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Jüdische Rundschau · 1910-04-22 · Heft 16 (22.4.1910) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XV (1910)
Issue
Heft 16 (22.4.1910)
Date
1910-04-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Seite 183. No. 10. j_u EPISCHE RUNDSCHAU ifbcitcn i!» Angriff nehmen als vorher, well heule andere H cdi n ««״ «« » hierfür geschaffen wer- Jcn »im(. «'!!er richtiger gesagt. geschaffen werden sollci1• Mi*•*»*? Herren! Mit der Ausrufung der Kon. »tituiioii allein ist noch nicht alles getan. die Türkei lut nocli viel /11 tim. bis sie solche Ordnung schaffen wird• "*יי •s'v’ den europäischen Staaten, in jedem Keltnrsl.iaic herrscht. His es so weit ist, wird das tiirkisclu־ Volk und die Regierung noch viel zu ar-!.eiten lial'di. Sie wird ihre Oesetzgebung;indem müssen. sic \'ird n««c Können cinfüliren müssen, jie sic hoher nicht liatie. und dies alles kann man mflit i!ln־r Nacht machen. Dort wird die Regierung ,,״ch *,.'rangt. s׳J rasch als möglich 2U reformieren.!•« will .!her alles seine Zeit haben. Aber wir können f's mit io*?01־ l’e'ier/eugimg ״״sspreehen, dail cs von jjlir /!! i.ilir besser sein wird. Unter solchen Beilnmunu' '5■י יי, v'cl '־,her möglich, praktisch zu;,rbeiu'a Und ich kaim Ihnen die Versicherung J-cbcii. e י" " יי '» der Leitung i in m e r a n g r 0II e n!•lau 11־; ar bei;eil. gruben Plänen in dem Sinne. wif!ca '.!•rinn ausgefiihrt habe. Plänen, die nicht ״״r im in .'der U!<1. meinetwegen KHK), sondern für uns. D: '1.1" Land von dem grollten Vorteile <Cin k cm und ich hoffe, dali unter den heutigen Vcrliäh ",eo -,esc Arbeiten sich leichter werden jukT.i ' 1011 hissen, als früher. nennt die politischen Zionisten sehr oft ׳ licr/11.1-Das scheint mir zum Teil richtig zu sein. Her/ var nämlich der bescheidenste Mann, den iji j. .,Limit habe. Aber wenn es um unser Volk s.״g. \י um es sieb am den Zionismus handelte, ja m'. , k er seine Ansprüche viel hoher, für sein Volk > i.nigte er ׳.lei! .Imlenstaat. Sic wissen es ja, Cer e. ־■' ־ K.'iigrell hat the .liulenstaatslorderimg nicht akzeptiert. Vir - ■'! oesebeidci'or als llor/.i gewesen und haben ]•.!0,1 1 : 1.1s jmliselie ’>’o!k die Schaltung einer Beim•! y.i'.te!י Palästina verlangt. ן Wenn nun aber puliiiscti Vorgehen will, so darf j •.Mi; M.h 11. keine k\a׳!e i'ii'den. Was liciltt Politik 1 neibe ■•׳ Min Ziel imvcr 1 ückbar vor Augen haben, ״,n.uii; '..•lu'1׳, jedes Mitlnl. das sieb bietet, aus•!.u/e:.!:״,! alle die Mittel anwenden, die sieh am besten :.;r die Arbeit zur Hrreiclumg des Zieles etvaea. I;ju!n*r sind wir die Wege gegangen, heute sclilagu; wir andere kicbtmigen ein, und in einiger Zeit w . :1.011 wir uns wieder neue Bahnen suchen. Wir '׳■etder aber immer die Straßen gehen, dio ms :/ Ziele bringen, und wir werden immer eines '• ■1 Augen haben. 11.1s ist unser grobes Ziel: Die י•L iiting der ÜC'mMiitte in Palüstina für dar. i disci״ Volk. (Stürmischer, minutenlanger Beifall.) M. H. u. :1.! Auf die hiesigen lokalen Verhält• i.isv 11*.,)!11 י nicht eingebcii. In Ihre politischen ir.isii 0.0( sich die Leitung nicht ciumeugen. Das ml Angelegenheiten, die in jedem Lande von den I. ■111'•. ׳: di s Landes selbst ausgetragen werden m״sse lc!» glaube, mau ist mir in Galizien böse .1«o weil ich nicht in Ihre innere Politik eilige• em'iii, LU'!