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Jüdische Rundschau · 1910-03-25 · Heft 12 (25.3.1910) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XV (1910)
Issue
Heft 12 (25.3.1910)
Date
1910-03-25
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seilei 34. I;i s 1 i 1; ח, schneller, 11 r i 11 g e 11 d e r als der d u r e 11 s!• 11 ח i 111 i c 11 e o s t c 11 r o p ii i s e 11 e. Natürlich ist damit mir ein Relatives angezcigt, absohlt benötigen beide l’aliisiina schnell und dringend. Das sind die beiden Feststellungen. zu denen mau gelaugt. wenn man von der einfachsten l'ormel des jüdischen Nationalismus ausgellt. Hie Wirklichkeit, der organisierte Zionismus, muH mit diesen beiden Feststellungen, die zugleich J*iistulatc des reinen Natiomilismtis sind, fertig zu werden suchen. Bis jetzt ist ihm das in nicht gerade imponieren• nein Maile gelungen. Her grilliere Teil der westeuropäischen Zionisten ist auf den ״Vorstufen" des Nationalismus, wie es oben ansgedriiekt wurde, stehen geblieben, manche sogar noch au der Schwelle. Bildet diese Mehrheit ein retardierendes und manchmal recht pessimistisch stimmendes l'.lcmcnt, so malt j doch andererseits gesagt werden, dall eine zunächst 1 noch kleine Minderheit sieh zur höheren und zur 1 letzten Stufe des Nationalismus dtircligertingen hat J mul den Block ocr andern langsam auf den alhiiäh- : liehen Bortschritt bauend, vorwärtszubringeu sucht. Siehe, da tritt Franz Oppenheimer vor den Block mul ruft: ״Halt! Ist ja gar nicht nötig, dall Ihr Buch anstreiigt! Higenart zu bewahren braucht Ihr nicht, ' denn Ihr habt keine, habt nur Stolz, und Palästina j braucht Ihr nicht, denn Bure Zukunft liegt in dem! Lande, wo Ihr wohnt." j Ps ist mir unverständlich, wie ernsthafte Zionisten ן sich hier nhtlien können, aus irgendwelchen taktischen j oder sonstigen Gründen, diese dem Nationalismus, j dein Zionismus prinzipiell widerstreitende Tendenz j dennoch auch oder noch auch Zionismus nennen zu j wollen. j I n n e r h a I b des Zionismus ist eine Anschauung,; wie sie Oppenheimer vertritt, d. h. der bewtillte Vcr- ן zieht auf die integrierendsten Bestandteile des Zioj nisimis eine theoretische Unmöglichkeit. praktisch aber nichts anderes als der Antrag auf langsamen, j aber sicheren Selbstmord. l>cnn von allem andern ן abgesehen, iniill ein westeuropäischer Zionismus nach 1 Opocnheiiiicrschem Muster mit jedem Tage, der die j Vergangenheit weiter zunicKriickt, die politische oder! gesellschaftliche **ositiou der .luden um ein Stückchen : vorwärts scliicht, an innerer Lebenskraft verlieren, j Br mul. inccrunn miando. aber ccrlinn an ■ das hegt in seinem Wesen an B.ntkräftung sterben. Barum mall man mit aller Kraft dagegen sich wehren aus primitivster zionistischer B.rkeantnis! heraus dall Oppenheimers Lehre in Westeuropa zur Oeiiuitg komme, dall sie als Zionismus toleriert werde.**) Man kamt die rudimentären Ansätze zum jüdischen Nationalismus aus historischem und taktischem Verständnis tolerieren, wenn in ihnen der Will e eingcschlossen ist zur Porthildung und Vcrvollkoimnung, wenngleich ein beliebtes Mal! von Uberiolcranz auch hier schon manche grolle Nach- ) Wenn Herr Bsicrmann mir in der ״Welt" den Vorwurf des ״Kcl/.crricelierlmiis" macht, wed ich solchen Salz ausspreche, so ist's nicht recht geschmachvoll, vor allem aber ganz und gar vorkehrt. Tappclle 1111 ehat mi ehat — und wenn ich den