Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XV (1910)
- Issue
- Heft 17 (29.4.1910)
- Date
- 1910-04-29
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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- Haifa 2× ep/1047930
- Safed 1× ep/1046078
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LIT6RARI5CH€ RUMDSCHAU Das neue Palästina-Handbuch Aus dem kleinen Hiielilein, das vor 2'A Jahren an^riichMos l11nausR1״K, um jüdischen Lesern ein iineei.iltres Bild des Landes Palästina zu geben kt jei/t <״■־ stattliches Hündchen von 300 Seiten’ecworden. Diese Acullerlichkcit ist ein Symbol des Stoius selbst, den das Palästina-Handbuch zu verarbeiten hat. Rasch, wie alles in Palästina jetzt vorvuirrs Strebt, ist das Handbuch angewachsen; denn es ist kein üacdcckcr nur, der die Wirklich- Keilen notiert, sondern vor allem ein Buch der Moe' 1 c 11K c i 10 n. Und mit jedem Jahr, mit jeder neuen Leistung entfalten sieh die Möglichkeiten mein die das Land jüdischen Kolonisten bietet. ivr grolle Wert dieses Buches liegt darin, dal! e, ei-m jüdischen Leset, der für Palästina ein lebend ges Interesse hat. vorläufig als erstes und Werk ein gutes Bild des Landes gibt. Jeder von uns. der Palästina mit dem ״Bacdccker" oder ״.Me>«r in der Hand bereist hat, mnllte bitter ent!)• iui'bdal! über die schon heute bedeutende Position do j-d:selten Elements im Lande kaum ein Wort, und ja, dann kaum ein freundliches, gesagt ist, w.iliu’ J die baulichen Einzelheiten der unintcrtsMir.iu Grabeskirehe und die oft lächerlichen K*ei:*1:־ eil gewissenhaft aufgczeichnct sind.!1*sc Bücher weisen rückwärts; filr den ein s; eben I mii istcti ist alles, was nicht wenigstens tu! 1' י Jahrhunderte alt ist, mir störendes Beiwerk. 11.: 1 ׳ Juden aber, der doch gerade auch das alte mit einem durch Vorbildung und Gefühl vertietteu Verständnis ansielit, sind gerade die Anfänge der jüngsten. Entwicklung das entscheidende und bedeute miste Erlebnis. Dieser fast merkwürdigen Tatsuche!ragt Frictsch's Handbuch überall Rechnung, cs \ui»! energisch vorwärts. Zunächst stellt cs in seinem ersten Teile den Zustand des Landes fest. Biese Kapitel, die im wesentlichen die erste Auflage des ricües bilden, sind hei Bemitzung aller wiclili- -vi ,חי l'.iten so hübsch und flüssig geschrieben, dal! 11.11 lullt nur unterrichtet, sondern unterhalten wird. 1!!.ihren wir das Nötige Uber die Gcoer, pii t Palästinas, die Bevölkerung, das Klima, die polnischen Verhältnisse. M; besonderer Ausführlichkeit sind nuturgemäll die jüdischen Kolonien behandelt, deren Kntstchungsgwiiuhte zeitlich geordnet vorgcfiihrt wird. Auch de:; für uns in vieler Beziehung wichtigen deutschen Kulumeii ist ein besonderes Kapitel gewidmet. V<11 einem jüdischen Palästina-Handbuch darf 'erlangt werden, dal! cs die für die Zukunft wichtigen M« neiite einer besonders gründlichen Behandlung unterzieht. Von diesem Gesichtspunkt aus wird »ij'ieher. der in Einzelheiten nicht bewandert ist, vielleicht mit Verwunderung bemerken, dal! der Ackerbau Palästinas recht kurz behandelt ist, während die l.anml ultiircn und ähnliches einen breiten Raum ein- ׳:״״int. Hern liegt jedoch die unseres Erachtens sehr richtige Anschauung des Verfassers zu Grunde, dal! die Zukunft Palästinas nicht in der extensiven, sondern חי dir intensiven Landwirtschaft, nicht im Körnerbau, sondern im Gartenbau liegt. Die Natur des Landes, dem du grollen ebenen Flächen fehlen, und die Natur dir indischen Ansiedler, die nicht als geborene Bauern 11׳' I!!ul kommen, drängen in die Richtung dieser I•: ’.