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Jüdische Rundschau · 1910-05-06 · Heft 18 (6.5.1910) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XV (1910)
Issue
Heft 18 (6.5.1910)
Date
1910-05-06
Page
– (sequence 3)
Language
German
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No. 18. .1 UED1SCHE RUNDSCHAU Seite 211. die Jmlcit in der Türkei, diese iinch mitarbeiten. sei», die in Palästina Oer zweite selbst, damit Punkt, muß foßeit ]iidtselicu Organisationen liir die praktische R Arbeit in Palästina zu gewinnen. Bis jetzt haben die grollen jüdischen Organl- ״.Humen behauptet, dal! wir Zionisten mir Reden jt.ilicn. dal! wir aber nichts Praktisches leisten. Wir wollt» sehen» ob die jüdischen Organisationen mit!,.ns .irbeiten. Wir werden uns anstrciiKcn. mit diiicn Haiul m Hand zu arbeiten, wie wir cs bereits in cm '.Inen Pallen getan haben und wir sind über* /cuc:. d'll •'}1'יו־, die dCA und die Alliance ן r.! * 11 * c Universelle zu der UebcrzeuKun^ Kouuiu 11 werden, dall sie an der zionistischen Organi* *iitioii *he besten und tüchtigsten Mitarbeiter haben \V,r \' .׳llcn ferner unsere eigene Organisation ausgc* .sialu i. CS fehlt noch vieles bei uns. Wir müssen [1nH1 ׳.' riiiarizlnslltutloiien fiiiw ic’.cln. sorgen, da» unsere Hanken noch größere K.u'U.c'en an sieh ziehen und auch jetzt mehr in ל!.1ו\ן•!a arbeiten. Kurzum, wir müssen größeres mit ■•׳• •cren Pinauzinstitutionen leisten und schließ* lieh Palästina selbst kolonisieren und Acker* bau. Industrie und Handel fördern, kiir/.r. alles, was nötig ist um die Vorbereitungen j!,r c grolle Ziel zu treffen, das wir uns gesteckt 11.11h Meine Damen und Herren, wenn Sic nur von Oer! - ■umg selbst erwarten, daß sic das alles macht, dann " erden Sie noch lange warten müssen. Sic jcIhM Hissen mitarbeiten. dann bin ich sicher, daß vir!! eh Grolles erleben werden ״bimhero bejomenu". iS;H'licr Ikifall, Hiitc- und Tücher schwenken. Der As'laus dauert minutenlang fort. Die Vcrsamm- Jung . hebt sich.) * * * ־ה ■nstag, den l<» April, abends 8 Uhr. fand in den ' Rum n von Armfields Hotel. London, die erste Versinn׳” mg des nciigcgründctcn Hcbrcw-Klub st.ut Per Klub wurde vor kurzem gegründet und bc/\'>.k1 die Pilegc der hebräischen Sprache. Sein WtMM'iulcr ist Herr L. H. Rubinstein. Bel der erste:. :■־!Willig waren u. a. anwesend: Herr David Wi'i.h 1m. Achad llaam. Dr .Mctaincd. Dr. Weiz* ׳■"!!.ווו. •L L. üreenherg. Dr. Salkiiul usw. Er fan* den '׳■rtriige heliräisclier Dichtungen statt und cs vuihk” verschiedene hebräische Lieder gesungen. N.ieli Hecndigung des Massen-Meetings am 50111!: ^. iand m der Zionsliall Fulbmtrnc Str.. London K C. . 1 Elireu des Präsidenten David Wolffsolm ein. llmpi. i.z der London Eastcnil Zionist Association st.1t: Pas dem Verein gehörende Lokal war festlich mit Hiu11.cn und Dekorationen geschmückt. In» Laufe des Abends wurden verschiedene Toaste gc* lullten, von denen die Ansprache von Herrn Horn, vvu•!.-.! n. hebräischer und englischer Sprache als Ältester der Versammlung auf die Gesundheit von Herrn und P'ran Wolffsolm toasticrtc. hei vorziihcben i>1. S!-d.um sprach Herr Dr. Charles Drcyfus. Präsi* 1km der englischen zionistischen Federation. M.iiuIr Mer. über den Erfolg des Zionismus in Eng* lanJ. und das Mitglied des E. A.