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Jüdische Rundschau · 1910-04-08 · Heft 14 (8.4.1910) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XV (1910)
Issue
Heft 14 (8.4.1910)
Date
1910-04-08
Page
– (sequence 3)
Language
German
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.1UED1SCHH RUNDSCHAU Seite 159. No; 1‘I. •<vir honen, dall die zionistische Bewegung zu neuem Leite« erwachen und in ihr ein groller Geist, ein *foHes and machtvolles Streben zur nationalen Wiedergeburt walten wird. Groll ist die Verantwortliclikeit. die uns jetzt aulerlcgt ist. Solch ein Kampf, wie wir ihn auf dem Kennten Kongresse geführt luln’ii. 10 k t Verpflicht u n g e n a u f. Wir haben nicht das Kocht, auch nur auf eine Minute an unsere i'iliclit 11׳ vergessen, der zionistischen Bewegung aus der schwierigen Luge. in der sie sich jetzt befindet. I1crau.s•11'׳,elfen. M•: ctoitem F.ifcr und greller Energie müssen wir j*'. t an unsere laufende Arbeit, die Befestigung mul I Wickelung unserer Organisation, herantreten. .Anlicr ״ müssen wir iinauflh'irlicli das zionistische PciiM׳ v ecken, iinoimüdlich die grollen zionistischen Idee«;hier ganzen Reinheit verbreiten, müssen imunter יי t eben daran arbeiten, dall die Bewegung nicht in e< •i.iiilichen Unternehmimgen versinke, müssen eine l 's11m der Ansehauuiigen hervornifen. Wir muss, .aisercn hmiluil auf die jüdische Gesellschaft, .!ui >1 G.uig des jüdischen Lebens verstärken: wir 11 allen uhcnilichen gesellschaftlichen Brägen, .iic 1! Lehen 1111 Oolus uns stellt. Anteil nehmen: uiim’i ׳ dee muH eine schäftende, hewegende Kraft u־r«1» die die jüdische Oefientlielikeit nach vornaricli /um treibt. Die gesellschaftliche Apathie, ±,i c l'chatiliche KraftlosigKcit. die in der rnssi- >cl1c! aisclien Welt so sehr empfunden werden, 1 cg״- •ülm.ililieli abzunehiiieii. Diejenigen Organis.iti״!• und I,iirtcicti. die in früherer Zeit in grollercri > kleinerem Malle auf das Leben gewirkt!:״!<, ci zu wirken besucht waren, fangen an, i.ek. eben von sich zu gehen. Allgemeine pu- ],us aischc!•*ragen,!•“ragen unseres Lehens hetiniK- 1eder die Aufmerksamkeit unserer Gesellwii.m Hier Jugend zu beschäftigen, und wieder iwas gesellschaftliche Denken zu arbeiten, die l.r-M 1:1׳. .׳leimender!•'ragen, die eine Zeit lang gleichcm! v.'sscn waren, zu suchen. Die zionistische 1';»11!.־ hat auch in jene:! Tagen ihre Arbeit nicht (.1r.ee> and hat auf das Leben und die Gesellschaft auch c •ds zu wirken gesucht, als die Apathie so v.:;r '.u .nein und stark war. Unsere Organisation hatte 1 hi einen Stab treu ergebener Arbeiter liintcr Mvli. v.ס /wedeln darum nicht, dall jetzt, wo die 1k!!u : hc.i erwacht ist. unsere Arbeit wachsen •;'J an Vi.uiu gew innen und die Schar unserer Arratet Mithelfer sich vergröbern wird. Die Bcän.u: sei 1' 11 r unsere .Arbeit, die der Organisation hier u!ul •\ allgemeinen Organisation in Palästina und in 1K I irkei. sind nicht schlechter geworden, :;a.l nur '•׳!! uns selbst, von allen Parteigenossen, na.,gt c< .10. iiese Arbeit zu einer mehr fruchtbaren,!msuci. . .ui Aufgaben mehr entsprechenden, zu 111.׳J;c:1 >ci.l euch dessen eingedenk, dall die zen- :!..kn 1׳ ittuiniieii nur dann crfolgr fielt arbeiten ג uicn, uai ihr, wenn alle Genossen und,Mitglicdcr der t)rg. 1 .,וiioii. ihnen einmütig zu Hilfe kommen iiiiJ c! l'ihcln, jeder au seinem Platze, erfüllen Uvhk:. ״ AUS ALL6R W€LT :: Deutschland Der Germane Isidor M imilian Harden schreibt in der ״Zukunft"!■;tr 1 icger: ..'•iir Tröpfe konnten ihn drum schnöden Gesin 11.:>sehael1crs zeihen. Aber er war für die 1 •״i. 1.