den N; u.ir denjenigen gegenüber, die eine sofortige I . criüii.iliiiic der Kolonisation w ünschten, umso " -er angebracht, als unter den jetzigen türkischen II M'/cii die Erbpacht in dem vom N.-P. geplanten ih piaktisclt gar nicht durchführbar ist. da jeder 1■, ikitcr eines Stück Bodens nach spätestens zehn I :1 das Prsitzcrrcclit erw irbt. Die Bedenken tu-vn viiieit Wechsel der Ländereien unter den ein- /. h .i Pächtern in •I -5 jährigem Turnus liegen ja auf «I. Il.nul. Hs blich also nur die Möglichkeit, die I*. .1IU11 weiter zu verkaufen, hei Abzahlung der u.*.׳ teil Kaufsiimmc vor Ablauf von zehn Jahren. Ir d.r Tat haben nun die Herren ihre ablehnende >• dinig gegen die Gewährung von Kredit an die I*! I>. C. aufgegeben. de nm li. tu. ilti lu; w SV, Vi A II. ־.1־1 l'ltl V . ca• 1;.. J.l, II« \\ 1a In A. V t lange all diese Prägen noch nicht völlig gek ־. sind, ziehe ich meinen Vorschlag nicht zurück, k , nt die Vereinigung von Geülah und P. L. D. C.. '• 1. der Kredit von seiten des N.-P. zustande, so ist vliaftung eines besonderen Kolonialfonds über- Kommt die Vereinigung nicht, wohl aber der K » in zustande, so Ist das Bedürfnis nach einem K.-P. a Ui nicht mehr dringend. P.s wird aber dann zu erw.u,cii sein, ob man auf diese Möglichkeit, von den g ■cn Massen, die Aktien der Agrarbank nicht /!111111־ werden. Gelder für unsere Kolonisations- :•• ekeit zu erhalten, verzichten soll. Ich möchte 1« : verfehlen, nochmals darauf hinzuweisen, dali!•gesehen von den Chancen, auch aus nicht- /!Mischen. Kreisen Spenden zu erhalten — wir hier d Möglichkeit Italien, eine Blamage, wie sic uns Ih der Aufbringung des Aktienkapitals der Agrar- 1• ׳, beschicdcn sein könnte, rechtzeitig abzuw 1 Jen. Die Abneigung gegen die Zeichnung k erer Stimmen fnr Aktien ist in unseren Reihen so k . dal! voraussichtlich durch Absetzung von Aktien .1» ׳ turk. Pfund, wenigstens nach affen bisherigen 1• ilirungen in Deutschland, nur eine lächerlich gi׳ ngc Summe cingchcn wird. Wenn wir dann vor d< blamablen Resultat stehen werden, so werden " 11׳׳ spät erkennen, dali es richtiger gewesen wäre, öh leim N.-P. bewährte Sammclmcthode auch für Z vke des Agrarkredits nutzbar zu machen, ehe 11 ׳• .m die gcschäftsmülligc Begründung und Kapital- "׳ rimug für die Agrarbank herantrat. Ich sehe keine ׳:״ '• re Möglichkeit, die Zehntausende von Zionisten, di ln Pfund für eine Aktie nicht geben können oder v י!;׳״. zur Beisteuer für den Agrarfonds hcranzu* /u ,un. Dieser praktische Gesichtspunkt ist in dem Svnrcihcn des Herrn Ussischkin viel zu wenig gewi rMsgt. wird aber von niemand unterschätzt werden, du die Verhältnisse in Deutschland kennt und darn.u 1: 111c Chancen der Zeichnungen für die Agrarbank VI ü!'4. Ich behalte mir weitere Entschließungen bezflgheu :״eines Vorschlages vor, wiederhole aber, da» seine Durchführung nach Qewährung eines Kredits von seiten des N.-P. nicht mehr so dringlich erscheint als noch vor vier Wochen. Mit Zionsgrui! Ihr .־hr ״"־«־־׳־ « AUS ALLSR WeLT ״ Deutschland ־ Mur - ln München Ist eine interessante Acuflcrung gefallen. Als es sich nämlich darum handelte, dali ein Professor, dessen Gesinnung und Anschauung ooeii nicht genehm war, eine staatliche Anstellung verlangte und sich auf das vcrfassungsmUllige gleiche Recht für alle Bürger berief, wurde ihm kurzerhand erklärt: Das Recht ist nur eine Theorie. Als Beweis dafür, fügte Staulsrat von Schätz hinzu: ..Nach der Vcrfussiing hüben Ja auch die Juden gleiches Recht, aber wir stellen sie eben nicht an!