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Jüdische Rundschau · 1910-04-29 · Heft 17 (29.4.1910) · page 10

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XV (1910)
Issue
Heft 17 (29.4.1910)
Date
1910-04-29
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 20׳;. ז u li D I SCiJ[;; _Ij U .N_p SCH A U No. 17. entspannen sich dabei Uber den alten, noch immer aktuellen Sprachenstreit: Hebräisch oder Ja renn. Die anwesenden Zionisten vertraten die Ansiclit, dall die Aufgabe der jüdischen Schule darin bestehe, die jüdische Jugend nicht bloß tiir den sozialen l.elion.skampf vorzubereiten, sondern vor allem in jüdischem (leiste zu erziehen, wobei die licbrilisclien Lehrfächer an erster Steile stehen iiiiililen. Zu endgiltigen Beschlüssen gelangte die Konferenz nicht, ssic hat jedoch zur Klärung mancher strittiger Punkto beigetragen und wird sicherlich nicht ohne Einfluß auf die weitere Entwickelung des jüdischen F.rziehuiigswcsens in diesem Lande bleiben. * Wie uns kurz vor Redakticnsscliluß tclcgra- 1»!• is cli berichtet wird, sind in Kiew die Aus* * Weisungen von Juden einstweilen slstlcrt worden. Es soll jeder Lall einzeln geprüft werden, und danach vom Ministerium des Innern die Entscheidung getroffen werden. — Ls bleibt abzuwarten, inwieweit sich die Nachricht bestätigen wird, und ob sie nicht etwa doch nur einen Aufschub der barbarischen Maßregel bedeutet, statt deren gänzlicher Aufhebung. * Der Rnbblnerkongrert in Petersburg wurde in der vorigen Woche geschlossen, nachdem er noch die Prägen des religiösen mul allgemeinen jüdischen Erzielmngswesens erörtert hatte. Die Prägen waren bis zum Schluß zurüekgestellt worden, weil bei ihnen die tiefgehendsten Differenzen befürchtet wurden. P.s gelang jedoch am P.mle eine Einigung der ab- «cicliclimicn Richtungen zu erzielen, indem den Rahbinern die Aufsicht über die ״Chedarim" cingerümiit wurde, wahrend die Rabbiner auf jede Einfhillnalunc auf die reformierten mul allgemeinen indischen Hildungsscluilen verzichteten. Es wurde daun jeder Gemeinde zur Pflicht gemacht, eine ״Talmud Thora" für jüdischen Religionsunterricht zu begründen. Ein weiterer Beschluß des Kongresses betraf die gesetz* liehe Legalisierung der Talnmdschulen, der sogenann* teil ״Jeseliibotir״, die in einem Gesetz aus dem Jahre Ik-M genehmigt, dann aber durch verschiedene Zirkuktre von der Regierung verboten wurden. * Mehrere Studenten haben sieb an das Eisenbahnmiuistorimii mit der Bitte gewandt, sic in den Eisenhahnbetrieben zu beschäftigen. Da aber vor zw׳oi Jahren noch in einem Regieniitgszirkular verfügt wurde, dall Studenten auf Keinen sali in solchen lietrieben angestellt werden dürfen, beantragte die P.isenbahnverwaUung beim Minister Rucklow die Ab- Icluumg dieser Gesuche. Pie Bittsteller hatten in ihrem Gesuchen bemerkt, dall sic Mitglieder im ..Verbund des russischen Volkes*‘ und anderer ״patrlo* tischen“ Organisationen sind. Der Minister erklärte deshalb, dal! man die Gesuche nicht zurückweisen dürfe, und vermerkte auf denselben: ״Wenn man will, ist alles möglich“. Die Beamten des Ministeriums traten darauf gleich mit verschiedenen Eiscnbahngcscllschaftcn in Verhandlungen, um den echt-russische» Studenten die gewünschten Stellungen zu verschalten, ln Rullland geht eben ״Patriotismus“ über Gesetz! :N Der Ministcrrat bat den Beschluss gefasst, den bucliarischen Juden einstweilen, bis zur allgemeinen Lösung der Judeufragc, das Wohnrecht in den!