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Jüdische Rundschau · 1910-05-06 · Heft 18 (6.5.1910) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XV (1910)
Issue
Heft 18 (6.5.1910)
Date
1910-05-06
Page
– (sequence 6)
Language
German
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FUKPISCHE RUNDSCHAU Seite 214 No. 18. Uic jüdische Religion im Jahre 1848 noch nicht zu »'en staatlich anerkannten Religionen gehörte. Nichts• destoweniger werde ich dafür sorgen, daII auch der Lraelitisclic Kultus nicht gemindert und dali der israelitische Sclmlfouds materiell gestützt werde," Die .luden hallen alv! keine Glelelibereelitlgimg und können nichts verlangen, sondern sind auf die llroll* mul des Herrn Ministers angewiesen. •I* ln ganz Ungarn wird jetzt ein Vorfall l>csproelien. der beinahe einen zweiten Hall Ockörit*'* zur Holge gehallt hatte mit dem Unterschied jedoch, dali die vom Unghick Hedrohten fast ohne Ausnähme .luden waren. Die Jüdische Schuldirektorin Horiska Tyrolcr, die in Trsztena (Ohcruugurn) eine Hrivatschulc unterhiilt, hat dieser Tage eine Tanzunterhaltung veranstalt:!, an welcher ungefähr dreihundert Personen, darunter über fünfzig unter zehn Jahren, teilgenoiumen haben. Der Tanzsaal war mit Azetylen beleuchtet, doch hat das l.iclit gegen Mitternacht versagt, so dali Kerzen angesteckt werden »mitte». Ha griff der anwesende Stuhl• rlehlcr Deslder Meskö nach einer Kerze und drückte sie an die papierne Dekoration, welche sofort!•'euer fing. Nach kaum einigen Minuten stand der ganze Saal in Heuer, es entstand eine schreckliche Panik, alles drängte nach dem einzigen Ausgange. 111■ zwischen war die Stimme des Stuhlrichters zu ver- ׳!ehmeu. der laut ausrief: ..Ich will heule noch In jüdischem lllutc baden! Mit Rum hätte man d 1 e .1 u d e n b e g i e 11 e n solle«, d a nt i t s i e besser brennen mögen!" Dank der auf• opfernden Arbeit und Geistesgegenwart zweier jüdischer Herren konnten die Hcsucltcr des Festes noch rechtzeitig gerettet werde״ Gegen den Stuhl• lichter ist die Anzeige bei der Staatsanwaltschaft erstattet worden. Auch dieser Hall beweist schon, dali die Juden von der neuen Regierung nicht viel zu liofien haben, denn wie vielleicht In keinem anderen Lande richten sich hierzulande die Beamten nach der jeweiligen Auffassung der Regierung. Galizien •st• Der Richter J 11 s c h k e w i c z im galizischen Städtchen Mielniza, der wie in der vorigen Num• mer!!eiichiet hei Gerichtsverhandlungen antise• mitisciie Gesinnung bekundete, ist jetzt wegen De• leidiguug von .luden strafweise nach einem anderen Orte versetzt worden. Rcichsratsabgeordneter Stand hatte diesen I""ali in seiner letzten Budget• rede ei wähnt. worauf eine besondere Untersuchung eingelciiet worden und die Strafversetzung erfolgt ist. Das Verhalte» der galizischen Hehördcn in diesem Halle verdient auch namentlich in manchen oeutNchci! Landen beachtet zu werden. Schweiz •p* Zürich. Bei den am Sonntag stattgeftmdenen S t a d t r a t s w a 111 e n wurde der einzige jüdische Kandidat. Herr Rechtsanwalt Dr. David Harb* stein. 1111 Kreise .1 mit grober Melirlieit wiedergewählt. I>r. j'arbsteiu ist als eifriger und rühriger Xton^t bekannt und seit langem Mitglied des Grollen Aktionskomitees. Türkei •:. 