״ Wir wundern uns eigentlich, da» diese Aeußerung einen beträchtlichen Sturm der Kntrüstung Im Wasserglas selbstverständlich nur — In den libcraten Blättern hervorgerufen hat. Hs ist doch nichts neues, was der Herr v. Schäl/, da gesagt hat. Im Gegenteil: Wir müssen dem Herrn eigentlich noch dankbar sein, daß er den Mut gefunden hat, offen das auszusprechen, was von oben immer geleugnet wurde, in Wirklichkeit aber stets bestand: Daß dlo Juden In Deutschland Staatsbürger II. Klasse sind! Hs ist ein Kampf gegen Windmühlen, wenn nun Staatsrat v. Schätz an den Pranger gestellt wird. Hr hat nur das herrschende System offen vertreten. Wenn er nun auch gezwungen werden sollte, seine Demission cinzureiclien. uns wird das keine Oenugtuuug sein. Denn das wird höchstens eine Strafe für seine Indiskretion, nicht aber für seine Anschauung sein. Sein Nachfolger aber wird ebenso handein wie er und alle anderen Beamten, von A bis Z — aber verschwiegener sein. Der ״F r ü n k i sc h e Kurier" stellt fest, daß Herr v. Schlitz nur die Wahrheit gesagt hat: . ..Sehr wertvoll ist aber das Eingeständnis: ..Nach der Verfassung haben ja auch die Juden gleiches Recht, aber wir stellen sie nicht an." Staatsrat von Schätz hat damit nur die Wahrheit gesprochen. An keinen! bayerischen h 11 ma n Is 11sehen G vm nnsIunt Ist ein Jude als ordentlicher Lehrer oder Professor angestcllt.nur an den Realschulen gewährt man einzelnen Juden den Hintritt in dieses Lehramt und auch hier meist nur für die ncunhilologisclicii Fächer." Wertvoll ist dies ..Eingeständnis" allerdiugs P.s wird endlich auch den grüßten Optimisten unter uns zeigen, wie cs mit ihrem Deutsch- und Teut sch tu 111 bestellt ist. Russ /und Hs bestätigt sich, da» eine selbst in Rulllaud noch nicht dagewesene Massenausweisung von Juden in Aussicht stellt. Die Verwaltung der Geheimpolizei in Petersburg will erfahren haben, dali in Odessa. Kiew, Charkow, Moskau und noch in anderen StäJtcn Komplotte gegen die Regierung geschmiedet wurden, und daß die Urheber Juden seien. Man befürchtet den Ausbruch von Volksunruhcn. Stolypin hat den diskreten Befehl gegeben, aus gewissen Städten bei verdächtigen Vorkommnissen Juden unverzüglich in Massen auszuweisen. Hs erübrigt sich wohl darauf hinzuweisen, daß die Russische Regierung noch niemals Mangel an Gründen gehabt, wenn cs galt, Repressalien gegen die Juden aus/uüücn. P.s kam ja auch vor, daß rus* sischc Polizisten sieh als ״politische Juden" vcrklcideten und in ״Revolution machten." - I Beim Sekretariat der Verwaltung des Bezirks Kiew ist eine besondere Kommission eingesetzt worden, um die Befehle der Polizei über Ausweisungen derjenigen Juden aus Kiew durchzuscheu, die bis zum II. August 1909 alten Stils das Wohnrecht verloren'hatten. Bis zum gestrigen Tage hat die Polizei 10« solch er Au sw cisun gsbefehle geprüft. Bei der nochmaligen Durchsicht der polizeilichen Akten hat man gefunden, daß 10—12 ״׳׳ von diesen 1000 zu Unrecht ausgewiesen sind: und diese 10-1? ״׳' dürfen weiter in Kiew wohneu. 700 von diesen 1000 hat man dem Qcncralgou* vcrncur angezcigt, mit der Bitte, daß die städtische Polizei sic nusweisen solle; als Terntin für die Aus- Weisung ist der 2. Mai bestimmt. Zuerst werden diejenigen ausgewiesen, die eine nicht zu große Familie haben -- z JJ. zwischen dem 1. und 5. Mal diejenigen, die keine Kinder haben, zwischen 5. und 10. Mai diejenigen, die 12־ Kinder haben, zwischen 10. und 15. diejenigen, die 3 Kinder haben usw. Der Endtermin der Ausweisungen ist der erste Juni. Die Kommission beendet in kurzer Zeit die Durchsicht der Akten — in diesen lagen reist S. Kosakiewitsch, Beamter des Ministeriums für Handel und Industrie, nach St. Petersburg, wo er Bericht Uber die Aus- Weisung der Juden in Kiew erstatten wird. — I— Der Polizeipräsident von Ufa hat der ihm unterstehenden Polizei in einem besonderen Zirkular anbefohten, eine strenge Kontrolle darüber zu führen, ob sich die jüdischen Handwerker ausschlicßlieh mit ihrer Profession befassen, zu welchem Zwecke in jedem Polizeirevier spezielle Listen