•. Das elari ich aber nicht tun. Die 1 ide־, •Luk ist Ihre Sache. Was ich verlnngen ״ei ח muH. ist. daß alles, was miternommcu wird. 'cii :״,•!halb des Rahmens unseres ׳ : 111 י ח ..hon יו r i 11 '. i p e .י halt und dab darüber 1• ',1: : ' g11 >l'e Ziel;11?' ■Jen Neuen verloren v iril. M«.Jicsc A.?>cU nicht Selbstzweck wird, sondern m«ttcl zum Ziel bleibt. Im übrigen müssen Sie über diese Fragen selbst bestimmen. Ich muH aber sagen; Ich bin stolz auf tue zionistischen Abgeordneten, ich bin stolz darauf, uau big aus Ihrer Mitte vier Mlmncr in das Reichspnrlam •nt entsendet haben. (Lebhafter Beifall.) Wir Zionisten sind in erster Linie Juden, aber moderne Juden. Wir haben an alte Traditionen angokniipft. Aber die zionistische Organisation hat sieh mit religiösen Angelegenheiten nicht zu bcschäftigen. Wir wollen uns in religiöse Fragen nicht cinmisehcn. wir arbeiten natioiiaipolltlscli. Aber 'dennoch UHU sich die Nationalität von der Religion nicht trennen, •.veil sic zu eng verbunden sind, und ich möchte deshalb liier das Wort gebrauchen: ישראי ואוייהא חד הוא Wir sind modern in dem Sinne, dali wir nicht mehr einseitig, wie wir das durch Jahrhunderte getan haben, die Religion ausbmien und entwickeln. M. Damen und 11. Herren! Ich sagte, der Präsldcnt der zionistischen Organisation habe cs nicht sehr gut. Ich w׳:ll mich durchaus nicht beklagen, aber cs ist gut, dali Sie es auch wissen. Wenn der Präsident irgend eines Staates, oder der Präsident irgend einer andern grollen Organisation zu einer Versammlung kommt, dann bringt er seinen Leuten ciwas mit, dann regnet cs Orden, werden Titel verliehen und Winden ausgctcilt. Der Präsident der zionistischen Organisation hat keine Titel zu verleihen, keine Orden zu verteilen, hat nichts zu geben: er kommt und verlangt etwas. Kr verlangt, man soll ihm etwas geben. Kr verlangt cs nicht nnr. er schreit ab mul zu und drängt, was man ihm sehr oft iibelgeiiommcn hat, da er immer Selikolim und Selikolim und wieder Ocld will. Sehr beliebt wird mau dadurch nicht. Aller wir dürfen nicht vorgessen, dal* das notwendig ist. wenn wir existieren wollen. Dann verlangt man vom Präsidenten, er solle doch auch andere zulasseii, damit sic mitarbeiten. Und wenn das nicht geschieht, wenn z. B. wie cs am letzten Kongreß der Mall war, teil mich dagegen gesträubt buhe, weil ich gesehen habe, dali die Arbeit auf diese Weise nicht vorwärts kommen kamt, daun hat man mich einen ,Autokraten gcmmiil, dann hat mau von mir gesagt, dali ich zu selbstherrisch bin. dab ich aridere zur Arbeit nicht zulassen will. Meine Damen und Herren! leb glaub© mehl, dab cs einer von den Herren der Opposition so sehnlich gewünscht hat. dali auch andere mitarbeiten sollen, wie ich es von Herzen wünschte. Aber ich will Mitarbeiter haben. Ich habe auf dein Kongreil gesagt, •lall ii 11 Mitglieder des K. A. C., w c I e 11 e ׳1 ״ er di e ganze Welt zerstreut sind, nicht g e h r a 11 c 11 c 11 k a u n , sondern dab in das K A. C.. wenn cs vcrgrölicrt werden soll, auch tatsächliche Mitarbeiter hineinkommen müssen. Meine Damen mul Heuen! Sie wissen, dab der letzte Kongreß keine Neuerung geschaffen hat. Sie wissen, dali ich gezwungen war. wieder die Leitung bis zum nächsten Kongreß zu übernehmen. Ms ist vmi vcrsclm ׳Ionen Seiten gesagt worden. d;,b es ein grolles (ihiek s־.i ich kann cs nicht beurteilen. Wenn cs aber wirklich