Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XV (1910)
- Issue
- Heft 14 (8.4.1910)
- Date
- 1910-04-08
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seit!100 י. No. M. Hie Herren hätten sieh Uic.se moralische Ohrfeige ersparen können, imlein sie sich nicht erst zu Herrn Stolypiu liemlilit hätten. Sie konnten sieh denken, vinll jet/t, svo die niedtigste Reaktion in Rullland wieder Oherwasser hat. für die ,luden nieliis, 1; 111׳ nichts zu erwarten ist. Und jeden• falls nicht durch den guten Willen des .Herrn Stolypiu! Hie Antwort dieses J'üchtianncs zeigt zur Genüge, was man den Juden hieteu zu können Klaubt. NoHand Unsere bekannte Gesiimnngsgciios.sin, 1* 1 imlciii lloofir•1t, eine der Mitbegründer innen des Verb a t\ d e s i ti d i s c h e r F r a 11 e n i n r Kult u r - arbeit in Palästina ist als erste Jüdin Hollands in Amsterdam /um I *«*1;l<jmis promoviert worden. Italien Luigi l.uzzatti. der frühere italienische A c k e 1 I! a 11 minist e r, hat die Bildung des neuen Minlslerliiins übernommen. Kr ist der Silm einer berühmten jüdischen Ilichter• und (ielehrteiifaniilie. seine intensive wissenschaftliche Betätigung auf dem (ieluete der Wirtschafts• und Sozialpolitik erwarb ihm europäischen Ruf. Hin Büeherfresser war er zeitlebens, schon in den Tagen der Belagerung Venedigs im Jahre TS-I'J sait der damals achtjährige Knabe, während die Kugeln in den Mauern der alten ])ogeustadt einschlugeii. hinter schmalen Erkerfenstern und las. ln den engen Straben der Lagunen• stadt schlendert er heute noch mit Behagen, schlürft auf der l’iuz/a seinen Mokka und plaudert mit seinen Landsleuten. Professor, Journalist, Mitglied von )mildert Rcgicniugsknuimisskuicu, 1 immlcr von Volksbaukeu, sozialer Apostel, dazu der beste Veriiagsimterhändler Italiens, kurz ein Mann für alles. Viermal hatte l.uzzatti das Portefeuille des Schatz• Sekretärs inuc und gehört der italienischen Kammer bereits seit dem Jahre IK71 an. Die günstigen Halt d e I s v e r träge, die das Königreich Italien iiaehein.iuder mit Frankreich und Deutschland abge* schlossen hat, waren sein Werk und haben ihm viele Anerkennungen gebracht. Die italienische R e u t e n k o 11 ve r s io tt bildet ein Ruhmesblatt in seiner Tätigkeit als l'immzininister. Nun ist er bc* rufen, au der Spitze des Ministeriums die Politik des Königreichs Italien zu leiten. In D e 111 s e 111 a 11 ü hätte Luzzatti kaum den Rang eines Unteroffiziers erreichen können. Der jüdische Deputierte Barzilai wurde von der Regierung zum Itallenlschcu Botschafter In Peking ernannt. Barzilai stammt aus T ries t. Ware er in Oesterreich geblieben, so hätte er sich mibe* dingt taufen lassen müssen, wenn er auf eine Karriere Aussicht haben wollte. So aber, im Königreich Italien, ist er einer der führenden Männer des italienischen Parlamentes. Hin Jude ist Bürgermeister von Rom. ein Jude wird italienischer Ministerpräsident, ein Jude w ird zum Hotsehaftvr des Königs von Italien ernannt armes Italien! Türkei Kcvision der Grundsteuer ln diesen 'lagen stand eines der nir die kunitige Gestaltung der türkischen!