Oppenheimcrsehen Zionismus nicht als Zionismus anerkenne, so ist's eine einfache tatsächliche Best- Stellung aus gegebenen Voraussetzungen. Oder meint Herr Pstermaim. ich wollte den von mir hocltgc- I schätzten Autor ״denunzieren"? I Der Baum des Vergessens Von Richard 11 u 1 d s c 11 i n e r. (Nachdruck verboten.) Dieses geschah, als Gott, der Herr, den Menschen aus dem Garten F.dcn vertrieben hatte, damit er die F.rde bebaue, aus der er ge• kommen. Gott, der Herr, lieb östlich vom Garten ITIen die Cherubim sich lagern, und die!•'lamme des zuckenden Schwertes, um den Weg zum Baume des Lebens zu bewachen. Denn Gott sprach: ״Fürwahr, der Mensch ist geworden wie meinesgleichen, indem er Gules und Böses erkennt; daß er nunmehr nur nicht etwa seine Hand ausstreckt und auch vom Baume des Lebens nimmt und ißt und ewiglich lebt!“ Da war cs Nacht, und Adam lag mit seinem Weib auf dem Felde und fiirchiete sich sehr. Denn im Westen, da wo jenseits des großen Waldes der Garten F.den war, da war ein Leuchteil und Blitzen, das ungeheure Wolkenbänkc am Himmel zeigte. Wie Burgen waren sie, wie bewehrte Festungen kriegserfahrener Männer, die den Tod nicht scheuen, und leuchtete der Blitz auf. so war es, als führe der Feuerwagen Gottes hernieder, um das Werk vom Erdboden zu tilgen, das Gott .selber geschaffen hatte. _JUEÜ1SCHE RU NüSCHAU_ teile für ilcit Zionismus int Gefolge hatte. Aber wenn vielleicht hei Deutschen ein Zweifel darüber bestellen könnte, ob Üppeiilieinteis Nationalismus, gepaart mit jüdischem Stammcsbcwulltscin, ein vollwertiger dcutscher Nationalismus sei, — für 1ms Zionisten ist kein Zweifel, dall sein mit deutschem NationulbewiiHtscin gepaartes jüdisches Stimimesbowiilltsein kein iiidischer Nationalismus ist, sein will oder werden kann. Vor allem mul» das junge Geschlecht, das ohnehin durch das IJikl eines unentwickelten Nationalisinus, wie cs sicli in Westeuropa darbietel, leicht irrcgcfiilirt werden kann, vor der neuen Irrlehre bchütet werden, die so aiigenehm-bemtcin die Pforten zum Hdcn des Ciolus aufsclilielil. Dieses junge Gcschlecht muH inan gerade einem Autor gegenüber, der alles aus dem ״Nut’zzweek" erklärt, daran er- Innern, dall der Zioninuis das Kind, nein die Weitercntwickelung des Messianismus ist. Natürlich eine moderne Bewegung, moderne Mittel, moderne Methoden. Auf rationalistischem Wege aber wird man das Letzte, Tiefste des Zionismus nie aus- .schöpfen: Die geheimnisvolle treibende Kraft der tausendjährigen Sehnsucht eines Volkes nach sich selbst. Der Zionismus Kommt aus uralten Tagen und bringt noch das Heroische mit, das unsere Tage fast nicht mehr kennen, das Heroische, das nicht von Nutzen weilt, nur von Üröiie. Die ganzen Menj selten, die ungeteilten Seelen braucht er dazu. | Mull sie fordern, weil sein Wesen, sein Weg, sein ן Ziel sie fordern. j Die Oppeiiheimersclie Lehre ist die Abtötung des | Messinnischcu im Zionismus. Damit ist ihr Urteil gcj sproehen.; Aber die üppenheiniersehe Anschauung gibt - i und das isi das Wertvolle an ihr -.eine Unterlage für eine grollziigigere Art eines jüdischen Philo-Zio- I nisimis. I m Zionismus eine gefährliche Feindin.; kann sic uns n e 11 c 11 dem Zionismus eine sehr schätzj bare Freundin sein. Wenn einer im Zionismus, dem j nammutw ernlig nationaljüdisehen Zionismus, aus; inneren oder äiilleren Gründen nicht mitkami, ihm J ahe-r praktisch auf diesem oder jenem Gebiete