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Jüdische Rundschau · 1910-05-13 · Heft 19 (13.5.1910) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XV (1910)
Issue
Heft 19 (13.5.1910)
Date
1910-05-13
Page
– (sequence 5)
Language
German
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No. 19. JUED1SCHE RUNDSCHAU Seite 225. jüdische Lehre sei Wahrheit, sic erschließt die Erkcnninis des einig einzigen Gottes, sic mutet uns nicht y.u unserer Vernunft '/.warnt anzutun. Sic regelt unser Verhältnis zu den Ncbcumcnschcn. Angesichts dieses und der Vergangenheit des Judentum sei cs kl.ir. daß cs die /.eiten überdauern wird. Wir wollen daher «trösten Mutes in die Zukunft schauen; wenn wir das unsrige tun. wird das Judentum bestehen Pie gegenwärtige Generation nehme cs leider nicht een,111 mit ihren Pflichten, Die Fahnenflucht nehme ,״aiier!:rollere Dimensionen an. Vor einem ehrlichen Christentum haben wir alle Achtung, vor dem Tiiuf- In•' können wir nur Abscheu empfinden. Redner 5tuiit daun das Kapitel der Kindertaufen und \u!ulet sieb sehr scharf gegen diese; er bezeichnet mc als aus falscher Elternliebe, ' Strebertum und Charaktcrloslßkolt mißen, als Frciibriich und modernen Molochs* di. 1:st. Er wendet sich weiterhin «egen diejenigen, die in׳! noch dem Namen nach Juden sind und vom .1. •11״ einzig und allein seine schlechten Eigenschaft ן"!■ bcibehalten haben. Jeder Jude müsse In dieser Zelt die Treue lud•!1 nul fühlen, daß mit der Sache des Gesamtjuden• 11!> auch seine eigene Sache verfochten wird! — A: Schlüsse seiner Ausführungen ließ sich der Red* in soweit von seiner Begeisterung hinrcißcit, das .!11״ ntiim als eine ״Familien• und Volksrcligion 1s!) /.11 bezeichnen: einen Ausspruch, den wir bei 11, iicriiei Polemik von dieser Seite noch nicht ge• 11, haben. 1 lerr J 11 s t i z r a t B lau. der vierte Redner, v.. der weitaus ehrlichste und konsequenteste ... allen; er verlieh nämlich dem Gedanken, der c•. Herren von der liberalen Vereinigung bewog, die \\ '.«imnltmg cinziibcrufcn. am besten Worte, indem u das gehurte alles noch zum Kapitel ״Rcligionsge ■■;■räche" - ein halbstündiges und begeistertes Lobk.! aii die Tätigkeit der Vereinigung für das liberale Ju< fitiiiu in Deutschland sang. Eine angenehme Al > 1׳cl1slu11g bildeten nur die heftigen Ausfälle ge-• יי die ,,separatistischen" Orthodoxen, v:v er eine bestimmte Gruppe unter diesen, im wohl• nand.'ii Gegensatz zu den ״Ge mein de« rt hodu \ e n". bczciclmctc. Die Liberalen in Deutschland dui 'vii lediglich der Erhaltung des Judentums (Oho- 1. der Liberalismus sei das einzig denkbare (ivevagew ieht gegen den zunehmenden ludiffcrentis- חוו!', der selbst von orthodox erzogenen Kreisen N.iimig erhielte. Die moderne liberale Bewegung diiik־ \erlangen, als glciclibereclitigt im Kampfe für d״. l.rii.iltiing des Judentums angesehen zu werden. 11 : k’ulucr streifte die R c f 0 r m be w c g 11 n g und f >• >! וויי zum Antisemitismus, der das .י;;:,!;" zur Solidarität erzogen habe. Den Höhe- ׳■״•״׳•:;;er Ausführungen bildete aber der Moment, . > . Redner die Organisationen nannte, die sich l. u Hebung des Judentums in Deutschland verüu;; cvmacht hätten; er gedachte des Zentralvch ii'. der — horribile dictu (denn die Herren haben d . ן stets mit Angstgebärden bestritten, einen im Staate" zu bilden!), gewissermaßen das ...M;!, Meriiim des Actillercn" im deutschen Judentum wi. des D.J.O.H., der das ,.Ministerium des Innern" rvi'1.1 sentiere, des Hilfsvereins und — ein solcherm. ii cn unverdientes Kompliment ist wohl selten ge- 1״.K1׳t worden — der Alliance! Den Zionismus zu erwähnen, hielt der Redner nicht für nötig. Vivkicht kennt er ilm gar nicht! In diesem Falle kn gute Freunde ihm einen recht schätzbaren l'i ist erweisen, wenn sic Herrn Miau einige notdi•• kige Instruktionen zukommen Hellen; Herr Blau (knmj׳ und Kummer. Als ihr lieber und glau-!