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Jüdische Rundschau · 1910-05-13 · Heft 19 (13.5.1910) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XV (1910)
Issue
Heft 19 (13.5.1910)
Date
1910-05-13
Page
– (sequence 7)
Language
German
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No. 19. lUED^SCHE RUNDSCHAU Seite 227. MiinlcU'licii heivorgeiioU hatten; denn selbst die nationalen Juden Wiens sind bei diesen Herren auf alles jjvfaßt. Ls ist car nicht ausgeschlossen, daß dieselben Renegaten im Geiste, die gestern sich der Freundschaft Luegers dos Gerechten rühmten und heute i'lutzlicli mit Hilfe eines politischen Korsetts vorgeben, ein jüdisches Rückgrat zu besitzen, daß dieselben ehrenwerten Herren morgen sich als /mnisten deklarieren, wenn sie sich damit einen Vorteil verschaffen können. Der Sachverhalt war kurz der: Bei den vor kur- (un stattgefundenen Geincindcratswahlcn, hatten die IVuisoli-Prcilicitliclicn, Dcutsch-Dcmokratischcn, Ueuuch-I 0UM.I1r1ltlicl1eu, ״der wie diese jüdischen 0rc.mi.<.1tiö11chc״ sicii sonst nennen mögen, das selbst l״r \\ lener Verhältnisse Unerhörte gewagt, und r.vei .descliiimodini und einen christlich-sozialen k.md J.itcn im I. Wahlbezirk aufzustellcn, in dem über TU der Wähler Juden sind. In diesem Wahltoini׳ c wallen 11. a. auch Herren aus dem Vorstande 4er .1 ׳>0׳n‘■ und die Herolde waren die jüdischen . ^.»!)geordneten Dr. Ofner und Baron Hock, veihe Pr. Ofner, der kürzlich bei dem Jubier ״Union" cs gewagt hat, den Juden vorzumili fic Sonderrechte anstreben, wenn sie eegen sträuben, in einen solch unnatürlichen :,!s des Jüdischen Gliettolcbcns. wie er no l'raktionsgcnosscn cs sind, ihre wahren . itrcivr zu sehen, derselbe Dr. Ofner, der es letzten Rcichsratswahl nicht verschmäht ha», Aaiilcr mit Jargonflugbiättcrn zu bestechen, 0 er sich als guter Jude anpries, während . n deutschen Aufrufen seine Abstammung von :011 Germanen nachzuweisen bemüht war. ir selbst den Wiener Juden zu viel, :ton sicii energisch und mannhaft auf — und cii ein dcutscli-frcihcitliches Wahlkomitec, In .׳ drei beanstandeten Kandidaten durch andere « ersetzt wurden. »ui sich mm entspinnenden lebhaften Wald- Rcu l ־ l IjIIIII veno sich Aus". u:nl s Volk' bei di seine in de: er in ׳ Jen Pies Sic r.. g! und 110 וזו d her 10 ־11 Lmuih vagte cs ein getaufter Jude, ein Advokat Dr. H׳׳ck. dom neuen Komitee zuzurufcn: ״Wer Im K a m!0 : י die Hahne verläßt, ist ein H111! d 1 .׳ o 11!" Die Antwort, die ihm darauf zu Teil "aide, trifft auch alle die andern Mcschutno* diai. du׳ in der Wahlkampagne so tapfer hervorüctictcii waren, sic trifft aber auch alle ihre Agitauen .n.1i Walilredner. Minutenlang ertönte cs Jjroli »!0:1 Saal: ״Ja wohl, ein Hundsfott, »in il1!ul s f 0 11!" IV' Resultat dieses Kampfes war min auch, daß s'W Wcugaten und Antisemiten glatt durchficlcn. Hs v.!r ein lirfolg der Wiener Juden, aber ehrlich kön- 1:c:: wir uns dessen nicht freuen, denn es war nicht om Sicw aber ein Prinzip, sondern nur über die An sw ach sc desselben. Hin wirklicher Erfolg vird um daun cintrctcn können, wenn dieses ver- I gene M stem radikal mit Stumpf und Stil wird ausgermict worden sein. I.ielieriich wirkt cs ja nun allerdings, wenn eine jadischc Zeitschrift, deren ganz verfluchte Pflicht tnd Schuldigkeit cs ist, sich in den Dienst des wirk- Lehen Judentums zu stellen, sich selbst folgende wliöiie l.obhudelci ausstcllt, wie cs ״D r. Bloclis Ocsti-rrcichischc Wochenschrift“ tut: ״Wir J״rfcn diese erfolgreiche, publizistische Kampagne :.