*K.. Herr J. Kann, iihct du• P’ortsclirittc der zionistischen Institutionen. Herr Hr. Melamcd toastete auf die Damen. Herr Inseuniir Leopold Keßler sprach über den National* fonäs. Herr ‘Rubinstein über die hebräische Sprache und l'.err Coven!Hier die Verwaltung des Vereins und d! Presse. Herrn und Frau Wolffsolm wurden IiülisJ,.,■ Blmmmspendcn überreicht. Nach Absingen der B i'-kwali wurden gogen!:8 Uhr die Rezeption beende;. Um 8 Uhr fand unter Anwesenheit von Herrn und Frau David Wolffsolm ln Littlc Alle Str., London E-C״ die Eröffnungssitzung der ncugcgründctcn David Wolffsolm üencfit*Soclcty statt. Herr und Frau Wolffsolm wurden von dem Vor* sitzenden des Vereins. Herrn Ginsbunt. festlich emp* fangen. Derselbe wies auf den glücklichen Zufall hin. daß Herr Wolffsolm persönlich bei der Eröffnung dieses Vereins, der seinen Namen trügt, anwesend sei. Herr Wolffsolm hielt die Eröffnungsrede, in der er die Hoffnung aussprach, daß dem Verein eine günstige Entwicklung hcschlcdcn sein möge. Er habe sich gern damit einverstanden erklärt daß man dem Verein seinen Namen giibc, da er sehr wohl wisse, daß gute Zionisten au dessen Spitze stehen und daß der Verein darum auch für unsere Bewegung vieles und gutes leisten werde. Herr Wolffsolm wurde zum Ehrenpräsidenten des Vereins ernannt, welche Wahl er dankend annahm. Ein Interview Die bekannte cnglisch-iüdischc Wochenschrift ״J c w i s!1 C11 r 0 ״ i c 1 c", die sich in ihrer letzten Nummer viel mit dem Zionismus und der England* Reise des Präsidenten W o 1 f f s 0 h n befaßt, bringt u. a. auch folgendes Interview, das einer ihrer Mit* arbeiter mit Präsident Wolffsolm in London hatte: Die erste Frage, welche unser Vertreter an Herrn Wolffsolm richtete, bezog sich auf den letzten Kongreß. ״Glauben Sie“, fragte er, ״daß der Hamburger Kongreß auf der Höhe der vorhergegangenen stand?" Herr Wolffsolm strich seinen Bart und dachtelange Zeit über seine Antwort nach. Dann sagte er ungefähr folgendes: ״Der Kongreß war im Großen und Ganzen nicht anders als die bishciigeii. Jeder Kongreß hat seine besondere Aufgabe gehabt. Der Hamburger Kon* greß war, wie ich glaube, vor allem bcrulcn, die Luft zu reinigen und ich glaube, daß jetzt ein viel besseres Gefühl in der Bewegung herrscht." ״Welchen Eindruck hat die Rrussischc Opposition auf Sic gemacht? Glauben Sic, daß sic darauf ״usging, Sie aus der Bewegung herauszudrüngen?“ ״Ich glaube nicht, daß die Führer und die Menge einig in ihrem Angriff auf die Leitung waren. Es ist sehr schwierig, die wirkliche Ansicht der russischen Zionisten kennen zu lernen. Zwischen zwei Kongressen können sic sieh nicht aussprechen, da sic keine Erlaubnis haben, Versammlungen abzuhalten und keine Preßfreiheit haben. Auf dem Kon* grell können sie einem großen Teil der Verhandlungen nicht folgen, da sic die Sprache nicht beherrschen. Sic bleiben streng in ihrer Landsmannschaft abgeschlossen, in der vollkommene Parteidisziplin Herrscht. Die Russen, mit denen ich sprach, machten nicht den Eindruck auf mich, als ob sic meine Entfernung wünschten. Sic werden streng von ihren Führern kontroliiert, welche es sehr seltsam angefangen haben, wenn sie wirklich meine Entfernung wünschten, denn das Ergebnis ihrer Arbeit war in der Tat eine Stärkung meiner Position. Sic hätten cs nicht besser machen können, wenn ich auscrschencr Kandidat gewesen wäre.