Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XV (1910)
- Issue
- Heft 19 (13.5.1910)
- Date
- 1910-05-13
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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ן Ul: Dl SC III: R U N DSC HAU Seile 222. Nim w iol iuiiucrvährend von vielen Seiten eilt• KCKeiiKelialtcti,!lass Ute ttirkiselicii Gesetze der K«»lo* nisntion mclit gunMit: »iml. Haben sich aber etwa die Uesellseliaflen. die /»erst in Palästina mit lirfolg kolonisiert, atteh s»!1111 die türkischen Gesetze den Kopf zerbrochen? Hat Rotlisehild, der doch in gewissen! Sinne Kaufmann ist und seine Millionen nicht zum Fenster Inuaiiswerfen wollte, nicht unter den damals obwaltenden türkischen Gesetzen kolonisiert und seine Operationen den bestehenden Gesetzen angepasst? Hatte er cs nicht getan, so hatte man heute vielleicht von einem Zionismus nicht sprechen können, da diesem jede praktische Grund• läge gefehlt hätte. Wir müssen unsere He- Strebungen den t ü r k i s e he n G e s e 17. c 11 anחassen und nicht warten, bis die türkische Gesetzgebung u n s c r c t wi1 - len eine völlige Umwälzung erfährt. Nun hat Herr Hr. Wandler recht, wenn er sagt, dass für den Linz.elneii der llrwerb von Hoden in Palästina sehr schwierig ist. Hr führt die Gründe an: 1. sind die Kaufkosteu sehr hoch und 2. besitzt er häufig nicht die genügenden Mittel zur vollständigen Zahlung für das erworbene Terrain. Herr Hr. Sandler hat aber einen anderen tri(• tigen Grund nicht angeführt: nämlich, Galt man in Palästina nicht kleine Grundstücke, sonderu nur grolle Terrains von Grollg r 11 n d b e s i t /. e r 11 erw erben kann, so dass der Hiuzclne, seihst wenn er die genügenden Mittel hesitzt, nicht in der Lage ist, ein seinen Verhältnissen entsprechendes Grundstück zu erwerben. Hierin 1111• terseheiden sich aber die Verhältnisse in Palästina nicht von denen in Huropa. Oder werden denn nicht auch hier grosse l.aiulkompelxc erworben und dam! 1 1111 einzelnen par/ellieri? Hat denn jemand in ' Schlachtcnsee sein Grundstück vom Urbcsitzer er•! worben oder waren es nicht Korporationen, die das j ganze Terrain ervarben und es au einzelne Leute; stückweise abgaben? j Daraus folgt, dali der Aufkauf von Hoden in Palästina und dessen Parzellierung mir von gröberen Gesellschaften ausgehen imili. Solche besondere Gesellschaften haben wir aber in unseren Kreisen nicht, wenigstens nicht in dem kapitalkräftigen Westen. Her Natioiialf nuls wäre freilich der u.itiir• liehe Kolonisator, wenn er die genügenden Mittel hätte. Mit seinen HL׳ Millionen wird er aber schon heim Anfang seiner Operation stecken bleiben, und das wäre sein läule. Der N, H. tmillte unbedingt alle seine Gelder Zusammenhalten und warten, bis er die Summen besitzt, um zweckdienlich zu arbeiten. Und ich habe es me begreifen können, dall mau ihn zu allen möglichen Dingen heranzieht, ihn mspliturt und ihn dadurch seiner Grundhestimnuing eilt• zieht. Anders wüte es schon mit der jüdischen Kolo* nialhank (.1. C. T). Die könnte ilire Gelder ruhig 111 llodenkaiif in Palästina anlegcu. Meinem Wissen nach, hat man bei der Gründung der Hank den Zweck im Auge gehabt, durch cm groilcs Geldinstitut politischen l'.influll zu gewinnen. Den Zweck hat die Hank nicht erfüllt, und sic könnte sich jetzt in den Dienst der Kolonisation stellen. Wenn aber