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Jüdische Rundschau · 1910-05-13 · Heft 19 (13.5.1910) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XV (1910)
Issue
Heft 19 (13.5.1910)
Date
1910-05-13
Page
– (sequence 3)
Language
German
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vlail zu ihrer Hesteilunu Oie Hilfe fr cm Oer Arbeiter erforderlich \vürc. Leider besaßen aber diese Kolonisten nicht genügend Mittel, um eccientftcs Land in erforderlichem Umfang zu kaufen. Ihre!״in!!.«״teile waren viel zu klein, als daß sic vom Er■;1 .!ce derselben leben konnten, und sic muilten Im cMcn Jahre schon sich nach fremder Hilfe Umsehen Zufslcteh mit dem fremden Gcldc ist aber ein neuer Geist ui die jungen Kolonien cingezogen, durch wcK'He'i die Kolonisten von ihrem ursprünglichen Vorhaben abgebraeht wurden. Statt bei den danta- :;;cu ivedrigen Hodeupreisen in Palästina recht viel Land :׳! indischen Besitz zu bringen und dasselbe ,n:<!’׳- י!׳c atabisehe Art zn bestellen, versuchte man 0. J1. 11 Gebote stehenden geringfügigen Landteile jrrci!u.uisiv u irtsüiaft crtragsreicher zu machen. f!1;c ״e!Methode, die in hociizivilisierten Ländern; 1 .'Jiv. inglichen Hodenpreisen und reichlich' \.111111 •;1:י nationalen Arbeitskräften am i'1.1“ •111 ,זיי•״• vvar hi dem wenig zivilisierten Pa•!.oiir.- :int seinen geringen jüdischen Arbeitskräften Jur«.־!• v verfrüht. Die Kolonisationsfragc, welche d «ז״« ״ eine Geldfrage war, ist mit der Ein• ti.hrr: der Plantageuwirtsehaft nur unnötig kontpli-;n11־ rden. indem sich ihr die bis dahin in Pa- :.•;tu. •.:!bekannte Arbeiterfrage zugcsclltc.!»!.- il.r.'/imgeii erforderten weit mehr Arbeits- M,1i1 Is die Kolonisten selber stellen konnten. Wo die ' •tcr hernclunen? Sollte man sic aus dem;r«יו• vvservoirs im jüdischen Ansicdlungsrayon I. /« •’ Aber dann hätte man die jüdische Ein*;;g ins Heilige Land nach einem grollzügigcn II, 1 rg.niisiercii müssen, wie ihn zehn Jahre ,.־..• art ii Hirsch fiir Argentinien ins Auge gefallt 11!, ׳. rau hat man aber im Jahre 1882 in mall* cd’ci ..11 K1׳*i;.en noch nicht gedacht, und so nahm r ar, Arbeiter da. wo sic am nächsten zu finden v..r1• .iiiilic'i aas den benachbarten arabischen!!deren Bewohner eben einen Teil ihres 0 ,1c n die Juden verkauft hatten. So führte der t u!'. ' in den Kohmien Weinberge anzulcgcn. zu- \«1 ז. ‘. dazu, daII die iriilicrcn Besitzer des Bodens, u ■«!/>■ 1 sic ihn licreiis verkauft hatten, dennoch i ni. i 411 durften. ib1־ weiter zu bestellen. Sic taten des!.: : zwar nicht mehr als Eigentümer, sondern r,־.r :: ca als Tagelöhner. Dennoch!nullte dieser LViM.i; ' mit der Zeit zu wachsenden Schwierig- Itiien nt der einheimischen Bevölkerung führen. Pie ' er mußten sich im Grunde ihres Herzens •jcl wie vor als die eigentlichen Herren des von .י! :וסדי.■stellten Hodens fühlen, während seine recht- TTaosg••:! jüdischen Besitzer nicht zum ruhigen Ge-!