für die zionis* tische Organisation gut war, daß dio Leitung beim Alten geblieben — so haben wir es in erster Lin.u den galizisclicn Delegierten zu vordanken. Ihr Delegierter, Herr Dr. Waldmann war cs. der die ganze Sache - ich finde keinen bessern Ausdruck, — im letzten Momente auf den Kopf gestellt hat, indem er knapp vor Schluß den Antrag cinbrnchlc, da(’ der Präsident vom Kongrell gewählt werden solle. Man mag über den Umstand, daß die Leitung dio alte geblieben ist, denken wie man will. Das eine muH wohl jeder verstehen, daß wieder Frieden in unsere Reihen einkehren soll. Und das Ist cs, was ich Sic bitte, das soll Ihnen zur Riehtschnür dienen. Ich selbst bemühe mich den Weg zu finden, daß wir wieder Frieden unter uns machen, daß die Opposition wieder zur Arbeit herangezogen wird, daß wir uns wieder verständigen. Ich beabsichtige, bei der nächsten Sitzung d!A Qrolien A. C. oder bei der Jahreskonferenz Vorschläge für eine Erweiterung des E. A. C. zu machen, daß für die Leitung eine ganze Reihe neuer Männer herangezogeu werde. Ich bcabsiclttige vorzuschlagcn. daß vielleicht ein großes ״kleines A. C." gebildet werde, welches in erster Linie die Präsidenten unserer Institutionen, dann aber auch eine Reihe von führenden Zionisten aus verschiedenen Ländern umfaßt, damit wir gemeinsam arbeiten können. (S'.ürmischer Beifall.) Bis dahin aber, meine Verehrten, selbst auf die Gefahr hin. daß Sic mich für einen Autokraten halten werden, bis dahin verlange ich von einem jeden Zionisten D i s z i o I i n und Subordination! Wir können untereinander streiten, uns bekämpfen, aber wir dürfen nicht das grolle Ziel aus den Augen verlieren mul ut.s immer sagen, dail der Präsident der so wenig Machtmittel hat, nämlich gar keine, fordern darf. Jab jeder Zionist seine Pflicht tut! (Beifall!) Ich habe keine Mittel, um Gehorsam zu erzwingen, aber umso mehr muß ich Subordination verlangen. א ל3עגי 2* אש למעננש.' Nicht für mich verlange ich es, sondern für Sie, oder besser gesagt, für das \V׳!!׳I der zionistischen Organisation! ('losender Beifall.) Und i׳.h bin überzeugt, meine lieben Freunde, daß Sie immer, besonders aber liier auf dem Dclcgicrtcntagc. nach dieser Richtung hin arbeiten werden. Noch eines, meine Damen und Herren, möchte | ich erwähnen. F.s n,״H unsere heiligste Aufgabe ] sein, in erster Linie ii,!• unsere Poaiim. für unsere 1 jüdischen Arbeiter in Palästina zu sorgen! (Minutenlanger Beifall) Wir brauchen die Poaiim. Wir brauchen auch die Reichen, aber die können für .sieh seihst mm gen. wir kmincn ihnen höchstens die Wege ebnen. Wenn wir die Mittel der Organisation für Kolonisation on•! praktische Arbeit verwenden, ] so ist es sclhsiserst indlich, daß es in erster Linie imr für den jüdischen Arbeiter sein wird, denn ohne jüdische Arbeiter wüte unser ganzes Gebäude auf; Sand gebaut! (Rauschender Applaus!) I Meine Damen und Herren! Sie keimen die j wunderschöne Erzählung an:, dem Talmud: ו “צרה i וא־יבה וזד איובה ור,צרה •Ms ein Wanderer 1 an einem Scheideweg aukam. (ragte er einen Weisen, K׳Tiek Bnolei'in wurde 1111UT all seinem l'iib und t >el blaß, denn er war ein Aleute, und die Ahmen sind keine besonders reinlichen I euic. Dann bcjjjutn er zu beten. ״Patalamon, bili!•' ihn nicht an; seit seit ich auf der Well bin. im es noch keine weihe Robbe gegeben. 