Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XV (1910)
- Issue
- Heft 17 (29.4.1910)
- Date
- 1910-04-29
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 17. ו ״Heule, morgens. ist 1 lcr;*.I mit einigen Mitirliejerii ücs Aktionskomitees liier gekirnlet. Kr bccibt 5ich iioel! heute mich Risehon Ic Zion, in Rcchobotli wiril er gegen Abeml eimreffen.'* *י itfj’ ״'«» *V1MCr ״״s 1^scli-i’inah, der mit jlcr/l in Briefwechsel Stand. 1111 ״Herzl in Jaffa! Woher! Wie? Wann?״ Wir waren gewohnt. dall jedes .,Geheimnis״ der Chowowini auf allen Gassen vier Tage, bevor die Sache spruchreif geworden. cntliiillt wurde . . . Und nloi/heli: Herzl kommt nach .laifa, und niemand hatte davon eine Munde /.uvor Kenntnis. . . . Und auch der kVsch-ha-W aad, der alle .,Geheimnisse" kennt U I: I) RUNDSCHAU wuihe es nicht . . . und eine solche .,Heldentat"^hatte ein!׳enilnnter Mann feriiggebracht! Betroffen stand ich da. Kunterbunt wälzten sich jic licihiiiKcn in tncutcm Uehirn .... Mein Partner lief in der Stube auf und ab: Der k’aiiin in den vier Wänden seines Zimmers war ihm /״ ence geworden .... Kannst du dir die Sache erklären? . . . Ich \ersiehe! Herzl und der Baron Kellen Hand in Hau t . . . Gewi»! Von jc/.t ah werden sie Schulter an Schulter für die Kolonisation arbeiten. Ich weil! a»s sicherer Oucllc. dalt der Haron in einem Monat kommen wird . . . Und jezt ist Herzl da . . . Hcerei’st du? niese Kombination schien mir zutreffend! l'inl .stürmisch klopfte das •Herz: Ist’s der Anfang Jer i:1l״M1n•;? . . . I ,!ui wie oft hatte nicht schon das Herz bei dem <el ׳neu eines Anfangs geklopft! . . . Auf einmal >׳,! nccu wir heidi! zugleich auf: Noch kurze Zeit, bis Herzl kommt ... Kr ist vielleicht schon unterwegs. und wir haben noch nichts meitet! . . . Trommele rasch die Jungen zusammen!" Gilt mir mein Partner und liest den Hrief noch ..11 durch, als wollte er!11 ihm die Lösung des .11s linden, die Lösung für den Smriit im Herzen. \|s ich das Haus verlieh, wurde ich von einigen i mgeren Kolonisten umringt, die auf mich warvoi He: cm• Rai Je ׳׳ Ule hin g.e; .1.:. Icuc CI'׳‘•‘" Vnii .;!'er. 11 lici. '־ .Ulf .1! Blicl.c 1' lluCk. ״Miir.l vrl-c l:r I:.-!an /! der I: Was für ״Neuigkeiten" gibts bei den Alten? c Gesichter waren traurig, andere voller Neu- Herz! ist in .l.1i!.1. Iler/I?! ... . . . I 11kl ich merke, wie die Gesichter langer werkin leises Zucken durchfährt die jungen hell-!:enden Augen . . . Und der Kreis wird Immer 1 und gröber. Wie ein elektrischer ruitke .,11•״ die Nachricht in der Kolonie verbreitet, eil Seilen kämmen Kinzelne und ganze Ürup- 11 ei. ein Bur'.'he. der sich verspätet haue. 11111 nur die Heine tragen konnten Und und alle Kl! |1!e v!; eu Gesichtern lag die Begeisterung, v areu von Staunen erfüllt . . .! grollte Teil der Kolonisten steht auf dem und in der Mitte der Roseh-lia-Waad. Seine maiion" weckt Begeisterung mul wird weiter- Hel . . . Mer Baron Int Herzl seine Hand gereicht... dm ermächtigt. ״• :seinem Namen zum Sul• ,׳elien . . . mul jetzt ist er gekommen, und umii wird ihm folgen ... , Spuren der L'rlösun,: sind auf allen Gcsiclieimhar. wiederum vergaben vir 4111 die ״Vorbcrcitl'llve!; 1' /tlgl'l i" >Ji k'l! ai'l!eil Itl I. geh.) einmal koumit jemand auf die Kolonie Von dem Wege, der nach Risehon lekommt der Mann. Sein Roh ist in dci. sein Antlitz bleich, und während f‘‘ יי««** auf dein Rosse sitzt, wirft er dem Rosch* Jia-Waad einen Brief zu. Sll1»me*Cr °״״ct dC" ״ricf ״nd ״cst ml{ *Rtcrmler vw״:!urzl l1il,cr'Hlcl,tct, i״ R**cl10n bei Zion. Die \crw.,|tunK ,at ihm einen festlichen Kmpfang be- ״L'״ l״,J l;,1,se des Arztcs veranstaltete man ein ״».