׳ »klung. I ׳enso nuill man T riet.sc 11 Dank dafür wissen, da.; . r die städtische Kolonisation neben der ländhciiu m, stark betont. Viele Zionisten selten wie 1לי! iiitisiert nur nach den ländlichen Kolonien, die Mehrung dev volkswirtschaftlichen Werte ״i dui Städten weit rascher vor sieh geht und der k;u11|1i uni die vorherrschende Macht im Lande hier tutsciiieden werden wird. Wieviel auf diesem Ge- '11'te mich zu tun ist, geht daraus hervor, dal! bis jetzt ■ds möische Städte nur Jerusalem und I iberias '«ieittn können, und auch hier nur in bezug auf die ^diiin, während in Jaffa, Haifa, Safed die Juden sich crs*' in den letzten Jahren anfangen in den Vorder- 1r1!״d zu schieben. I)cmcnls1>rcehcnd ist das Kapitel "1<ז Industrie und Industricmögüchkcitcu besonders a1:'fu!1rl1ch gehalten. Es sind hier nicht etwa nur •dlc möglichen Industrien kritiklos aufgczählt, sondern dm Verhältnissen des Landes entsprechend in Ihrer "׳ünuiig für jüdische Arbeit gesichtet. So kann dieser '™wlinitt sehr wohl seinen Zweck erreichen, als Anh*m für diejenigen zu dienen, die Neigung zu ®igentr Betätigung auf diesem Gebiete haben. Es tut dem Werte des Buches keinen Abbruch, ändern ist nur ein Zeichen unseres warmen Inter- *) Palästina-Handbuch von Davis Jrlel8ch* 'ment-Vcrlag, Berlin-Schmargendorf, 1910. csscs an ihm, wenn wir auf erwünschte Vcrbcsscruugen für die nächste Auflage hlnwcisen. Die Kapitel ״Reisen nach Palästina" (S. 91 und 241) sind olme jeden Grund getrennt. Der Abschnitt ״Reisen in Palästina" verdient eine weit eingehendere Behaiidluug, in der die einzelnen Städte und Kolonien eine besondere Schilderung erhalten müssen. Noch besser wäre cs freilich, durch Zusammenarbeiten gecignctcr Kräfte einen ״jüdischen Bacdccker" zu schaffen. Ebenso wird sich der Herausgeber auf die Dauer nicht der ihm sicher angenehmen Arbeit entziehen können, das Handbuch zu illustrieren. — Die Kapitel ״Viehzucht. Geflügel- und Bienenzucht, Fischerei und Jagd" gehören an spätere Stelle, das ״MUnzwcscn" (S. 232) hinter ״Malle und Gewichte'* (S. 117), der ganze Abschnitt S. 221—242 etwa hinter S. 135. Eine Anzahl kleinerer Ungcnauigkcitcn werden bei sorgfältiger Durchsicht wohl ohnehin fortfallcn. Das hindert aber nicht, dal! wir als Gesamturteil aussprechen: Die Arbeit Trictsch's, die in diesem Handbuch vorliegt, Ist ein außerordentliches Verdienst um den Zionismus, seine Ausbreitung und seine Vertiefung. Jeder Zionist mul! zu diesem Buche greifen, um das Land seines Ideals kennen zu lernen. Die Ortsgruppen müssen cs sich zur Pflicht machen, es unter ihren Mitgliedern zu verbreiten. Und man wird es in der Hand vieler finden, die nach Palästina kommen, und denen dieses Buch den ersten Anstoß dazu gegeben hat. Dr. Elias A uc r b a c h Haifa. Bücher-Besprechungen Dr. Kaufmann Kollier, Grundriss einer systcmatlsehen Theologie des Judentums uul geschichtlicher Grundlage, Leipzig, Verlag von Gustav Fock, I9H). 8", 383 Seiten. Das Judentum ist all, aber die jüdische Theologie noch sehr jung. Eine systematische Theologie des Judentums auf geschichtlicher Grundlage zu schreiben, ist ein nicht leichtes Unternehmen. Viele Vorarbeiten fehlen. Wir haben noch keine bis auf unsere Zeit fortgcfiilirtc Rcligionsgcschichtc des Judentums. Wir besitzen noch keine Geschichte der Halacha und der Huggada, der Kabbala und des Chassidismus, nicht einmal eine wirkliche und vollständige Geschichte der jüdischen Rcligionsphilosophic. Kollier nennt daher seine Arbeit nur einen bescheidenen Versuch, und als