Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XV (1910)
- Issue
- Heft 13 (1.4.1910)
- Date
- 1910-04-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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JUKD1SCHE RUNDSCHAU Seile MO. N’o. n. Die Opposition kritisierte tlic Tiitijjkeit der Lei- ItniR von! Standpunkte eines klaren. ah«esehlossenen Systems, und daher konnte sie dieses Mal nicht damit schnellen, w.tmit auch die Opposition au{ den voran- KcKaneonen Kongressen Kcwölmlicli die Kritik des Ile- [Kittes Kcselilossen hatte, nämlich mit einem vollen Vertranensvoimii. Damals war die Kritik eine Summe von l.mzelbemerkuneen: dieses oder das wurde so oder so tteiuacht, während es besser «eweseu wäre, es anders /.u machen. Dieses Mal aber trtntcn die amcestellen l׳ordermu:eu und Anschuldiemicen d. 11. die eesatnte Kritik einen allto meinen prinzipiellen Charakter, mul zum Ausuanspunkte diente ihr der Zionismus als einheitliches System. Um Oruudi'cdnnkc ist es, der durch die «au/e Kritik, die e.m/.e Opposition uelit: Die i.eitimvt hat ihre Aufgabe als leitendes Organ der national-politischen Heweginig 1!uht ci füllt, sie hat die gimsticen llcdmgimgcu. die rkr Augenblick dargeboten. nicht beenden oder zu benutzen nicht verstanden, reduzierte ihre ganze Arbeit auf blolle Orgumsatioustätigkeit und Verwaltung der Institute mul hat dabei die Bewegung seihst und deren Aufgaben vollständig ander Acht gelassen. Die ganze Verteidigung der Tätigkeit des l'.ngereu A.-K. übernahm D. Wulff sahn selbst. Die der Leitung freundlich gesinnten Delegierten fügten den Ausfallrengen Wolifsohns nichts Wesentliches bei. Sie meinteil, da 11 solche Kritik am l'.ngereu A.-K. eine l'.rmederimg fm die Bewegung seihst bedeute, dali die Kritiker •elbst wenig geleistet hätten, dall die Oppnsition nur die Schattenseiten der Tätigkeit der Leitmig betont und deren Lichtseiten gänzlich ver* schwiegen habe. Ls muH bemerkt werden, dall die Kritik im ganzen gegen die Tätigkeit Wolifsohns gerkhtet war. Seine Kollegen vom L. A.-K.. I’rof. War bürg, den Leiter des Palästina-Ressorts, und .1. Kann, 1Un Leiter der Banken betraf <äc gai'iücht. tla die Leitung der Bewegung, insofern sie zum Ausdruck kam, ganz und gar in den Händen des Präsideuten sieh befunden hat. Stark mul energisch verteidigte David Wulffsnlin seine Position. Freilich ging die Verteidigung oft zum Angri'f nhtr: er untcrliclt es nicht, des Kampfes zu e;"'.׳Ime'i. welcher Dr. Herzl zu Orabc gehiaclit haben soll: er sprach auch von Moses, gegen welchen seiner Zeit auch gekämpft worden war, und hell sich mit besonderer Lrhittermig über die fertigen Hescl1lii*se aus, welche die Opposition dem Kongresse aufoktroyieren wolle. Auf die prinzipielle Kritik jedoch, auf den Hinweis der Opposition, dall die Bewegung gleichsam ihren lebendigen (ieisi emgebiilti habe, hat er fast nichts geantwortet. Und dadurch, dall er mehrmals auf seine k.umnäimische Lrfahrung hinwies. dall er wiederholt hervorhol), dal! es ihm gelungen sei. in das Murean der Organisation mul in die Finanzen ries I!, V.-K. Ordnung zu bringen, so dall das letztere zum ersten Mal ohne Defizit vor den Kongreil tr!'k lmt er eigentlich seilst die Worte der Opposition he• st.itigt. Ls ist schwer zu behaupten, dall die Verteidigung das Unrecht der Kritik bewiesen habe. N'ichtsJcst»• weniger hai die energische Verteidigungsrede den bc• absichiigten Lrfolg gehabt, und der Kongreil votierte dem Präsidenten de׳. L. A.