״Kett. Morgen früh ist er in ..Rechoboth". f.,1 ״״ c y«rwal‘״1, ״»״t ״crzl einen festlichen Emp- 11!c, ״Clltct• Ei" 1*‘"י"1 011*י Ha3«״ des Arztes .... u.1.s(!s Gegners, ja I nindes des Zionismus! 1< יs Antlitz des Roseluha-Waad erbleichte, seine Kombination hatte sich bewahrheitet.Der Ä.»r!,!״is ״c,ch1 ־r1m״c״•Hcr1־ Die richtige Komhiiiation fiel keinem von uns £ );1f ־■ •״'»׳« «»״«יי"> die hcvorstchendc An- Kusut Kaiser Wilhelms vergessen. ... ,!״ u ,!,icl1. Vetr,'fJf• Sfl konnte die Kombination meine Seele nicht befriedigen. . . . ,, , ^uglcicli mit Sonnenuntergang machten sich alle Kolonisten an die Arbeit: Die Höfe, die Straften wurden gereinigt, die Jungen prüften die Rosse, die Lehrer und Schüler übten einen Chor ein ... . Nach Mitternacht wurde die Kolonie stille. Aber die Herzen schwiegen nicht. Die Menschen wälzten sich auf ihren Betten herum .... Wie kann man schlafen, wenn das Herz wach ist? — Mit dein ersten Hahnenschrei trat ich aus der 1 hilr meines Hauses . . . Dranllen neben dem lliorc standen zwei Burschen. Ihr Gesielitsausdriiek sagte: Ks sind K'.roncr. - Mein Herr ־•• wandte sich der eine an mich — wir sind aus Kkron, können wir uns den Reitern ans Rcchobotli :mschlicilon? . . ." ״Ocwill!" Und ein dankerfüllter Blick war mein Lohn. Die beiden Ihirschcn machten kehrt, um weiterzugehen . . . ״Wer hat die Nachricht nach Kkron gebracht?" Von der Snit/c des Hügels bewegt sieh die Gestalt eines allen Mannes klein und gebeugt, den Tallith »1 ml die TcfiHin nnt׳'r dem Arm ... Kr ist unser ..Ralilii lakoh". der Liebling der Jugend. Kr eilt nach der Svnagng׳•, um vor Tagesanbruch anztikoinmcn . . . Von den (k'liüfien her hört man bereits das Knarren der Tliore. Ilinigo Burschen gehen zum Brunnen, um ihre Pferde zu tränken und zu waschen. Im;innersten Osten beginnt es sicli zu röten . . . ־ Zugleich mit Sonnniu’ifgang waren alle Kolonisten auf den ..Beinen". Die Hofe und Gassen!)linkten, die Mädchen hatten weihe Kleider angczogen, und alle Gesichter glühten und leuchteten. Alle sprachen und beriete 11 über den Kmpfang: die Alten debattierten der eine schlug vor: Nur Brod und Salz: ein anderer meinte: Auch eine Thora rolle. Und Rai'bi Jakob schrie: Nur eine Thorarolle! Rabbi hatte seine Summt•.,Kapote", den seidenen Gürtel und den snbhatliliolicn Turban angezogen. Am Morgen beim Selu-charith •Gebete hatte er nicht ..taehamtu'־ gesagt: Heute haben wir ein Kcst einen l'eieriag! Die Mädchen plauderten, gingen Arm in Arm hin mul her und trällerten■. Sic waren mit dem Binden der Blumen beschäftigt .... Noch in der Nacht hatte man welche aus dem Garten des Ver- Walters in Kkron gehracht . . . Die Schüler und Schülerinnen gruppierten sieh in Reihen . . . Ich und sechzehn meiner Kollegen durchritten die Kolonie auf unsere״ Pferden. Je zwei in einer Reihe . . . 1.