•,hl d.s Besitzes eines Landes gelangen konnten, ces von anderen bearbeitet und behütet wird. Zu den nationalen und ethischen Schwierigkeiten, die sich gegenwärtig bereits ziemlich empfindlich 11incrkl-ar machen, traten bald w־citcrc, mehr reale Folgen der Obstbanwirtschaft hinzu. Nach enormen Opfern an Zeit und Geld hatte man schließlich die Freude, von den jungen Weinbergen reiche Traubenernten unzuhciniscn und diese in den mit allen Erforderuissen der Neuzeit reichlich ausgestatteten Kotier:» in einen köstlichen Wein zu verwandeln. Die Kolmiisten erhielten für ihre Trauben auch sehr hohe Preis-,. Allein, sic mußten doch bald merken, daß der V, in schwer verkäuflich blieb, und daß der edle 1 rotcktor ihnen die Trauben nur abnahm, weil sic sonst keine Existcnzmittcl gehabt hätten. Wie deprimicrcnd und wohl auch demoralisierend mußte das Qefühl, eigentlich von unverdientem Oelde zu leben, auf jene Männer wirken, die 1881 stolz ausgezogen waren, um im Schweiße Ihres Angesichts den lielllgen Boden Palästinas zu bestellen, durch harte körperliehe Arbeit den zukünftigen jüdischen Emigranten ein neues Einwanderungslnnd zu cröffncnl Einzig durch den Weinbau sind die kühnen Pioniere und stolzen Kolonisatoren zu Aufsehern Uber arabische Arbeiter und zu dauernden Pensionären eines edlen Philantropcn herabgesunken! Als im Jahre 1899 Baron Rothschild die Leitung seiner palästinischen Kolonien auf die J. C. A. übertrug, stand cs um die jüdischen Ansicdlungcn sehr Vepsammlungskalendei1 Berlin, Hcrzl-Eelcr; Sonntag, 22. Mai, mittags 12 -<*״ Uhr-״> Charlottenbiirg. Vortrag Dr. GrcHciiltagen; Mittwoch. 18. Mai.*) Blclltz. llcrzl-Fcicr; Montag, 16. Mai.״) *) Näheres stelle Vereins-Rundschau.) .sohliniiii. Heute, da die .1. C. A. ihre Aufgabe bereits laugst glänzend gelöst hat mul die meisten jüdischen Kolonien in hoher Blüte stehen, kamt man wohl offen sagen, welche schwierige Erbschaft die Gesellschaft auf Drängen des unvergeßliche« Grand Rabbin Zadoc Kali« damals angetreten hatte. Von allen Rothschildsehen Kolonien konnte im Jahre 1899 keine einzige ohne erheblichen Zuschuß bestehen, das Weingeschuft verschlang jährlich 61X1000 Er.; die Vcrwaltung war kompliziert und ungemein kostspielig. Es galt, den enormen Apparat auf das unerläßliche Maß zu reduzieren und gleichzeitig seinen Wirkungskreis wesentlich ciuzucngcn. Vor allem aber galt cs. den zu Beginn der Kolonisation begangenen l'eliler nach Möglichkeit gutzumachen und den Körnerbau auf Kosten der Plantageuwirtsehaft auszudehnen. Alle diese Aufgaben hat die J. C. A. in knapp acht Jahren gelöst und dadurch der Sache der jiidisehen Kolonisation Palästinas einen unschätzbaren Dienst geleistet. Es ist das um so höher anzucrkennen, als die Gesellschaft ihr Reformwerk unter beständigen allscitigen Angriffen durclizufülircn hatte. Gar zu viele Interessen mußten bei diesem Anlaß verletzt werden, und nicht ein jeder Interessent konnte in dem von ihm gewünschten Maße cntschüdigt werden. Nachdem die J. C, A. die Ueberzahl von Beamten auf das unerläßliche Maß reduziert, Verwaltung und Buchführung reorganisiert und für die inneren Angelegenheiten der Kolonien eine Art Selbstverwaltung eingerichtet hatte, ging sic daran, neue Ländereien zu erwerben. Auch dies war jetzt nicht mehr so leicht, wie vor 15 Jahren, wo die Bodcnprcisc in Palästina noch nicht so in die Höhe gegangen waren. Dennoch ist es der J. C. A. in wenigen Jahren gelungen, die jüdische Kolonisation um 16 500 ha zu bereichern, auf denen jetzt fast ausschließlich Getreide gebaut wird. Davon entfielen 6368 ha auf die alten Weinbau-Kolonien, welche somit auf 12650 ha gebracht wurden, und über 10U00 ha auf das ncucrsclilossenc jüdische Kolonisationsgcbict im Bezirk Tiberias. Die Schaffung