selbst ein Mann wie Tsehlcimw sagt, dall der .1. C. T. für Der gestohlene Segen Aus dem Englischen des Samuel Gordon• II. Hs war keine Zeit zu verliefen. Noch am selben Abend bat er um Urlaub und erhielt ihn sofort. l:r nannte keine Gründe und gab sein Reiseziel nicht au. 15־ genügte, daß er einen plötzlichen Ruf erhalten hatte, fortzugeheu und das Wort Gottes zu predigen; denn der Peter Rithensfeiit stund Imcli in der Achtung seiner Vorgesetzten von der Mile Hnd Mission wegen seiner Aufrichtigkeit und seines Eifers. Zwei Tage spater befand er sich an der östcrreielii• sehen Grenze. Als geborener Russe war es ilnn unmöglich gewesen, einen amtlichen Paß zu erlangen, aber er kam trotzdem uiiangcfoch• *cii über die Grenze mit Hilfe eines jener nicht im Gesetz vorgesehenen Mittel, die erdacht worden sind, uni zu täuschen. Ungefähr 20 Meilen von Kamorka entfernt verließ er den Zug, suchte sich ein Quartier und begann nun seine Vorbereitungen. Aber trotzdem er alles so geheim wie möglich zu halten suchte, konnte er cs doch nicht verhiudem, daß Gerüchte über sein Unternehmen durchsickcrtcn. Einige Tage vor Purim sprach der ganze Bezirk von dem wundervollen Pu- . alle Hälfe eine Ko.. zb.iuk bleiben nntxse. so wird I iii.iii für die nächste Zukunft auch von ihr nicht viel! für kolonisatorische Tätigkeit erwarten können, j Aber auch die l>evclop1ncnt*C0111pa11y (I . L. C.) wird nicht grolle Kapitalien berbeiseliaffen kön• neu. und zwar aus dem Grunde, weil sie in ihrer Horm nicht pt;1ktisch ist. Zwanzig Mark erscheinen dem Geher als Kapitalanlage zu gering und als Ge* schenk z.u hoch. Diese Ansicht haben viele praktische Männer in Palästina mir gegenüber ausgespro• eben. Ich habe sic nach meiner Rückkehr auch Herrn Prof. Warburg übermittelt. Herr Professor Warburg sagte mir, dali sieb in liiigland alle Unternehmen auf Shares von je I Lstr. aufbauen. In England ist aber alles unter staatlicher Aufsicht, so dali jeder seine geringste Kapitalanlage für gesichert hält, währciid man bei uns in Privatkreisen an die Nutzbringuiig einer Kapitalanlage von 20 Mk. nicht glaubt. Ich will nicht sagen, dall cs faktisch so ist; ich wollte nur die Stimmung wiedergeben, die darüber im Publikum herrscht. Nun 111.ulit Herr Hr. Sandler den Vorschlag, einen Kohmialiouds zu gründen. Wie denkt sieh aber Herr Dr. Sandler die Gründung eines solchen lömls? Soll er sich etwa aus Mark• und 50 Pig.- Stücken zusaauneitsctzeu? Soll mau etwa warten, bis er eine nennenswerte Summe zusainmensehweißt? Und wem soll er dann gehören, etwa der ganzen Nation? Und wer soll dann über ilm verfügen? Die Leitung? Ich fürchte, dal’׳ er dasselbe Geschick er-! fahren wird, dem alle bisherigen derartigen Gründmigen verfallen sind: abgesehen davon, dall die Gründling eines solchen Fonds wirklich den National• tonds 1.1 lim legen würde. 