׳ml die beiden Kkroncr gesellten sich zu uns. Schweigend gelangten wir bis zu dem Sundhügcl. der au der Grenze unserer Kolonie liegt. - ״Hier wollen wir Halt machen und warten!" Wir stiegen sämtlich von unseren Pferden und stellten uns int Kreise auf. ..Wann wird er kommen?" fragten alle die bleichen Gesichter, und die Augen wandten sich gegen Norden, nach der Richtung des Weges, der von Risehon Ic-Zion kommt. — Kincr der Jugen stand Wache, ״Wenn du einen Wagen auf der Strafte einbiegen sichst, die links nach Wadi-cl-Chanin führt, — verständige uns!" Wir setzten uns im Kreise auf die Sandhügcl und stellten unsere Pferde hinter uns auf. ־־ ..Ktwas muH los sein, sag’ uns, was los ist." wandten sich einige von den Jüngsten an mich. . . . Doch was sollte, was konnte ich ihnen sagen? Wenn das Herz voller heiliger Gefühle ist — bleibt der Mund leer, und wenn die Seele bebt und stürmt — verstummt die Zunge .. . Wir sagten nichts, wir sahen nur einer den anderen an. und unsere P.lickc redeten deutlicher als alle Worte auf der Welt. ״Bcrelc der Schmied" ein kleiner hagerer Mensch mit einer tiefen Narbe über der Nase — diese Narbe ist sein Ruhmesblatt! In einem Kampfe der Kölnnisten von Rcchoboth mit Arabern wurde seine Nase verwundet, und in diesem Kampfe hatte er sich vor allen seinen Brüdern ausgezeichnet — kann nicht die Ruhe seiner Genossen — die Ruhe vor dem Sturme ertragen. Kr springt von Zeit zu Zeit auf und blickt nach dcrti Wachposten hin: ״Nun? ..." — ״Ruhe!" — ruft ihm unwillig der kräftigste unseres Kreises za: Kin Jüngling, wetterhart wie ein Baumstamm, mit einem gütigen und freundlichen Gesichte und schwarzen, tiefen Augen . . . Noch liegt der Tau der Kindheit auf seinem Antlitz, noch klingt die russische Aussorachc in seinem Munde. Aus ״Inner-RuHlarid" war er erst vor wenigen Jahren gekommen. Und er lieht, die ״Disziplin". Auf Klirc, etwas Kognak . . . \vä״c nötig zur Beruhigung der Seele .... Sic ist zum Bersten voll! . . . Bei meiner Klirc . . . Wie?" stammelte ein ״Junger", ein Vater von fünf Söhnen, mit einem /.arten Gesicht, einer gefalteten Stirn und kleinen, schwarzen und blitzenden Augen . . . Ich stimme ihm schweigend zu, er jedoch springt auf und schreit: Bruder, die Lebensfreude! . . . Und einer von den ״Kleinen", eia gesunder Junge mit einem schwarzen Schnurrbart und ciiiem etwa•• :!hcricgcncn 1 achtln auf den Lippen besternt sein Rnä. ci't nach der Kolonie und in einem Nu ist er wieder mit zwei Klaschen in der ,,and z.׳r:Kk. .Wir trinken auf die Gesundheit: Auf Hcrzl's Gesundheit, das Gelingen der Renaissance, das Gedeihen Recliobotlts. das Leben der Jungen . . . ״Der Rothe", ein Mann von etwa dreiftig Jahren. der belebende Geist der Gesellschaft mit der Seele eines Kindes und entern sieghaften Liede auf den Lippen, beginnt seine Stimme zu erheben .... Doch sein Lied stockt ... Ks ist unmöglich zu singen, wenn die Seele stnrnit! . . . — ״Kin Wagen kommt!" hören wir die zitternde Stimme des Wachpostens und im Nu sitzen wir alle auf den Pferden! .... ״Vorwärts!" Unsere Rosse eilen gegen Norden .... .1־ Auf der anderen Seite des Hügels gegen Wadicl-Clianin zu, in nördlicher Richtung auf dem Wege, der von Risehon lc-Zion kommt, fahren zwei Wagen bergab. Wir erkennen den Wagen, der vorausfährt: Nt .'