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Jüdische Rundschau · 1910-04-22 · Heft 16 (22.4.1910) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XV (1910)
Issue
Heft 16 (22.4.1910)
Date
1910-04-22
Page
– (sequence 6)
Language
German
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I U 1:1) I S CI i i! RUNDSCHAU Seile 18('• No. 10. in einen Hymnus fiir den Zionismus ausklingt. die Spalten meines Hinlies /.u öffnen. Aus meinen jaltrzebntclangen imirnnlistisclien Erfahrungen darf ich wohl bekennen, dnli ich keineswegs immer die Oesinnungen der Blätter teilte, in die ich schrieb, und ich glaube, dalt auch Sie, da Sie, wie Ich hoffe, mein Streben und meine Gesinnung für eine ehrliche halten, auf eine direkte Aufforderung: hin, nicht abgeneigt sein werden, der von mir geleiteten Zeitung gelegcntlieh einen Beitrag 211 spenden. Hochachtungsvoll ergeben 0 c i g e r. An die Redaktion der Allgemeinen Zeitung des Judentums Herrn Oehcimrat Professor Pr. Geiger Berlin Sehr geehrter Herr Ckheimrut! In Beantwortung Ihres geschlitzten Schreibens vom 9. d. Mts. muH ich Ihnen zu meinem grollen Bedauern mittcilen, dail ich nicht in der Lage bin, Ihrer freundlichen Aufforderung, der ״Allgemeinen Zeitung des Judentums“ — solange dieselbe unter Ihrer Redaktion steht — mitztiarbciten, Polge zu leisten. Mein zionistischer Standpunkt wäre an sieh kein Hindernis für eine Mitarbeit, da ich ia auch unter der Redaktion Ihres Vorgängers, der mir persönlich freilieh ein väterlicher Preund war, des öfteren dem Blatte Beiträge sandte. Es ist -- zu meinem Leidwesen muH ich Ihnen das sagen — einzig und allein Ihre Person mul die Art und Weise, wie Sie dem Zionismus bisher gegenüber getreten sind, die mich als Parteizionist, umsomehr als Mitglied des Landes- Komitees des Schweizerischen Zionistenverbandes, verhindert, der von 11111 c n redigierten ״A. Z. d. J." Beiträge zukommen zu lassen. Vielleicht aber hätte ich auch diese Bedenken imeli unterdrückt, da Sie mich ja im wesentlichen um belletristische Arbeiten ersuchten, wenn der Pall l.essing mir Ihre Persönlichkeit nicht in einem ganz neuen Lichte gezeigt hätte. Wer als Redakteur einer jüdischen Zeitung einem Aufsatz, wie dem des Renegaten Lessing Aufnahme gewährt, der hat m. H. es ein für allemal verwirkt, anständige Juden zu seinen Mitarbeitern zu zählen. Ich wünschte sehr, dal) nicht nur meine Parteigenossen — von denen solches selbstverständlich ist —־, sondern alle meine jüdischen Kollegen von derselben Gesinnung gegen die ״A. Z. d. J." erfüllt sind, solange dieselbe die Ehre gcnielit, von Unten redigiert zu werden. Sic verzeihen, sehr geehrter Herr Geheimrat. mein freimütiges Bekenntnis, zu dem ich mich im vorliegenden Palle moralisch für verpflichtet hielt. Iloehachtungsvoll ergehen Dr. L. P. P i n k tt s. Ls ist uns m der Tal unerfindlich, wie ein jtidischer Schriftsteller von Selbsthcwulltsein es über sielt bringen kann. Herrn Geheimrat Geiger bei der Rcdaktion eines jtuli selten Blattes zu unterstützen. Diesen U n f ä 11 i g k e i t s u a 0 11 w e i s bat er doch einwandfrei erbracht. Palästinensische Spitzen Einem Bericht des ..l'-erl in er Börsen- C o u r i e r s" (vom 12. April) entnehmen wir die folgenden Ausführungen: Ucbcr die Spitzen-litdustrio Jerusalems und die Möglichkeiten ihrer weiteren Entwicklung hielt am Montag übend lletr I) a v i s T 1׳ i e t s e h einen lehrreichen, fesselnden Vortrag vor den Damen des D c u ts c It e n L v c e 11 m -1< I u b s. Zugleich damit war als Illustration ries Gesagten