“ ״Wie ist die Lage des Zionismus in Rullland?" ״Die Situation in Rußland ist nicht gut. Bevor Ich vor etwa zwei Jahren nach Petersburg fuhr, legte die Regierung der zionistischen Tätigkeit viele Hindcrnissc in den Weg. Das veranlaßte mich, mit der Regierung in Verbindung zu treten. Beim Besuch in der Hauptstadt, wo ich den Ministerpräsidenten und einige seiner Kollegen sah, überzeugte ich mich, daß sowohl Stol.vpin wie auch die anderen Minister geneigt sind, unsere Arbeiten zu erleichtern. Sie sagten, cs sei ihnen zur Zeit unmöglich, die Zionisti* sehe Bewegung zu legalisieren, aber sic ließen mich verstehen, daß sic unsere Arbeit nicht behindern würden, wenn unsere russischen Gesinnungsgenossen nur zionistisch, klar und einfach zionistisch, arbeiten werden, ohno den Zionismus mit Interner Politik zu vermischen. Seit jener Zeit wurde unsere Arbeit nicht gestört; in letzter Zeit allerdings wurden uns wieder große Schwierigkeiten bereitet." ״Was ist die Ursache dieser Acndcrung der Politik?" nM3h kann eigentlich nicht von Kursänderung Sprechen, denn die Schwierigkeiten gehen von subalternen Beamten aus, welche immer bestrebt sind, die Juden zu bedrängen, lu der Tat würde die Verwirklichung des Zionistischen Programms einen erheblichen ökonomischen S'ortcil für Rußland bcdeuten; denn die Juden, die nach Palästina ausw׳andern, würden rege Handelsbeziehungen zu Rußland unterhalten, wodurch dessen kommerzielle Position Im Orient sich stark befestigen würde. Ebenso stehen ja die nach Amerika auswandernden Juden in regem Verkehr mit Rußland." ״Hat die Zionistische Bewegung irgend eine deiinitive Politik, was die Türkei anbelangt?" ״Wir bemühen uns, von der türkischen Regierung Konzessionen für eine jüdische Niederlassung in Palästina zu erlangen." ״Werden die Verhandlungen noch fortgeführt?" ״Wir sichen in andauernder Beziehung und sind fest überzeugt, daß die türkische Regierung, wenn sic in der Lage sein wird, dieso Frage zu cntscheiden, sic günstig beurteilen wird, denn sie hat von der Verwirklichung unseres Programms große materielle Vorteile zu erwarten." ״Welches ist die größte Schwierigkeit, die sic in der Türkei ü׳':len"־ ״Die größte Schwierigkeit ist meiner Meinung• nach momentan die, daß die Konstitution noch nicht ganz festen Full gefallt hat.*־ ״Wann wird der nächste Kongreß stattfinden'••’׳ ״Der Termin der Kongresse wird vom Großen A.-K. bestimmt. Ich benutze diese Gelegenheit gern, um der Beschuldigung cntgcgcnzutrcten. daß ich den letzten Kongreß im Dezember cinbcrufcn habe, um mir eine Majorität zu verschaffen. Das Ist nicht wahr. Die Zeit des Kongresses wird, wie ich schon sagte, vom G. A.-K. bestimmt. Aller Wahrselicinlichkcit nach wird der nächste Kongreß im August 1911 stattfinden. In Hamburg sprach ich die Hoffnung aus, er möge recht bald zusammentreten, aber das hat sich nicht als praktisch erwiesen." ״Wo wird der Kongreß stattfinden?" ״Bis jetzt ist noch nichts bestimmt. Wie ge* sagt, die Bestimmungen trifft das Große A.-K." ״Sic beabsichtigen nach Amerika zu reisen?" ״Ja. In Amerika ist das beste zionistische Material. Dort haben wir 2 Millionen Juden, vor- Das hat nirlifs zu bedeuten; — Minimem mc sh Ii nicht darum“ — murmelte der Pfarrer Rtakaüein verwirrt. 1 ,er junge Mann war aufgesprungen und 1'm'Jii!’ um sich. Er zitterte an allen Gliedern. r1<־״t int Himmel, wohin bin ich geraten? .