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Jüdische Rundschau · 1910-04-08 · Heft 14 (8.4.1910) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XV (1910)
Issue
Heft 14 (8.4.1910)
Date
1910-04-08
Page
– (sequence 7)
Language
German
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■1UEPISCHK RUNDSCHAU Seite 163. No. 14. Merkspruch Zur Zelt der Hot prüt* deinen freund, Dann liehst du, ob ei's reell* mein! I Kelch! et dir dann nicht ferne Bund, So trenne Ichnelt der fteundlftalt Band. Liebe Kinder! \ 1.. U־‘: v .11 «di \' u >0!'■ 1.. -1 ־11? u. S,’!; .•!ן eiuieriu von hier gibt cs ein wunderschöne! 1h diesem Lande, das man Palästina nennt ,ח einmal vor langer langer Zeit unsere Ur•!!וווי. Und liier ging es ihnen gut. Dus Lum. ihnen, und der Kdnig des Landes war aucl ,־ ein .lade. Da Kamen aber fremde böse Men■ tnui trieben die Juden aus diesem schüttet Seitdem lebten sic in der ganzen Welt zer■ tnui wurden oft gar nicht gut behandelt, als 01 kehle Menschen waren. ,ן! euch, hebe Kinder, wird cs vielleicht sc! Voer ihr wißt doch selbst, dal) ihr keine ,11 Menschen seid, und eure Eltern gewif 11 / J׳ י ־ י«י*,א 1 .111 1u ׳ י tnhel und Tante auch nicht. Hie sind aber ■’;r Juden. Un.l ihr wullc doch gewill, dall lul r mc .■■wirtet und niemand ihnen etwas böses tut, 1u!1׳■;!!•, ׳ ׳ Solu aber, liehe Kinder, an manchen Oikr. ,1:. in Rußland, Kinnlinien und in barbarischen I. iiuk'i,! 'o'iikas heliandeln die l.eutc die Juden, die ■'״cii ii״■ Verwandten .sind, noch viel .schlimmer, da itliin.a >1e Kindern die* Eltern weg. und Eltern die . Ich will euch lieber nicht mehr von Jicm.׳i l״ vc11 Dingen erzählen. Aber nicht wahr, ihr 1׳, ׳.. ׳11׳יי, dalt es auch diesen gut geht? N ".!;che* Kinder, das wird auch wieder anders t'u.u,, ,hu ן!!.in wird keine Juden mehr schlecht 1111»1 ׳'. wenn die Juden wieder in grober Zahl iiiei'ii ni Lande beisammen wohnen werden, nüm* 11‘li 1״ km Lande, das unscrti Urvätern einmal gcl״׳n 1.11. in I* a I ä s 1 i n a. Einige sind schon da, 1;:* י חיוie 1» ׳,:elit es sehr gut. und sie freuen sich, dall sie . י, (ihnen k.mncn. Es ist auch ein schönes herr- II, 11' l ,ml. in dem der Himmel so wunderbar blau!?’■;׳.- hei uns niemals. Das Land liegt an einem Hi!11 ׳ blauen Meer. 111 dem Lande wachsen Apfelvia:׳ und Alandcln und andere schöne Erhellte. Aber d׳s 1!ml kostet viel (leid. Es gibt jedoch schon edle *’•?׳ lau. gute Juden, die dazu sammeln, damit das 'a׳ ■ n,*id bald ziisiiinmeiikoniiiit und man das l.and •"! ׳>c Hruder und Schwestern und auch für euch I■•1 1 kann. 111 nun, liebe Kinder, jetzt kommen Eeicrtagc, 'A ■ ׳ r liehe (hm den Juden schon einmal geholfen יי" ■ad sig aweh von bösen Menschen befreit hat. Lu1 r half ihnen, weil sie seihst etwas dazu getan י1י1יי . weil sie nicht niiihig gesesen haben. Kommt וויו" kiiider, zeigt, dal) ihr auch edle Menschen und zu׳ luden seid, tut auch etwas, und Gott wird euch mali helfen. Jetzt an den Ecicrtagcn geht zu euren IL■״, .׳ulen, z״ allen Verwandten eurer liehen Eltern, mul ,ifcj! ihnen* was ihr wollt und bittet sic» euch et׳• ■'•׳s dazu gehen. Je mehr einer gibt, desto besser,;•1■■<:r jeden Pfennig nehmt mit Dank an. Und was ihr bekommt, ladt von Vater oder Mutter an uns absenden, Nicht wahr, liebe gute Kinder, ihr wollt uns hclfen? Und wenn ihr recht viel gesammelt habt, dann ',"kommen die von euch, die am meisten gesammelt I|;1'׳u1, etwas Schönes von uns geschenkt. Und nun, Kinder, seid tüchtig, — zeigt, was Ihr könnt, — zeigt, dall ihr brave Menschen und gute Juden seid. Wir grüßen euch aufs herzlichste. Die Kinder Von M. Scher lag. Sie kauern Im Winkel 80 enge beisammen, Sie schau’n auf den Ofen, sie schau'n in die Flammen. ״ßroesmulter, erzähl׳ uns, erzähl׳ uns was Schönes, Dorf draussan, wo6׳ firisier, geschieht dies und Jenes. Es klatscht der Regen, er prügelt die Wände, Grossmutter, 0 sag׳ doch, wo nimmt er nur Hände?