und als Musterprobe des dort bereits Geschaffenen, eine Ausstclhing von Spitzem! rbeiten von Mädchen und Praucii Jerusalems verbunden. Es sind aussehlielilieli mit einer gewöhnlichen Nähnadel ohne jede anderen Behelfe UetgeslelUe SmUeu. kleinere lUusäu.e u!2 Kragen. Hemden, Taschentücher, Sonnenschirme, Häubchen, sowie grolle Decken etc. für alle mögliehen Zwecke. Herr Trietscli wies in seinen Ans• fiihrungen darauf hin, wie beispielsweise auf den kanarischen Inseln, auf Inseln des Adi iatiseheii Meeres, in Italien, im sächsischen Voigtlande, in Oesterreich etc. die Spitzen- Industrie, meist durch Anregung einzelner Damen, die sich der Sache an• genommen, w ieiiererweckt und zu groller Blüte gebracht worden sei. Könnte itieht auch in Palästina, dem Heiligen Lande, dein ia sowieso die Sympathie aller zu teil würde, die Spitzen-Industrie zu einem Pörderimgsmittel des Volkswohlstandes gemacht werden? Es sei dazu mir nötig, dall die Damen des Abendlandes der Angelegenheit ihr Interesse ziiweii• doten. Bislang habe sieb Palästina industriell wenig entwickeln können. Einzelne Orte, wie Jerusalem mul Bethlehem, seien Prcmdcu- und Pilgcrstädtc, und ihre Bevölkerung lebe von frommen Spenden mui dergleichen. Wie wertvoll aber schon die kleinste Industrie fiir den allgemeinen Wohlstand sei. habe das Beispiel Bethlehems gezeigt. Aus einem Dörfchen habe dieser Ort sieh zum Städtchen, und durch Aufbau von Ackcrbautcrrasscn auf dem steinigen Boden zu einem kleinen Paradies entwickelt, und das alles auf Grund enter kleinen, unscheinbaren Industrie, der Herstellung von I erlmuttcrarbeiten. die an die Pilger und louristen, —• mehr noch aber durch belhlehcmitischc Knuflcutc, in der ganzen Welt verkauft werden. So könnte vielleicht auch das verarmte Jerusalem durch seine Snitzcniitdustrio aus einer Stadt in einer Steinw (i s t e zu einer blühenden Gartenstau* werden. Erklärung Berlin, den 19. April 1910. Als Antwort auf die Erklärungen des Geschäftsführenden Ausschusses des Zentralkomitees der Z.V.f.l)., die wir in voriger Nummer veröffentlichteil, erhalten wir folgendes Schreiben: Sehr geehrte Redaktion! Wir gestatten uns Ihnen anbei eine Erklärung zu überreichen, um deren Aufnahme in der dieswöchigen Nummer wir Sie höflichst ersuchen. Mit Zionsgrull! Hochachtungsvoll i. A.: B e r 111 01 d P c i w c l. Die Erklärung lautet: Gegenüber der Erklärung des (iesehäftsiiilirendcn Ausschusses des Zentral-Komitecs der ,.Zionistischen Vereinigung fiir Dculseiiland", die eine Richtigste)• lmig eines in der ,.Jüdischen Zeitung" erschienenen Berichtes über die Berliner Sitzung enthalten soll, haben wir Poigondos zu bemerken: Warn sieii der gcscliäitsfiihrcndc Ausschuß über Indiskretionen beschwert, so hat er vor allein sich selbst die Schuld zuzuschreiben. da er einer ganzen Reihe nielitgeladener Personen die Teilnahme an der Sitzung gestattete. Jedenfalls: Der Bericht der ״Jüdischen Zeitung" ist weder von einem noch mit Wisse n eines der Unterzeichner des ״Aufrufes" an diese Zeitung gesandt woidcu. Es wäre für den gesehüftsführenden Ausschuß der V. f, D." ein Leichtes gewesen, das fcstzustcllcn. Demgegenüber bedeuten( cs eine Illoyalität, daß der geschäftsführende Ausschuß, nachdem vorher ein gcnt e i nsa mcsCom m uni- 1! 