Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XV (1910)
- Issue
- Heft 17 (29.4.1910)
- Date
- 1910-04-29
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite l()$. JUL DIS CH h RUNDSCHAU No. 17. ment Company geplant sind, von unscliätzbarem Werte, wenn auf dein Terrain der zu gründenden Sicdelung zuerst mit der Anlage einer größeren!,Hauzung begonnen wird. Denn wo immer diese neuen Pflanzungen entstehen werden, werden sie den ersten Kernpunkt bilden, um den sielt die neue Ansiedlung konsolidieren wird. Somit ist die Bedeutung des llerzlwaldcs nicht bloß die, daß seine Hrtriignissc palästinischen Kulturbedurfnisscn zufließen werden, sondern e r wird v o m Anbeginn ein 0 r ־ gan isolier Teil des jüdischen Besicd- I ti n g s w c r k e s. Auch wird auf diese Weise die Aufforstung Palästinas ihrer Verwirklichung nahe ge* bracht werden. So ist aus der Idee des llerzlwaldcs die Idee der H e r 7.1 w ä1 d c r entstanden. Vorläufig nur eine Idee. Denn zur Zeit werden bloß in zwei liegenden Wälder angelegt: In lluhla, unweit der Bahnstation Sejed und in Beth-Arif bei L.vdüa. In Hulda, das ca. 2000 Duuam umfaßt, wurde bereits im Frühjahr 1'JtW eine Baumschule an* gelegt und mit 7000 Ölivenstecklingen besetzt. Im verflossenen I*riihjalir sind die ersten 250 Duuam mit Oliven. Mandeln und verschiedenen anderen Frucht* bäumen bepflanzt worden. In den nächsetn Jahren wird in Hulda eine Anlage mit etwa 12 000-15 000 Olivcnhäinnen und einigen tausend anderen Frucht* Ir'1 innen entsteh.’ii. Zugleich wurde aut dem bisher unbewohnten Boden mit einem Kostenaufwand von ca. 17 000 Frs. ein Oeluiude errichtet, das auf einer Anhöhe gelegen, in orientalischem Swyle gehalten und von der Balm* strecke aus weithin sichtbar ist. ln der Nähe des cübämles ist ein Brunnen gegraben worden. ln Beth-Arif umfaßt das Land des Jüdischen Nationalfonds ca. 22N) Dumm!. •150 Duuam sind bisher für die Anptlaii/.img '•״rhereitet und vor einem Mon.ile mit Oliven- und M.iinMhüumeii und zahlreichen anderen in Palästina gedeihenden Baumguttnngen hepflanzt worden. Auch liier wird nächstens eine große, schöne Anlage ׳,iitstelnn. Sowohl in Hulda wie in Hellt*Aut rechnet iimii spätestens 1012 mit der ganzen Anpflanzung zu Faule zu sein. F.s liestelu mm die Absicht, zunächst in üal i. ua eine weitere größere Pflanzung anziilegon. F.s ist bereits mit der P. I.. I>. C. ein Abkommen getroffen worden, infolgedessen sic auf ihrem Oute in Kinereih eine größere Buttiusclmlc angelegt hat. Hier sollen auch für k'echmmg dev Baronin Cohn-Oppenheim- Stiftung in Dessau ׳zunächst 100 Duuam. sodann wohl eine größere Fläche mit Oliven bepflanzt werden. Wenn cs dem Nationalfonds gelingt, in Galiläa ein für Anpflanzung eines Olivenwaldcs passendes Terrain zu erwerben, so wird es durch die Baumschule In Kmeretli möglich sein, das Terrain in kurzer Zeit mit I*000 20 1)00 י Bäumen zu bepflanzen. Dann wird das jüdische Volk bereits im Jahre 1012 in Palästina zirka 00 000 Oliven- und andere Fruchthämue besitzen, die nach wenigen Jahren nicht geringe Hinkünfte für die jiid.-palästiniseheii Ktilhirz.wccke erschließen werden. Wir machen unsere Leser darauf aufmerksam, daß die Zionistischen Schriften Theodor llcrz.ls ebenso wie die Feuilletons und sämtliche anderen Werke llcrz.ls zu O r i g i 11 a I p r c i s c ti durch uns zu beziehen sind. Verlag ,liidlsehe Rundschau, H. G. 111.11. II. Berlin S.W. t!s, Zlmmerstr. 