“ Die verlorenen Slernelein Aus dem Hebräischen des A. Libuschizki. Hrei bearbeite! von Dr. H. Es \var an einem Soiniucriiiorgcn von Zauber• liafter Schönheit. Ich sai! in meinem Arbeitsziinmei und las eifrig in einem Ducltc, dessen lehrreicher Inhalt meine ganze Aufmerksamkeit In Anspruch nahm. Da wurde die Titre geöffnet und das Stuben- ״!iidehen erschien an der Schwelle. ״Soeben sind zwei Engel angekomiiien," meldete das bestürzte Mädchen, ״und sic wünschen den Herrn persönlich zu sprechen." ,.Zwei Engel?‘‘ sprach ich erstaunt und halb angläubig, ״zwei Engel? Lais sie eintrctcti, und Ich will scheu, womit ich ihnen dienen kann." Ich kann es nicht leugnen: heim Anblick der beiden Ankömmlinge, die nun in das Zimmer getreten waren, ward cs mir ganz bange zu Mute, Wäret] cs doch gar merk würdige, wunderliche CJcstaltcn! Den Körper eines jeden von ihnen bedeckten zwei große Hlügel. bestellend aus je sieben in allen Karben des Rcgcnhigcns schillernden l'edern; die Körper selbst waren schattenhaft und durchsichtig wie leichte Nebel. Nachdem ich meine Gäste gebeten hatte, Platz zu nelmien, fragte ich sic mit hebender Stimme, welclicm Imstande ich wohl die Ehre ihres Besuches zu danken habe. ״Der Umstand“, antwortete einer der Engel, ״ist folgender: Vor zwölf Jahren, da wir noch jung und übermütig waren, spielten wir ־ mein Krcund hier und ich •— an einem schönen, heitern Prlihlingsabcnd mit den Sternlcin, indem wir sic am klaren, blauen Himmel hin und her warfen.“ Ich hielt den Atem an und sei!wieg. Nach einer kleinen Pause aber fuhr der Engel In seiner Ersah* lang fort, ״Wir warfen die schönsten und glänzendsten Sternlcin, die am Himmel oben so freundlich funkeln.“ ״Wirklich?" wagte ich zu unterbrechen. 11111)״/ gewiü!" ,Sternwerfen* Ist unser allerliebstes Spiel: wir pflegen cs so, wie etwa die Kinder hier au( Erden das Hallspiel. Damals aber warfen wir in unserem jugendlichen Ubcrmutc die Sternlcin so heftig und so unbedacht, da(! zwei von ihnen über die Grenzen des Himmels flogen und durch unser Verschulden zur Eule lierabflelcn." ״Über die Grenzen des Himmels?" ״Jawohl■ zu unserem grollen Hcrzleld, Durch unscrii Übermut und unsere Leichtfertigkeit wurde der Himmel zweier seiner leuchtendsten und glünzendsteii Sternlcin beraubt. Aber wir müssen sie mihedingt wieüeriiiulen, geschehe, was da wollet So wandern wir denn seit zwölf Jahren unstitt und rastlos durch alle Lande und suchen und suchen die verlorcnen Sternlcin, aber alle unsere Mühe war bisher fruchtlos und vergebens. East hatten wir schon alle Hoffnung nufgegehen und uns mit dem schmerzlichen Gedanken vertraut gemacht, unsern Frevel bis an das Ende der Tage bütien zu müssen, da erfuhren wir aus ganz sicherer Quelle, daf) ein zwölfjähriges Mädchen wunderbare Augen habe, die ganz den Sternen des Himmels gleichen, dieses Mädchen aber, mein Herr, ist deine Tochter." ״Meine Tochter?!" ״Allerdings. Die wunderbaren Augen deiner Tochter sind, wie man uns mit aller Bestimmtheit bcteuerte, die beiden Sternlcin, die uns vor zwölf Jahren In Verlust geraten sind und die wir seit lener Zelt unablässig suchen. Nun hoffen wrl, endlich dem Ziele nahe zu sein. Deine fromme und brave