״seren schönsten und kostbarsten Erinnefungen oinrcilien." D״!'pclt iiichcrlicii, wenn sic in ihrer Nummer '״m April nachstehendes Kunststückchen zu- Mindo bringt, Sic druckt aus der ״Jüdischen R!1 ו! •d1 c h a 11" die kleine Glosse: ״Intere Personal nach richten" ab. Aller- -•::gs nr so weit, als cs sich um außcröstcrrcichi-!>:!10 Personen handelt. Die wohlverdiente Kritik und Ir .risicrung einiger österreichischer Herren und Mahn.!ן״ aber entzieht sic ihren Lesern still- •:und. k!1c Folgen diese entwürdigende Sclbsthcrg der Ocsterrcicliischcn Judcnhcit nach!1. kann man ans dem neuesten Stücklcin der u g ersehen, die an Stelle des verstorbenen asidenten Julius von Gompcrz einen andern!״den,Herrn Bernhard W c t z I c r, ins Herren* .״ ־len hat, damit der alte Modus aufrecht eriiloihc und 6 Juden im Herrenhaus säßen. Daß ׳*einer dieses Herrn getauft ist, und das ein- .׳as ihn noch an das Judentum bindet die TatiM, daü er noch nicht — getauft ist, daß er ■whsrat angcschuldlgt wurde, die unwürdigsten blichen Praktiken erfüllt zu haben, um ms .!!aus berufen zu werden, so u. a. 200MO Kr. ntiscmltischen ״Slovo Po 1:sklc *״r י®[* gestellt haben soll, daß hindert ** ® ung nicht, ihn als Juden fürs Herrenhaus wert ucn. . österreichischen Juden haben das aber ver- Ver sich selbst nicht achtet, darf nicht verdaß ihm andere Achtung cntgcgenbrlngem 1 jeder, was er sät. Dr, Jose! Uebeis* ziomsriscHe BeweGUfiG Dcleglortcntog der Zlonlsllsclicn Vereinigung liir Deutschland. Der XII. Delcgicrtcntag der Zionistischen Ver* cinigung für Deutschland ist nunmehr endgültig auf den 11. und 12. September 1910 festgesetzt worden. Die Verhandlungen finden in Frankfurt a. M., Eschenheimer Anlage, im großen Saale des Neuen Kaufmännischcn Vereines statt. 11• Die Broschüre ״Zionismus und Staatsbürgertum" von Rechtsanwalt Kollcnschcr- Posen liegt nunmehr fertig vor und wird zum Preise von 10 Pf. pro Stück im Einzclverkauf und mit 5 Pf. bet Abnahme von mindestens IM Stück abgegeben. Bestellungen erbitten wir umgehend, da die Auflage nur klein ist. * Wir haben bereits mehrfach ausführlich über die Agitationstourncc des Präsidenten Wolffsohn durch englische Städte berichtet. Im Anschluß an diese Mitteilungen tragen wir noch nach, daß Herr Wolffsohn auch in Glasgow In einem Massenmeeting mit größtem Erfolg gesprochen hat. Die Versammlung schloß mit der Annahme folgender Resolution, die von Rabbiner Hillman eingc* bracht und von Rabbiner Mcndclsohn und dem engfischen Sekretär des Zionistischen Zentralbureaus in Köln, Israel Cohen, unterstützt wurde: ״Die hier tagende Massenversammlung von Zionisten anerkennt die zionistische Idee als den einzigen Weg zur endgültigen Lösung der Judenfrage und zur Wiedergeburt des jüdischen Volkes in seiner historischen Heimat in Palästina, spricht ihre unverrückbare Treue zu den Grundsätzen des Zionismus aus und drückt Herrn David Wolffsohn ihr festes Vertrauen zu seiner Führerschaft und zu seinen unermüdlichen Bestrebungen, die Zwecke der Bewegung der Verwirklichuitg näher zu führen, aus. Diese Versammlung appelliert ferner an die jüdisclicn Bewohner von Schottland, die zionistische Organisation als die einzige Körperschaft, welche für die Realisierung des alten, hehren Ideals des jüdisehen Volkes wirkt, materiell und moralisch zu unterstützen." Am Abend fand ein großes Bankett statt, welches in harmonischer Weise verlief. AusDeNGeMeinDen Dl« .Mitarbeit unserer User an dieser Rubrik ist besonder■ ———— erwünscht•———— Frankfurt a. M. Der Israel. Stcllcnvcrmltlluiigs- und Versicherungs-Verein versendet soeben seinen elften