77. Der Sinn des Judentums Von Martin B u b c r. Vortrag, gehalten heim Festabend des Vereins jüdischer J loeltsehuler B a r * K o c h b a in Prag, am 20. Januar 1909.״) Wenn ich vom ״Sinn des Judentums״ spreche, so meine ich damit die!•'raue, inwiefern wir wirk* lieh Juden sind und aus welchem (]runde wir uns so nennen. Ich will nicht von irgend einem abstrakten Judentum, von irgend einem Begrilf des Judentums hier .sprechen, sondern ich will sprechen von Ihrem eigenen Lehen, von tmscrem Leben, und nicht von dem äußern Getriebe unseres Lehens, sondern von unserem inneren Leben als Juden. Und diese Finge: Welchen Sinn hat unser Judentum? luit für mich die Bedeutung: Nennen wir uns Juden deshalb nur, weil es unsere Väter getan haben, ans Hrbgewohnheit, der wir uns nicht entwinden können, oder nennen wir uns Juden aus wirklicher Gemeinschaft? Und wenn wir cs aus wirklicher Gemeinschaft tun, welcher Art ist diese Gemeinseliaft? Wenn ich diese Frage hier vorlcgc, so meine ich nicht so sehr das Judentum des Ostens, dessen äußere und innere l.age, vor allem dessen Verhältnis zu seiner Umwelt und der umgebenden Kultur ein ganz anderes ist als im westlichen Judentum. sondern ich meine eben das westliche Judentum, ich meine Sie, ich meine 1ms. Was für eine Gemeinschaft ist das, an( deren Grund wir uns Juden nennen? Da ist min zun.iuist eine Antwort sozusagen schon bereit, die Antwort derer, die sieh die Sache Lieht machen, mul diese .Antwort lautet: Nun. wir gehören eben der jüdischen Religion au. Ich will das Niveau dieser Antwort nicht zu tief nehmen, ich will es!lieht s.1 aidtassen, als ob damit gemeint wäre: der jüdischen Konfessi.m. Ich will dem. der diese Antwort Kilo, glauben, daß er wirklich au die Jirdisclie Religion denkt, das heißt an ein Verhältnis zum Absoluten, das ״jüdisch" genannt zu werden verdient, und das äußern /Ausdruck hat in einer Gemeinschaft, die zum Namen Jude berechtigt. Aber da taucht eine Frage vor uns auf, die! gleich die ganzen Untiefen des jüdischen Problems j uns aufdeckt, die Frage: Gibt es eine jüdische 11י cIi- 1 gion? Das ist gewiß, daß es eine galt. Die Zeit, | die die Gestalt Jakobs schuf, der mit dem Gotte 1 rang, bis der ihn segnete, und die Gestalt Mosis,! der nach der jüdischen Sage in einem Kusse Gottes I starb, und die andere Zeit, die die große religiöse ן Bewegung sehn(, welche wir Urchristentum j neunen, diese große jüdische religiöse Bcwc- | ") Billige Freunde haben mich aufgefordert, mich zu den durch Franz. Oppenheimers Ausführungen über Stuimncsbewußtsein und Volksbewußtscin und die Diskussion darüber neuerdings aufgeworfenen Fragen zu äußern. Da mir gegenwärtig die Muße z.n eingehender Ausein indersetzmig fehlt, habe ich mich entschlossen, einen vorjährigen Vortrag, der meine Anschauung - wenn auch etwas fragmentarisch — ausspricht, liier zu veröffentlichen. Der Vcröffcntlichung liegt ein Stenogramm zu Grunde, das meine liehen jungen Freunde vom Prager Bar-Koehha nach meiner Rede hergeslcllt haben. M. B. gütig, und die späte Zeit, die den Chassidismus schuf, die neue jüdische Mystik, diu einzige Mystik, die wirklich mit großer Hcrzinnigkcit auf Hrüen gelebt worden ist, im Zusammensein und Zusammenwirken von Mensehen gelebt worden ist diese Zeiten hatten eine jüdische Religion. Aber können wir das auch von unserer Zeit sagen? Ich nehme die Men• selten, die wenigen Menschen, aus. die alle jüdische׳:» religiösen Gebräuche befolgen nicht aus Dcnkmi. fähigkeit und nicht aus Willensträgbeit, sondern d.