geführt werden sollen. Jede diesbezügliche unzutreffende Angabe eines Pristaw werde eine strenge Bcstrafung und die Entlassung desselben zur Polgc haben. * lu Reshiza, Gouv. Minsk, hat die jüdische Bcvölkcrung Tage der Augst und des Schreckens zu durchleben. Das Städtchen sollte eine Pro- Zession mit einem von Kiew nach Polozk zu überführenden Heiligenbild passieren. Es wurden Geriiehte verbreitet, daß sie״ an dem Zuge hunderttausend Personen, darunter auch der Judenfresser Purischkcwitsch. beteiligen würden, und daß bei dieser Gelegenheit ein Progrom veranstaltet werden solle. Der Gouverneur von Minsk versprach. Im Palle von Ausschreitungen strenge Mittel zu ergreifen. - ad - In Smolensk zwingt die Polizei die Bcsilzcr von Privatkrankenhäusern, sich schriftlich zu .verpflichten, daß sic keine wohnungsloscn kranken Juden aufnehmen werden. Die Gerichtsbehörden in Minsk haben, nach dem Beispiel des Vorgehens gegen den jüdischen Advocatcn Brodskv in Odessa, gegen alle dortigcn Juden, die einen nichtjüdischen Vornamen führen. Klage erhoben. * -ttr- Im Petersburger Lchrrayon sind in diesem Jahre neue Beschränkungen gegen jüdische Schüler verfügt worden. Danach sollen Juden zu den Abiturientennrüfungen nicht zugclassen werden, wenn sie nicht das dauernde Wohnrecht in diesen Gouvernements besitzen. In einem Ministcrialzirkular werden die Bcltörden aufgefordert, die n i c h t r u s s i scher! Vereine. Verbände und Konferenzen in den Grenzgouvernements daraufhin zu beaufsichtigen, ob sie nationalistisch sind und einen politischen Charakter tragen. Dieses Zirkular soll infolge der Vorstellungen der russischen Nationalisten erfolgt sein, die namentlich an dem jüdischen Kongreß in Kowno wenig Gefallen gefunden haben. England Das Alien Immigration Office veröffcntlicbtc soeben seinen Bericht für das erste Viertcljahr 1910. Von der Zahl von 88 9*12 Emigranten, die in England landeten, ließen sich ungefähr 3000 hier nieder. Die Zahl der Zurückgewiesenen betrifft 279 gegen 1(1(1 im ersten Vierteljahr 1909. Galizien -d- Am 3. Mai ist in Lemberg die jüdische Volksvorschuß-Kasse als Tochtcrinstitution der zionistischen .,K r c d i t - U n 10 n" eröffnet worden. Dieselbe bezweckt, jüdischen Kleinhändlern und Kleinliandwcrkcrn Darlehen zu einen minimalen Zinsfuß und zu den günstigsten Abzahlungsbcdingungen zu gewähren. Oesterreich Auf Antrag des Seniors der philosophischen Fakultät der Universität Budapest. Professor Josef H a in p c I. wurde einstimmig beschlossen, den bckannten Komponisten Karl Goldmark anläßlich seines 80. Geburtstages zum Ehrendoktor zu ernennen. Rumänien Auf der Rückreise von Palästina weilte Herr Dr. Franz Oppeint er einige Tage in Rumänien und hielt in Galatz, Poscani, Bukarest und Jassy Vorträge über die Sicdlungsgcnosscnschaft in Palästina. Der Empfang, den Herr Dr. Oppenhciincr in Rumänien fand, war ein überaus herzlicher, und seine Vortrüge in den genannten vier Städten waren von einer nach tausenden zählenden bcgeisterten Zuhörerschaft besucht. In Bukarest hat sich ein Komitee mit Herrn J. B. B rocht er an der Spitze gebildet, das sich die Aufgabe stellt. Gelder für den Genossenschaftsfonds zu sammeln. Es steht zu erwarten, daß die Sammlungen nach dem Vortrage Dr. Oppenheimers einen außerordentlich günstigen Erfolg aufzuweisen haben werden. Türkei ־ ük - Der Chachantbasch i von Konstantinopcl. Rabbi C h a i nt א a hum, sagte in einem Gespräch mit einem Zcitungsvcrtretcr. der Qroßwesir und der Minister des Innern hätten ihm bereits mehrmals versprochen, den ״roten Schein" für die Einwanderer nach Palästina abzuschaffen; die Reglerung warte jedoch damit auf das Ergebnis des von ihr ausgearbeiteten Immigrationsgesetzes. Wie aus sicherer Quelle mitgeteilt wird, dürfte die Immigrationsgesetzesvorlage im