solcher kann sie gewürdigt werden Bei der Erörterung jeder religiösen Idee ist, soweit sich dies heute tun lässt, ihre Entwicklung in grossen Zügen angegeben. Es ist richtig und unzuerkunnen dass hierbei die Apokryphen und Pscudcpigraphcn und die ganze hellenistische Literatur, die später vom Judentum ausgescliicdeii wurden, nicht übersehen sind. Hervorltebcn möchten wir ferner, dass bei aller Begeisterung des Verfassers für das Judentum der panegyrische, selumfürberisehc Zug so ziemlich ganz fehlt. Auch ist das Buch undiplomatisch geschrieben — ein unbedingter Vorzug bei einem theologischen Buche in unseren Tagen. Der Verfasser stellt auf dem Boden der Hibelkriiik und der modernen Weltanscliauung. Beides in Verbindung dient ihm als Massstal) für seine Beurteilung des Judentums als einer religiösen Uesamterseheimuig und für die Behandlung der einzelnen religiösen Ideen. Freilich dringt er dabei nirgends in die Tiefe. Das geistige Niveau gellt trotz der angestrebten geschichtlichen Orientierung über das Niveau des durchschnittlichen reformistischen Aufklärers nicht hinaus. Dem Vcrf. geblickt es au der nötigen philosophischen, psychologischen und kritischen Schulung. Die landläufige Rcligionsphilosophic ist restlos die seine. Kaum irgendwo eine Spur selbständigen Denkens. Auch die nötige Folgerichtigkeit des Denkens vermisst man an entscheidenden Punkten. Die Quasi-Tatsache der Judcncmanzipation - die 5 Millionen Juden in Russ* jand und noch manches andere werden als Klciuigkeiten übersehen — ist nach dem herkömmlichen Muster auch bei ihm Herrin über die jüdische Theologie und die Jüdische Weltanschauung. Er spricht zwar sehr viel von der jüdischen Volksseele und vom Genius des jüdischen Volkes. Nichtsdcstoweniger soll die tief in der jüdischen Volksseele wurzelnde national-mcssianischc Hoffnung aufgegeben werden, bloss weil die Juden quasii emanzipiert sind was doch selbst im günstigsten Falle keine Volks- Befreiung int Sinne der messianischcn Hoffnung, sondern höchstens eine Befreiung der einzelner Juden bedeuten würde. K. betont ausdrücklich das Gcbundcnscln des religiösen Judentums an das S ammcsbcwusstscln und das Vcrweeh.cn.011» desselben musste als Träger der göttlichen Offenbarung nach K. eine ganz besondere seelische Beschaffenheit aufweisen, also auch Träger ganz bestimmter rassenhaft-nationaler Eigenschaften sein und bleiben. Nichtsdestoweniger will der modern-religiöse Jude ״mit allen Fasern des Lebens der Nation angehören, mit der er sich im Denken und Streben eins weiss und nur durch seine Religion von seiner Umgebung sich unterscheidet. Doch diese Gcschichtsphilosophic und Psychologie des blossen Rcligionsjudentutns ist uns hinlänglich bekannt, und cs ist kötlich, dass Köhler allen Zionisten ״das volle Verständnis für die innere Geschichte des Judentums" abspricht. Die Religion Issracls mag kulturgeschichtlich von noch so weittragender Bedeutung sein, sic mag einen noch so hohen Wahrheitsgehalt besitzen: vom Standpunkt der jüdischen Geschichte aus und völkcrpsychologisch betrachtet, bedeutet sie doch nur ein Etwas, wenn auch ein grosses, folgenreiches Etwas in der jüdisehen Volksseele und im Leben des jüdischen Volkes. Ohne Gewaltsamkeit ist cs unmöglich, die Geschichte des jüdischen Volkes in eine blosse Rcligionsgcschichte aufzulösen. Vielmehr kann gerade im Gegenteil nicht bestritten werden, dass das religiöse Judentum in seiner Entwicklung ganz und gar von dem Leben und der Geschichte des jüdischen Volkes abhängig ist, womit freilich nicht geleugnet