8. Nissan fand in Konitau th.opel die erste Vcrsam ,iiung des liebrfilsclicn Vereins ״Ibrla der als Gruppe der allgemeinerj hL. hebräische Sprache und Kultur" (Sitz lltrhn) gcdacht ist. Herr Sclinbntinsky 1 1 {MC 1'c,לח,um ״״d hebräischen Vortrag, in dem er die “1 die Hcdeiitimg der hebräischen 1״•זחל«® J ‘r, türkischen Juden darlcgte. Herr -11,c1" f'J ז dann über das Arheitsprogramm des Vereins, das »• die Einrichtung von Untcrrichtskmscn und einer licbräischcn Hihliothek. sowie dic .N cranstaltung Nou l־'esiliehkeiteil mul hebräischen llicatcrauffilbrungen enthält. Insbesondere soll der Verein Weiterung des liebräisclicii Unterrichts m den judi- .selten Schulen wirken. Der ״N. J. K." wird aus Konstanlhiopcl gemeldet: Ktfl" Am 1Mittwoch den 2». April ist an Bord des Klicdivialdampfcrs Herr Dr. Paul Nathan von Haifa hier eiugctroffcu. In seiner Begleitung langten auch llcrr Scltmarjalni Lew׳ln und Herr Dr. Eugen K a t z, Syndikus der Simonsche» Stiftung in Ha»* nover. hier an. Die Gäste wurden vom Rabbiner der asciikcnasischc» Kultiisgcmciiidc und Leiter der hiesigen llilfsvereinsseliukn. Herrn Dr. Markus, im Hafen begrübt. Der Chaclianibaschi Chain» Nah um H.ffcndi hatte eine Delegation an Bord schicken wollen, da aber die Ankunftszeit nicht bckaum war. Herrn Dr. Na Hin n schriftlich seine Willkommen.sgrülle übermitteln lassen. Am Hreitag stattete Herr Dr. Nathan dem C h a e h a m hascht seinen Besuch ab, der eine Stunde danach erwidert wurde. Am Sonnabend wurde er vom deutschen Botschafter. MarscliaH von Bieberstein, empfangen. Am ersten Scderabend war Dr. Nathan Gast des Rabbiners Dr. Mar* kus, am zw eiten bei Rabbi N a 1111111, wo auch der amerikanische Botschafter Oskar St rau II den Abend verbrachte. Die hiesige jüdische Bevölkerung, die dem Be• suche Dr. Nathans grollcs Interesse entgegenbringt, erwartet viel für das jüdische Schulwesen der Stadt von seinem Aufenthalte. Auch au die Gegenwart Dr. Kat/’, der im Aufträge der Simon-Stiftung die Möglichkeiten der Einführung des llandfcrtigkcits- Unterrichtes au den indischen Schulen des Orients studiert, weiden besondere Hoffnungen geknüpft, die sich zweifellos in nicht unbeträchtlichem Grade realisieren werden. Amerika •c• In den amerikanischen Ordenskreisen wird die Gründung von Kolonien in Palästina firr russische und rumänische Juden geplant. Zur Bc• ratimg hierüber soll eine besondere Konferenz nach P 11 i I a d e I p 11 i a einbcriifcn werden. Der Vorschlag gellt von!Mr. B. H. Miller. Ex-Grand-Mastcr des Ordens ״Brith Shalom", aus. Nach seinem An• trag sollen alle 250(MM) Mitglieder der verschiedenen indischen Orden in Amerika einen Extra-Jahresbeitrag fiir die Verwirklichung und Durchführung ries Planes entrichten. # Am 23. März sind 50 Jahre verflossen, dali der Begründer der Völkerpsychologie, Och.*Rat Prof. Lazarus seine vielbemerkte Antrittsrede an der Berner Universität gehalten. Aus diesem Anlall erscheint, von seiner Witwe liei.msgegehcn, bei Ditmmlers Verlag, Berlin, eine Gedenkschrift ״Ein deutscher Professor in der Schweiz", die interessante kulturgeschichtliche Daten, Briefe etc. bringt. Frankreich Infolge der plötzlichen Kraukcit von Herrn Nurcisse Leven, Präsident der Alliance brachte Universeile, hat das Zentralkomitee der A. 1. U. beschlossen, die .luhiläiimsfeier, welche für den 22. und 2.1. Mui geplant war, bis zum November zu ver-?.etlichen. Das Jubiläum der deutschen Konferenzgemein• scliaft der A. I. II. findet zur festgesetzten Zeit statt. England •11• l.oiuüm. Vorige Woche w urde in London ein ganzer Häusel block seiner Bestimmung Übergeben, dessen Emsieimiig der Menschenliebe eines Juden zu danken ist. Es ist eine Kolonie billiger, gesunde 1׳ Wohnungen, deren Errichtung der vor einem Jahre verstorbene indische Eskomptcur Sam. Lewis sem ganzes Vermögen von 12 Millionen