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Jüdische Rundschau · 1910-05-06 · Heft 18 (6.5.1910) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XV (1910)
Issue
Heft 18 (6.5.1910)
Date
1910-05-06
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Seite 213. Palästina• Mit dr Zeit wird sich auch die Schiffahrt aof dem roten Meer und dem Tiberiasscc entwickeln pcr Fremdenverkehr wächst von Jahr ZU j־‘"r ״״J wjrd ohne Zweifel ״och bedeutend zuncliimii. Der Name Jerusalem wird immer seine Zugkraft behalten, und Plätze, wie Tiberlas d"0 UniKCluuij: von Haifa und der Libanon, sind für einen I:rlioluHßsaufenthalt wie geschaffen. Auf dem Oebiet des Hotclwcscns ist in Palästina noch alles zu tun. mite Hotels gibt cs dort nur sehr wenige Aber d. s lictclwcscn kann man kaum mehr als zu der Industrie gehörend bezeichnen. Ans dem bisher Gesagten wird Ihnen klar sein dass Svlion heute verschiedene Industrie• zweite gute Aussicht bieten, und zwar dielen׳ucn m erster Rothe» die mit dem Ackerbau und der U ricnwirtschaft in engem Zusammenhang stehen :•!Id die Verarbeitung der Landwirtschafts- Produkt * zum Zweck haben. Ich nenne Fabriken von Frucht mul Gemüsekonserven. Mchlmühlcn. Ölpressen zur V .ibcituiig der in grossen Mengen vorhandenen Olive;.! Hinkte, ebenso Scsamülprcsscn. Als entwicklt siäliig dürfen hier genannt werden die Par- (inner• 1 zeugnng und die Ölextraktproduktion, die bei ähnüc :1 Flora Verhältnissen in den südcuropäischcn LänJi zur Blüte gelangt sind. Die meisten dieser .Unten .!!:mmgen sind Kleinbetriebe mit geringem Kapi:. »md geringer Arbcitcrzahl. Dies trifft im gross!;■ «■iiizcn auch bei den Seifensiedereien zu, die die 0 ׳!uiiiktcnabtüllc verarbeiten, ferner bei den Gerbe..•:vn und Lcderfiirbcrcicn, bei der Wollvusvi vi und bei der Seilerei. Hs gibt, auch Zeine! mul Steiufabriken, Dachzicgclcicn und Maschiiu :.!briken. Je nach Bedarf werden mehrere diese! •. literiiclnmingen existieren können. Falls die Baum• -׳luiipfkuizungen in Palästina Erfolg haben, wird ■! der Zeit sicher auch eine Spinnerei- und Webe ui■•Industrie entstehen und gedeihen können. lc:; erwähnte schon den Bedarf an grossen öffent* liehen \1 beiten. Transportuntcrnchmungcn und dergleichen, grossen Bahnbauten, die, nachdem Palästina jetzt l'.׳M mit der Bagdadbahn verbunden sein wird, das L.i.ul auetnnit Ägypten verbinden werden. Für die jiivii'dicn Kolonien sind Kleinbahnen erforderlich, 1. B. \\;de eine Kleinbahn von Jaffa nach Pcthach- Tikwal! und Rischon-Lezion sich wahrscheinlich heua• ulmn als sehr rentabel erweisen. \V..s der Boden Palästinas an Mineralien enthält, ist m׳J׳ eine offene Frage. Wir wissen also nicht, ob siel! dort mit der Zeit vielleicht auch eine Minenindustiii. wird entwickeln können. Gerade in diesen Tagen mulct die Ausschreibungs statt für eine Ausbtutuug der Phosphatlagcr bei Salt. Es ist aber fraglich. *־••> diese Lager reichhaltig genug sind, dass bei den gestellten schweren Konzessionsbedingungen sich l.ulliabcr für dieselben finden werden. M' gliclicrwcisc wird sich eine Salzgewinnung aus dem Toten Meere als vorteilhaft erweisen; ausserdem die Qewinung von Brom und Paraffin, die Ausbeutung der Schwefcllagcr und die Gewinnung von A«־ ־.halt. Das sind alles industrielle Möglichkeiteu. die wir nach unsern Kräften fördern wollen. Ui •! welches sind diese Kräfte? Das sind in erster Keilte zuverlässige und fähige Fachleute, dann aber unsere »Mtcricllen Hilfsmittel, die Bank und der Nation.dionds. Was der Jüdische Nationalfonds ist und י . I. das ist jedem Juden, sogar den Nichtzionist.!1. ohne weiteres verständlich. Die Samtnlungei! 