Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1910-05-13 · Heft 19 (13.5.1910) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XV (1910)
Issue
Heft 19 (13.5.1910)
Date
1910-05-13
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/2651273-2651657-2651677--07052-2664188
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

NO. 1<>. Seite 221. J u ÜDISCIILRUN t> S c 11 A U gewordene Lücke cinircten würde. Hie JCA I1;1t im Vurjalire auch einige schüchterne Versuche in dieser Riclüimg gemacht, iiaclidem sie mil den 20 an Stelle der besciligten widcrspcnMigcn Kolonisten;!»gesiedelte» Arbeitern die besten Lrfalirtmgc» gemacht hatte. Sie siedelte 28 Arbeiter in den Kolonien Meskha und Jantnia an, tun so die Jüdische Bevülkcrum: in denselben 7.11 verstärken, und brachte sechs weitere Arbeiter in der neuen, nur eine halbe Stunde von Tiberias entfernten 3(10 ha «rollen Kolonie Ln- Kat!)» unter. Daneben werden im Kreise Tiberias •tu jüdische Arbeiter von den Kolonisten, H> von der!,alestine Land Development Company in der Kolonie Kinereth und 25 (20 Arbeiter und 5 Arbeite* rinn c n) auf der von der JCA selbst unterhaltenen I.elirfarni Sedjera beschäftigt. Daselbst wurden auch 25 jüdische!,achter »»gesiedelt. Last sämtliche Arbeiter sind alleinstehende junge Leute aus Rulllaml, doeh befinden sich unter ihnen auch (scherhessische Juden. tbergjmlen) sowie eine Anzahl geborencr Russen, die zum Judentum fibergetreten und nach Palästina ausKcwandert sind (Uerim). Die (Iniinlung der drei Kolonien Jainnia* Hetdsclien. Meskha und Milchamije wurde dem be* kannten Chowcw-Zion Chaiin M a rg o 1 i u s - K a l - w areisky als Administrator übertragen. Pr enttätigte sich seiner beneidenswerten Aufgabe, für die Kolonisation Palästinas eine neue, breitere Urundlaste zu schaffen, mit vielem Takt und grober Klm׳- heit. Die Kolonisten erhielten je nach der (!rolle ihrer Pamilie 25 du ha Hoden nebst (1000 Pr. zur An- Schaffung des erforderlichen lebenden und loten Inventars. Wollige.nerkt. das (leid wurde ihnen als Zeichen des Vertrauens und zur Weckung und Hebung ihres Vcrantwortlichkcitsgefübl bar in die Hand gegeben, (ileich/.eilig aber wurde ihnen erklärt, dall sie auf weitere Darlehen in keinem Palle mehr zu rechnen hätten. Der Laudankatif im Kreise Tiberias ging nicht ohne erhebliche Schwierigkeiten vor sich. Pin groltcr Teil der Ländereien miiüte nach erfolgtem Prwerb durch Kaut zum Preise von durchschnittlich 130 Pr. pro Hektar in langwierigen Prozessen noch einmal cistritten werden. So mitllten um einen Komplex von 5150 hu. welcher von Haron Rothschild in jener (iegeud bereits im Jahre 1801 dureli Kauf erworben, aber von den Arabern der benachbarten Dorier widerrechtlich bestellt wurden, lange Prozesse gefuhrt werden. I־'einer multteii (!57 ha gegen die P»ewoliner des arabischen Dorfes Lubjeli, 3(»() ha am Hcrge Tabor gegen die Tsclicrkcsscu. •150 ha in Shell gegen die türkische Krone in schwerem Kampfe vertcidigt resp. von dieser zurückerobert werden. Pndlieh imiHtc das Recht der Juden auf die Hcutzimg der tiewässer des Wadi-Pedjas erstritten werden. Neu gekauft wurden in Dalalka-Sahu und Dalaika- Issa zusammen 20<אי ha und dicht bei der Stadt Tiberias 5m) ha. IR׳r Zionistische Nalionaltoiuls erw.nh hei Chinin und Um-Djiiui 057 und eine Privatgcscllschaft hei Amclii 270 ha. Der Hoden der neuen Kolonien Jnimna. Meskha und iMileltainije tinifalU 720 1080 und 1550 ha. P.mllich besitzt die JCA In Sedjera Italic Nazareth 1020 ha Land. lut gar,/e» beträgt der indische Besitz im Regicrungsbezirk Tiberias 115 500 Duiumi 10 577 ha Land, die sieh wie folgt verteilen: Seil je ra . . 