helfen, : ihn als organisierende Bewegung überhaupt fördern i möchte, daun ist cs schöner und mehr, ein aufrichtiger ׳ Zionsfremul oder Zionistenfreund zu sein als sich j einen Zionisten zu nennen, ohne Nationalismus, l ohne Zionismus. Replik Auf den an mich gerichteten offenen Brief des Herrn Bertltold Peiwel in der letzten Nummer der ״Jüdischen Rundschau" seien mir einige Worte der Brwidernng gestattet. Zu welchem Zwecke Herr Peiwel die ebenso langen wie dunklen Reminiscenz.cn vom VII. Kongiesse zum Besten gibt und sogar den Geist Awinowil/kis heiaufbeseliw'ört, ist mir nicht ganz klar geworden. Um die siinple Tatsache zu beweisen, dafl Opposition an sich nichts .schlimmes sei mul dall auch andere Leute schon Opposition gemacht haben, hat er dieses uuifangreiclien Beweisapparates nicht bcdürft, l's ist mir nicht im entferntesten eingefallen, den Herren, die den Anruf erlassen haben, das Recht auf ()!)Position zu bestreiten. Hbcuso zweifellos wie ihr Recht steht aber auch das meine fest, der Onoosition zu opponieren und vor dem Ansclilult au sie Und gewaltige Stimmen riefen sich in den Lüften zu, und ein Hiigelrauschen ging von Nord gen Süd, daß Fva ihr Antlitz an des Mannes Knien barg, denn ihr I lerz zitterte, und sic ׳ vermeinte, Schulz bei ihm finden zu können, da doch Adam selber die Beute einer grenzenlosen Verzweiflung war, die keinen Namen, keinen Anfang und kein Fnde hat. I I Denn dieses war die erste Nacht, die er a\d ) freiem Felde verbrachte. Und es stiegen Fragen! in seiner Seele auf, die eine Antwort heischten und nicht fanden. ״Wor bin ich, daß Gott mir zürnt?“ ״Was tat ich, daß ich Gutes und Böses ci kennen muß und nicht habe, wo ich mein j Haupt sicher betten mag?“ ״Was ist das, was mich in Nacht und Sturm umgibt?“ ״Wohin soll ich schreiten, da ich verirrt bin und den Heimweg nicht finde?“ ״Da Gott mir Leben gab, ist mm die Stunde gekommen, da ich es I wieder verlieren soll?“ ״Was ist mir diese, die | an meinen Knien zittert, wie ein verwelkendes | Blumenblatt am Kelch?“ | Zugleich auer wallte cs ihm warm itn Her- 1 zeit auf, und er legte die Hand auf seines Weibes i Haupt. Und eine Sehnsucht kam ihm, sich zu j besinnen auf das selige Schreiten im Garten j Eden, auf den leichten Tanz seiner Glieder im! milden Strahl der Sonne, der durch Büsche und « _____ No. 12. zu w-arnen. ILs wird also im wesentlichen nur aitkoiitmen, auf wessen Seite die besseren (יי,.1) ״ sind. Wenn ich gesagt habe, dall der Aa|fa1 offensichtlich keinen anderen Zweck ver:׳:,׳ als die Beseitigung des derzeitigen um] allenfalls auch noch die Vc1lcg״:!g Zentrale nach Berlin, so habe ich j,״,'. durchaus nicht sagen wollen, d ilt die Herren ׳ ire pr«,. grammatischen Forderungen selbst nicht erns• •;f|״n׳an Wogegen' ich mich gewendet habe, ist ■ r, 01 sic die programmatischen Punkte, die heute 11•.׳,C1n! gut aller Zionisten sind, für ihre Gruppe ׳| 1!״c. schlag belegen, und uns gegen unseren V. :cn l:, Gegnern dieser Forderungen stempeln, um .! j,es'. Weise ihren Kampf gegen die Leitung als 1 .!! V׳‘J! allen Beziehungen zur Person des Präsiden• losgelösten Kampf gegen und für Prinzipien!.׳!,einer, zu lassen Dabei haben wir es ja soeben ׳ J! ■ujt dem Kongress gesehen, dali in bezug auf da erstreben ist, gar keine AU’iiiuugsvcrschicdi::.:!! \K. stand. Denn nach diejenigen, die beispielswc :■• den Antrag, die Geschäfte der Bank in Ln ,,'7״ Ihiuidieren, gestimmt haben, taten cs nicht; nerschait gegen die praktische Arbeit in 1׳ sondern weil sic mit den Direktoren de!;!