1t!r den Nationalfonds sind darum populär, und der i!■•1 Is wächst von Tag zu Tag. Für die Bank hat d:, zionistische Organisation einmal eine grosse Anstr.! innig gemacht, und dieser Anstrengung vordanke! wir unsere Nationalbank. n irgend ein Projekt von Bedeutung zur Ausgelangen soll, dann sind dazu vorher ernste tspieligc Vorarbeiten nötig, und diese Vor- 1 erfordern wiederum Geld und Menschen, man diese Tatsachen aus dem Auge verliert :terzu Neues in die Hand nimmt, ohne mit den •t.rcn Kräften zu rechnen, dann gelährdet man ׳ v man in den vergangenen Jahren geschaffen i worauf wir heute mit Recht stolz sind! ■■־ aber wollen das Erhalten hüten und wir ״ach unsern Kräften weiter schaffen. Wir 1-,i nicht exklusiv; jeder ernste Mitarbeiter ist ״!kommen . Wir wollen mit allen zusammen- ־! und jeden konkreten Vorschlag prüfen auf Wert für das gesamte jüdische Volk. Wir ן nicht daran, wertlosen Konzessionen nacnzu- Wenn wir etwas unternehmen, dann sollen in• gestellten Bedingungen annehmbar sein, '•enn wir auch über Konzessionen und über ■*‘-He Möglichkeiten sprechen, so wollen wir “iwc Konzessionsjager sein; für solchcistder u in der Türkei auch nicht «crad® gdfrsti5־ einer liberalen Regierung ®^״Regimes Hindernisse, diese Reste des frühem *SJL »n kt werden. Dann werden auch.dicKräücln :,l!d kommen, die imstande scin wcrdcn. mi 2££ %. Ä s eh davon überzeugen, dass die Juden überall, wo sie die vollen Bürgerrechte gcnicsscn, Ihrem Land treu sind, ln den Ländern, wo das jüdische Familienleben sich normal entwickeln kann, Ist der Jude schon von Natur konstitutionell. Deshalb wird er es auch m Palästina sein. Wir wollen die Entwickelung Palästinas beschleunigen. Unsere Interessen gehen darin parallel mit denen der Türkei. Ich komme mit meinen Ausführungen zu Ende. Nur noch einige wenige Worte, Vor einigen Wochen kam mir ein Vortrag zu Gesicht von Herrn Koenen, Lehrer an einer Rcichsltochschulc für Ackerbau, Qarten- und Forstwirtschaft In Holland. Er sagte u. a. folgendes: ״Die Industrie beruht schliesslich zum grossen Teil auf der Landwirtschaft. Sic kann sich nicht weiter entwickeln, als angegeben wird durch das Quantum Rohmaterial, welches die Landwirtschaft ihr liefert. Zwar gibt cs auch Industrien, die ihr Material nicht der Landwirtschaft entnehmen, z.B. der Bergbau. Jedoch der Bergbau ist Raubbau, die Landwirtschaft dagegen kann immer von neuem hervorbringen. In der Industrie sollen wir, daß die Zahl der Unternehmer immer geringer wird, die Zahl der Arbeiter aber wächst. Im Qrossbctrlcb werden die Gegensätze zwischen Kapital und .Arbeit Immer schärfer. Bei der Landwirtschaft dagegen ist cs gerade umgekehrt; dort nimmt die Zahl der Unternchmer immerfort zu." Ich bin mit meinen