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Jüdische Rundschau · 1910-05-13 · Heft 19 (13.5.1910) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XV (1910)
Issue
Heft 19 (13.5.1910)
Date
1910-05-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
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r ׳ I I I I I I I I I I I I Abonnoment• -״I die wöchentlich am Prel. t.!c »׳rxhclncmio ,.Judüche h’ii hlnli.ui" kotiert bei der l \ Mion 11ml lu t ollen Pott. .׳riMit vlcrirliahrlldi |,25 M, . nrlulh Deuttchland» nnd!'(.toircich.Unsatnt 2,— i r Mitelledcr lilUltchcr Vcr. ■ •m׳ im i'.itmiHiheeuR durch tlvn Verein I,— M. Verlas .liMöclie Rundtcliatt I1. U. m, 11. II. IVrllii SW. Nt. /Iimucmtr. 77, 1״s*l11.t»»111mlen: J blt 7 Uhr . I"l I ״himKiuI und Sonillaj. ר¬! I I I I I I I I I I I Nummer 19 Anzeigen . .. en lür die lilnlgtipaltc!e 1'"treile oder deren Kann» IS.: Sielten• Anijttiolc uni ״.*״Juche »owle Virtlntiiilt• tiAfunsen 11. ..Kleine Anzeigen * •/Jf 15 Pis. oooooo oo fanntkripic werden. '״™ץ 1'orto bcilicgt. »tett *ttrljck• Kciandt. — Redaktiniit'chlu'* .Mittwoch vorimliaR'. iledahtlnn JUdltcho Rundacliau Iterlm.CliHrlottcnliiirs. n1clhlrcut.tr. 49. Tel. Ch. 9SSI. SprccliMimden Uicneui« 1"1״ l>01111crttag 5-0 11.1cl11!11tt.׳st• ר־׳ I I <SIN@ sysOGSSM® Z€ITUNS Berlin, den 13. Mai 1910 — 4. Ijar 5670 XV. Jahrgang Zur Beachtung! l . r 11 et 11iuc 11 (iesuiuiaiiilago liegen Posichccktiii/ •׳ iiiugsioruuikiro hol. die wir den Gcsluitimgs• gen«!1 zur Bemtl/tmg emptelileii. I) I e N a 11 o 11 a 11 0 tidivcrwull 1111 g, Max Wollslelnor. Ein liberaler König \.m scheut sich fast, das abgegriffene und \id .lithrauchte Wort ״liberal“ auf den verstorbtn» K ס n i g I‘ d u a r d VII. anzuwenden. Aiv; »> muß doch auch von uns Juden beim Tu! »lieses so gar nicht monarchischen gekröntcu cntleman gesagt werden, daß wir ihn e.m besonder!» betrauern eben als einen libera 1 1 König. I .inen Fürsten, der von dem \on ■!linsten Rechte seines Standes, die Vorurteilt* .!idem־ nicht beachten zu brauchen, den sviii! sihischsten Gebrauch machte. Air legen keine allzu große Bedeutung dar.tui. daß Sir!•!niest Cassel, ein Jude, m Iv'.uig Eduards Intimen sich zählen durfte, »in!');um das Frivatvcnnögen des Königs zu 1i;ua; ״roßen Teil!' anvertraut war, ja daß er auch!1• politisch-diplomatischen Angelcgenhei* tcu nulii selten in dessen Aufträge wichtige Rei' a machte. Daß Arthur S a s s o 0 n uiul die Rothschilds mit dem König in fremiu'chaftliclien Beziehungen standen, weiß man. und über die Geschäfte des einstigen!,rin• na uni Wales mit Baron Hirsch pflegte man rieh früher wochenlang zu unterhalten. Wir H'hen darin nichts Besonderes — denn ״ilm ־ luden hatten und haben bekanntlich .auch vielt• andere, ach so ganz andere Könige! — mul das Besondere liegt in der Tat auch nur d a 1 in, daß Eduard VII. selber sicher auch nid׳ - Auffälliges in seinen mannigfachsten ßczii'lumgen zu Juden sah. Daß ihm jener echten״!isehe ״$ocietv“־Protz, ein heraufgekommcncr Schneider, der einst den ihm sehr nahelie• Hcivivn Wunsch äußerte, die englische Gesellsch. u möge sich doch exklusiver halten, und dem er voll liebenswürdiger und doch ironischer Höflichkeit antwortete: ״Aber Vorehr!« ur, wir können doch nicht alle Schneidu in“ ~ daß ihm ein solcher Englishman sh'■ dich weit unsympathischer war als irgend ein ude, den er hcranzog, und den doch t einma 1 er in der englischen Gesellsc 11.