•'inanzen wichtigsten Oesetze in der Kammer zur Verhandlung, das Projekt über die Grundsteuer. Da es auch ftir die jüdische Besiedlung auf türkisc 11 um Bode 11. und ganz besfuders in Palästina, von grüllter Be• deutung ist, seien die llaiiptbcstimmungen desselben zitiert. Nach der früheren (iesetzgebung zahlten die Grundstücke l.tj; 7״, des Schätzungswertes, Dieser Schätzungswert war aber höchst unvollkommen fest•! gestellt; besonders in den unentwickelteren und der Zentralgewalt nicht restlos unterworfenen Provinzen pflegten die Dejs und Agltas die wahre Höhe ihres Besitzes zu verheimlichen; Günstlinge des Herrschers waren hei ungeheurem Besitz geradezu mit lädier• liehen Beträgen veranschlagt. Die hierdurch am Ge• samtertrage der Steuer licrvorgerufenen Ausfälle wurden um st* unbarmherziger von der ärmeren Be* völkerimgsklassc eingetrieben; aber diese Unge׳• reclitigkeil genügte noch immer nicht, die immensen Ausfälle ausziigleiclicn. Von jetzt ab soll eine ge• wissenhafte und rücksichtslose Einschätzung der Hausgrundstiickc — denn nur um solche handelt cs sich — vorgenommen werden, wobei jedoch das 111• tcresse der Besitzer durch deren persönliche Teil• ן nähme an der Schätzung gewahrt bleiben soll. Nadir- I lieh ist eine gerechte Handhabung der Steuer ohne J eine grundlegende Erneuerung des Katasterwesens! nicht denkbar. Da diese nun aber nach den Worten I des Finanzministers in den Städten zwei bis drei * Jahre, auf dem Lande mindestens zehnjährige Arbeit I erfordert, so ist im Gesetze bei der Festlegung des j Anf.mgstermines für die Stcucreinliebmigen nach den neuen Prinzipien hierauf gebührende Rücksicht gc• nominell. Nach dem neuen System werden zwölf Prozent des Bruttoertrages gezahlt werden, wozu wahrseheinlieh mich kleine Zuschläge von etwa einem Prozent für das Schulwesen und die Bedürfnisse der Km״- immcii treten werden. Die ganze Anlage des Gesetzes sucht einerseits in Immaiiein Sinne dem zahllosen Kleiubesilz. im Lande Vergünstigungen zu gewähren, anderseits nach Kräften die Ftablierung einer Imlustric zu fordern, deren Entstehung in der Türkei ja tatsächlich eine seiner Lxision/iiotwendigkeitcn ausmaclil. m Die am 27. Marz. 111 K o 11 s t a 11 t i U o 1> e I statt• gehabte konstituierende Versammlung der Vereint• gmig ehemaliger Alllaiiee-Seliiiler bot einen intcrcssantcn Hinblick in die gegenwärtige Stimmung mul (ieislesiiehtnng vier jüdischen Kreise in der türkischen Hauptstadt. Zwei Strömungen traten in der Ver• Sammlung z.u tage. Die überwiegende Mehrheit wünschte der Tätigkeit der neuen Vereinigung ein 11 a 1 i o 11 a I j ü d i s c 11 e s Programm zu Grunde zu legen, wahrend eine kleine, aus kaum zehn Persollen bestehende Gruppe die Vereinigung mir als einen geselligen Klub autfassen wollte. Eine lebhafte Diskussion entspann sieb besonders über den Namen und den Zweck der Assoziation. Herr Darsili. ein!Mitglied des ״Maeeabi", schlug vor, der Vereinigmig einen 11 e b r ä i s c 11 e 11 Namen zu geben. Dieser Antrag wurde auch scblielllich angenommen. Der Zweck der Vereinigung sollte nach dem Vorschlag der Initiatoren sein, .,inner der jüdischen Jugend ein Hand der Geselligkeit und Ein- 11 e i 11 i e 11 k e i t zu *chaffcn und zu entwickeln." Herr llernioni meinte dagegen, der Zweck der Vereinigung müsse ein höherer sein. Die Pflege der Geselligkeit könne lind solle lediglich als Mittel ZU einem höheren Ziel, zur Hebung des Judentu ms im Orient, gellen. Alle von den Hin• berufen! vorgesehlageneii Betätigungen seien zwar gute Mittel, alter eiten bloü Mittel. Die wenigen anwesenden Gegner des national jüdischen Gedankens versuchten zunächst ihre ״Anschauungen" zu verteidigeu und meinten, die Vereinigung habe mir an* genehme Geselligkeit unter ihren Milgliedern zu pflegen und hloll in Knnstnutiiiopcl zu wirken, sich alter im!ihrigen um das (iesamtiudentum im ganzen Orient nicht zu bekümmern. Als sie jedoch sahen, dalt sie in der Versammlung wenig Anklnng linden konnten, zogen sie es