-K. volles Vertrauen. Die Leitung hatte gesiegt, aber damit war der Kampf noch nicht zu l’.nde. Die Opposition konnte von ihren Forderungen nicht deshalb absehen. weil di.: Majorität d>.s Kongresses der Lehmig ihr volles Vertrauen fnr deren vergangene Tätigkeit ausgedrückt hatte. Die Opposition konnte sieh damit nicht zufrieden gehen, dall die fernere Leitung der Bewegung unverändert dieselbe bliebe. Der Kampf nahm also seinen Fortgang, aber er ging in die noch vor dem Kongresse von allen Lands• maanseliaflen gewählte Permaneiizkommisslon über. (Schluß folgt.) Die russische ״Prozentnorm“ blue Dtiuturcdc Mssclowltsehs zur Sehulfrage. Line der bezeichnendsten Schikanen der russischeu Ihireaukratie gegen die Juden, die Verweigcrmig der Bildungsmöglichkeit durch Nielitaimalinie oder unglaublich beschränkte Aufnahme jüdischer Schiller und Studenten, kam Mitte Mär/• in der Duma wieder zur Sprache. Hei dieser Oclegcuheit hielt der bekannte jüdische Abgeordnete L. N. Nisse- 1 o w i t s c 11 folgende (im Auszug wiedergegebene) Rede: Von dieser Tribüne ertönte nicht eine Stimme gegen die Festsetzung einer Prozcutnorm bet Aufnähme von .luden in die holleren und mittleren Lehranstalteii. Ich persönlich halte bereits vor zwei Jahren Üelegonheit, mich über diese, für uns Juden sehr schmerzliche Frage aus/.usprecUcu• und habe dabei die Ueherz.eugung gewonnen, dall viele von , Ihnen, sogar die tiemäüigicston, sich darüber klar waren, dali diese, in der dunklen Lpoelic der siebziger Jahre, zur Zeit, als die Verfolgungen der sogenannten i Köehiniieiikiiider begannen, ausgedachte Maßregel, ' nicht mir für uns .luden, sondern auch für das Staati liehe Interesse als völlig unsinnig und zwecklos zu 1 bezeichnen ist. j Ich mochte deshalb diese A-B-C-Wahrhcitcn * nicht profanieren, besonders nicht vor einem Audi-; tonimi, dessen grol'.crer Teil dafür Vollkommen tanh! ist. Aber ich kann, angesichts der Urausamkeit und : Wut. mit welcher das Ministerium für Volksaufklä-; rmig seit dem Linlntt des gegenwärtigen Ministers; Schwanz, diese .Maliregel zur Anwendung gelangen! killt, nicht schweigen. Wären mir Herr Schwanz und j :׳.׳ine Mitarbeiter hier, wie gerne würde ich mich J dann au sie, wie einst Cicero an Caühiia mit den | Worten wenden: ״Uuosuue tandem abulcre paticntia nosirn?" ״Wie lange wollen Sie unsere Geduld mill-! brauchen?" Ja, meine Herren, wie wunderbar ist es j nicht: noch hat Herr Schwanz, kaum seine Fülle im I Ministcikubiiieü erwärmt, als er schon seine Auf• | inuksamki'it auf die .Inden lenkte und die .strengste i Anwendung der oben charakterisierten Mallregel an- I ordnete Hamit seine t ireisciirulie nicht etwa durch j die Bittschriften einzelner •luden gestört werde, set/.te; er im Weg..• der souveränen Veiv.iltmigsverfiigmig j durch den Miniv1err.it im Herbste lülis, unter Um*! gchiiug der gesetzgebenden Instanzen, den konstanten! I*1 *•/i ms.1t/. der früheren Jahre wieder fest.! Die besondere Ungerechtigkeit dieses Prozent• satzes können Sie aus den Zahlen im Bericht der; lliidgetkommissinn ersehen. Auf Seite 3 finden Sie, 1 dall Rulllaiid am 12. Januar löuS 32 höhere Lehr- I anstalteii hesall. Nur •I von diesen befinden sieh im I Ansicdhiugsrayoii. dagegen ist die Prozcntnorni in folgcmler Weis׳• fcstgclcgt: fnr Residenzstädte 3 Prozent: für Orte aiilierhalh des Ansiedlnngsrayons 5 Pro/.. im Ausiedhmgsrayon 10 Prozent. Dort also, wo die Aufnahme nur sehr wenigen J11jt״ ermöglicht ist, konzentriert sich die llniipt/ulil (|״ höheren Lehranstalten. Auf Seite 5 lesen Sie, d.n; .