Kronen Ictztwillig gewidmet!1,n. Hur zwei Shilling die Woche kann eine unbemittelte Witwe eine Wohnung, bestellend aus zwei Zimmern samt Ilad, bewohnen. Um einen etwas höheren Betrag stehen auch gröbere Hamilien- Wohnungen mir Verfügung. Sämtliche Wohnungen sind den inoaernsteii hygienischen Anforderungen entsprechend eingerichtet. Die Stiftungskolonie ist für 15 Personen berechnet. *b- London. Die Wahlen in den Rat der Londoner Gesellschaft haben vor kurzem st tttgefunden. Eine Sensation dieser Wahlen bildet die Wahl der Tochter des C h i c f R a b h i s, HrUulci» .Ietti Adler, ln Ilackncy Central. Im Monat Hebrnar kamen nach den Vereinigten Staaten von Nordamerika 57 OMJ Einwanderer, darunter •I3J7 Juden (gegen 2V53 in den gleichen Monat des Vorjahres). Davon passierten 3371 (2002 Männer und l.lt.0 l i.tueii) den New Yorker Hafen: von diesen waren 2352 ans Rnüland. 573 ans Oesterreich. IW)aus England, bi1) aus Ungarn. 47 ans Rumänien, die übrigen aus anderen l ändern. Im März ds. Js. war der linmigrationsstrom nach isew York ungewöhnlich groll. In einer Woche bi achte icJer Tag Mm )0 Einwanderer nach Ellis- Maud. Die Zahl der Xnruci.gt 11 :ilteiien er reichte 21100, nml es herrschte׳ auf der Insel eine schreckliche Ucberfiilluug. Im Zusammenhang damit hat die Sterbliehkcit in ek dortigen Kmder-SyUälem beträchtlich ziigeiioiiimen, und cs spielten sich dort lierzzcr• leillcmlc Szenen der unglücklichen Eltern ab. Die Immigrationskommission des amerikanischen Parlaments hat beschlossen, bis zu der im Dezember d. .1. erfolgende» licrichtersiotümg des vom Kongreil eingesetzten Sne/ialkomniission zum Studium der Hinwaiidertmgsfragen ihre Tätigkeit zu unterbrechen. Alle vorgesehlageiien Iinmigrntionsbills• sind soluit bis dahin verschoben worden. Die neue rtoiuilsschrlH ..!*cilcistlmi“ Das Zionistische Zentralkomitee für Wcstösterreich hat von dem bisherigen Herausgeber. Dr. Helix Heil 11 aber, München, die Zeitschrift ״Palästina“ erworben. Unter weiterer Mitwirkung des üg. Dr. Teilhaber ward (lg. Dr. Ernst Müller (früher Jaffa) im Verein mit dem Zentralkomitee und dessen Präsidenten Gg. Adolf Höhnt und im Einvernehmen mit dem Palästinarcssort und -amt die Redaktion führen. ' Anfangs Juni erscheint, bereits unter der neuen Redaktion, das Doppelheft J u n I - - J u I i, welches als Propagaiidanummcr versendet wird. Das Heft wird unter anderem enthalten: ״Zeugen wider ■1! 1—1*iMiy1 P a I ä s t i n a" von Dr. Aron Sandler. ..!), c Siedl ungsgenossense halt" von A. B <> h!״ mit Brief i'ranz Oppenheimers. ..I)a$ K u!. tu rp roh fein Palästinas" von Br. j tn<lt Müller. Hemer den ersten Teil eines liochintcrcssantcn ״Reiseberichtes aus Pa List um״ von Gg. IJr. Alcxandci Hausmann, l.cmlvrg, ״G r ü n U u n r von P fl a n 2 u n g s k o l<> n 1 e!!״ von M. G r ii n I» erg, Jaffa, sowie Mitteilungen Palästina reisen, Palästinainformat ionsbureaux, /xi. tungsseban etc. Der Preis der Zeitschrift -׳ per Jaln 2': X.,:1,; Mr Deutschland, K. 3 für Österreich, Ausland I .. •t. (Luxusausgabe das Doppelte) — ist so niedrig. -j,1i jeder Zionist in der Lage ist, sie zu abonnieren. Adresse fiir Zuschriften und Geldsendungen: ״Palästina", Wien IX, Turkcnstralle Persönliches Rechtsanwalt Dr. Arthur 11 a n t k e und : .11. Edith, geh. Hermann• wurden am 30. April durcl Geburt eines Sohnes erfreut, der den N .!; Theodor erhielt. Wir sprechen auch an ״. ir Stelle unserem verdienstvollen (iesinnungsgc״. dem Vorsitzenden des Ucschaftsfuhrenden Schusses des Zentralkomitees der Z. V. f. D, 1k, (4 der ״Jüdischen Rimdseliau" besonders nalicsteht ■J seiner Frau Gemahlin die herzlichsten Gliickuui,•.iw aus. * Am 8. Mai feiert unser Gg. Reell ts.m" .! David. Vorstandsmitglied der Ortsgruppe .,i n• burg-Altona. seine Vermählung mit I rl. Grete I:;; mI * Am 15• Mai feien unser Gg. Br. Egon Rosi n herg. Vorstandsmitglied der Berliner Zionist!'