1(120 ha Jamma . . 720 ha Milchamije 1350 11a Lubjeli . . (»75 Ita Dalaika-Sahu 1305 ha Shell . . . 450 lut Mesklia . . IIISÜ ha Ln Kat/1b . 360 ha Um Djc'bcl . 3(10 ha Um Dji'mi . 315 ha llittiii . . . 342 ha Aloelii . . 279 11a Die auf diesen Ländereien begründeten sechs An- Siedlungen beherbergen 142 Painilicii. davon zählt Jainnia 48, Meskha 27, Milchamije 22, Sedjera 25, j Dalaika 14, Lii-Kat.ib 6. Die Kolonisten der letztgenannten drei Plätze sind als Pächter angesicdclt worden, eine Hesiedelungsart, die immer mehr zur Anwendung kommt mul in Zukunft die alte Methode der Kolonisation völlig verdrängen dürfte. Die Disputation der Liberalen in der Berliner Philharmonie klangen am Sonntag schmetternd die Trompeten und viele hunderte Ikrliiier Juden waren lierbcigecilt. um den Reden der streitbaren Rabbiner zu lauschen, die sielt die ״Berliner Keligionsgesprüehe“ zum Thema ihrer HetracT.tungeu gewählt hatten. Die Zusammensetzung der Red!erliste lieft es dem unbefangenen Laien als wahrscheinlich ersehe!• neu, dali zuerst die drei Theologen vom rabbinischen Standpunkt aus zu der Präge ״Hat Jesus gelebt?" StcPuiig nehmen würden und daun Herr, Justizrat Blatt als lurist zur Beweisaufnahme schrei- 1 teil und nunmehr den endgültigen Bescheid fällen 1 würde. Dem war aber nicht so: die Person des Na- ן zareiiers wurde kaum gestreift und die Versammlung schien vielmehr dazu bestimmt zu sein, sich mit den ’ Orthodoxen gründlich auseinandorzusetzen und den י Vorsprung, den der Zentralverein mit seiner Ver- ' i Sammlung:!! ״.Indenlauleii“ 1 י errungen hatte, wieder einzuholeii.! .hiMi/rat Breslauer cröffncte die Versäumt- ' hing, betonte, dall man vom Standpunkt des Juden- ' tmus Stellung zu den Berliner Religionsgcspräehen | nehmen •misse und sich darüber klar zu werden! habe, welcher Art die Koiibcipienzen seien, die inan! aus ihnen gezogen hatte. Als erster Redner führteRabbi ner D r. Hoc 11fcld ungefähr k.lgcmks ans: Die Religionskümpfr , der letzten Zeit seien insofern erfreulich gewesen, als sie mrnes Interesse an der Religion überhaupt : geweckt hätten. Der materialistische tlrundz.ug der verflossenen Jahre (Monismus cte.) habe ein Wiei dercrwachendes religiösen (iebihls nicht unterdrücken können. Der lkriilirmigspuiikte zwischen den Kon• : kssimieii seien gar viele und cs habe sich stets ge- I zeigt, dal', ein Markes Abflauen oder eine starke Zu- ן nähme des religiösen Lehens auf dieser oder jener 1 Seite auch immer analoge Strömlingen auf der anderen Seite heivmgerufen hätte. Verflachung hier i zöge auch Vcrilachiing dort nach sich. Der Materialisiiitis könne dein Kulturmenschen nicht mehr; genügen; uns allen wohne ein j starkes mellinphyMseheu Bediirhils ׳ nme, das charakterisiert werde ׳durch das Heinc’sclie j : Wort: ״Was bedeutet der Mensch, wohin geht er. * v er wohnt dort oben ״her Wolken und Sterilen?"; Dieses Bedürfnis könne nur durch die Religion be- 1 friedigt werden. Unsere Vergangenheit sei in der < erlahmt war? Hätte er seinen kühnen Plan mir I «•in Jahr früher aitsgelülm, so würde er sich mil eignen Augen Gewißheit