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Jüdische Rundschau · 1910-05-20 · Heft 20 (20.5.1910) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XV (1910)
Issue
Heft 20 (20.5.1910)
Date
1910-05-20
Page
– (sequence 4)
Language
German
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No. 20 Seite 236. Kcit ücs ein/chien Landwirtes vorangehende» Vor• arbeiten, ob da siitU I*.(rzcllicruiis: größerer ('•rundstücke. Amclioration. evtl, auch Bepflanzung des Hodens, die nicht Sache einzelner Personen, bezw. einzelner Painiliciignippe», sondern lediglich einer «rolleren speziellen Gesellschaft oder eines speziellen Instituts sein kann. Hie I'.i'falirungeii, die wir liier ln Rußland mit den ()nippen gemacht haben, die sieh in letzter Zeit an verschiedenen Orten zwecks Hodenerwerbs und landwirtschaftlicher Niederlassung in Palästina gebildet haben, lehrten uns. dall wir von dieser spontanen Bewegung grollen praktischen Nutzen für die Kolonisation Palästinas halten ziehen können, wenn die Leute /.um Verkauf bereites. l'arzelliertes und zum (lebrauch hergerichtetes l.nt.d gefunden haben würden. P.iuc Gesellschaft, die diese Aufgabe erfüllen würde, könnte ohne Zweifel unsere Sache um ein Beträchtliches weiter bringen und eine erspriellliehe Kolonisutionstiitigkeit in raschem leuipo ermöglichen. .... Wer soll nun diese Aufgabe erfüllen.־' Wenn die P.!״ I). C. von vornherein ihre Aufgabe lediglich in dem Ankauf, der Parzellierung und dem W'eiterverkauf von Orundstückeu an einzelne erblickt hätte, batte sic der tatkräftigen Unterstützung aller wahren Preimde der Palästinaarbeit sicher sein können. Wie Sie sich erinnern werden, habe ich seinerzeit an dem Arbeitsplan der P. I.. H. C. Kritik geübt, weil diese vornehmlich in der im Vergleich mit dem dringenden Hedürfnisse des Agrarkredits viel weniger wichtigen Schaffung von Musteifarmen ihr Arbeitsfeld erblicken zu sollen glaubte, was nach meiner Ansicht auf eine für unsere recht dürftigen finanziellen Verhältnisse tut• angebrachte Wiederholung der Versuche der reichen JCA m Scdierah liinauslicf. mul weil ferner die Initiatoren der P. I.. P. C. den beider begingen. .011 die nachmals zu gewährende Dividende zu pochen. Meines Kruchtens hat sich auch die P. 1״ D. C. aus diesem (iruiule nicht in der Weise entwickelt, wie m.m 111 spi Imglicli erw arten zu sollen glaubte. Wenn tum die P. I.. D. C. eine Tcrraingesellscltaft in dem hier skizzierten und auch von Ihne» in Ihrem Artikel aiisgcfiihrteu Sinne sein will, so wird sie sieh der auf• richtigen Sympathie mul der tatkräftigen l'örderung aller Gesinnungsgenosse» erfreuen dürfen. Neben der P. I.. D. C. käme prinzipiell für diese Aufgabe noch die eingetragene russische Gesellschaft ..t•unfair in Betracht, deren Hesliinmung der Kauf und Verkauf von (iruiul und Hoden in Palästina ist. Während ihres fünfjährigen Bestehens hat cs diese (■'״Seilschaft zu einem Kapital von 60 00t) Rubel gcdu. Ihre eigentlichen Operationen bestanden In, dall sie während dieser Zeit allerdings unter denkbar ungünstigsten Hedingtmgcu •־• an die 00 Dunam Land kaufte und vcrüullcrtc. Diese Itution hat den Grundfehler, dall ihre Werbe• nt auf Riiilland beschränkt ist. Auch fallen Par• crungs- und Amclioratiousarhcitcn nicht in ihr Arbeitsbereich. Als mtcrstaatliclic Institution mit er• weiterten! Arhcitsprngrauuu wurde sie sicherlich als gesunde Basis ftir einen grollzngigett Arbeitsplan nach dieser Richtung dienen koimeii. Wie dem auch sei. so verfügen heute weder die P. I.. D. C.. noch die ״tlet'ilali" über die für die erwähnten Zwecke nötigen Mittel. Ihren Vorschlag aller, diese Mittel durch die (iniiuliiiig eines neuen Kolonialfonds zu beschaffen, kann