Ausführungen über die industricllcn Möglichkeiten in Palästina zu Ende. Eine Grossindustrie, wie wir sic in den modernen Industriczcntrcn kennen, wünsche ich unserm Volke nicht. Ein ganzes Volk wollen wir wieder werden; die Landwirtschaft soll dafür die Qrundlagc sein. Auf dieser werden wir dann Industrie und Handel, Kunst und Wissenschaft aufbaucn. Und nach einem bösen Traum, der zweitausend Jahre gedauert hat, wird das Jüdische Land wiederum ein Monument ewiger Gerechtigkeit sein. -4flnglo Palestine Company In Ergänzung des in der letzten Nummer unseres Blattes veröffentlichten Berichtes der A. P. C. über das Geschäftsjahr 1909 fugen wir noch einige Zahlen aus der Bilanz und dem Gewinn Verlust-Conto bei. Die der Bank von Dritten zur Verzinsung und Verwaltung übergebenen Gelder haben sich erhöht von 1908 £ St. 180 427 auf 1909 128 215 ״ ״ 1909 + £ St. 34 701 Von ihnen waren Darlehen des Jewlsh Colonial Trust 1908 £ St. 46 599 auf 1909 931 7 ., ״ 1909 — £ St. 38668 sc» daß sich die eigentlichen Kreditoren der A. P. C. erhöht haben um £ St. 34 701 668 38 + ״ £ St. 73369 r um rund 1 ,i Millionen Mark, ein Beweis für das ehntende Vertrauen, das die Bank genießt. Der vinn hat sich von £ St. 4759 in 1908 auf 4877 .. ״ in 1909 crhöhl vollgczahltc Aktienkapital betrug am 31. 12. 1909 t. 72 143 und hat sich seit dem Vorjahr um £ St 1 prhüht Außerdem wurden Z. Zt. 533 Aktien Jewish Colonial Trust aus dem ^sitzdcrAn^o estinc Company plaziert. Dieser Aktivposten hat 1 von Jahr zu Jahr vermindert und. cs besteht die fnung, daß cs im Laufe der Zeit du^1h ,forithKCS®tzt® käufc unter der Hand gelingen wird, Ihn ganz Dte Re’servcn betrugen am L Januar 1910 £ St. 2 500 dazu Vortrag 6^9 ״ ״_ ~~ £ St. 3476 iwüom existiert £ St.-Fonds von £ St. 500. crfcuHch such Ule Entwlcklune der Anslo esUnc Company ist. so muH doch immer wieder ml hintewiesen werden, da״ die Konkurrcni der “sei es Ssllns-Bank•■ Ihr »eserdtat; viel ,־- , L ״ p,csc Qcscllschaft, die ur- ״ c w nicht gut arbeitete, ist ln die Hände übergegan- , wefche die ungeheuren Vermögen des Herzogs S ״״ d« Fürsten FUrstenberg verwaltet, ’ Vh? Äal“»15 Mliaonees Mark «MM und kt dnreh die Handelsverelnltunt I״ sehr nahen Beziehungen zur Hamburger ״Levante Linie". SeU der allerletzten Zeit ist auch die ״Deutsche Bank" *im Aufsichtsrat der ״Handclsvcrcinigung" vertreten, arbeitet mit ihr auf allen Gebieten gemeinsam und steht Infolgedessen auch hinter der ״Deutschen Palästina Bank", deren Aktien vor kurzem zum Kurse von 112 pCt. an der Berliner Börse cingeführt wurden und die bei sehr großen Rückstellungen 6 pCt. Dividende für 1909 verteilt hat. Um hier nicht ganz ins Hintertreffen zu geraten, müssen alle Zionisten mit ganz anderem Eifer wie bisher Aktien der A. P. C. erwerben und bei der Leitung unserer Organisation darauf dringen, daß ein immer größerer Teil unserer Geldmittel im orientalischen Geschäft nutzbringend arbeitet. Die von der Generalversammlung auf 47* pCt. .10 =־ pcnee 85 :־ Pfg. pro 1 £ St. Aktien fcstgcsetzte Dividende gelangt gegen Auslieferung des Dividendenscheins No. 3 außer bei der Oescllschaftskassc London E. C. Brookhousc Walbrook bei dem Bankhatisc A. H. Heymann & Co., Berlin NW. 7, U n t c r d c ״ L i n d c n 59 zur Aus- Zahlung. Wegen des Erwerbes von Anglo Palestine Aktien zum Preise von Mark 20.50 pro Stück wende man sich a n d i e gleichen Stellen. ü AUS ALLCR W6LT Russ/and •1• ln Warschau ist ein Verein zur Gründung einer Rabbincrhochschulc ins Leben gerufen worden. Die Regierung soll angeblich diesem Plane wohlwollendes Interesse entgegenbringen. Eine Anzahl jüdischer Kauileute in Moskau plant die Gründung einer jüdischen Kreditbank auf genossenschaftlicher Basis. Einer der dafürsprechenden Gründe ist die Ausschließung von Juden aus verschiedenen Kreditgcsellschaften h\ dieser Stadt. Der Gouverneur von Astrachan hat dem Polizeipräsidenten und den Kreishauptleutcn eine strenge Kontrolle anempfohlen, damit Wohnrechtslose Juden sich mit dem in jener Oegend ausgedehnten Fischhandei nicht befassen. Finnland Der Hclslngiorscr Gouverneur hat beim finnischen Senat beantragt, in den Lcgitimationspapicrcn, die den Juden in Finnland zweimal jährlich ausgestellt werden, fernerhin nicht mehr die einzelnen Handelszweige anzufiihren, mit denen sich die Juden in Finnland befassen dürfen, da diese aus dem Jahre 1889 stammende gesetzliche Maßregel bereits veraltct sei und zu den gegenwärtigen Verhältnissen nicht mehr passen. Dieser Antrag ist umso bcmerkenswerter, als der Initiator desselben sich sonst nicht gerade durch besondere Judenfreundlichkaut auszcichnet und noch vor kurzem sechs jüdische Familien ohne besondere Veranlassung aus Finnland ausgewiesen hat. Oesterreich -g- Wien. Der österr. Ministerpräsident Baron Bienerth lud an» 15. April alle vier Mitglieder des ״Jüdischen Klubs" im österreichischen Reichsrat zu einer besonderen Konferenz ein. die etwa anderthalb Stunden währte. Die jüdischen Abgeordncten besprachen dabei mit dem Ministerpräsidenten eine Reihe das Judentum in Oesterreich betreffender Fragen, so die aktuelle Schänkerfragc in Galizien, die staatliche Dotierung der Rabbiner, den hebräischen Unterrieht in den Mittelschulen. Der Minister- Präsident versprach den auch von ihm als berechtigt anerkannten Wünschen des ״Jüdischen Klubs“ nachzukommen. Auf die Beschwerde der jüdischen Abgeordneten, daß das Reichsbudget keinerlei Ausgaben für jüdische Institutionen und Einrichtungen — im Gegensatz zu denen anderer Nationalitäten — enthalte, etwideite der Ministerpräsident, daß die Regierung nicht wisse, wem sie die Subventionen geben sollte, da ja in Oesterreich keine alle Juden umfassende Organisation existiere. Ungarn -f- Der ungarische Kultusminister erklärte Mn einer vor seinen Wählern gehaltenen Rede u. a.: ״Mein erstes und höchstes Streben wird sein, unter allen Konfessionen in unserem Lande Frieden zu schaffen und ihnen die Gleichberechtigung zu sichern. Laut dem Gesetzartikel 20 aus dem Jahre 1848, welcher alle in Ungarn wohnhaften Konfessionen für gleichberechtigt erklärt, werde Ich dafür sorgen, daß die Gleichberechtigung nicht bloß auf dem Papiere existiere. Es ist irgendwie gefragt worden, ob sich dieses Gesetz auch auf die Israelitscho Konfession beziehe; da muß Ich tagen, daß dies nicht der Fall ist, weil

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