von neuen Kolonien war dringend notwendig geworden, da cs in der Nähe der alten nicht genügend Getreideboden zu kaufen gab. Die Araber, durch ihre gutbezahlte Arbeit auf den jüdisehen Plantagen reich geworden, haften cs nicht mehr so nötig, weitere Parzellen zu verkaufen. Andcrcrscits mußte aber für einen Teil der Bcvölkcrung von Rosch-Pina, Sichron-Jacob und Mcthule irgendwie gesorgt werden, weil die Muttcrkolonicn schon längst ihre sämtlichen Insassen nicht mehr zu ernähren vermochten. Bei cicr Auswahl der neu anzuslcdclndcn Kolonisten durfte weniger auf deren landwirtschaftliche Tüchtigkeit, als darauf gesehen werden, ob die Betreffenden an den Baron gewisse, wenn auch mir eingebildete. Ansprüche zu stellen hatten, welche durch die Kolonisierung wcttgemaclit werden könnten. Da überdies sämtliche Beamte der alten Kolonien in der Evakuicrungsabcit eine günstige Gelegenheit sahen, untaugliche Kolonisten mit guter Manier aus Hierein Vcrvaltungsgcbict zu ent• fernen, beherbergten die drei neuen Ansicdlungcn im Bezirke Tiberias bald so ziemlich die minderwer• tigsten Elemente aus allen jüdischen Kolonien. Es war daher keine leichte Aufgabe, solche Elemente dauernd zusammcnzuhaltcn und zum erfolgreichen Oedeiheu auf einem Ocbicte zu bringen, in welchem die Autorität der Behörden kaum anerkannt wird, nie• mand sich ohne Elintc vor die Haustür wagt und die Bevölkerung vom Privateigentum einen sehr vagen Begriff hat. Ein Teil der Kolonisten verließ mich bald nach ihrer Ansicdlung das Land, um nach Amerika auszuwandern. Zwanzig weitere widerspenstige Ansiedler mußten gewaltsam entfernt und durch junge Landarbeiter ersetzt werden. Die übrigen bcijucmtcnsicli zudem ehrlichen Versuch, sich den neuen Verhältnissen anzupassen. Zu ihrer eigenen nicht gcrin• gen Ueberrascliung gelang derselbe vorzüglich. Vom Jahre I90ä an, drei Jahre nach ihrer Installierung, erzielten die Kolonisten von Mcsklia. Jaiiuna und Milehamiic gute Ernten Ihre Einnahmen beliefen sich im Jahre 1907 bei bestellten 2360 ha auf 191000 Er. und im Jahre 190,H bei 2594 ha auf 241 000 Er. Das sind allerdings Bruttoeinnahmen, von denen die hohen Arbeitslöhne abzuziehen sind. Allein, die Kolonisten sind doch wenigstens bemüht, jüdische Arbeiter statt arabischen zu beschäftigen. Die Zahl derselben beläuft sieb im Kreise Tiberias jetzt schon auf 149 und ist beständig im Steigen begriffen. Daneben gibt cs in diesem Gebiet gegen 50 Pächter, welche die JCA gegen Ablieferung des fünften Teils ihrer Ernten angcsicdclt hat, und für die sic auch den Zehnten bezahlt. Es wäre im höchsten Grade zu wünschen, daß alle in Palästina beschäftigten jüdischen Arbeiter als solche!,achter angcsicdclt werden. Sic sind fleißig, scheuen keine Arbeit, begnügen sich mit geringen Löhnen und sind von heißer Liebe zu Zion durchglüht. Ihr Platz an der bisherigen Arbeitsstelle würde nicht lange leer bleiben, da in Rußland eine große jüdische Reservearmee besteht, die sofort in die frei- 1 m uliou, wenn es wirklich wahr war, daß h S׳ ick mir ein einziges Mal aufgeführt wer- ׳•: וויUte. Doch wagte niemand, den schweig-!men Mann, das Oberhaupt der Truppe, der, זי i«!s zu den Augen in seinen dicken Pelz rmnimt, neben dein Lenker saß, zu befragen. 