geholt haben, j Nun mußte er sich mit weniger begnügen. Aber vielleicht war cs besser so. Demi welche Maske wäre wohl dicht genug gewesen für die Hellsichtigkeit eines Mutterherzens? Das Spiel hatte unter dem lauten Beifall der Zuschauer geendet. Die träumerischen Augen des alten Rabbi sahen mit scharfem , klugem Blick auf, als der Mann, der den I lamann gespielt hatte, nun */.u ihm trat. I ,inen Augenblick suchte er in seiner Tasche und zog dann eine Silbcmuinze hervor. ״Hier, mein Sohn“, sagte er. ״Die (labe ist klein, aber sic kommt von Herzen.“ Der Pfarrer Rubenstein streckte die Hand aus, und zog sie daun plötzlich wieder *zurück. Die Kühnheit des Gedankens, der ihn soeben überkommen hatte, raubte ihm die Sprache. Alles, wonach er gelechzt hatte, war ein Blick, ein Wort seines Vaters gewesen. Aber vielleicht, — vielleicht würde er noch etwas mehr erlangen können, — etwas, das er selbst in seinen kühnsten Träumen nicht erhoift hatte, j Er brauchte nur zu versuchen, — es war den Versuch wert. | ״Geld ist nicht der Lohn, dessen ich be* t darf, sagte er mit klarer, fester Stimme. ״Ls gibt etwas weit wertvolleres, das Ihr zu vergeben habt, ohne auch nur um eine Kopeke anner zu werden.“ ״Was möchtest du haben, mein Sohn?“ ״Euren Segen, Herr.“ Die Worte wurden fast übertönt von dem lauten Gelächter, mit dem die Menge sie begrüble. Sie hatten heut Abend so manchen ausgezeichneten Spaß an gehört, aber dieser übertraf sie alle. Was für eine Idee, daß Hamann, der Verfolger ihrer Rasse von jeher, der sprichwörtliche l eind Israels daherkam und als 1.01111 den Segen eines derer erbat, über die er noch eben die Schale seines Spottes attsgegossen hatte! Dieser Einfall war wirklich ein Geniestreich! Aber der alte Rabbi stimmte nicht in das Lachen ein. Lin Weilchen senkte er nach• len* keiul das 1 laupt, und dann hob er, Ruhe gebictcntl, die Hand. ״Du hast ein gutes Wort gesprochen, mein Sohn, wenn es auch vielleicht nur im Scherz gemeint war,“ sagte er sanft. ״Segen ist besser denn Geld, denn es ist eine Münze, die in der künftigen Welt ihren Wert hat. ich habe im Laufe der Zeit manchen Segen erteilt, ,aber du sollst besonders ausgezeichnet werden. Hauptsache eine beispiellose Treue gegen eine empirische Aufgabe gewesen. Dieser Verg;»nge״|. ", iniilltcii wir uns wurtlig erweisen. Unsere VornehuiM• Aufgabe sei: Sammlung aller Juden unter d! alten Plagge ־ nicht unter neuer ,\1״ schritt. (?) Ps sei zu lioüe», ilalt ,ms t!en |׳,.f liner Rcligiinisgesjiiäclicn auch fnr das Jml.״,״״ ileil entsprossen sei. Rabbiner Dr. Bäck, Düsseldorf. Wart •ds . tcr Redner die Präge auf. was eigentlich die au dem Kampfe im anderen Lagei intcrcsser,:. j,v, ner. der doch wohl empfinden mochte, dal; cs V1!c׳ grölten Menge Menschen, Juden wie Christen \u taktlos erscheinen könne, Jait jüdische 'I. sich in die christlichen Streitfragen ciiiiih■. glaubte die Präge damit beantworten zu!, Ivä dal! er auf das ungemein rege Interesse 1,"1״ «lall die Juden zu allen Zeilen, schon als sie u ,j (Ihettis salten. iur die Vorgänge in der Au,;׳ bewiesen hätten uiid meinte, dall sie Wohl das Red!! hätten, in dieser auch für das Judentum wichtigen!