! ,.i• c*־ lebt ii'.cii’. Volk, und wenn ibr wollt In: v־. kgii; Traum 11'clii: Zion wird erstellen. N״G1 lebt in imsern Heizen jener Stimme Inger Klang, die einst das Hirtenvolk K.iiimf um seine Triften hat bewehrt, ihr kein Schwert, so macht den Stein ׳n■•r starken Waffe, r.iaebt!cm eures Zorn zum 11cifJen Rächer. Zue-?11 Be׳ Pc; Nlv I)., N, Mo i'n Sia 'polier, den ich schlug, hat euch •:nt gekannt: kl! weil! es besser. :< ׳.U.-n Heizen euch die alte Wunde ייmu wie mir. Das :1Lc Recht ist nicht . userii Mauern iüli versunken. chweigi und adhordit. hört aus weiter Kerne Mutier rufen nach den Sühnen, ot die Stimme, wie der Nachtigall Ge . 11g im Jordantal in Maiennächten. N׳ch lebt lic Mutter. Um! aus Felsengräbern k't'v 1 sich die Hund, die einst so stark uns führte. \1״ uns;!in 11imiiicl steht die Kcucrwolkc. Atu! Auf. mein Volk! Die Keil ist da! Nur ver .sieh selber nicht verloren gibt Hm! sich und seine Heimat wiederfinden. Ilöti tu einen Schwur: Verdorre meine nanu, Heim ich, Jerusalem• je dein vergesse! Hamid der Zeitcul Kin Wort nur bist du, Kin Schemen. J.’.lirc vergehen, Jiilirliundcrtc sterben. Nene Geschlechter Heben das Haupt aus dem Scholle der Urnacht. Staunende Augen trinken das Licht eines neuen Tages. Kwig aber in ׳gleichem Lrfiillcu kreist das Gleiche Geschehen. Tag wird Nacht, und Nacht wird Tag, und seine lebende Hände öffnet Voll des lloffens der Mensch den ewigen Sternen. R i e h a r d H u I d s c 11 i n c r. Die weisse Robbe Von Rudyard Kipling. (Korlsetzimg.) Das war Kot ick genug. I־r drehte sich um und galoppierte (eine Robbe kann eine zeitlang sein* schnell galoppieren) zur See zuruck. 8cm kleiner iungcr Schnurrbart sträubte sich vor Fntsetzcn Auf der Landzunge der Seelöwen warf er sich kopfüber in das kühle Wasser und stöhnte. ,Was ist da los?“ brummte ein Seelöwe. ״Skoclinie. oclmic skochnicl“ (ich bin ein* sam.'schr einsam) Wie K0Uck;״״sle töte« alle Hollusschickie auf allen Küsten. ...... ner Seclöwe wandte den Kopf. ״Unsinn 1 er Deine Freunde sind jetzt gerade so i lhrmcnd wie sonst. Wahrscheinlich hast du den alten Kaick gesellen, wie er eine Herde abmurkst. Das tut er sehon volle dreißig Jahre.“ ״entsetzlich!“ sagte Kotiek und wich einer I1{rank01־tn1encit־ Woge meisterhaft aus. Vortrefflich, für ein >0 junges Biirschlcin“, lobte der Seclöwe, der sich auf gutes Schwilltinen verstand. ״Von eurem Gesichtspunkte ist’s freilich entsetzlich, aber wenn ihr Robben Jahr um Jahr herkommt, so müssen es ja die Mensehen erfahren, und wenn ihr nicht etwa eine Insel findet, wo niemals Menschen liinkonmien, so wird man immer aui euch Jagd machen." ״Gibt es keine solche Insel?“ fragte Kotiek. ״Ich bin der Aplotnos (der Scholle) schon zwanzig Jahre gefolgt, und ich kann nicht sagen, dal* ich sie gefunden habe. Aber sieh’ einmal —- geh' zur Walroßinsel und sprich mit Seepferd, vielleicht weift cs etwas.“ Kotiek schwamm direkt zur Walroßinsel, wo die Walrosse rudelweise lebten. Cr landete dicht neben Seepferd, dem großen, häßlichen, dickhalsigen, langgezähnten Walroß des stillen Üceans, das immer uninunierlich ist, außer wenn es schläft -־ was es gerade tat. ״Wach auf!“ bellte Kotiek, denn die Möven machten einen großen Lärm. ״Ho! Hailoh! Was ist los?“ sagte Scojtfcrd.