1 Ich mochte daher auf meine Ausführungen zu• ׳ iiiekkoiiiincn, die ich in der ״Well" s. Z. gemacht | habe: dall der Hrweib des Hodens und dessen He• sicdclung mit jüdischen Hauern in Palästina nur dann wird diircligeinhrt werden können, wenn s i e 11 1: i u /. e lue reicher e oder w ohl- 11 a 11 ende Zionisten privatim z u s a m men tim und die Kolonisation in die Hand neh in en. Man fragt, woher man die Gelder nehmen soll, Fehlt es denn wirklich in zionistisehen Kreisen an Männern, die mobile Kapitalien bc* sitzen mul solche in Wertpapieren anlegen? Sie sind zu Hunderten da! Wenn diese Herren auch mir einen geringelt Teil ihres Kapitals für den Hodenkalif ia Palästina anlegen. wobei ihre Vcrinögcnsvcrhältmsse durchaus nicht erschüttert zu weiden brauchen so würden die nötigen Gelder zusammen kommen. Freilich luiiiitcn sich solche Gesellschal teil auf rein geschäftlicher Hasis gründen. Sie müßten einen Anlsicht.srat aus ihrer Mitte wählen, den Uescliüftssitz für Hudeiikanf nach Palästina ver• legen mul Hcamte aus ihrer Mitte besolden. Das und ihnen sicher l'.iiolg bringen. Solche Gesellschäften brauchen aber nicht so sehr umfassend zu sein, es können sich mehrere bilden, die in den vorsehiedenen Punk len des Landes operieren, welche ihnen für ihre Gesehültsz.wecko am besten geeignet ei scheinen. Das entspricht dem einfachen Geschäfts- Säiin und auch dem Vci fahren anderer Kolonialmachte, die nicht .seihst kolonisieren, sondern die Unternehmungen in den Kolonien den einzelnen Pri• vatleuten iihct lassen. So miilltc auch hei uns zwischen No. 10. Zionismus und Zionisten eine richtige Sclieideluug gezogen werden. Der Zionismus hat zu mg.,, nisicrcn, die Idee hoohzuhaltcn, und die Zionisten haben die Unternehmungen auf rem geschäftlicher Grundlage piaktiseh durchz.ufiihreii. Solchen Pm.,(. gesellscliaftcn wird auch die türkische Reguiuug mehr Entgegenkommen zeigen, da liier nur das teine (lesehäftsprinzip obwaltet: wahrend sie mi Za,ms. ums als solchem politische ßestrelmiigeii erheskt, denen keine Regierung sich so rasch willfährig z״gt. Werden also unsere einzelnen Zionisten sich zu Privatgesellschaften zusammcnschlielicn. die notigen Kapitalien für ßodenkauf in Palästina auibringen and die Kolonisation in die Hand nehmen, so werden s!c unsere Bestrebungen zum Ziele fuhren und d,d!c1 angesichts der Rentabilität des Dodcnkaufcs in!4.־• lästina noch gute Geschäfte machen. Das ist! ,.!! meiner Meinung das einzige Mittel, unsere!kvrebilligen der Verwirklichung näher zu bringen. Die Leitung aber bat, wie Dr. Tschleiiow ן;!. tig sagt, wirklich die Pflicht. die Initiative 1 .11 dieser Richtung hin zu ergreifen und die Pnv.4•!. sonen fnr diese Unternehmungen zu interessier Kantor B111 z - Desv! Die jüdischen Kolonien im Kreise Tiberius Der Vere in ״I: s r a", dessen 25 jähriges Jul 1 ״ wir in unserer letzten Nummer bereits erwähnten, t aus diesem Anlall eine Festschrift licrausgege1 ״.; der wir folgenden Aufsatz, entnehmen: Die wenig erfolgreichen Versuche, dem P.daM .<• weine Absatz zu lohnenden Preisen zu verseil..::..;, haben die Kolonisten des Heiligen Landes sc,: lieh veranlaßt, sich allmählich wieder dem Km!.׳• 11.111 /iizuwemleii. Abgesehen von K.i.stiiijch. M, «;,׳ und iSaljera, sowie von den noch nicht völlig ״ gebauten Dörfern Atlit. Artuf und ß'iie-Jehud! einem Gesamtuintang von •UMS ha wird jetzt in ו■ ״ weitern, früher ausschließlich dem Wein- und o: •:• bau gewidmeten Kolonien auf M05 11a Getreide erzeugt. Das Zentrum des Körnerbaus im jmli-.. Palästina bilden jedoch die neuen Kolonien, \\t! ״c vor wenigen Jahren im Rcgierungskrcise Tüw: ins I.eben gerufen worden sind. Die Unckhclü zum Getreidebau bedeutete 4 e heilsame Reaktion, einen Gesiindungsprozei1 .