icli leider nicht als zweckdienliche Losung dieser Piagc aiischen. und zwar aus folgenden ()runden: I. Trotz Ihrer Ausfuliiimgc» vermag ich doch nicht cmziisehca. wie durch die Gründung eines 11 e u e 11 Ponds unsere ohnehin kolossale Saimnelt.mgkeit vereinfacht werden sollte. Tatsächlich weiden naelt wie vor die vielen andern Ponds mehr oder welliger unsere Arbeit in Anspruch nehmen. .1 U I: D I S CI I E R yNDSCIIAU Dazu kommt noch, dall die Vorbereitungen für du- Schaffung der Agrarbank allenfalls, wc Sc selbst bemerken, sofort in Angriff zu nehme׳ s11,1"״ also binnen kurzem mit der Geldbeschaffung für Agrarbank die Hände voll haben werden. Ls * scheint mir daher unmöglich, für 1'11’M1, 1״״h ,״״,!! ' h im Laufe der n.'telisteu Jahre und Sie verlanget selber eine Sammeltätigkeit von eitugen Jalnen etwas Nennenswertes zu leisten. Wir!nassen emmal mit der Tatsache rechnen, dall die Gründung eine neuen Ponds heutzutage in weiten zionistischen Ansicht, daii ein Ponds m!!; höOOOO Pres, ausreichen IHZHLiKk יי• . . | Kreisen kaum sympathisch begrubt werden wird. 2. Das Bedenken, dall die Sammlungen für den neuen l’onds den Nationalfonds schädigen wurde, scheint mir durch Ihre Ausführungen nicht widerlegt worden zu sein. Wir dürfen nicht vergessen, dall w.r es schlielllich doch mit denselben Sammlern und Spendern zu tun haben würden, wie heim N.-l . 3. Der Charakter einer Wohltaiigkcitsaiistalt. die sich auf Spenden von beliebiger Grolle umbaut, ist meines Prachteus nicht am Platze bei einer 1 זגzellierungsgcscllscliaft. die es nut wirtschaftlichen Operationen für und im Aufträge von mehr oder weniger bemittelten Personen zu um hat. •1. Sehliclilicli - und das ist das P.iitschcidcndc — sehe ich nicht cm. weshalb der Nationalfonds einer soliden Parzeliienuigsgcsellschaft nicht einen hrcdd für die erwähnten Zwecke gewähren sollte. Isi die eigentliche und einzige Aufgabe des N.-l. die ״Cci'iles Imme/.", die Vermehrung des indischen I«• sitzes an Grund lind Hoden. Die Berufung auf me Hestinmimig des Statuts ries N.-l'.. die verbietet, den einmal erworbenen Hoden weiter zu verkamen, scheint mir nicht stichhaltig. Hat man doch die Möghehkeit gefunden, der privaten II ä userhaugesell sc ha i t ״Achusath-Halth־‘ einen Kredit auf 18 Jahre zu gewähren, um wieviel mehr sollte doch eine öffentliche Tcrraingesellscltaft einen Kredit auf eine viel kürzere Zeit in Anspruch nehmen diirfcn. Aus all dem leite ich mm meinerseits folgende Vorschläge ab: Die P. L. I). C. und die ״Gcnlali" vereinigen sich zu gemeinsamer Arbeit nach der oben skizzierte:! Richtung, und zwar nach folgenden Prinzipien und Bedingungen: Die Oesellscliaft .die ״Iah" hat in nächster Zuunifi eine lebhafte Agitation in Rullland zu eiufaltc־!, 1111 ihr Kapital möglichst rasch auf 11X1000 Rubel zu!ringen. Gleiches geschieht von der P. L. D. C. in Westeuropa und in Amerika, damit ihr Kapital (gegen• w artig etwa .LStxitl Mk.) die Summe Von 11X10(111 Mk. erreicht. Die heiklen Gesellschaften (״Gcölali" und die P. L. D. C.) vereinigen sich in einer gemeinsamen Verwaltung in Jaffa mit der ausschließlichen Aufgabe, Grundstücke zu erwerben, ־zu parzellieren und durch verschiedene Meliorationsarbeiten instand zu setzen, um sie sodann an Km/cliie oder Gruppen gegen bar. h/w. gegen Ratcnabzabluugcn im Laufe von l.ocliMcns fmif Jahren zu veräullern (wobei mindestens ein Viertel der Kaufsumme sofort angezalilt weiden muli). Die Gesellschaft könnte von den einzellten Gruppen bestimmte Aufträge hinsichtlich He- Pflanzung ihres Bodens, bezw׳. eines Teiles desselben, wie auch betreffs l'.niclitung von Häusern und WirtschaflNgebämlen entgegeimelinien. Zwecks l!1 Weiterung ihrer Tätigkeit macht die Gesellschaft beim N.