׳Iiüei eelitigung aller Konfessionen‘‘ (von k'.i c sprach mau damals noch selten) cingetruten, 11•׳■ mit Juden als Bretinden verkehrt: und schrie ווי" Israel sei der B.rzfeiml und müsse entwaffnet.!׳י!׳•!:!eiltet werden. Weil er wälmtc. solches Gev י יי׳ könne ihm ׳ani die Hohe beben? Dws schien u 1 char; dem aufgeklärten Kapitalistcnfrcisinn 1U: Mcg gesichert. Bin Streber hätte sich dem 111 '.!lismus angelobt, dem volkstümliche I iihrcr /״ lilen anfingen, flat Lueger die Juden je ge- I״? Br fand sie. trotz schlimmer Nachwirkung de ׳ irimderjahre und des Kraches, zu mächtig, de l intliil! ihres Geistes in alle Kraftquellen des 1',c •-iics zu groll; fand ihr Wirken da besonders י!"!•< ilvull. wo sie in Magyarenvcrimmunung ,,י ierreichs Rechixnnspriieli zu schmälern trachte- 'י!• Woliin gcralen wir, Wenns noch lauge so ‘■'׳•׳,׳vi׳ geht? Ungarn, Böhmen. Galizien, Istrien; M ׳.:.euren, Czcehen, Polen, Rumänen. Ruthcncn, Novellen, Serbokroaten, Italiener. Das Reichs- /cm! 1 um fast schon der Herrschaft eines fremden, j'11-"״ wachsenden Stammes untertan, dem die Li Haltung unserer alten Volksart nicht Lebensn״t >\ endigkeit ist. M׳ir haben uns nach dem Stammbaum Harden s ^Miudigt Und kennen fcststcllcn, dall Harden aus C|ncr der ältesten teutonischen Familie stammt und stine Voreltern, die schon im Teutoburger Wald 1*6Keii die Römer mitkämpften, eigentlich der Deut- •'c״e11 Hoeharistokratic nngchörcn sollten. Aber das VcrUknst findet oft keine Würdigung. Nur gemeine erleumdcr können behaupten, daß Harden ein gelauftcr Jude aus Posen ist und eigentlich Isidor Witk o w s k i hcillt. Wir können es daher vollkommen verstehen, wenn er sieh gegen die ״Herrschaft eines fremden, rasch wachsenden Stammes" wendet, ״dein die Erhaltung unserer ulten Volksart nicht Lcbonsnotwciidlgkelt Ist. Wir finden darin gar nichts lüchcrliebes. Sic doch auch nicht, Herr Isidor Wit. pardon, Herr Maximilian Harden? Eine Hypolhekenbank in den deutschen Kolonien Die Deutsch-Asiatische Bank hat von der dcutsehen Regierung als erste die Krluubnis zur Ausgabe von llypothttkcn-Obligütioncu im dcutsch-chincsischcn Schutzgebiet erhalten. Die Bedingungen, unter denen die Deutsch-Asiatische Bank in Kiautschau Hypotheken-Obligationen ausgeben darf, bcanspruehen auch unser Interesse als Zionisten. Mit Rücksicht auf die geplante Gründung einer Agrarkreditbank in Palästina wird besonders die Tatsache interessieren, dall die Dcutseh-Asiatischc Bank Hypothckcn-Obligationen nur bis zum vierfachen Betrage des Ungezählten Grundkapitals ausgeben darf, dall Beleihungen nur zur ersten Stelle zulässig sind und die Hälfte des Wertes der Grundstücke nicht übersteigen dürfen. Die Deutsche Arheltgcherzeltimg schreibt in einem Artikel über die türkischen Hauern folgendes über die Juden in Palästina: Noch ein Bcind der Hauern in Palästina ist da der Jude. Nun sind allerdings die Binheimischen ja seihst Juden, auch die Christen, sind sie doch allesamt Semiten. Als ״Jchud“ aber hezeichnet mau die fremden Biiiwauderer. die aus RuiSland in Masse ciugewaiulerlcn Zionisten. Sie sind, mit Ausnahme der Bewohner einiger gut gedeihender Kolonien, in denen die Mehrheit der Bewohner aus jiidiscjien Studenten bestellt, eine Plage geworden. Sie haben gutes Land erhalten, bebauen es aber nicht seihst, sondern mieten Bauern dazu, die sie tüchtig schinden, und im übrigen leben sie vom Bettel, den sie durch förmliche Bureaus für Bettelbriefe iiiiüerst schwunghaft betreiben. Diese Aschkenasim (deutsche, nordische .luden, d. 11. alle in Riillland, 1 'ölen. Ung.irn nsw.) erhalten grolle Umerslülzimgen, wenig dagegen die Scfardim, die spanischen Juden. Auch diesen flieht Unterstützung zu. doch wenig im Vergleich zu den anderen. Die spanisehen Juden in Jerusalem und Umgegend es gibt;111 12אוח) -• erhalten im Jahre 12(»(HK) Franken Chalukah (Unterstützung), die Aschkenasim dagegen 2<>(HHHK) Pranken! Mehr als die Hälfte dieser Juden arbeitet nicht. Hier einige von Juden gefällte Urteile. H. Löwe schreibt: ״Die Chalukah hat eine Bevölkerung in Palästina erzeugt, die man nicht zuzählen, sondern abziehen muH. wenn man diu Aussichten der Juden in Palästina abwügen will.