׳; dessen weiterem Verlauf die Kolonien von allen 1!!a :1 noch anhaftenden Mängeln befreit werden dm.... Die Hebel, an ilenen die KoJomsationsbewcsm:־g jahrelang gelitten bat und teilweise noch gegcio׳».. •׳ tig leidet, lassen sich nämlich fast alle auf das gjm.J• verfehlte Beginnen zutückzufuhrcit. in einem >״! niedriger Kulturstufe stellendem Lande Ohstkiilim zu ticiben und •:ine solche Wirtschaft, obwohl sie 1 ־' a 11 s schließlich der c 1 n h c 1 in i s c 11 c , Bevölkerung zugute kam. dcmmch Hasis einer 11 c 11 e 11 j üd i sc 11 e 11 H. i 11 w .111 d ruitgsära zu inaclien. Die erstell jüdischen Ansiedler, welche von l"l bis 18,s,ן in J'.il.isiina ftinf neue Dörfer begiini׳:•: batten, gedachten mir im Lande ihrer Vater sich einfache Getreidebau•:™ zu betätigen. Jeder ihnen sollie eine Harz.clle besitzen, groß genug. r•׳ , ihn mul die Sciuigen zu ernähren, aber nicht ־ rimspielcr aus Kaltau, der dort sein Purimspic! cinstudierlc. ״Ein komischer Kauz ist dieser Schauspieler“, sagten die Leute. Mau wußte nidit, woher er kam. Hr zeigte sieh fast nie im 1 reien. I:r halle es offenbar nicht nötig, für seinen Lebensunterhalt• zu arlViten; denn er schien mit Mitteln reich versehen, Für seine I nippe hatte er die tüchtigsten Mimen, die zu ( finden waren, ausgesucht und halle, was die I Bezahlung auhetrifft, ein recht ungewöhnliches ן Abkommen mit ihnen getroffen. Anstatt sich j einen Anteil der Hinnahme zu sichern, bezahlte; er die Schauspieler aus seiner eigenen Tasche, j »ml obendrein sehr reichlich. Das Stück, das j er spielen würde, sollte ein Meisterstück sein. | Und das Sonderbarste war, daß es nur ein einj zigos Mal aufgefüliri worden sollte. Aber wo i clicsc Aufführung siattfiiu'cu würde, das blieb י strengstes Geheimnis. j Es war ungefähr acht Uhr am Abend des 1 Festes, als ein großer, von zwei kräftigen | Pferden gezogener Schlitten in Kamorka ein* j Mn*. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Nachricht, wer die Ankommenden wären: nie- 1 matid Geringeres als die großen Purimspieler 1 aus Kahän. So war also Kamorka auserschen; worden, der Schauplatz der Aufführung zu ׳ sein, und Kamorka würde sein Haupt stolz über die Nachbarn erheben können, als c; >־ Stätte von Geschmack und Intelligenz, v ׳ wahre Kunst am besten geschätzt wm\!.. I angsam wandte sich der Monseheiisiroiii denn ein solcher war es mittlerweile geword * - nach der Richtung des Marktplatzes. .V . iif/.t war das Rätsel gelöst. Natürlich, da' gingen die Schauspieler: zu Klounomos Nos- Klouiunuos hatte sie als ganz, besondere l’cb ־ rasclntng für seine ('!äste heul Alvmi ongagi»; : Klounomos, mit seinen sechzehn Mühlen, koit, * sieh diesen kleinen Luxus gut und gern gcsi•• ten. I r zahlte ihnen hundert Rubel, ־ zw ־ hundert; als man bei des reichen Mülle:י Hause angelangt war, war die Zitier schon .יו tausend gestiegen. ־ Und dann geschalt ctw. seltsames. Der Schlitten hielt nicht vor Klo nomos Xossigs Hause. Statt dessen bog •־.׳ zur Rechten ab, in die schmale Gasse, die nach der Synagoge führte. War es möglich, daß m ’ Zl1m Rßbbi gingen? Vielleicht hauen sie gr• hört, daß der Rabbi alle Einladungen, das IV-t bei irgend jemand aus seiner Gemeinde zu ver• leben, abgeleimt hatte. Nun, wahrlich, es w.!r ein edler und menschenfreundlicher Gedanke, den einsamen alten Mann aufheitem zu wollen, aber es blieb trotzdem etwas eigentümlich, dc>* wegen den weiten Weg von Kahan hierher