■,ah: waren (oder sich auf deren sachkundige ,naht verheilen), daii diese Maliregcl im lutere , j»a. lästinas gar nicht erforderlich sei und auf de; knr, Seite grollen Schaden stiften könnte. War es;!her auf dem Kongress mir de. .׳r,״;. dent, dem gegenüber man geltend machte; 1,s sagst du wohl, das denkst du aber r«!, dclmt Herr B'ciwcl dieses V.ilUrauen niuun alle diejenigen aus. die sich auf und nach u.! VI!. Kongress in der Opposition befunden haben :1.;!,., würden er und die anderen IS sieh atiikr«»! n:!ui. freuen, wenn es wahr wäre, «lat wir dieselben ״!!!!י,]• sät/e haben, die sic in den vier Leitsätzen 111! > a״:. rtifes niedergelegt haben. Aber ohne Nac!;• ■ufui.g kann er cn nicht hiimelmu n. Fr prnü mul in j.,s Gegenteil, liier seine Beweise: Die O s t - W e s t F r a g c ist iur mich. s;!c: Herr •Peiwel, nur die I’ersonen-Alternative Ussi.schkiu. Aller ich beliebe den Kopf in du. i zu stecken. Ich weil) von nichts. (Soll vielleul. .nah lieillen, tue so. als ob ich von nichts wulSte). L wer• mehr mul /.war nicht allzu Angenehmes. Da «. ,!kr nicht sagt, was er in dieser Beziehung cu aic, weilt, so bleibe ich vorläufig!!!!bekehrt. Das Politische. Hier mul׳, der Itoiv!:;« herliallcn, obgleich von denen, die in llamlmu dt Majorität gebildet haben, nachweislich nur «.״;;;ge wenige der Ito-Organisation angchort haben. S ׳.!.in:, die vom ״politischen Zionismus•• nach der Uiiiw.!,״,׳!;׳! in der Türkei ausgegehenc Parole: ״Gegen jede Aer• derung des Baseler Programms". M i r ist v«!. einer solchen Parole nichts bekannt und ich kam! Herr; l eiwcl etwas verraten, was ihn vielleicht ■;:eressieren wird. Wenige Tage nach der Prokl.! ui■׳:! der Verfassung in der Türkei habe ich mit Freunde ebenfalls einem politischen .׳ou eine Reise nach Köln gemacht, um mit dem '!.!'• deuten die von uns empfundene Notwciuhgkcti ז Aciulerung des Baseler Programms zu hesp; Jun Wem! der Präsident abei und die anderen Mn. ...!er des giölten und kleinen A.-K. der Ansicht wai« .!•׳״ eine authentische Interpretation auf dem n,;'־.er. Blütenbäume auf ihn heniicderbraeh wie ei; dui• teniler Tau und Schönheit und gelassene vttlic atmete. Aber wie er sich auch mühte um־ vor* zweifelt mit sich kämpfte — sein Geist bin leer und Fab ihm kein Bild, an dem er sich töne anfiaffeu und stärken können. Da war 1 .eins in ihm als ein dämmerndes Ahnen eines : men mul liir immer verlorenen Zustands Fön eher l leiterkeit, die nicht Attest, nach Sorge k mte, , die im stillen Wechsel von Tag und Nach ihn J gnnz in ihren Mantel hüllte. Und er crk.! *nt׳', i daß er ein Vertriebener war, der nichts i du־ , Verbannung mitFenommen hat als Veivwct mt;! s, und die letzte, sterbende Ahnung einer um rge׳ ־ gangenen Heimat. Ganz arm war er, 111׳ i er laß auf nächtigem Feld. Nicht einmal das sichere Schauen se iger Tage, die er gelebt, war ihm geblieben. I>'n1gs um ihn war Nacht und Sturm, und er hatte nichts in seiner Hand, denn die träneiiubef• gossene Wange des Weibes, das sein I־lci>cl1 und Blut ,seine Angst und sein Zittern selber war. Wohlan, es war an der Zeit, den Ihnim des Vergessens zu suchen und von seiner Frucht zu essen. Denn die Erkenntnis war Last tttul Unheil für den Staubgeborenen. Da wandte sich Adam gen Westen, gegen 1

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