*er- K a n e r, S a in a r k a n d c r und T r a n s k a s p i - sehen Distrikten auch fernerhin zu gewähren: dagegen soll ihnen der Aufenthalt im Sir da rin er Distrikt nicht gestattet sein, von welcher Massnahme hundertundvierzig jüdische Familien aufs ärgste betroffen werden. Der bneharischc Rabbiner Ta sh er ist von dem liier weilenden Bucha racr Emir in Audienzempfangen worden. Der Emir versprach bei dieser Gclcgciilieit, zugunsten der bucbarischen Juden in den massgebenden Rcglerungskreisen zu wirken und dafür ein/.utreten, dass ihnen der Aufenthalt in Russland gestattet werde. Galizien eingeben wollte. Darauf schimpfe sic der Richter ans und meinte, sie wäre so habgierig wlo ־־־ ein Jude. Der Advokat protestierte aufs entschiedenste gegen diese Beschimpfung des Judentums, und er liess sieb auch durch die Drohung des Richters, er werde die Verhandlung unterbrechen, nicht cmschüchtern. Derselbe Richter hat schon öfters bei Gerichtsverhandlungen Beweise antisemitischer Gcsiuumig unverhohlen gezeigt. , ״ Wir sind eben in Galizien .... unter der Herrschaft der ״unterdrückten" PolenI Amerika In der Stedt Newburg brach vor kurzem in einer Weberfabrik ein eigenartiger Streik ans. Die Arbeiter verlangten die Entlassung des e i n z igeil in der Fabrik a nges tc111 c n Juden. Der Direktor ging jedoch auf diese Forderimg nicht ein, und die Arbeiter!nullten nach acht Tagen den Streik erfolglos einstcllcn. Besonders bcmerkenswert ist dabei, dall der Vorstand des amerikanischen Weberverb andes diese antisemitische Arbeitcrfordcrnngen billigte und mit allen Mitteln unterstützte. Türkei Die Alliance gegen die jüdische Turnbewegung Aus Koiistantinopel kommt eine derart unerhörte Nachricht, dall wir sie als ganz böswillige Verleimtdimg ztirckgcwiescn hätten, wenn sie nicht von der ״A uro re" im vollsten Malle bestätigt worden wäre. Das Pariser Zeutral-Komltee der Alliance Israellte Universelle verweigert den jüdischen Turn vereinen Muccahl in Balut und 111 Ortakcuy Ule Benutzung der Turnsäle der Alllance-Sclmlcii. Dieser Hcschhii! ist um so bedeutungsvoller, als die Bitte um Ucherlassimg der Tarnsäie von dem Vorsitzenden des Maeeabi, dein Präsidenten des Conti 16 regio'iial, Mr. Isaac Fernande*. ausging und von dem Ehrenmitglied des Vereins, dem Cha* chain Baselii auf das wärmste befürwortet wurde. Auch haben diese Vereine keine andere Tendenz, als die körperliche Ausbildung der jungen tiirkischcu Juden zu beben und zu verbreiten und enthalten sieb jeder politischen Betätigung. Die A 11 i a 11 e c scheint aber zu fühlen, dall sic täglich mehr Boden unter den Püllcn verliert, du vor allem ihre eigenen Schüler, — und dies sind vorwiegend die Mitglieder des Maeeabi, - die völlige Unzulänglichkcit ihrer Absichten erkannt haben. Die Erziehung der Juden in der Türkei kann nur eine nationale sein. So lange sich die Pariser Herren dieser deinen* taren Einsicht verschliellen, werden sie zu einer gcdciltlichcu und friedlichen Tätigkeit nicht gelangen können. Wenn aber das Zentralkomitee anstelle der bisherigen latenten Reibereien den offenen K a m |> f will, wenn es versucht, den nationalen Geist mit Zwaiigsmallregelu zu erdrücken, so wissen wir, dall damit der Anfang von» Ende begonnen hat. Von dem Moment an kann die Alliance jede Hoffnung auf weitere Erfolge im Orient fahren lassen. Denn die türkische J u d c n h c i t ist national und wird sich auch von keiner A. 1. U. vergewaltigen lassen. Der Ausgang dieses Kampfes ist uns daher nicht zweifelhaft. Den Mitgliedern der A. I. U. inufl aber ein derart kleinliches und gehässige Vorgehen doch die Augen öffnen und sic werden sich fragen müssen: Ist cs mit unserer Ehre noch länger vereinbar, ein solches Vorgehen zu unterstützen? >1* —a— Koiislnitliiapel. Die Regierung hat ein neues Departement geschaffen, ein Handelsministcrium. und hat zum Chef desselben einen der vier jüdischen Abgeordneten aus Konstantinopel, Paraggi offen dl aiisersehcn. Am 23 mul 24. Nicssan findet in Lemberg die 5. JaUraskouitreuz der Hebräische« Lehrern«־.