Tochtcr, die der liebe Oott so auszeichnete, daß er Ihr zwei glänzende Sternlcin anstatt gewöhnlicher Augen cinsctzlc, wird sich sicherlich nicht weigern, uns das verlorene Gut zurückzuerstatten, um dcsscntwillcn wir seit so langer Zeit keine Ruhe finden konnten." Ich war entsetzt und zitterte am ganzen Körper. Der grausame (Jcdankc, dall im nächsten Momente schon mein geliebtes Kind seine leuchtenden Äcuglcin verlieren sollte, bracht mich ganz außer Fassung. Bestürzt und zu Tode erschrocken führte ich meine Gäste in das Zimmer meiner Tochter Pcnina,*) die gerade das Morgengebet verrichtete. Sic war völlig ins Gehet vertieft, ihre feinen Züge waren ganz verklärt und die wundervollen Augen, an denen ich mich immer ergötzte, leuchteten in ganz besonderem, überirdischem Qlanzc. in wenigen Worten teilte ich ihr mit, warum cs sich handelte. Aber sic war, so hatte cs den Anschein, keineswegs überrascht und nicht im entferntesten erschrocken. Einige Augenblicke blieb sie auf ihrem Platze stehen, dann wandte sic sich mutig und unbefangen an die fremden Gäste und sprach: ״Nun schaut her, ihr Engel, schaut her und prüft sorgfältig! Sind das die verlorenen Sternlcin, die ihr sucht?" f1 ~, ׳/.. , <׳ '« jv \ jf ׳ it \ *•>. 1 ,;r*•' Und die Engel schauten tief in die Augen meines Tüeliterelicns, sie schauten und schauten lange und prüften mit forschenden Blicken, und sie traten dann zur Seite und sprachen miteinander im Elüstcrtonc. Endlich trat einer von ihnen auf mich zu und sagte traurig: ״Nein! Diese beiden Lcuchtkürpcr sind nicht die iinsrigcii. Die beiden Sternlcin, die uns vor zwölf Jahren in Verlust geraten sind, waren wohl die. schönsten und leuchtendsten am Himmel oben, aber sie strahlten nicht so wie dieses Augenpaar; unsere Sternlcin glänzten wie Gold, die Augen deiner Tochler aber strahlen wie Glanz.crz!" Die beiden Engel verbeugten sich und verließen traurig und mißmutig dits Haus. Ich bekenne aufrichtig: ich empfand Mitleid mit den bedauernswerten Engeln, aber in tiefster Seele freute ich mich doch, dal’• meiner Tochter ihre schönen Augen crlialten blichen. Kaum aber waren die Engel fortgegangen, drang aus dem angrenzenden Zimmer das herzliche, frohliehe Lachen meiner Krau an mein Ohr. ״Du hast es wohl gemerkt," sprach sie zu mir in freudiger Erregung, als sic mm in mein Zimmer trat, ״die Engel haben nicht recht gesellenI Die Augen unseres Töchtcrchcn Pcnina sind in der 'Tut die beiden Sternlcin, die den bedauernswerten Engeln vor zwölf Jahren in Verlust geraten sind, aber sie erkannten sic glücklicherweise nicht." ״In der Tat?" ״Ohne Zweifel! Erinnerst du dich nicht mehr daran? Gerade in dem Augenblicke, als vor zwölf lahrcu unsere heißgeliebte Tochter zur Welt kam, fielen durch ein offenes Ecnstcr z.u׳ci Sternlcin ins Zimmer und bohrten sich in ihre Augenhöhlen ein. Nun sahen die Engel die leuchtenden Augen unserer Tochter zur Zeit, da sic ihr Morgengebet noch nicht beendet hatte. Sic betet aber stets mit tiefer Andacht und mit der ganzen Inbrunst ihres gläubigen Herzens, und da funkeln und glänzen ihre Augen schöner und herrlicher als alle Sterne dort oben an der blauen Hitnmclswölbung. Darum erkannten die Engel in ihnen die verlorenen Sternlcin nicht und so raubten sic uns auch nicht das unaussprechliche Glück, auch in Zukunft in die wundervollen Augen unseres geliebten, braven Töchterchcns schauen zu dürfen I" •) D. h. Perle, ein weiblicher Personenname; wer von euch kennt eine biblische Person dieses Namens?

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