-j das Gefühl und Geglaubte wirklich in Tat umsetzen, aus wahrem Glauben die jüdischen G . biütiehe erfüllen, als das von Gott Gebotene, uni diese Erfüllung anschcn als einen lebendigen Zn. sammenhang zwischen ihnen und ihrem Gott,; F die Verwirklichung dos Qnttcswortcs in ihrem Leben. Diese — wie mir scheint, sehr wenigen Menschen eines wahren jüdischen bewegten lila!• bens nehme ich aus. Ich verstehe diese Mensch.,! nicht, aber ich ehre sic im innersten Herzen. Dann, wenn diese wenigen Menschen aus,: nommen sind, dann!)leihen ja noch die, die s, ■! Monotheisten nennen, die sagen, das Judentum s 1 der Glaube an einen Gott, und sie mögen es auch dadurch ergänzen, daß sie diesen GlatiF! . auch noch mit einer damit zusammenhängenden S1. lichkcit umgeben. Aber ich begreife nicht. \ diese Monotheisten und Htl'ikcr dazu komim n, ■>> und gerade sich ..Juden" zu nennen. Dieser <11.0; au einen Gott und diese allgemeine Sittlichkeit s!, doch nichts spezifisch Jüdisches, das teilen d׳.. diese Menschen mit unzähligen anderen Menseln die im Grunde außerhalb jeder positiven Religi• stehen. Das ist doch kein Boden für eine isol.it;..... keine Basis, auf die mau sieh stellen und sagen k.!1, Deshalb, weil wir dies glauben, nennen wir 1. - Inden. Und dann - ich mochte diese McuscFi,, fragen: Wo ist denn dieser Glaube, eine wirl.h I.elieiismacht, die das 1 eben des ein/diieii Mensc'u . des einzelnen Juden, von Grund aus umgcst.ilte! u; 1 iimv amleh, lim zu einem andern Menschen, zu ein. wirklich an Gott hiii'gegcbenen. im Namen l',׳>tu׳\ In! lebenden Menschen macht? Denn das .dloin In.. Religiosität. Hs mag auch solche wirklich an <1■ ׳ hiiigcgebeiie Menschen gehen, aber diese stellen heu:״ mehr als je außer!•■1D» jeder Gemeinschaft. Sie 11<l״ keinen gemeinsamen Kult, sie haben keine .1111.׳, Form, die sie zns; nuociihielte mul ihnen die Bered, tigung gäbe, gerade diese Gruppe luden zu neu;en Hs ist daher, so glaube ich. mit dieser religiösen!׳■ giiimlniig de' indischen Gemeinseliali nicht viel .0! zt:f,tilgen. Nun alter könnte gesagt werden: Ja, die rd! giöse Grundlage vermag 1ms heute nicht zu einige.« aber uns einigt die nationale Grundlage. Und 11..• mag eine gute Antwort sein, wenn es sich um den politischen Ue׳.׳rit1 der Nationalität handelt, wenes sieh darum Hamlcli. wie wir als geschlossen Gruppe nach außen :utftreten wollen. Aller was in־ eine Berechtigung hat dieser Begriii der Nationaht.״ für unser inneres Leben? Denn ich spreche 1.1׳ wiederhole es nur von iinserm eigenen innere Leben. Und dieses innere Leben muß nach der intu■ reit Bereditigimg dieses Begriffes befragt weiden Wir müssen fragen: Welelie sind dam die Idn 1. das glänzende Wasser, sanken wie Steine und das erstemal, seit Kot ick sie kannte, begannen sic schnell zu schwimmen; Koiick folgte, und die Geschwindigkeit selzle ihn in Erstaunen. Sie schwammen nach einem Riff atu Ufer, einem Riff, das in tiefem Wasser stand und tauchten in ein dunkles I.och darin, zwanzig Faden unterm Meeresspiegel. I'.s dauerte sehr lange, und Kotick sehnte sielt nach frischet* Luft, bevor er endlich aus dem langen Tunnel, durch das sie ihn führten, heraitskam. ״Potztausend!