״״!Streuer Bruder in Gott seinen Urlaub um ti!;׳n Monat überschritten hatte, wurden sie d:'־;stlieh und zogen Erkundigungen ein, jeh ohne Erfolg. Als drei Monate verflossen w.siva, wurde ein Bittgottesdienst für seine *hlicre und schnelle Heimkehr abgehalteu. Der!■:•lgoltesdienst trug keine besseren Früchte. N׳־ci1 Ablauf von sechs Monaten verkaufte sein Hauswirt all seine zuriickgelassencn Sachen, I!!1! sich für die Miete schadlos zu halten.- In einer Dachstube im Osten von New York I! ••Jet der Pfarrer Michael Rubenstein — oder \ ןן|י11ח1י• derjenige, der einst der Pfarrer Rübens! in gewesen war — kümmerlich sein Leben ß׳u dem Unterrichten kleiner Knaben. Aber H< t/.dem dünkt er sich reich, — reich, wie alle, die nichts begehren. Er besitzt einen Schatz, n er gestohlen, den Segen, den er von seines V uers Lippen geschmuggelt und mit sich fortg» nommen hat, — ein kostbares Gut. Und!'1anchmal fragt er sich, ob es wirklich ein Diebsialil war, den er begangen, oder ob der Spender des Segens nicht vielleicht doch gewußt halte, wem er ihn erteilte. Vielleicht hatte die 1׳,rau mit den geduldigen Augen unsichtbar aut dem leeren Stuhl gesessen und es ihm gesagt. wird dann vielleicht, wenn er informiert sein wird, die moralische Verpflichtung verspüren, in seiner nächsten Rede etwas nachzuholcn, was er heute noch ״vergessen״ konnte. — Im Großen und Ganzen beschränkte sich, wie gesagt, seine Rede auf Polemik gegen rechts und Komplimente nach links, ein neckisches Spiel, das manchem Zuschauer zu stiller Heiterkeit Anlaß gab. Offen gestanden, meine liberalen Herren — es bleibt unter uns —, war diese Versammlung wirklich nötig? — Brauchten Sic so dringend Propaganda, daß sogar dieses Thema hcrhalten mußte? Hans Goslar. Jüdische Jugend-Lektüre Dr. E. Wolbe's Montcllore-Blographlc. Fine Biographie Montefiore's! Die Kunde wird so manchem Freude bereitet haben. Man weiß bei uns vom Leben dieses großen Juden, dessen Todestag sieb in wenigen Monaten •zun» fünfundzwanzig• sie» Male jälirt, viel zu wenig und das Fehlen eines biographischen Werkes über ilm macht sich nls empfindlichc Lücke schon lange bemerkbar. Das vorliegende Buch vermag diese Lücke nicht aiiszufülicn. Der Verfasser bezeichnet cs als ״Lebensbild für jung und alt." Er hat also ein populäres Buch schreiben wollen. Nun, faßt man ״populür" auf im Sinne von ״mundgerecht für harmlose Gemüter" — obwohl die Auslegung nicht die ursprihigliche ist —, dann wäre an der Biographie wenig zu bemängeln; was in ihr aus dem Leben Montefiore's gebracht wird, ist zumeist schlicht und klar anelnandcrgercilit. Das Buch ist aber nicht eigentlich für Erwachsenc berechnet, sondern in erster Reihe für die J u - g c n d. Darauf weist auch die Bemerkung auf dem Titel hin, ״hc r a usgc ge bc n unter Mitwirk' u n g d o r J u g c n d s c h r ■i f t c n * K o m nt i s sion der Groß löge für Deutschland VIII. U. O. B. B." Man muß stell deshalb mit dem Wolbcschcn Buch schon ausführlicher beschuftigen, als cs sonst