׳ ־!m Vereinigung, seine Verm.iblnag mit Hrl. י . :c S e 11 n c i d e r. AUS D€M ö6M6lfiD€B Dl• MUar&tlt unserer Leser an dieser Rubrik ist besonders ■ —- — erwünscht.- ■— Berlin. Zu einer interessanten Sitzung 1: tele sich die Gencralversimiitlung des Ccnt1.1l• Vereins für die Interessen der I: t ז - lincr Judi selten Gemeinde, am v< ■ t.gea Mittwoch. Der Central-Vercm hat eine grolle Yerg.nig. :1• heil. Es ist bekannt, dali er vor Jahren in eu er Zeit, als eine Hochflut des Radikalismus die Der- Inter Jüdische Gemeinde überschwemmte, cs •;׳־• wesen ist. der zuerst die historisch gerichteten Kräfte in der Berliner Gemeinde zusammeniai.tc 1 :4־ sammelte. Das Ergebnis ist bekannt. Mit str.!::cr Organisation ging er m den Wahlkampf und sieg'c. Peinlichen Kompromissen hielt er sich fern. Die '/.< ׳■■ ■ haben sieh etwas gewandelt. Seit Jahren schien es so. wie wenn der Central-Verein lediglich ein Lei en auf dem Panier führe. Versammlungen fanden nicht statt. Bei den letzten Rcpräsentaiitenwalilen wutJe cm Kompromill mit dem bittersten Heinde, dem R '•־ kalismiis. geschlossen. Es scheint, wie w enn 1•: ■n mit diesem Verhalten liechen wolle und sielt 1 afft. Die Vorgänge in der Berliner Geineaidcs;׳ -• die Ocigcrei, der Artikel des Herrn Ikiuis l.w v für den Sonntags-Gottesdienst und eine Reihe \ a anderen Vorgängen ans letzter Z.eit. vielleicht .!!■־ h der geplante Turm der ne’.r:n Svnagogc in ״er Hasanenstrallc und n*cht zuletzt das aiükl.m! ' energische Wirken des neuen indischen Gemen; vciems haben es dahin gebracht, dali man letzt ז! sanier und ziclbew ubter vorgelien zu wollen sein : j 111 der Versammlung am Mittwoch sprach ׳׳ •יי: ] RcwäsenV.mt Herr Dr. Ignaz Colin über den I ■ ' der Gemeinde, im Grollen und Ganzen doch noch ׳■■! Sinne der etwas gealterten ״zufriedenen" Praktik des Ccntral-Vcreins der letzten Jahre. Immei; 1׳ bedeutet schon die Titsaelie. dali ein Iterieht sei ■ I eines Repräsentanten iibei Ge Rcpiäscntuiitci«> > J Sammlung gegeben wurde, einen leichten Anilng v ׳•׳! Verbesserung alter Methode״. Herr Dr. C״lm s!• ' 1 offenbar, und das sei dankbar anerkannt, dali >üe Genieindewäliler einer Gemeinde von etwa 140<1׳״ Seelen ein Recht darauf 11:11)011, von ihren Vertretei 11 zu erfahren, was i!1 der Geiuemdeslnbe vnrgelit. P•• /.alilcil des Etats bieten vielleicht das Ihld emo nicht י unerfreulichen Hortschreitcns. Leider ahei }elircitet nicht entsprechend Intensität und Hruclabarkeit der Arbeit in miseiei jüdischen Genie! ׳••e;'*[(• Dieser Gesichtspunkt kehrte in den Reden •iller Diskussionsredner wieder. Auch mir einiger• mafien zufrieden war eigentlich niemand, mit Ans* nähme eines Herrn Sulinger, dessen Auftreten aber eimgernudlen Zweifel lieb, ob er die Dinge , ernst nahm. Charakteristisch war. UnO die Herten I '’on der schärferen Tonatt durchaus das Ohr dei ן ^crsnmmung und den Beifall der Anwesenden batten j «.0 Herr Reel1is;111w1;׳'t Dr. Klee, wenn er uut-׳r ׳ üttdcrein die I ״rderung nach mehr, wenn auch | weniger prunkvollen Synagogen, intensiverer Be• i , יז״״ ,V’״ ^c,״ Hebräischen, Schaffung nenci jüdischer Volksschulen, l'iitrichttin^ von!,ortlnl־ Wf׳ יי

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