Rechenschaftsbericht. Wir entnehmen ihm, daß das verflossene Jahr durch zwei Ereignisse aus dem Rahmen des Gewöhnlichen herausgehoben wurde. Zunächst gelang cs, die schon im Jahre 1908 begonnenen Verhandlungen mit dem Kaiserliehen A11 f s i c 111 s a m t c für Privatversi.cltcrung, zwecks Genehmigung zum Betriebe der Versicherungsabteilung, zu einem glücklichen Ende zu führen. Mittelst Scnatscntschcidüng vom 18. Juni 1909 wurde die nachgcsuchtc Qcnchmigung erteilt, wodurch der Verein auch in den Besitz der Rechte einer juristischen Person gelangt ist. ״ ., . Ein weiterer Erfolg war auf dem Gebiete der Stellenvermittlung zu verzeichnen. Seit Bestehen des Vereins war cs sein Bestreben, die durch die gleichzeitige Existenz der verschiedenen Stcllcnvcrmittlungsvcrcinc — Berlin, Breslau, Hamburg. F r a n k f u r t a. M. - bew rktc Zer- Splitterung von Mittel und Kräften zu beseitigen und durch eine Zentralisier ung von Angebot und Nachfrage den Stellung suchenden Jungen Leuten wie den Prinzipalen, die Vak anzc״™י® ״'n den haben, von vornherein den ErfofK möglichst zu sichern. Dieses Ziel ist heute erreicht. In den letzten Jahren stand nur. der Hamburger Verein noch abseits. Aber auch hier gelang cs Jetzt, dank des von der Leitung des Hamburger Vereins bew esenen Entgegenkommens, eine Ucbcrcinkunft z״.tr?^c5i am 1. Juli 1909 ln Kraft trat, wodurch auch der Hamburger Verein sich der Stclicnvcrm ttlungszcntrale angliedcrt. Es arbeiten also heute alle vier Vereine iöllig Hand in Hand. Die segensreichen Folgen dieses Zusammenschlusses sind schon heute deutlich zu erkennen*, die dürften In der Folge noch schärfer hervortretem c|lcnvcrmitl;luttgs-Zentra 1 e konnte in 1909 168 Stellen (143 Gehilfen- und 25 Lchrlingsstcllcn) besetzen. ln den zwölf Jahren seiner Existenz hat der Verein Im Qanzen 1066 Stel en besetzt Welche Fortschritte hier durch die altmähllche Zentrallsierung erreicht wurden, beweist am besten der Umstand, daß In den ersten bis 1903 — Im Qanzen 302 Stellen zur Besetzung kamen, während es In der gleich langen Periode von 1904 bis 1909 764 Stellen waren, Wenn in 1909 36 Prozent der Bewerber Stellen erhielten, so Ist das ein Resultat, das jenes der großen konfessionslosen kaufmännischen Vereine übertrifft, da diese, wie aus der dem Jahresberichte beigegebenen Statistik hervorgeht, nur 30 Prozent iiircr Bewerber plazieren konnten. Die Versichcrungskassc zahlte im Jahre 1909 Mk. 1835.95 an stellenlose Mitglieder aus. Seit dem Bestehen des Vereins betragen die an Stellenlose gezahlten Entschädigungen nebst den aus dem Dispositionsfonds bewilligten Beträgen zusammen Mk. 17 469,68. Seit der Gründung und Ausbreitung des ״Verb n ml c s der S n b b u 111 f r c u 11 d c" ist vielfach die Meinung verbreitet, die Schomrc-Schabboth- Vereine seien damit überflüssig geworden. Das ist ein großer Irrtum. Das Gebiet der kauimännisehen Stclicnvcrm ittlung wie der Versicherung gegen Stellenlosigkeit wird von der Tätigkeit des Verbandes, der anderwärts reichlich Arbeit findet, nicht berührt. Es sollten daher vor allein Kaufleutc, die noch auf gcsctzcstrcucm Boden stehen, — Prinzipale und Gehilfen — nicht versäumen, die Mitglied- Schaft des Frankfurter Vereins zu erwerben. Der Jahresbeitrag beträgt für die außerordentlichen Mitglicdcr — Prinzipale — im Minimum 5 Mk., für die ordentlichen Alitgiieder — Gehilfen — in der niedrigsien Klasse 6 Mk. pro Jahr, Beträge, die gewiß für jeden erschwinglich sind. Straßburg I. Eis. Bei der diesmaligen Anwesenheit des Kaisers ist zum ersten Male seit der Anuexion