notwendig gewesen wäre. Bei dem Mangel au jüdischen •lugcndschriftcn Ist cs unerläßlich, auf die wenigen Neuerscheinungen ein umso schärferes Augenmerk zu richten und genau zu prüfen, ob sie imstande sind, (len Anforderungen, die mau au eine jüdische Jugcmllcktürc stellen muß, auch tatsächlich zu genügen. Die Bücher, welche dem jüdischen Nachwuchs in die Hand gegeben werden, müssen auf das jüdische F.mpfiiulcn und das jüdische Bewußtsein der Kinder stärkend und fördernd cinwirkcn. denn unleugbar stellt das Buch bereits in der Welt des Kindes einen Erzichungsfaktor von hohem Wert dar. Es ist nicht nur ein wichtiges Gebot, bei der Wahl des Stoffcs vorsichtig umzugehen; vielleicht noch größere Aufmerksamkeit erfordert die Art der Darbic- 111 ng. Der Geist, in welchem das Buch ge• schrieben ist, wird vor allem ausschlaggebend sein für seine Wirkung auf die jugendlichen Gemüter. Der Stoff des vorliegenden Buches kann für eine Jugendschrift durchaus als geeignet bezeichnet und die Behandlung des rein Stofflichen im großen ganzen auch gebilligt werden. Aber das ״drum und dran“ ist von einer Beschaffenheit, welche das Buch als Lektüre für die jüdische Jugend geradezu unntöglieh macht. Ich habe mich wiederholt gefragt, wodurch der Autor wohl jüdische Saiten bei seinen jugendlichen Lesern zu wecken beabsichtigte. Etwa durch die mehrmalige trockene Feststellung, daß Monteiiore stets das religiöse Zeremoniell bcobachtote? Oder durch die häufige Verwendung von Bibelstellcn? Oder glaubte der Herr Verfasser womöglich, jüdisches Interesse durch die reichlich eingestreuten Zitate aus ־ deutschen Klassikern wachzurufen? Einzigartige Wirkungen lassen sich allerdings mit Hilfe der deutschen Zitate - die ebenso wie die Bibelsprüche durch Sperrdruck hervorgehoben sind und den Vergleich mit den Rosinen im Napfkuchen nahclcgcn - erzielen, das will ich nicht bestreiten; so, wenn der Bericht über die erste Reise Montefiore’s nach Palästina also vorbereitet Wjrj..!!״Id aber sollte sich auch an Moses und Judith' Monteiiore das Wort des wanderfrohen deutschen Dichters erfüllen: Wem Gott will rechte Gunst erweisen, den schickt er in die weite Wclt." Ist das nicht wahrhaft - klassisch? Oanz frag- 1 wenn sich darin auch nicht gerade jüdischer ■ist kundtut. Den jüdischen Geist aber;״mißt man in dem Buche von der 'stcn bis zur letzten Seite, wiewohl — in denke! - das Leben Mojes Montefiore’s Ge- Ist. Schließlich Moses Montefiore. Ein Lebensbild für alt von Oberlehrer Dr. Euch Wölbe, x Louis Lamm In Berlin, 1909, dieser Moses Montefiore nicht nur ein ״wohltätiger Glaubensgenosse״, als den ihn Herr Wölbe hinzustellen beliebt, sondern ein Volljude in des Wortes schönster Bedeutung, Bei seiner Liebe zu Paiästina, bei seinem Interesse für das heilige Land trat dies in hervorragendem Maße zu Tage. Hier bot sich für den Verfasser die günstigste Gelegenheit, den Juden Monteiiore zu charakterisieren. Herr Wölbe hat jedoch nur ein paar Zitate in Bercitschaft. Da der Name Montefiore’s mit Palästina zeit seines Lebens aufs engste verknüpft war — er weilte selbst sieben Mal im heiligen Lande, so ist in dem Buche — ich möchte fast sägen: notgedrungen — von Palüstina öfters die Rede. Herr Wölbe kann sogar nicht umhin, nachdem er von den Kolonisationsversuchcn Montefiore’s gesprochen hat, der Ent- Wicklung Palästinas einige Worte zu widmen. In diesem, ganze zwanzig Zeilen umfassenden Abschnitt heißt cs:.Freilich, zu