8 ing etwas Geheimnisvolles von ihm aus, eh bis auf seine Gefährten erstreckte, und er«; j zu der ausgelassenen Fröhlichkeit des cm ־ stimmet. '■kr Pfarrer Rubenstein war schweigsam, he׳■ <cinc Augen waren um so lebhafter. Ver- 1ו!י.־!:!ח musterte er die Menge. Viele Gesichter rk;,.;ntc er wieder; —- Männer und Frauen, lit denen er als Kind in diesem seinen Ge- 1umort gespielt hatte. Aber er fühlte sich ganz icLcr. l:r wußte, daß in dem großen breitciitilirigen Hamann mit dichtem Bart und ,uschigcn Brauen kein Mensch den schmäch* igen kleinen Michael von ehedem wiedererkenien würde. Er hatte gut dafür gesorgt, daß eine Verkleidung undurchdringlich war. Aber kr Gedanke, der Erfüllung seines Herzens* Wunsches so nah zu sein, in wenigen Minuten seinen Vater von Angesicht zu Angesicht zu *ehen, machte ihn erzittern. Der Betrug, eien t an dem alten Mann verüben wollte, eichten hm wie Lästerung. Er erstickte ein Schluchzeit. Doch was blieb ihm übrig? Menschen wie er hatten das Recht verloren, in ihren Mitteln wühlerisch zu sein. Nur ehrliche Mensehen durften es wagen, auf graden Wegen zu wandeln. Falschheit und Heuchelei waren seine Führer gewesen, und nur auf gewundenen Pfaden konnte er sich wieder auf die freie offene Heerstraße des Lebens zurückfindcn Hochaufßcrichtct entstieg er dem Schiitteil Gefolgt von der lebhaften Menge befand er sich bald in des Rabbis geräumigem Wohnzimmer, das mehr oder weniger als Versammlungsort betrachtet wurde, da cs auch als Betraum diente. Wie aus einem halbvcrgessenen Traum dämmerte die altvertraute Umgebung in seinem Bewußtsein auf. Hinweg über die endlos lange Spanne Zeit, die inzwischen verflossen war fühlte er sich zurückversetzt in jene gluckliehen Tage, als er hierzu weilen noch berochtigt war Die tropfenden Talgkerzen, die das Zimmer erhellten, leuchteten plötzlich in wundersamem Glanze auf. Nein, nein, so war es nicht gemeint. Er war nicht hergekpmmen um zu weinen. - seine Aufgabe war, fröhlich zu sein und andere fröhlich zu machen. Und er mußte seine Aufgabe erfüllen. Der Schauspieler, der den Mordechai spielte, hatte schon mit dem Prolog angefangen, und bald ging es Schlag auf Schlag im witzigen Wortgefcht. Die Zuhörer merkten schnell, daß das Gerücht, das dem wundervollen Stück vor* angegangen war, nicht zuviel versprochen hatte. Noch nie hatte man solch ein Purimspiel gesehen. Geistesblitze und tiefe Weisheiten blendeten den Zuhörer. Prickelnde Wortspiele und verblüffende Aphorismen reihten sich in schneller Folge aneinander. Und der Hamann! Nein wirklich. — wenn so ein Spiel noch nicht dagewesen war, — viel weniger noch war je solch ein Hamann dagewesen; ein solch groi tesker, humoristischer, amüsanter, drolliger Hamann! — Einen Augenblick war es dem Pfarrer Rubenstein, als müßte er in die Heiterkeit, die er hervorrief, miteinstimmen. Was wohl die Leute von der Mission zu dieser neuen Methode, das Wort Gottes zu predigen, sagen würden. Im übrigen sah er nichts weiter als das Gesicht des alten Mannes ihm gegenüber, mit dem traurig-nachsichtigen Lächeln auf den j edlen Zügen. O, wie alt sali er aus — und wie! müde! Und neben dem alten Manne stand ein 1 leerer Stuhl. Da stand er, — ein stummes Zeichen der Erinnerung an die Frau mit den geduldigen Augen. Hatte ihre Geduld der Macht ihres Kummers standgehalten? Hatte ihre Liebe fortgedauert, als die• Geduld schon

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