«»!* sallou In Österreich statt. Auf der Tagesordnung sichen 11. :1. Berichte des Zentralkomitees und der Unterabteilungen, die Pcstsetzmig eines Lelirpramms für alle hebräischen Schulen, die Herausgabe von hebräischen Jugcndscliriftcn für die häusliche Lektüre und die Pronagauda für die Verbreitung der hebräischen Sprache. Im Lcmbergcr jüdischen Gemeindehaus ist ein eigenartiges Mittel angewandt worden, um die Zionisten au der Einsichtnahme in die Wählerlisten für die bevorstehenden RepriiscntantciiwaliVin zu behindern. Pan mit der ״Aufsicht" über die Wüh-!erlisten betrauter Herr Neuste!« bestellte zwei Personeu. welche die Listen stundenlang in ihren Händen halten und keinen Zionisten zur Einsichtnahme zulassen. Unsere dortigen Gesinnungsgenossen haben beim Gcmcindcvorstand offiziellen Protest gegen dieses beispiellose Vorgehen erhoben. * —e — In Mielniza führte eine Bäuerin einen Prozess wegen eines QrundcigcnUimsstrcitcs. Die Klägerin wurde am Gerichte von einem zionistischen Advokaten vertreten. Der Richter Juschkewicz schlug einen Vergleich vor. auf den aber die Bäuerin, im Bewusstsein ihrer berechtigten Forderungen, nicht ZIOHISTISCHC BEWeGUMG Anglo-rulcstinc Company Geschäftsbericht des Direktoriums für das Jahr 1909. j Auch im verflossenen Jahre haben unsere Gc- : schäfte einen recht befriedigenden Portgang genomj inen. Aulier den gewöhnlichen Bankoperationen,! wie Diskontierung und Bevorschussung von Wcchsein und VorselniP.ortciluiig auf Wertpapiere und | Waren, welche unsere sämtlichen Filialen in Pa- 1 lästiua (Jerusalem. Beirut. Hebron u. Haifa) betrei-! heil, bat die Jaffacr Zentrale noch ganz besondere; Aufmerksamkeit ihren geschäftlichen Beziehungen zu; den Kolonisten. Hoden-Besitzern und Pilattzimgsvcr- 1 einen zugewendet und dieselben wiederholt durch 1 Darlehen unterstützt.! Mit Hilfe der vom Jüdischen Nationalfonds der A. P. C. gewährten langfristigen Kredite war die Jaffacr Zentrale in der Lage, den Häuser* bau-Gescllseliaften in Jaffa und Haifa lang terrninierte Vorschüsse, zu bewilligen, so daß unter ihrer Mitwirkung jetzt in beiden Plätzen schöne neuo Stadtviertel entstanden sind. Die Geschäfte mit den Leih -Genosse«- schäften haben sich in befriedigender Weise weiter entwickelt, litte Zahl ist im Laufe des Jahres auf 2« mit 1183 Mitgliedern gestiegen, dcicn Gesamt, schuld Ende des Jahres £ 12*61 betrug. Die Geschäfte in Jerusalem haben etwa denselben Um. fang wie im Vorialirc gehabt: auch die Holte der Depositen ist ziemlich unverändert geblichen. Die Mcirutcr Filiale war in der angenehmen Eine, ihre Geschäfte auf einer ruhigen und sicheren Basis nusztidchneii und zeigt ein erfreuliches Gewinn Rcsultat. Auch die Filialen in Haifa und M*:br׳m!iahen kleine, aber durchaus befriedigende Uevniae erzielt. In Haifa dürfen wir auf eine weitere tgünstige Entwicklung unserer Geschäfte mit licstiinmtaeit rechnen. * Alis der dem Bericht bcigclegten Bilanz v..:tnehmen wir. dall die Anglo Palcstinc Co. über e.!-en Reservefonds von!1000 ׳ verfügt. Der i’ciisi׳.;!