Reichtüincrn werden es die Ansiedler wohl kaum bringen; Sparsamkeit mul rastloser Fleiß gewährleisten ihnen nur ein bescheidenes Auskommen." Herr Wölbe traut sich da eine prophetische Gabe zu, die von manchem angczwcifclt werden dürfte, obwohl das Wort ״bescheiden” gesperrt gedruckt ist! Von der Einwirkung der zionistischen Bestrebungen auf die Entwicklung Palästinas zu sprechen, hält der Verfasser natürlich nicht für angebracht. Um wieviel eher jedoch wäre eine Würdigung der zionistischen Palästinaarbeit am Platze gewesen, als etwa das Loblied auf die ״Alliance" jenen ״wcltumspannenden Verein, der . . . allen denen wirksame Hilfe angedeihen läßt, die in ihrer Eigenschaft als Juden leiden" oder der Panegyrikus auf die Bnci- Brith-Logen, den Herr Wölbe im Eifer des Gefechts gar mit einer — Beitrittsaufforderung beschließt! Dabei hätte der Verfasser lediglich das Gebot reinster Objektivität erfüllt, wenn er in erwähntem Zusammenhang die zionistischen Pa* lästinabcstrcbungcn gestreift hätte. Daß er es unterläßt, mutet so sonderbar an. daß man fast auf den Gedanken kommt, Herr Wölbe habe vom Zionismus noch nie etwas vernommen. Auf Seite 98 indes stößt man auf einen Passus, der die Annahme doch nicht zuläßt. Es steht da nämlich zu lesen: ״Wenn Monteiiore heute noch lebte, er würde von einer großen Schar unleugbar warmherziger Juden auf dem weiten Erdenrund in politischer Hinsicht als Glaubensgenosse (wie geschickt das ausgedrückt ist! D. Rcf.) gefeiert werden, nämlich von denjenigen Männern und Frauen, die von einer Wieder- Herstellung des jüdischen Staates in Palästina träume n." Für diejenigen, dne aus den bisherigen Proben noch kein Urteil über Herrn Wolbcs Jugendsclirift haben gewinnen können, zitiere ich noch folgenden Abschnitt. Ich darf mir dabei jeden Kommentar er* sparen und lasse nur einige Worte gesperrt drucken: ״ln der Tat: die Liebe Montefiore’s zu Paliistinn, das er sieben Mal besucht hat — das letzte Mal im Alter von cinundnctmzig Jahren! — diese an Uebcrschwcnglichkeit grenzende Begeisterung hat auf den ersten Blick etwas Aui* fülliges. Wenn wir aber bedenken, d a II d c r fromme Christ d a s H c i I i g c Land, wo die Erzväter und die Pronheten gewandelt sind, ״nt i t der Seele sucht", dann dürfen wir cs einem frontmen Juden kaum verdenken, wenn er sich stolz und freudig zu den großen Erinnerungen seiner Geschichte bekennt und demgemäß mit dem Psalmdichtcr das Gelübde tut: . . .'* folgt Ps. 137, 6). Kann man dabei ernst bleiben? Dieses Produkt assimilatorischer Gesinnung wirkt schließlich dermaßen komisch, daß cs unmöglieh wäre, sich drüber zu erregen, befände cs sich nicht in einem Buche, das der j ü d isehen Jugend gewidmet ist. Wie man cs aber w a g c n durfte, heute der jiidisehen Jugend dieses auch-jüdischc Buch ais Lektürc vorzusetzen, das ist unbegreiflich! Louis Lewin, Königsberg I. Pr. Brief aus Bulgarien (Von unsere nt Korrespondente n.) Phlllppopcl, im Mai!910. ln das nahezu erstarrte politische Leben der bulgarischcn Juden kam in den letzten Tagen wieder etwas Bewegung hinein. Es handelte sich zunächst um die Verhütung von Ausschreitungen des Pöbels, der durch antisemitische Flugschriften und Broschüren zu einem regelrechten Pogrom nach russischem Muster gegen die Juden gehetzt werden sollte. Des weiteren mußten ernstliche Schritte unternommen werden, um ein Verbot gegen die Vorführung kinc*

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