“ sagte er, als er keuchend ins Freie kam. ״bis war ein schweres Stück Arbeit, aber es hat sich gelohnt.“ Vor ihm lagen die schönsten Küsten, die Kotick jemals gesellen hatte. Da war ineilen■ weit glattgelrctcner Felsen, wie er sich für Robben gerade eignet, und da waren Abhänge aus hartem Sand, und da waren hohe Wellen zum Tanzen, und Sanddünen, und langes Gras zum Kugeln und, was das beste war, Kotick erkannte am Wasser, das eine Robbe nie betrügt, daß dort noch keine Menschen gewesen waren. Vor allem sah er sich um, ob der Fischfang reichlich war; dann schwamm er die Küste entlang und zählte die schönen, flachen Sandinseln, die halb im Nebel versteckt lagen. Um das Land herum waren bis auf sechs Meilen hinaus lauter Untiefen und Riffe, denen ein Schiff nicht j nalickommen konnte, und zwischen dem Festj land und den Inseln ging ein Streifen tiefes Wasser, und irgendwo zwischen Riffen lag der ׳!•’.ingang /.u dem Tunnel. 1 ״Fs ist ein zweites Novastoschnah, nur j noch zehnmal besser1'; sagte Kotick. ״Seekuh! ist klüger als ich glaubte.“ Dann tauchte er und merkte sich den Fingang des Tunnels und raste südwärts. Nientaiul als eine Seekuh oder eine Robbe hätte es sich träumen lassen, daß solch ein Ort existierte, 1 und als Kotick auf die Riffe zurückblickte, konnte j er sich’s selbst kaum glauben, daß er dort ge-! wesen war. Fr brauchte zehn Tage, um nach Hause zu kommen, und als er endlich Land betrat, war die erste, die er traf die Robbe, die auf ihn gewartet hatte, und sic sah ihm’s an den Augen an, daß er die gesuchte Insel geliuulen. Aber die Hollusschickie und Seefang, sein Vater, und alle die anderen Robben lachten ihn aus, als er ihnen berichtete, was er entdeckt hatte, und eine junge Robbe in seinem Alter sagte: ״Das ist alles recht schön, Kotick, aber du kannst uns nicht mir nichts dir nichts, in ein unbekanntes Land hinkommandieren. Wir haben gekämpft, was du nie getan hast; du hast es vor* 1 •«• * * " י- י׳ rüber lachten alle, und die junge Robbe u sich in die Brust. ,.Ich habe nicht für Frau mul Kinder kämpfen", sagte Kotick. ״Ich will euch 1 einen Ort zeigen, wo ihr in Sicherheit lei könnt. Was soll das Kämpfen?“ ״Ach, du druckst dich schon; da hab fretheh nichts mehr zu sagen", sagte die ju! Robbe mit Iiaßlk'liem Kichern. c־ ,!s* dl* did! l״'r ‘^schließen, wenn .!ege. fragte Kotick; und seine Augen glii 0h,H,r1m ,K' U. dc?״ cr ••rgerte sich sehr, dal' ubcuiaupt kampfeit mußte. ״Abgemacht", sagte die junge Rol ״wenn du siegst, komme ich mit.“ Sie hatte keine Zeit, sich eines Besseren besinnen, denn Koticks Zähne batten sich tltrctrt fetten Hals verbissen. Dann zerrte 1 schüttelte er den entkräfteten Gegner und v ihn zu Boden. Hierauf schrie Kotick den Robben zu: ״ ״״ Jahren denke ich att nichts als an 1 Wohl; ich habe euch die Insel ausfindig macht, die eure Rettung ist. Aber wenn! euch die blöden Köpfe nicht von den Feil reißt, wollt ihr ja nicht glauben. Jetzt will euch glauben lehren, nehmt euch in Acht!"