% Prozent der Gesamtzahl der Studenten atii Residenzen fallen und dasselbe w iederholt sieh ain.11 Lei den mittleren Lehranstalten. Sie sehen als״, dal, der den Juden durch die Prozentnorm versetzte Schlag noch durch den Umstand verstärkt wird, u.,n ein gewaltiger Teil der nichtjiidiseheii Schiller mj, in den Residenzen und außerhalb des Ansiedlers, rayons befindet, so daß also der Prozentsatz in u, luhrlcr Proportion zur Meistzahl der nichtnuln l;1״ Sclmler steht. Als Korrektur dieser besonderen i it. gerechligkeit erhöhte der M1msterr.it im v< ni Sommer den Prozentsatz, und zwar: bis zu 5 Prozent fr, den Residenzen: bis zu in Prozent außerhalb des Aiisicdi gsrayons; mul bis zu 15 Prozent im Ansiedcltmgsrayon (Rufe rechts: ״Bedauernswert"!) Allerdings er! :u• diese Lrhölamg gegen den energischen Willen ,es Herrn Schwärt/, und diese, tms Verlaub zu *•!!. liberalen Verfügungen, haben seinen Beifall dure ns nicht gefunden. Was tat er mm? Als alter Kl.1v' .er nahm er zu einem alten klassischen Kniff unserer siindflutheheii Sehu'.theillgehilfe•״ seine Zuflucht: Lr veröffentlichte diesen neuen lirlall nicht z.11 lk sles neuen Schuljahres, sondern erst am 22, Sepien , r. als di.׳ Aufnahmen neuer Sclmler schon beendet .1, und er so seinen Zweck teilweise erreicht liatk!!. dem ein Teil der jüdischen Sclmler die neue 15. stiguiig nicht ausmitzcn konnte. Kaum Kam ich : J! Petersburg, als ich auch schon eine Umiienge 1! Briefen mit der Bitte um Furspraeiic erhielt, *a. statten Sie mir. aus dieser Fidle von Briefen nur 1 «. 1; em/igeii aus Bn l.ija Zcrkow vorziilescii. Dieser I lautet: Wir widmen schon über 20 Jahre in!5 t.d haben einen einzigen Miährigen Sülm. Vom I ־.ז IW5 au wartet unser Solm auf das Aufit.iliniees * k 11 in die erste Klasse des Gymnasiums. Ls sind 1 -,!! viele allere Schüler \orhanden. die ebenfalls auf \ nähme warten und darum wird er nicht anlgei. men. Ans diesem Grunde machte er sein l.v! u! als F.Mentor und bestand dies Lsamcn sowohl nu die erste als auch für die zweite und dritte' Kl.w. Von einer Aufnahme war natürlich keine Rede. Nun fiel ein Heiner Hofimmgsstrahl in das Aiisiedhingv• rayon: die Lrhohmn: der Pro/entnorm auf 15. Deshalb wendet sich die Mutter au den Intrete!׳ ihres Volkes und fleht ihn tim Reltmig 1. vs einzigen Sohnes an und bittet dm. ihm den Lm!׳!n in d.is (n mnasium zu criin glicheii. Wir sind tu!•;g bemittelte Leute und können ihn nicht in der I n ״ erziehen lasvui. Aach der häusliche Unterricht v. zu «euer .lei/t bietet sieb 1ms die Geleguiheit. N *! 31.11 Schillern unseres Gymnaviuins sind P» Juden h. diesem Jahre sind in den librigeu Klassen II Cliro en und kein Jude aiifgcnoimncn Atillcrdcm sind 111 «,u; Klassen freie Platze vorhamlen. und da mein > זי״ mit einem Zeugnis von 3 Klassen nur in die di ׳:e Klasse aiifgenoinmcn werden kann, so flehe ich >:e um Liirsprache für seine Aufn.diiue im laufen \ :1 Schuljahr in die dritt״ Klasse an. iZw!sein : u: Purisehkcwitsch: Warum w ird er nicht Kom >׳ Koldischcw: Warum nicht Uhrmacher?) Mit du׳', in Briefe wollt.