“ Leo Mozkin (Die Juden in Palästina) sagt: ״Wie eine Schmach lastet dieses S c h 1! o r r c r 111111 auf der ganzen Judenheit." Der bekannte jüdische Dichter Zungwill in London nennt diese Unterstützung ״imscropiiloiis charity", ״rüeksichtlose Wohltätigkeil". Man sicht daraus, wie mau. oh aus Unwissenheit ׳!der Böswilligkeit lassen wir dahingestellt, durch Verschiebung von Kleinigkeiten die Tatsachen verdrehen kann und zu welchen Resultaten man da gclangt. (Vgl. auch den Artikel ..Prinz Bitei Friedrichs Palästinafahrt'‘.) der Suche Mai statt- In der Briihnscheii Brnressungs-Sachc ist nunichr die Anklage erhöhen worden. Sic eiltet sich, w׳ie uns aus giitimterrichteter Uuujlc ,«•t-!•teilt wird, nicht nur gegen die Verleger Willi cm nd Paul Bruhu. sondern auch noch gegen den edaktcur Dietrich. Die Anklage wirft den An-!•klagte« reim Bälle der versuchten und vollendem lir )fcssuii« vor. Die Anklageschrift, die iigcnbiicklich vervielfältigt wird, soll 60 Seiten tunissen Geladen werden voraussichtlich etwa > Zeugen werden, darunter die Verteidiger des •Ülicrcn Redakteurs der ״Wahrheit‘•, Dahsel. die!cchtsanwältc Dr. Wcrlhaucr und Dr. Puppe, sowie er Inhaber eines hiesigen Warenhauses und der lnaber eines Nachtlokals. Nach Buge iirfte diu Haiiptverhandlung Anfang tidcn. Als entschiedene Verfechter der Vofksrcclite neben die A n t i s c m i t c n sich den Wühlern anzureisen. Was es mit dieser Prahlerei auf sieh hat, :hrt eine Mitteilung der ״Frankfurter Zeitung“ aus cm wcimurischcn Landtag: Der antisemitische Abgeordnete Steinlerstungen richtete im Interesse der Sparsamkeit an ic Staatsrcgicrung das Ersuchen, den Landtag och sechs Jahre zu Haus zu Iassen nd die Regierung 1« dieser Zeit lein 7 u besorgen. Aus dein Hause heraus rhlclt der Abgeordnete Stein die Antwort,daß eine nichc Acuüerung nur verständlich werde, wenn man eine*111'eigene ^!!aHamcnlÄche ‘ harakterislcrcn wollen. Russland Die Kabbinerkonferenz Im Laufe der letzten Woche kam die Rabbinerkonferenz nach lebhaften, manchmal sehr erregten Debatten zu bestimmten Beschlüssen hinsichtlich der wichtigsten Traktanden: der Rabbinatsfragc und der Frage der Organisation der Gemeinde. Dali die angenommenen Resolutionen schlicHljch doch viel müBigcr und vernünftiger ausgefallen sind, als man nach der Zusammensetzung der Konferenz hätte erwarten mögen, erklärt sich dadurch, dall ein Teil der Rabbiner unter Fülirun״ des hervorragenden litauischen Gaon, ChaHn Solowcitschik aus Brest den ״Intelligenten" gegenüber eine versöhnlichere Stellung eingenommen hat, als der Lubawitscher Zaddik und seine unbedingten Anhänger wünschen mochten. Im allgemeinen vertreten die Orthodoxen folgende Forderungen: An der Spitze der Gemeinde steht der geistliche Rabbiner, den die Regierung offiziell anzuerkennen habe. Das Institut des Kronrabhin a t s solle a b g c s c h a f f t werden. Profane Bildüng ist für den Rabbiner nicht obligatorisch: jedenfalls aber soll der Bildungszensus auf ein Minimum reduziert werden. Sämtliche öffentliche Institutioncn. als da sind Gemcindcschulcn, Jcschiboth. Talinud-Thoras, Waisenhäuser. Greisen- und Siechenliüuscr usw., sichen unter der oberen Leitung und Aufsicht der