« 1 dauernd ein bürgern konnte. Das ist für »'״•;.ts Bemerkenswerte an diesem Fürsten, daß er 1« ו/ aller Anhänglichkeit an die auch ihm ein; ivtreuen englischen Traditionen sich doch vcr ielcn, u. a. auch besonders vom Antisemi- ÜM.11», gan/. zu befreien wußte. Ja, er spottete sog.11• der Vorurteile der anderen, und es soll ihn! »•in höllisches Vergnügen bereitet haben, "־ei.ii er seine beiden Adjutanten in dem jiidisdifi, Restaurant, das er in Marienbad zuweilen zu 1 > Midien pflegte, zum Zugreifen erst ermunhin mußte. Und er lachte der Albernheiten, die ihn und sein Volk als ״verjudet“ bezeichnetc-n. Wir Zionisten erinnern uns auch gern des Wohlwollens, das die Regierung Eduards VII. im Jahre 1903 durch das Uganda-Ange¬ ..Der Zlonltmtii erirrebt far du lltdiiche Volk dl• Schaüun* einer ONcmllch-rcchtllch ictlchcrtcn llclmitltte ta Pillillni," De.clor Pro«r«t״m. Aus dem Inhalt litii Iltiurator Küttig. — Der Koloiilulfouds. Von Kantor Hl i 14- Dessau. Die iiicllsclicn Kolonien Im Kreise Tiberlas. Aus der Festschrift des Vereins ״I! s r a". — Die Dlspiituilon der Liberalen. Von Hans Cioslar. Jüdische Jugcndlcktiiro. Von l-ouis I. c w i n - Königsberg. — Urtel aus Bulgarien. Von J. C a r o n - Philippnpcl. — Aus aller Welt. (Kuliland.' F.nglaitd. Kanada, Argen* tiiiici). Australien). — Rundschau der Presse. — Wiener llrlcl. Von l)r. Josef Licbcls. — Aus den Gemeinden. — Vcrclnsrundscliau. — Fculllc- Ion: Der gestohlene Segen. Aus dem Englischen des Samuel 0 0 r d o n. VersuinnilmiKskalender Sehe 22.)! bot der zionistischen Bewegung entgegenbrachte, zu einer Zeit, da noch viele Juden den Zionismus als eine schädliche, ja Verderbliehe Idee ansahen. Das macht, weil er ein freier Mensch und ein vorurteilsloser Geist war. Weil das zu sein aber Fürsten schwerer gemacht ist als anderen, besonders den Juden gegenüber, deshalb werden die Juden, die ja eher an einem Zuviel als einem Zuwenig an Dankbarkeit leiden, den libernlcn englischen König aus dem ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts nicht sobald vergossen. In der Politik freilich konnte König Eduard so wenig wie irgend ein anderer Politiker seine Schritte immer so einrichten, daß sie auch den Beifall der Juden hätten iinden müssen. Zwar die englische Regierung blieb von dem Antiscmitismus der englischen ״Society“ ziemlich unbeeinflußt, und auch die selbst in» freien England weiter um sich greifende anti-jüdische Stirnnumg gewisser Volkskrcisc konnte daran nichts ändern. Aber das Fremdengesetz, die berüchtigte Anti-Alien-Bill, wurde unter Eduard VII. erlassen und recht rigoros, gegen die Juden bcsonders, angewendet. Hier hat uns Rußland durch England schlagen lassen, denn wären nicht Tausende russischer Juden notgedrungen als Preisdriickcr der Arbeit nach London gekommen, so wäre dieses Gesetz nie erlassen worden. Und diesem selben Rußland hat sich Eduard VII. befreunden müssen, weil es im politischen Interesse Englands lag. Wir sind überzeugt, daß diesem vornehmen und aufgeklärten Manne das blöde Regi* ment seines Verwandten Nikolai H. genau so wenig imponiert hat, wie irgend einem anderen Europäer, daß ihm die Judenpogrome und die anderen Schandtaten der russischen Reaktion ebenfalls keine höhere Achtung vor der Regierung Seiner Majestät des Zaren eingcflößt haben. Und nun muß er sich nach seinem Tode gefallen lassen, daß ihm das Lästermaul der ״Nowoje Wrcmja“ ins Grab nachruft: ״Der König war ein aufrichtiger Freund Rußlands. . . Außerdem aber erfreute er sich bei den Russen großer Volkstümlichkeit wegen seines ehren- I haften Charakters.