-P. eine Anleihe in der Hohe ili 1 er eigenen Kapitalien G00000 Rubel 1 1001x111 Mark), die mit 3 Prn/eiit verzinst, durch die angckaufleii Grundstücke garantiert und in fünf Jahren abgetragen w ird. Die Hc/.icliuiigcn mit den PnmiUciigriippcu in kiilil.nul imteiliäli die ofiiziell geiiciingtc GelKch.ift k1!׳!:th". in ik'11 mitleri! Ländern die P. L. II. C. lelr bin der betrag von etwa 800 000 1 res. .lusreieiieu whü. ״m vermögenden Personen zum Gebrauch bergetuliutes Land anbieteit zu können. Hei eimmitigem aller drei in Betracht kommenden Instanzen 0;.ן• Gcolah und P• I-. D. C.) wird sich die Sa.hr nächster Zukunft realisieren lassen, ohne dal; m.n, /n der sehr problemaliscltcit Grmidmi« eines ne.an Ponds wird greifen müssen. Was hier not tut. 1vt der ernste und aufrichtige Wille, diesem längs! . gewordenen Bedürfnisse in gehöriger Weise k't innig zu tragen und so unser großes Beginne!; , ein Beträchtliches weiter zu bringen. Prcilicli müssen wir uns dessen bewußt sein. , dies keineswegs die Lösung unseres großen K ' sationsproblems bedeutet. P.inc grolizugigc k!• sation wird erst dann möglich sein, wenn cm;< angelegter langfristiger Agrarkredit den wenig!:! mittelteit Kreisen, die mit der Sehnsucht n Palästina die Neigung ־zur Landwirtschaft um! hierzu nötigen Vorkcimtnissc vereinigen, die Mkeit gegeben wird, sich in Palästina als Ackeil ., nicdcrzttlasscn. Wir werden aber an die große v gäbe der Schaffung der Agrarbank um so freu und zielsicherer gehen können, wenn wir die < skizzierte, viel leichter durchführbare Arbeit In; uns iiabeu werden. Zur Klärung dieser überaus wichtigen 11.« achte ich es für nötig, meinen Gegenvorschlag g!<, falls zur öffentlichen Diskussion zu stellen, leb s; daher eine Kopie dieses Briefes an die ..111 d 1 ־ R ti 11 d s c 11 a u" 11ml au die ...I ii d i s c 11 e Zeit׳.. Mit freundlichem Zionsgruß Ihr ganz ergebene! M. Issisclikin eit 11• ■|| m- •0׳ <11; :!e•!Jl .he .11• :vr Herr Dr. Sandler schreibt uns dazu: Zun.iclist iiioclite ich zur Vvncnbgung!; Vorschlages bemerken, daß nach Begründung neuen Ponds insofern eine Vereinfaciimig 01.- Sammeltätigkeit erfolgen würde, als der Vertrieb Aktien der P. L. I). C. eingestellt werden winde, 1 ernsthaft mit der Geldbeschaffung für die Agt.u; begonnen werden wird, könnte schon eine De:: liehe Summe beisammen sein. P.inc Kollision 1 Interessen der Agrarbank ist auch schon de■ nicht zu befürchten, weil die große .Masse der nisten, die kleine Spenden iiir den א -P. und K gehen, wohl zu 95 Prozent die hochwertigen V> der Av:1.11 li.mk nicht zeichnen werden. D.tduieli. es sielt beim K.-P. um Spenden handelt, erli.tl: Institut, das durch den K.־P. unterstützt weide;; durchaus noch nicht den Charakter ..einer Woiß; kcitsanstalt". Auch der Nationalfonds ist ja aut ״ seihen Wege, nämlich durch l'ntgcgcimahine k . Spenden, geschaffen worden, qr wende! mit I.’ diese Methode inmier weiter an und ist doG philanthropischer Ponds, keine ״Wnlihatiu'-. mistalt". sondern seinem Charakter nach w*!!,; falugt, mit ״mehr oder minder bemittelten IN.;• ernsthafte Geschäfte abzuschließcn. P.s komm; auf die S.iiimielmcthoUe, sondern auf die Venu׳ der Gelder an. Man kann m großzügiger \\ Gelder sammeln uml sie im Sinne der kleinen i’ thropie verwenden, und kann anderseits, wie 1 N.-P. und K.-P.. kleine Spenden omsammclu und im Sinne der großzügigsten Kי<!<,n 1v.!u.*!!s;.»t.g verw enden. Was alier den Punkt •I aiii.mg;. so sti!;! . darin mit Herrn l'ssischkin völlig!:herein, V־.;c״. Sei mag lucht ciii/uschcu. weshalb der N.