Rabbiner. In den gewählten Vorstand einer jeden Institution gehört co ipso der Rabbiner hinein, dem das Ducht zustcht, gegen die Beschlüsse des Vorstandes sein Veto geltend zu machen. Unter dieser Bedingung erklärte sich ein Teil der Rabbiner bereit, eine wirtschaftliche Organisation der Gemeinde aui autonomer Basis mit gewährleistetem Sclbslbcstcuerungsrccht anzuerkennen. Im Laufe der Debatte kam cs zu gehässigen Ausfällen gegen die ״Intelligenten", speziell von seiten des Lubawitscher Zaddik: die progressiven Teiluclimcr der Konferenz liehen sich aber dadurch nicht ans ihrer versöhnlichen Position bringen. Beruhigend griff auch Rabbiner Solowcitschik ein. Am 18., 22. und 23. März tagte die Sektion für Organisation der Gemeinden, Nach langen, sehr lebhaften Debatten wurde der prinzipielle Beschluß gefallt, es sei an jedem Orte eine wirtschaftliche (im Gegensatz zur geistlichen Gemeindeverwaltung, die Suche des Rabbiuats ist) Gemeindeverwaltung zu schaffen, die alle religiösen, Wohltätigkeits- und Bildungsanstaltcn leiten soll, die für die gesamte jüdische Bevölkerung der bctreffenden Stadt oder des betreffenden Fleckens bcstimmt sind. Zurzeit steht auf der Tagesordnung die wichtige Frage, wer als üeuieindeniitglied anzusehen ist. lieber den Buipfang einer jüdischen Abordnung hei Stolypin wird der ״N. J. K." aus Petersburg berichtet: Am 29. Mai׳/, wurde die Abordnung der Rabbinerkonferenz, aus zehn Mitgliedern bestellend, vom russischen Premiciministcr Stolypin empfangen, u.iclidem sie im Vorraume gute zwei Stunden gcwartet hatte Stolypin wandte sich an den Vorsitzenden der Konferenz. Baron D. Giinzburg. mit der Frage, wie die Konferenz arbeite. Giinzbarg antwortete: Sehr gut. Darauf bemerkte Stolypin: ״Wie icli ertalirc. stellte sicli heraus, dall es bei euch zwei Arten Rabbiner gibt: die geistlichen Rah- Liner existieren aber nur dank der Nachlässigkeit der Behörden." Polukow ersuchte den Minister, die Beschlüsse der Konferenz zu sanktionieren, worauf Stolypin antwortete, er werde der Sache seine Aufiierksamkcit schenken. Stolspin wandte sich sot.mn au Giinzburg mit der Frage, ob die Konferenz sieh nicht :1• Politik einlasse. Giinzburg versicherte, die Konferenz gehe aus dem Rahmen der Tngcsordniiiig licht hinaus. Darauf Stolypin: ״Ich rechne auf Sic. 1:11 hin sicher, dall Sic nicht ablcnkcn werden." Rabbiner Z 1 r c I s ob n dankte sodann dem l'rt mier für die Binbcrufum: der Konferenz und Hat ihn, auf die traurige Lage der Juden seine Aufmerksamkeit zu lenken. Darauf Stolypin: ״Die Juden haben sieh seihst durch ihre Beteiligung an der Revolution geschadet. Der ״Bund" und die anderen haben der Regierung viel Böses /.!!gefügt. Erziehet eure Kinder in Treue zum Thron, so wird sich der schlechte Eindruck mit der Zeit verwischen. Möglicherweise werden sich sodann auf diese m G c b I e t c a 11 d c r e A n si 0 h t e u zeigen." Oünzburg erwiderte: ״Auller den Juden haben sich doch auch andere Völker an der Revolution beteiligt. Juden gibt cs ja nur sechs Millionen. Um zu den Juden zu sagen: ״Seid gut," ist cs nötig, dall man ihnen verspricht, dall ihre Lage dann verbessert werden wird." Darauf Stolvpin: ״Ich übernehme überhaupt keine Ver- Pflicht ungen. Wechsel habe ich nie uusgestellt." (Der Herr Premier scheint ver- «essen zu haben, daO er in seiner Deklaration in der zweiten Duma diesbezüglich ein feierliches Versprechen abgegeben hat, und niemand der Herren von der Deputation fand den Mut. ihn daran zu er- Innern.) Stolypin reichte dann Pokalow und Günzburg die Hand, nickte den andern mit dem Haupte zu und entfernte sich.

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