1111111־. ht in es Zaharoffs Geist, l.r ist in dem kü/u״ ,־»׳vuDvn Sturm verschoben.“ ..׳Di komm' ihm nicht in die Nähe“, sagte i’aialaii״,״. j•.!• briugi Unglück.“ ■ ••יי!tau ihn nicht an,“ sagte Kerick. ״l)׳eib dlt־ d«*n 1״n. |)r. Männer sohlen eigentlieli /t\vilM:n(|l.|•( abhiitiien, aber die Saison fängt nst an, mul;.je kennen die Arbeit noch nicht. Iluini.n werden genug sein. Schnell!“ I'atalainoij sciuittelle ein paar Robbenk11r;t; 1. n \׳11 )׳ eine llerrle I lolluschickie, und s'e realen sieh nicht. 1 ging er näher, und sie begannen sich eil, und Kerick trieb sie landemwarts, ersuchten garnicht, zu ihren Gefährt, :ehren. Tausend und , sj[>crtj״j1 ״jf allen dem zu, aber sie spielten weite, ar der einzige, der fragte, aber man 1m keine andere Antwort die Robben jedes Jahr sechs Wochen i Monate lang jagte. ״Ich gehe nach", sagte er. Und die Augen!raten ihm fast aus dem Kopfe, als er der Herde folgte. ״Die weiße Robbe kommt hinter uns her“, schrie Paialainon. ״Das ist das erste Mal, daß eine Robbe allein zu den Schlachtplatzen kommt.“ ״Pst. Schau dich nicht utu. I:s muß /.almroff’s Geist sein. Ich werde mit dem Priester darüber sprechen.“ Kot ick folgte keuchend und neugierig. P.r glaubte sieh an dem Ende der Welt, aber das Oebnill der Robben klang noch so laut wie ein Zug in einem Tunnel. Hann setzte Kerick sich nieder und zog eine scnwcie, zinnerne Uht hervor und ließ den Trupp dreißig Minuten Zeit, um sich abz.ukülileu. Kot ick hörte das Wasser von seiner Kappe herabtröpfeln. Dann kamen zehn oder zwölf Männer, jeder mit einer eisenbeschlagenen, meterlangen Keule bewaffnet, und Kerick snule: 1.0״s!“ uijjl die Männer schluRen den Robben, su schnell sie konnten, auf die Köpfe Zehn Minuten später erkannte Klein- Kotick seine Freunde nicht mehr, denn ihre Pelze waren von der Nase bis zu den Hinterflössen abgezogen und bildeten große Haufen auf dem Boden. i (Schluss folgt.) Zwischen Purim und Pessach Von Lazarus Barth. Purim und Pcssnch — wie viel gemeinsames. Beide lösen Krinncrutvgen «aus an Zeilen, in denen Israel nicht auf eigener Scholle s;׳ß. sondern unter ficinden Völkern, beide;11׳ Verfolgung und Plänen, liniert Nation zu vernichten und beide feiern die Li rettung. Und domincU wie 'grundverschieden sind sic. Anders die Anlässe, anders die Folgen und anders d>e Art iler Feier. Am Purim Mummenschanz. Gelage bis zu dem Grade, daß man den Unterschied zwischen Human und Mordecbai nicht mehr kennt. Pessach eine ernste Erzählung von den 'lagen der Kindheit unseres Volkstums. Wo solch verscluedener Cli.uakler den Gebräuchen iimcwolmt, muß auch der Anlaß ungleich seht. Wie wir cs zu de״ Zeiten Mordcchais und Estiiers in Susa, der Hauptstadt? Unsere Väter lebten im Perserrcichc friedlich dahin, bis ein Minister ans Ruder ״am. der;ms persönlichen Rücksichten dem ruhig-sicher;:״ l.cbea der jüdischen Untertanen ein Lnde machen wollte. Er zettelte mit Erlaubnis der Regierung einen Pogrom an - und hierauf setzte die Aktion des Mordecbai ein. Jetzt, als die Not groß war. eilte er zur Befreiung seines Volkes. Und wie suchte er dies zu erreichen? Er sandte /.um König, um den Minister zu stürzen; die gelang, Haman wurde beseitigt und Mordecbai wurde Ratgeber des Königs an seiner statt. Was hatte er erreicht? Die Niedcrmctzelung der Juden wurde verhindert, und in den jüdischen

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