׳ ich mich natürlich au den Minister ״ u- Der Baum des Vergessens Von Richard 11 u 1 d s c 11 i n c r. {Nachdruck verboten.) (Schluß.) Aber das Rauschen in den I.iiilcn verlor sich immer mehr in einen» sanften Wehen. Nur selten noch blitzte es aut am Horizont, der mm durch den offner werdenden Wald schimmerte, und Adam trat auf eine weite Ebene hinaus. Das l.cuchtcn des Himmels versank gleichsam unter dem Saum der Knie, also dali Adam erkannte, daß er den Garten Eden nimmer erreichen würde. Gott halte ihn in seine hohle I!and genommen und dahin gestellt, wohin der Mensch nicht dringen konnte. Gott hatte den Garten Eden auf kristallenen Säulen in den I iinuuel erhoben, und die Cherubim umkreisten seine Bluincnhecken, und die Flamme des /tickenden Schwertes loderte von Aufgang gen Niedergang, Gott allein zu einem ewigen wahr- /eichen. Im Osten flohen Wolkcngcbirgc vor Gottes Atem und gaben das Lieht der kleinen Leuchte frei, die bei Nacht die Herrschaft führt. Auch das Gewimmel der Sterne trat friedlich hervor, liier locker gefügt, dort dicht geschart wie eine Herde von Schafen, die sich um den Hirten drängen. Sterne fielen in uneiineßliche Ab- 1״u| Hv1u.״ hinaus und sah den Mond langem gründe hmab, gleich gelosten Matter״, die nn am 1 lim״lel niedergehe״. Das schlafende \Y h Morgenwind verwehen, und niemand fragt nach , ■/M sej״c״ r״Rc״ aber murmelte in der l־r>cl: י• ihrem Geschick . . . namenlos blitzten sie auf, fmig v|jc$cr Nacht mit kosender Süße M׳i. 11 von staunenden Augen für einen Augenblick er- Namen. neun cloU ha״c ן va ü h späht, und namenlos sterheu sie. ihrem Mann z.u verlangen. Der aber sali;0 Aber als Adam mm erkannte, daß die! vom Schlaf gelöste Fülle ihrer Glieder, die I Hügel Gottes ihm nicht gegeben waren, die : atmende Brust, die weiße Rundung der Hu! Heimat zu erreichen, und die Augen Gottes , den Mutterschoß, dem die Völker der Weh > 15׳• nicht, die Heimat zu sehen wenigstens, da er! keimen sollten wie das zum Strom aaseliv!• 11;.11• (iefälini», F’ 0י denn Gott hatte den Garten Fden entrückt —,! Gebein, im Schlummer der ersten Nacht, ua. da ließ er die leichte l ast seines Weibes zu | der 'I'raum gab ihr die tröstliche Gewißheit,;m Boden gleiten, bettete sie auf den weichen Rasen; der Brust des Starken sicher gebettet zu >cm und kniete ihr z.u Häupien wartend hin. Leise wie der Garten Fden in der liatul Gottes; <!a gingen ihre Atemzüge wie die einer Schlafenden, schlief sie, die mit Schmerzen gebären sollte, Und Adam fühlte alle Bitterkeit des Man- 1 und war so schön, daß Adam venneinte, in ncs, dem es gegeben ist, mit übermächtigen Ge* j ihrem Anschauen etwas von jener seligen Ruhe walten zu kämpfen. F.in Gran Verachtung wiederzufinden, die einstmals sein Königtum und jenes Stolzes ist dabei, der cs dennoch über sich seine sichere Stätte gewesen war. gewinnt, den Kleinen, Wehrlosen aus der Bahn ״״d cr Rcdachlc dcr Ztiu da cr l״il ״■■ן, zu weilen. dcr M=jmd״t d״rch den Garten F.den ueschni- Und Adam sah an sich herab, prüfte die ten war, im leichten Hauch des Morgens, in der Muskeln seiner Anne und Schenkel, legte die strahlenden Helle des Mittags und im rötlichen Hand auf das Herz, das in der Stille klopfte, 1 Feuer des Abends. Was er sah, war ihm horchte in die ungeheure Einsamkeit der Wälder I Schwester und Bruder gleichsam, die Tiere und