*. fonds beträgt t £00. Das Direktorium hat!•eschlossen, der Generalversammlung eine D1\!׳. \: von Hl pcncc 4'A '־L wie im Vorjahre, v!..,!:. schlagen. Mitteilungen des Zcntralbureous der Zionistischen Vereinig, für Deutschland Die 2. vermehrte Aullage der Broschüre ״Zio. n Ismus und St an tsbil rgc r tum" . Rechtsanwalt Dr. K 011 e n s c 11 e r - Posen wird n einigen 'lagen fertigt::stellt sein. Wir bitten ..de Ortsgruppen und Vertrauensmänner, uns schon j. ׳ <t Bestellungen auf die vorzügliche Broschüre zuL•.!!. men zu lassen. Einzelpreis U) Pf., bei Abnahme \ >״ IIKI Stück 5 Pf. Die Verbreitung der kleinen Schi,11 wird wesentlich dazu beitragen, jedem Zionisten d.e Möglichkeit zu geben, alle die Bedenken, die immer wieder von unseren Gegnern gegen unsere staa.s. bürgerlichen Qualitäten vorgebracht werden, zu ׳״ rstreuen. Erklärung Aui die Erklärung, die im Namen der 19 Oppoinuteil Herrn Trietseh in der ״Welt" tmU Herr Fciwel in der ״Rundschau" veröffentlichen, haben wir inhaltlich nichts zu erwidern, weil diese Erklärung keinerlei Berichtigung enthält. Nur den Vorwurf der Illoyalität müssen wir mit absoluter Entschiedenheit zurikkweisen. Wenn keiner der Unterzeichner des bekam• teil Aufrufs die Veröffentlichung in der ,.Jüdischen Zeitung“ veranlaßt oder gekannt hat — was wir mit Befriedigung zur Kenntnis nehmen — so wäre es doppelt ihre Pflicht gewesen, den Artikclschreiber von sieh abzuschuttcln. Denn daß derselbe zur Mehrheit gehörte, wird doch niemand vermutet haben. Wir waren daher berechtigt, anzunclunen. daß die Erklärung der ״Jüdischen Zeitung" aus den Kreisen der Opposition stanimt und 11.!her auch he• rechtigt, in objektiver Weise die Tatsache richtig /u stellen. Im übrigen bestätigen wir, daß die Herren nur auf unser Drängen in die Rcsolutionskommission eingetreten sind, und daß die Mehrheit daraui verzichtet hat, ein Vertrauensvotum zu beschließen. 1111 Gefühl der Verantwortung lag uns eben am Frieden, seihst unter Opfern. Die Zahlenvcrliältnissc haben dies Verhalten wirklich nicht bestimmt. Das wird uns jeder loyal Gesinnte unbedingt bestätigen. Der Geschäftslülirendc Ausschuß des Zentralkomitees der Zionistischen Vereinigung für Deutschland. - H a n t k c. Hcncliligung ln dem Artikel ״Die Jüdische Volksldee und die Propheten“ von Rabl). Dr. Joseph sind zwei simientstellende Druckfehler unterlaufen. Im 2. Absatz, I Zeile 8, muß cs statt ..nationalisieren" ..eil t n a t i רnalistc.rcn" heit’.v« «ml S. 188. Spalte 1. 'Zeile!7 ,.heilige" statt ״heutige". AUSTD£H ceMeinDeN DI• Mitarbeit unserer Leser an dieser Rubrik lil besonder» -.— erwünscht. - Berlin. Aus der Sitzung der Repräseiifantenver- Sammlung am 17. April 1910. Die Tagesordnung erschöpft sich in einer Reihe von Legaten und verschiedenen Subventionen. Die Familie des bekannten verstorbenen F<>rschtmgsreiscndcn Hermann Burebar dt hat dem Krankenhaus 10000 Mark überwiesen, die zur Begründung einer Stiftung an der neuen gynäkologischen J Abteilung bestimmt sind. — Frau Margarete S c 11 \vaj hach hat zur Vergrößerung der Alexander-Schwabach-Stiftung bei der Armenkommission 2000 Mark bestimmt. — Herr tmd Frau A b r a 11 a m s 011 n haben für Grabpflcgc 4000 Mark und für Woliltätigkcitszwecke 20 000 Mk. gestiftet. — Außerdem sind von Frau Rosa Ehrlich 1000 Mark für Qräbcrpflegc cingcgangcn. — Alle Legate und Zuwendungen werden von der Versammlung dankend genehmigt. Herr Rechtsanwalt Dr Cohn referiert fiir den

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