werden soll, dass die Religion dann wieder stark auf das Leben des eminent religiös veranlagten Volkes zurückgewirkt hat. Bei Köhler ist von all diesen Dingen, ausser beim Aufcrstchungsglaubcn, kaum die Rede. —• Doch wir wollen nun noch einige gute Seiten des Köhlersehen Buches hervorheben. Glücklich darf man die dreiteilige Gliederung des Stoffes nennen: ״Gott" ״Der Mensch", ״Israel und das Gottcsrcichs". Im dritten Hauptteil sind, wie wir sehen, zwei Grundideen des Judentums, die eng zusamtncngchörcn und auch geschichtlich vereint aufgetreten sind, in eins zusammengezogen: Israels religiöser Beruf in der Menschheit und der Glaube an die Ausbreitung der reinen Uotterkcnntnis auf Erden. Wer sich über den Ideenkomplex des Judentums und die geschichtliche Entwicklung der einzelnen Ideen rasch orientieren will, der wird das Kohlcrschc Buch nicht ohne Nutzen lesen. Das Buch ist in einer klaren, einfachen, durchsichtigen Sprache geschrieben. Der Stil ist weder trocken und langweilig, noch auch so vieldeutig und so tiefsinnig-ahnungsvoll schimmernd, wie dies heute leider bei so vielen Schriftstellern beliebt ist, die nach einem schönen Mäntelchen für ihre Gedankenarmut oder Gedankenverworrenheit suchen. Bei K. weiss man an jeder Stelle, was er will. Sein Buch kann aus den angeführten Gründen gerade auch Laien empfohlen werden. Der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums gebührt Dank für die Veröffentlichung des Kohlcrschcn Buches. Dr. Joseph-Stolp. Chamissos Werke. Auf Grund der Hcmpelschcn Ausgabe neu herausgegeben, mit Biographie. Einleitungen und Anmerkungen versehen von Max Sydow. Goldene Klassiker-Bibliothek, Deutsches Verlagshaus Horn6 ■׳: Co.. Berlin W. 57. Mit großer Freude begrüßen wir in diesem neuen, stattlichen Gewände den alten Dichter, der uns allen von Kindheit an vertraut ist als der Sänger des weit verzweigte״, berühmten und mistcrblieheii Geschlechts der Schlcmihlc. Er hätte diese wundersame Geschichte nicht erfinden können, wenn er nicht selbst m i t zur Familie gehörte. Seine Herkunft, seine natürliche Anlage und die Zeit- Verhältnisse wirkten zusammen, um ihm das tragikomische Schicksal des armen Schelmes und Pechvogcls zu bereiten. Als Spross eines vornehmen und reichen Adelsgcschlcchts in Frankreich geboren, durch die Revolution um Besitz und Heimat gebracht, fühlte er sich unter den deutschen Kameraden fremd und ausgeschlossen, zumal als der Begeisterungssturm der Freiheitskriege alles mit sich fortriss und nur ihn. den Deutsch franzosen. abseits stellen Hess. Nachdem Chatnisso aber auf einer Weltumsegelung als Naturforscher sich bewährt und den friedlichen Posten eines Adjunkten am Berliner Botanischen Garten angetreten hatte, fand er endlich als Mensch und Dichter seine Heimat in Deutschland: ein starker Band Gedichte, von denen viele Volkstümlicli geworden sind, und seine Prosaschriften, unter denen die Beschreibung der Weltreise den wichtigsten Platz neben Peter Schlemihls Ocschichte cinnimmt, sind der beste Beweis hierfür. Die vorliegenden Bände enthalten seine Werke in bisher noch nirgends gebotener Vollständigkeit. Einband, Papier und Druck sind von jener Vortreff- Jlchkeit, die wir an allen Ausgaben der Goldenen Klassiker-Bibliothek schätzen. Da auch der Preis ausserordentlich mässig ist (&50 Mark für die vollständige Ausgabe in zwei Bänden; 1.75 Mark für die nesoewua״.״״ .... — , n״ ״ ״ . , Dichtungen ln einem Band), können wir die An mit der ganzen jüdischen Eigenart. Das volle Israel Schaffung nur aufs wärmste empfehlen.