“ Liest sich das nicht, als wäre es eine Blasphemic, eine Beschimpfung des Andenkens dieses liberalsten Königs unserer Tage? Nein, Eduard VII. — das muß zu seinem Ruhme noch nach seinem Tode wiederholt werden — war der unaufrichtigste Freund, den Rußland je gehabt hat; und dafür haben unsere Antisemiten auch eine feine Witterung. So sehr sie Rußland verherrlichen, so haßerfüllt haben sie lingland und seinen nun dahingegangciun König stets be* schimpft. Der Ffaß der Feinde aber ist ein guter Führer, wenn man Freunde suchen geht. Der Kolonialfonds Zum Vorschlag Dr. Sandler Herr Dr. Sandler macht den Vorschlag, einen neuen KoloniuHomls 7,u «runden. Da ich mich in Palästina iibcr die kolonisatorische Tätigkeit cingclicnd orientiert habe und in Gcldsammlungcn für zionistische Zwecke einige Erfahrungen besitze, so fühle ich mich berufen, zu diesem Vorschläge Siellunc zu nehmen. Ich teile vollständig die Ansicht des Herrn Dr. Sandler, dass man an die Kolonisation in Palästina auf agrarischer Grundlage unverzüglich herangclten müsse. Der Kauf von Hoden in Paliistina und dessen Besiedelung mit jüdischen Hauern darf nicht eines der wichtigsten Punkte, sondern muss der wichtigste Punkt üb e r- 11 a 11 p t sein. Hs ist ganz verkehrt, wenn man imnicrwälirend von ..Industrie und Kultur" spricht. Industric und Kultur können fnr Palästina erst dann in Frage kommen, wenn sich daselbst eine blühende Landwirtschaft entwickelt haben wird. Wer in Pa• Uistina gewesen ist. der wird bemerkt haben, dass selbst Leute, denen cs durch Handel gelungen ist. sich eine Position zu schäften, in gewissem Sinne auch nur ..Luftmcnschcn" sind. Und nur die jüdisehen Landwirte allein haben gesicherte Existenzen und sind die wirklichen Besitzer des Landes. Die jüdischen Kolonien in Palästina sind aber so winzig, dass sie unbedingt vermehrt werden müsscn. wenn wir im l.andc festen Ftiss fassen wollen. Herr Hehrmann, der Leiter der Kincrcth-Farm, sagte mir: ״Syrien und Palästina umfassen 30 Millionen Dunaut Acker; die jüdischen Kolonien begreifen aber nur ein Terrain von 200 000 Dunam. Wollen die Juden in Palästina sich fcstsctzcn, so müssen sic wenigstens eine Million Dunam Acker in ihre Hände bekommen.". — Diese Wahrheit scheint aber noch nicht in den massgebenden Kreisen das notige Vcrständnis gefunden zu haben. Und man kann dem nicht zustimmen, was neulich gesagt wurde: dass die l’.ctichUiuR der Anslo-PalcsUna-Bank viel wichtiger gewesen sei, als die Ansiedelung von hundert indischen Hauern. Durchaus nicht! Denn durch die Ansiedelung von hundert jüdischen Hauern wären vier neue jüdische Dörfer entstanden, und das wäre für die Kolonisation so bedeutend, dass diese einen gewaltigen Stoss erfahren hätte und in Fluss gckommen wäre. Dann hätte ein errichtetes Geldinstitut nicht zu klagen gehabt, dass cs seine Gelder nicht verwenden könne. Oder hat man je gehört, dass die Kolonialmächte, die doch wohl auch etwas von Kolonisation verstehen, in ihren neugewonnenen Kolonien zuerst Banken gründen? Lenken sic nicht vielmehr ihre ganze Aufmerksamkeit auf die Land- Wirtschaft? Das muss unsererseits auch inn Palästina geschehen . Deutschland hätte mit seinen 300 Millionen itt Posen mindestens solche guten Geldgeschähe machen können wie die Anglo-Palästina- Bank in Palästina, und doch zog cs vor, mit dem Oelde lieber einige 1000 Bauern anzusiedeln in der richtigen Erkenntnis, dass solche Sledelungcn seinem Interesse wichtiger sind als die Betreibung von Geldgeschäften.

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