vor, diese noch vor den Absiimimmgen zu verlassen. Nach laugen und lieilien Debatten wurde dann Hemmnis Vorschlag fast einsliimnig angenommen. Die übrigen Paragraphen erregten keine besonders lebbaite Diskussion. Darunter lautet einer: .,Jedesmal, wenn es die Ereignisse er• heischen, wird die Vereinigung unter den jüdischen Bürgern eine Bewegung zugunsten der Juden irgend eines I.:indes, die wegen ihres Judentums leiden, zu entfachen suchen." Dieser Paragraph, der in einer Sitzung des vorhereilenden Ausschusses festgesetzt worden war. wurde der Versammlung vom Rcfereuten Herrn Du 11 h a n i sc 111 i, dem I.eiter der Alliance-Schule in (lalata. nicht unterbreitet. Nach der Ursache dieser Unterlassung befragt, erklärte dieser, das Vorbereitungskomitee hätte die S l 11 ־• i e 111111 g des Paragraphen ans ver sc hied e neu O r ii n d e 11 beschlossen. Darauf erwiderte ein anderes Koiniieemitglicd, er wisse von einem solchen Beschlüsse nichts. Und so wurde der Paragrapli der Versammlung auf Wunsch der Mehrheit derselben miterbreitel. Hin anderer Paragraph des Statuts bestimmt, ׳ die Hinrichtung sott 11 e I» r ,1!selten und türkischen Sprachkursen und Ab- Imlimig von Vorträgen in alle 11 Sprachen (der l< o 111 i t e e v o r sc 111 a g hatte gelautet: in franzüsiseher Sprache. Dem am Schlulf der Ver- Sammlung gewählten Vorstand gehören neun Zionisten an. Zu Hlirenpräsidentcu wurden gewählt: Clmcliamlmschi Chaim Na bum und Herr Nareiee Leven •Paris, der Präsident der A. I. U.: zum stellvertretenden Ehrenvorsitzenden Herr Gersoll, der Leiter des Wiener Dank-Vereins in Konstaiitinopel. In der Versammlung worden über hundert Francs lur den J ü dl selten National• f o n d s gesammelt. « Die ersten jiidiseheu Zöglinge sind in die Oili/.lers* schule in Saloniki aiifgcuommcn worden. Es sind dies die jüdischen Bürgerssöhne Joseph Abraham Bcnruhi und Isanc llaim II an da li. Die beiden neuen Zöglinge wurden von den Offizieren mit herzliehen Sympathiekundgebungen aiifgenommen. Der Komiuandaiit der Anstalt, Rifaat Pascha, hat nach Ahsclilull der Aufnahmeformalitäten an die ersten jüdischen Oflizierszöglinge im türkischen Reiche die folgende kurze Ansprache gerichtet: ״Meine lieben Kinder! Ihr .seid die ersten Sulouikcr Juden, die in eine Militärsclinle eintreten. Ihr werdet die Blumen unseres Gartens sein. Arbeitet tapfer, zeichnet euch uns, und ihr werdet •Ehrenposten cinnchmcn in der ottomanisehen Armee!" * Zahlreiche jüdische Familien in der Türkei sind infolge der lleranzleltmtg von Juden zmn Militär- «Heust in schwierige Existcnzvcrhältnisse geraten Namentlich in Konstanlinopel macht sich unter der jüdischen Bevölkerung eine zunehmende Armut bcmeikb.ir. Ls ist dort deshalb aui die Dciii׳ ״״|[״! Chaelianibiiselii eine Unterstütz u 11 g s h 1 für solche Familien begründet wurden, denen j. das neue Milttärgesetz de rlUotgchcr ent/>,!‘1^ den ist. י׳ u״־• Ifs wäre zu wünschen, d.ili auch die .!״ s u■ tigen jüdischen philantropischc» Gcsellseimp.״ f* diesem llilfsz'veek beitragen. " ‘ In Julia wird von Herrn Dr. M. Tu! , .״ neue hebräische llalhmonatssehiiit ״ll.1t ׳ >uul heratisgegubeii. welche vorwiegend .. ... ■ Zwecken dienen soll und voraussichtlich der hebräischen Lehrer Palästinas werde! ן M" r —I— Zw ei neue ZeitiiiigMiiiioiiii'liiiium1 י..׳ w Lur /en 1 begiiimlet worden. Wahrend du von einer (icsellschaft junger Leute liei.u . Zeitung ״La lazon" mir in spainohsebt-. erscheinen wird, ist der ..T ra i t d ' IJ 111 ׳., Herausgeber die ״Association des anciciis . s A l'Alli.iuee" sowohl m französischer wie so. , . Sprache verfasst. Ungarn Die ״Ungarl,indische .Indische Zeitung" aus Ny 1Ua (Neutra), dalt die dortige .