Eisaß-Lothringens der Präsident des Israclitischen Konsistoriums, unser Gesinnungsgenosse, Fabrikant Dur lach, zur kaiserlichen Abendtafei geladen worden. Herr Konsistoriairat Dur lach hatte im Dezember 1907 bei dem Empfang des Konsitorimns durch den Statthalter Grafen Wedel auf die Zurücksetzung der Israeliten bei ähnlichen Anhissen hingewiesen und um Abhilfe gebeten. Unter Betonung der vollsten Parität aller Konfessionen sagte der Statthalter die Befürwortung der Bitte zu. Das Versprechen ist jetzt erfreulicherweise eingclöst worden. VGReiNS-RUMDSCHAU Die Schriftführer d •r Vereine werden geheten, die Berichte tnPglichst knapp *u hallen un׳l sie stets rechuciti!• etnsenden, Manuakripto nur auf olno Sotto boaohrolbon - doutltobe Sohrirtt Gründung desGruppenverbandes Rheinland Sonntag, den 8. Mai fand in Köln im Sitzungssaalc des Zionistischen Zcntralburcaus die k 0 n - stituicrcndc Sitzung des Gruppenv c r l> :1 n d es R 11 e In I a n d statt. Filnfumidrcißig Delegierte aus sechzehn Städten der Rheinprovinz und Westfalens waren zur Tagung erschienen. Der Parteisekretär der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, Herr Kurt Blum cnf c 1 d», war als Vertreter des Berliner Zcntralburcaus zu dieser wichtigen Sitzung entsandt worden. Herr Max Gold re ich begrüßte als Vorsitzender der Kölner Ortsgruppe die Versammlung und bat Herrn Dr. Boden heimer als Vorsitzenden der Zionistisehen Vereinigung für Deutschland die Gründungs- Versammlung zu leiten. Herr Dr. Bodenheimer dankte in seiner Eröffnungsrede den Vertretern für ihren über alles Erwarten zahlreichen Besuch und übermittelte ein Schreiben des Herrn Präsidenten Wolffsohn, der zu seinem größten Bedauern infolge seiner Reise nach England der Sitzung nicht beiwohnen konnte. Das Hauptreferat hielt der Herr Parteisekretär über die Organisationsreform der Zionistischen Vereinigung für Deutschland. Der Schwerpunkt seiner Ausführungen lag darin, daß eine Neuorganisation der deutschen Landsmannschaft nur dann möglich sei. wenn die Berliner Zentrale finanziell gekräftigt werde. Die Landesbeiträge reichen bei weitem nicht aus. um eine wirksame agitatorische Tätigkeit in Deutschland zu entfalten. Von den 6800 Zionisten, die wir in Deutschland haben, bezahlen kaum viertausend ihren Landesbeitrag; und dabei beträgt der Etat des Zcntralburcaus 14 000 Mark. So ist es gekommen, daß die bisherige Propagandaarbeit manchen falschen Weg eingcschlagen hat; sic war ungleichmäßig auf die einzelnen Landesteile verteilt und war naturgemäß stark von Zufälligkeiten abhängig und cs fehlte ihr jede prinzipiclle Einheitlichkeit. So hat man vielfach den Zionismus dem Publikum allzu mundgerecht gemacht, und wir haben heute viele Schckclzahicr, deren gan* zer Zionismus in der Tatsache beruht, daß sic einmal im Jahre diesen kleinen Parteibeitrag entrichten. Wenn die zionistische Partei In Deutschland sich jetzt ernsthaft Ihrer Verpflichtung bewußt wird, ihrer Organisation eine wirksame Arbeit zu ermöglichen, dann wird cs möglich sein, durch eine planmäßige Bearbeitung aller deutschen Zionisten alle unsere Mitglieder zu einer zionistischen Lebensanschauung zu erziehen und ihnen das Bewußtsein beizubringen, daß sic dem Zionismus um Ihrer selbst willen außerordentliche Opfer zu bringen haben. Es wird sich dann auch die Möglichkeit bieten, nicht nur mit den Ortsgruppen, sondern mit allen einzelnen Zionisten, die verstreut im Lande wohnen, Fühlung zu nehmen und feden Einzelnen ln dauerndem Zusammenhang /

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