11 e erschienen war. nunmehr, ohne sieh mit der Gegenseite in Verbindung zu setzen, eine Bcrichti• gütig lierausgibt. Und eine weitere Illoyalität, daß er die Einsendung eines jedenfalls imlegilimicrten benutzt, um oh ne Erlaubnis der Konferenz deren vertraulichen Charakter zu durchbrechen, und daß er seine Berechtigung überdies :!11 eine Reibe von Zeitiingen (sogar 11 i e 111 zionistische w׳ie die Prager ״S e 1 b s t w c h r") »ml verschiedene Landcsorganisatiouen versendet. Daß der gesehäftsfül rende Aus■ schul! des Zenlial-Knmitces selbstverständlich auch formell nicht berechtigt war, eine derartige Erklärung ohne Wissen mUl Genehmigung des Zentral- Komitees abzugeben, ist eine Sache, mit der sich die Mitglieder des Zentral-Komitecs zu beschäftigen Imbcn. Angesichts solchen Vorgehens, dessen äußeren Gründen wir nicht nacligeheii wollen, verzichten wir darauf, mit dem Inhalt dieser durchaus einseitig gefäibtcn Berichtigung, die mit ״Schätzungen" und ״allgemeinen Eindrücken“ operiert und in tendenziöser Weise ganz außerhalb der Besprechung liegende Dinge liercinzicht. uns irgendwie auseinander zu setzen. Es ist wiederum illoval, über eine Versäumtlmig. die nicht zu Staude gekommen wäre, wenn nicht grundsätzlich von vornherein Meimingsaustausch 0 11 ne Abstimmungen vereinbart worden wäre, nachträglich Auszählungen, zu veranstalten. Dem in der Berichtigung zum Ausdruck gebrachten doppelten Vertrauensvotum für das A. E. C. gegenüber möchten wir nur bemerken, dall auf der Konicrenz keinerlei Vertrauensvotum äugenominell wurde. Weiters stellen wir fest, daß unsere Vertreter 11.1 r auf das wiederholte Drängen von Repräsentantci! der Mehrheit sich entschlossen haben, in die Rcsohitionskoiiimission einzutreten. Wenn jetzt in der Berichtigung erklärt wird, daß unsere Argumente ihic Wirkung auf die Mehrheit der deutschen Landsmmmschaft verfehlt haben, also die Ergcbnislosig- Ueit der Berliner Konferenz (estgcstellt wird, so nehmen wir das nachträglich zur Kenntnis. In eine weitere Polemik werden wir uns nicht einlassctt. Theodor Her/.Is 50. Cieburlsluß 111 der ganzen Well rüstet man diesmal, um den M). Geburtstag unseres grollen Führers am 10. Ijjar 19. Mai a. c. in würdiger Weise zu begehen. Wie man uns mitlcilt, wird unser Zculralorgau ״Die W c 11" eine vornehin ausgestatlete und t reichillustrierte H e r z l - G c d c n k n u m m c r herausgeben, die ein getreues Spiegelbild von Hcrzls ge- Mimtem Leben und Wirken enthalten wird. Neben den Beiträgen aller hervorragender Zionisten werden in dieser Pestnummer auch' viele rtichtzionistisehe Schriftsteller, deren Name in der htera. rischen Welt einen guten Ruf hat. in küi/creii odei längeren Aufsätzen des großen Toten gedenken. Kein Gesinnungsgenosse sollte versäumen, diese Nummer rechtzeitig zu bestellen. a AUS ALL6R W6LT :: Deutschland hinc neue Gesellschaft für PaUislinaforschttny ln Merlin hat sielt ein Komitee zur Begriiiidung einer ״Gesellschaft für Palästinaforsehiing" konst!. tuiert. die rein wissenschaftlichen Charakters ist und sich die Verbreitung der Kenntnis Palasim,!* und die Erforschung des Landes zum Ziel gesetzt hat. Dieselbe soll I. in archäologischer mul Insm. rischer Beziehung. 2. in naturwissenschaftlicher und 3. in wirtschaftlicher Hinsicht erfolgen. Neben den Vorträgen anerkannter Gelehrten aus den drei l:orsclumgsgcbictcn ist die Herausgabe wissensdi.iitlieber Publikationen, die Unterstützung mul even* tttelle Veranstaltung von Reisen und wissensGu.itliehen Expedition( 11 in Aussicht genommen. Es ist unseres Wissens das eiste Mal. dm. eine derartige Gesellschaft auf Anregung und unter Mit- Wirkung von Zionisten ins Leben getreten ist. Den Herren Prof. Dr. O. Wnrburg, Reel1tsau\v.;i; Dr. Mantkc und vor allein Herrn Dr. Adolf 1'n.de• mann, dem Vorsitzenden der P a l ä s t i n a k . m . 