-P. me!: P.irzelbcrniigsgesellschafl einen Kiedit v!111 Mark gew:ihren sollte. Ich 11.!he meinen \׳ C \;cs er;*C c 1 * ’ »;» er . ‘ t 1 ■-o Rostiim der Jüdinnen ähnelt dem d!;r Finge- 1 borenen und ist ein langes, schwarzes Oberkleid. das sie von Kopf bis Fuß verhüllt; nur bedeckt «Sie Jüdin das Gesicht nicht mit dem Ga/cschleicr ihrer mohamedaniselien Nachbarin. Ihre Moral ist sehr hoch, aber es war eine Truppe von Sängerinnen aus Damaskus in der Stadt, bei der sieb auch Jüdinnen behtnden. Fine von ihnen war hei der Jugend sehr beliebt, deren enthusiastische Kufe ״Kamane, Ccra!" (I neore, l'sther!) der Würdigung ihres siluttispieleriseheu Talentes Ausdruck Rahen. Die Mädchen in der Alliaucesehule tragen europäisehe Kleidung. Der Oberrabbiner Abraham Cltalonei wurde von dem Pascha der Stadt im Jahre 1806 abgesetzt, und ein Vakil (Stellvertretet׳) Rabbi Salomon Safdielt, mit dem Amte betraut. Fine hebräische Druckerei existierte einige Jahre hindurch in Aleppo, und ich er• warb die Satzungen des jüdischen Wohltätig• kcitsvercins, die daselbst im Jahre 1808 in rotem Drucke liergestcllt worden waren. Jeder behandelte mich mit großer Freund• lichkcit, und ich gestehe, daß es mich rührte, als meine Gastfreunde das Gebet bei der Abreise eines Freundes über mich sprachen. Es war ein schöner Gclcitscgcn, mit dem teil die Stadt verließ. Der 121. Psalm wurde feierlich als Dia• log zwischen den Bürgern und ihrem ()aste rezitiert. ״I )er I lerr segne deinen Ausgang und deinen Eingang“ war gewiß ein trostreicher Spruch, und doch Italic ich ein Gefühl, wie wenn ich an meinen eigenen Begräbnis mit/u• wirken hätte. Ich war sehr enttäuscht über das armselige Resultat systematischen Suchens nach lile• raiischcii Schätzen, besonders da Aleppo aus der l erne eine so reiche Fundgrube z.u werden versprach. Ich hatte in den Verstecken der grol.en Geni/alt, der ältesten und einer der grüßten Synagogen der Welt gestöbert und gegraben; aber obwohl der Staub quälender und die Arbeit viel schmutziger war als in Fostat, so war doch alles modern, und der Schmutz barg keine Schätze. Ich verließ daher die Stadt entmutigt und in schlechter Faune; aber gerade als ich am Tor anlaugte, lief ein armer Mann mit einem Bündel Blätter auf mich zu und bot cs mir an. Ich wollte es nicht haben und bot ihm• als eine höflichere Form der Ablehnung eine halbe Mediidic etwa zwei Mark) an. ״Es ist dein,“ rief er und gab mir das Bündel, das ich ohne Enthu• siasmus nahm, wenn auch mit der unbestimm* ten Idee, daß cs mir als Reiselektüre dienen könnte. Als ich den Inhalt aber prüfte, fand ich, daß es ein wahrer Schatz war — besser als irgend etwas, was ich wissentlich eiwoiß, hatte. I s stellte sielt als der unbekannte D. (oder ein sehr großer Teil des Divans) her.;.: den Flasar hn-Babei verfaßt hatte, ein Die!!•• aus dem Osten (wahrscheinlich att> Bagd.m der mit dein Sohne des Maimoitides und ß den meisten autlet eil jüdischen Bcriilumlu'i: knvr Zeit in regem Verkehr gestandet) hatte. :: /AISCeLLSN ö Unter der Spitzniarkc*״Line wahre Gescinci erzählt eine Monchener Zeitschrift: Aut der i׳•: scheu Terrasse in Dresden sitzen zwei schneid׳.:■ Vollblut-Geniianen. anscheinend Referendare, an eine- Tische, als sich ihnen ein polnischer Jude int jiidisJ. polnischen Kostüm — langer Kaftan, lange Stiefel im mit den unvermeidlichen Paics geziert - mit de Präge, oh cs erlaubt sei, Platz zu nehmen, nähen ohne Antwort abzuwnrtcn, sich niedersetzt. ITT״- die Vergrößerung der Tisclmmde wenig 01101־! wendete sich der eine der Herren an den Juden!»׳ den Worten: ״Wissen Sie nicht, daß Sic hier unte Antisemiten sitzen?" Worauf ihm die verblüffend Antwort wird: ״Entschuldigen So, meine Herren. * lang Sc sich hier anständig betragen, können 3 ruhig sitzen bleiben."

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