•'rage sieh zu üulicrii. Ls sei ein Stuck der Achtung gegenüber den Anderen mit Interesse auch ihren religiösen Kämpfen ,׳ schauen (Verpflichtet Ziiseli.meii aber auch imgriff? Ruf.) Der Jude habe nie 8el1adenire> 1 ״,c1 religiösem Zwiespalt Andersgläubiger empfim: ,!,j cs sei auch zu wünschen führte der Red!!.: .;a ttilweiser Heiterkeit des Auditoriums aus auch unsere evangelischen Mitbarge: zusainmeiikämen und sich über unsere .. , c.n Kampfe ausspracheii! Redner ging v auf die Iterul1n111gs111m!ae zwischen .ludern,״:״ ..,׳j Christentum ein. betonte, dal! all die wahrliafr An. ethisch hochstehenden Worte des Neuen Tcv längst (lemeingut des Judentums gewesen .;r״ tüs könne das Neue Testament etwas •\ Neues nicht geben. - Die Leute, die la.,;;!m Christentum nach Wahrheit strebten, diirfie.i! J;: etwa von uns verlangen, nber/.utreten. smukn, : tn könne mau mit weit gröberem Recht entgegu .i, Was er fordere, sei offenes, kein verstecktes ';׳.:er.• tum. Das Auditorium hatte ins dahin lenk noch nicht erfahren, ob Christus gelebt 11 t kr mellt es schien auch, als hielte man ihm d,. .kr.:• wort geflissentlich vor. Denn der nächste 1׳\<;::er. der alte Stettiner Prcisimtskämpe. D r. Vogel■ stein, sprach über: 0״ i e Z u k uni t d c s Judentums". Ans seiner Rede sei Nach: des liervorgehoben: Unsere Vorfahren glaubten an die Zu'r.11;;:1 k$ Judentums, sic kannten keinen /.wcitcl an der e:י■!cut Dauer der jüdischen Religion. Die Kraft des du kn• tums sei auch beute nicht gebrochen, die ideale vier Alten beseligen auch uns. Aber es gäbe doch v,Lc. die den Optimismus verloren hatten, die an cu;c /. Liinft des Judentums nicht glaubten, sondern /.eiten, dall es in wenigen <leaeratioiien dein Later• gang geweiht sei. Angesichts dieser I*rophe/vsnngen müsse man abgesehen von inneren (irmukii auf die Lrfaliningeii der christlichen Weit Innw nnii Die teste Oruiullage des Christentums sei ins \\ Ke״ geraten, viele seiner dcmciit.iisten D<־g״.v•.!ז• schlittert, oder wurden doeli so umgedeutet. d.,>. 't dein indischen Lehrbegriiie nahe kommen. Ci1r;*::s sei das Piiiidauictti des Clirlsteiiltinis: das Judentum kann Persönlichkeiten entbehre1- ״!d Kritik vertragen. Wenn von einer allzu ׳,ad Kritik seihst ein Mose aus der indischen (ksJ :e;-usgesclialtet werden Sollte, wurde dies dem u n Judentum an sich keinen Abbruch tun können. P 1 löre, Ireuntl. Es gab joniaml, der mit* lir fetter war, doch nun ist er tot. ln der V- י• kammer meines 1 lerzens habe ich;111 die Sc:.״ ־ Wunsche attfgespeichert, die ihm /׳.!falle;! 1!׳• len. Von denen kann ich dir geben, ohne v ui Verlust zu bemerken. Gott der Herr 1!N• dich Abraham. Isaak und Jakob gleich, / de hin in l'ricdeu.“ 111. Am nächsten Morgen verschwand Ar l uritnspieler so geheimnisvoll wie er;:«•!>• :!!• n;en war. Er blieb gerade noch lange um zu erfahren, daß der Rabbi von Kain!-An kmz nach Mitternacht gestorben war. l׳ie Leute meinten, die Aufregung des: Purims׳ i*l> wäre wo)tl zuviel gewesen Hir den alt-ti u1׳ .״• den Mann. Aber der Pfarrer Rubenstein glaubte es nicht. Lr wußte, er hatte seines Vaters Teil nicht beschleunigt. Gottes (litte hatte seinem \ater boschiedcn, lange g:enug zu leben. u1״ seinen irrenden Solm durch seinen Segen wnAr aufrichten zu können. Die letzte Tat des gmm Hirten war gewesen, sein liebstes Lamm in nie Herde zurückzufiihren. Die ganze Sache war für die Leute von der Mile End Mission eine Quelle von Verwmt־ 1 * I 3 י I fS 1 ci r» I ■ k I .; i»י \:i li i ־•» ‘ I I , f « i 4 ׳. 1:;!־•׳' yj i & נ 1

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.