« orthodoxe Kultusgemelude als solche der /. j,v. Organisation beigetreten ist und auch den, *,.!,cn Nationalfonds einen Jahresbeitrag v<m 2■ votiert hat. Dies i!.t um so hemerkensw e! t! , s j,,. offizielle Leitung der imgariseh-jiidisclien!> ,,,ץs sich dem Zionismus gegenüber bekanntlich!,c״j. ja feindselig verhalt. Eine aus fiaifuiKlz.waii/ig .Mitgliedern 1»' u•.. Deputation der migarläinlisclieii Zioinsti 1:. 1 erschien am 2'h Marz beim Miinstetprasidenu ■ K ii 11 e n - H e d e r v ä r y, um die Geiiel!::׳ , . .*,:er vor Jahren cingcreicliten Statuten z.u erian. Itc׳ Präsident der Organisation Dt. Beta (ks, .«de: hob in seiner Ansprache hervor, dal! die St,!;, na der Zionisten nur in Ungarn noch nicht gcnelm־ ..׳ sv־u■:. und wies darauf hin, dali die Ziele dieser Vei. ״.=go!1g gegen keinerlei staatliche und k.iuu s'.1 ,, ■׳•. teressen gerichtet seien. Ministerpr.isuk!<: 1jr.,j KTitien-llederväry erklärte, dali ihm die /!״:!:'.;!sdie Bew egung nicht fremd sei. und dal! er •. •>n. j,!:. dieser Bewegung in anderen Ländern keim׳ -diu.e• rigkeiten in den Weg gelegt werden, wesha!;• e; gen: geneigt sei. die Angelegenheit einer ras.'.... inj günstigen Erledigung entgegeiizufiiliicn. ‘ ..!cf lieli sielt der Ministerpräsident die Mitgliea ■V,־ Deputation vorstellen. Amerika ln Philadelphia Mail) m diesen lagen S 111 z. h e r g c r, einer der angesehensten B .a der Stadt, in der er seit 50 Jahren seinen Mohns!!/ iut:c. David Sulzberger wurde lh.bS in Deutschland v. ren Hr war Präsident des Lnkaikoniitccs dci A" .uue Isrnelitc Universelle, Sekretär der liebreu Fd!■. .1t<<m Society u. a. Organisationen. * In New Volk staib 1111 Alter von 01 1.11 eu Dramatiker Moses Iforowitz, einer der ״ ■di:• barsten Autoren der amerikanischen Buhnen!1׳■:״• Witz, schrieb ebenso für englische wie f 11 r ׳ 'die Bühnen, Seine Buhnen werke waren stets /!u ... ":,:c Kassenstiicke. Besonders viel w urden seine 1' Uns• Dramen und Tisla-Hlilarer-l •raiiien gegeben. T>1״• wilz hatte sieh ein grobes Vermögen erwo!1 d.o er aber infolge millglüekter Spekulation in. einer jüdischen Oper w ieder vollständig enthüllte. ' starb als armer Mann im New Yorker Motueiime- * Die F e d e r a t i 0 11 o f American Z i ^1 י benachrichtigt die jüdische Oeifenllichkcit. e MC ein Iiiiormatlousbureau für Palästina in Ne York eröffnet hat. Das Bureau ist eine Abtei .1 ׳u der l־eclerali(<n of American Zionists. 200Hasts U• w.iy. Die *Federation hoü't damit unserer uiit/.cn zu können und bittet, sieh in allen A:. ge• legen iicitcu an sie zu wenden. Südafrika Die südafrikanische Regierung erheb ein ׳e.-• aussclircibeu für die beste Melodie für ein• afrikanische Nalionalhynute. Von 110־ Arbcm e!• hielt nur diejenige des Ingenieuts DeithaLI k .;״• 10 wilz den ersten und eine zweite Arbeit de ■ ■"d■ Komponisten den zweiten Preis. .,Palästina״ ..!^‘c literarischen Erscheinungen, die sieb um m " Zionismus befassen, pflegen wir stets zu loben 1mJ unsere Leser werden erwarten, dass wir auch jetzt nicht mit dem Lobe für die Zeitschrift, die wohl eme der wichtigsten unserer Bewegung ist, zuriieksteheii■ Aber das ist nicht der Zweck unserer heutigen Be• sprcchung, obwohl wir uns wohl eins mit allen Lesern der Zeitschrift wissen, wenn wir die ersten Nummern des neuen Jahrganges als recht gediegene bezeichnen. Schon die Ausstattung ist c",'c reellt anmutende, das Papier gediegen• ein reien*