< :<•׳,׳! begreife ich alles — alles! Dies ist einer von den schändlichen Orlen, vor denen n,a׳ ׳ ״cli warnte, als ich von Mause fort nach d׳r .Stadt ging. Hier werden die Arg* 1 ו»איי׳uit schönen Worten und lockenden Reden eing't.mgen; dieser Ort ist verflucht, und alle, die n:, betreten, sind verflucht, — laßt mich!°rt. l.Ttf mich fort.“ —• — End in wilder Flucht stürzte er aus der lur. .E׳u: Leute im Zimmer sahen ihm mit gleich- MiHium Lächeln nach und setzten sich dann A'iedir zum Lesen zurecht. Nicht zum ersten וי,',־ hauen sie Vorgängen dieser Art beige* Auch der Pfarrer Rubcnstein ging zu ynciü Platz am Pult zurück und nahm seine ^1־beit wieder auf. Seine Haltung war womög* »och ruhiger als die der anderen. Aber Semc Linke preßte er verstohlen gegen die Brust, das Schlagen seines Herzens zu bemeistern. £er Abscheu und die Verachtung des armen 1 euiels, der eben aus seiner befleckten Gegen* wart geflohen war, ließ ihn ungerührt. Er wußte, er war ein Ausgcstoßeucr für die, deren Glauben er abgeschworen hatte. Lange Jahre der Gewohnheit hatten ihn gegen Spott und Hohn gewappnet. Er gestand sich sogar selbst ganz offen, daß er nicht mit List, mit schönen Worten und lockenden Reden eingefangen worden war. Sein Fall war ein Akt der Selbsthilfe gewesen gegen die unerträgliche Frömmelei, die seine ganze Jugend eingeengt hatte. Vielleicht hatte er ursprünglich nicht ganz so weit gehen wollen. Aber nachdem einmal die Grenze überschritten war, stand er auf der anderen Seite. Die Macht der Verhältnisse, eine gewisse Feig* heit, dies alles hatte über ihn entschieden. Er batte seine Wahl getroffen und wollte nicht zurück. So hatte er wenigstens einen Halt mitten seiner Haltlosigkeit. Und nun, plötzlich, — hatte alles ein ande*; Gesicht bekommen. Er erkannte sofort, daß 1 schon längst eine unbestimmte Furcht Tag d Nacht gepeinigt hatte. Schon manchmal tte er gefühlt, daß etwas geschehen würde, n schlummerndes Gewissen wachzurüttcln. ld es war heute Abend geschehen. — Aus der;mme des jungen Mannes aus Kamorka hatte i Stimme der Vergangenheit gesprochen. Und .* flüsterte ihm von der Ungeheuerlichkeit seines -— —.... v. •1v» »yiiiuc UCMiUi flüstern. Es war kein lauter heller Ruf, sond ein dünnes, feines, beständiges Summen, das s in sein Hirn cinbohrtc und ihn um den Vcrst; zu bringen drohte. Er dachte an die Leget von Titus und der Mücke, — war das nicht c Allegorie der strafenden Qualen, die den Siin folterten? Und das würde künftig sein Los st Er mochte noch so weit fliehen, er würde i nimmer entrinnen. Sein Haupt sank ihm auf Brust; die Feder entfiel den kraftlosen Fingern. Und dann stahl sich langsam durch schwere Dunkelheit seiner Verzweiflung schwacher Hoffnungsschimmer. Er konnte s vielleicht noch retten. Htm blieb ein verzweife Mittel. In einem weitabgelegenen Winkel! Erde lebte der alte Mann, dessen letzte Ja er zu einem langen qualvollen Kampfe gema hatte. Wenn er noch einmal die Augen seines Vaters Antlitz richten, noch einmal sc Stimme hören könnte, die zu ihm sprach, ni zornig, sondern in Güte, — wenn er viellei gar seine Hand berühren dürfte; das würde e teure Erinnerung sein und ihm das Martyri der künftigen Jahre erleichtern. Für seine Mutter kam er zu spät. Sie v dahingegangen, fort aus dem Bereiche seit Vergehen und seiner Gewissenbisse, — die Fi

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