111 iss i 011 der Z. V. f. 1). gebührt großer Dank iur ihre erfolgreichen Bemühungen, die cs ermöglichen, dal! bei der Erforschung unseres Almenlamles ״!J. lieh atieii indisches Wollen und Können 111m״tken wird. Russland Die Ausweisungen in Kiew Bei den J 11 d c n a 11 s w c i s 11 n g e 11 in k! c u bandelt es sieh uni jene Juden, die aut Grund 1!o bekannten S t o I v p i n s c 11 e n Zirkulars v. ln. August 191)11 daselbst verbleiben durften. Von den Aus- Weisungen, die aut Befehl dej Ministeriums des Innc• ren erfolgten, sind nach nolizcäiclien Angaben 12׳»׳ Juden, darunter zahlreiche Paimlienvätcr, betr..iteii worden. Die Polizei hat bereits alle Vorher״:,mgv arbeiten abgeschlossen. Sie hat die Wohnrechte aller ,Inden in Kiew einer strengen Prüfung; : zogen und sämtliche Juden, deren Wohnrecht .!m genannten 10. August erloschen war. auigcfurJer!. bis spätestens am IS. April, dem AusweisungMermin. ihre Geschälte zu li1|.11d»eren. Viele der Betroffenen haben in Eingaben ,111 die städtische Ad• ministration ״acligcwksen. daß bei den Wohnrecht»• l.rüiiingen zahliciche I r r t 11 tu 0 1* vorgcUinmcn seien. diese Gestielte sind jedoch bisher er!.•:*;•». geblieben. Ebenso hat die G011vcrncmcutsvcru.iltimg die an sic gerichteten Gesuche abgelehnt. inner denen sich auch verschiedene Eingaben von nicht• j ii d i s e h c ״ Körperschaften, wie des liorsenk-mi• tces. eines Haiisbesitzcrvcrcins 11. a. 111. beiiußei! die besonders die tt 11 a 11 s l> I e j b I i c h e s c 11...! liehe Einwirkung der Ausweisungen auf den a 11 g e mcincu II a n d eisu 11 d I n d u s t r . 0• betrieb hervorgelioben. Die (ioiivcrncmcntsv,e:• Wallung hat all diese Argumente miboruekMcIßtg'. gelassen und beschlossen, ״streng gesetzlich" zu vertahren. Den russischen Behörden steht das Ge- »Set/, seihst über den I.;11Hle\it1k־*e\vcH wenn 0* sieh iiiii Judenvci iolgungen handelt. I . , .»׳VII VHP VI v .י c 1 ‘/1י 1 ״ { s I n S ס :n III erfrisch e 11. Im gen Jahre hatte der Ministerpräsident Stolypu zeitweilige Aufhebung der Mimsterialvcrfügmi wirkt, die den Juden den Somiiieranieaili.ili au •uide «׳ei bietet. In diesem Jahre ist die tiom niciitsverwaltmig dem Ministerium zuvorgeko mui hat den Somiiicrwolmmigsbc.sitzern mitgetci (len Juden der Aufenthalt in der Smiunerfriselii Ke 111 c 11 Pall gestattet wurde. Audi U'nMgmig hat zahlreiche Bittgesuche von und Niehtiuden veranlaßt, die /um Teil au Mimstermm des Innern gerichtet sind, wo sie. \ lieillt, dieser läge erörtert werden sollen.;chi!! . 1 i 1! C Iw• ' III 11 e ,״i U.l!• a t 1'»C Jen d.» 1 \ Die KabbitürKonferen/. In der letzten allgemeinen Versammlung der Kal׳• miierkontei euz wurde über eine Protestkundgebung gegen die Anschuldigungen, die der Abgeordnete Maikow m der Duma gegen das jüdische k’eligionsgcv i/ erhoben hatte, verhandelt. Sämtliche Mitghcdci snraehen sich einstimmig fiir einen Protest im Namen i,.r. 1״,fs'rdiz. aus. Der anwesende Vertreter de» Ministeriums des Iniwrit Pl.Uonikow, erklärte jedoch daß er ohne Zustimmung der höheren Regiertim:»״׳• stanzen eine solche Kundgebung nicht z.ulasseii könne. Lr begab sich daran? nach dem Departement für fremde Glaubensangelcgenhciten, dessen Direktor, Charnsin• dem Ministerpräsidenten Stolvnin nach seiner Mci• mmg hierüber telephonisch befragte. Dieser erklärte entschieden, daß man der Rabbincrkonferenz auf keinen Pall gestatten dürfe, sich mit der Rede de* Abgeordneten Markow zu befassen und einen Protest

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